So verhältst du dich während der Fußball-WM nicht wie ein Vollidiot

"Ist die nächste Weltmeisterschaft nicht erst in drei Jahren?"

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12 Juni 2019, 8:25am

Auch Nationalspielerin Lina Magull kann deine dummen Fragen einfach nicht mehr ertragen || Foto: imago images | Sven Simon

Moment, du hast noch kein Bier geköpft und das größte Sportereignis des Jahres gebührend abgefeiert? Dann aber los! Vergangenes Wochenende fand das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019 in Frankreich statt. In den kommenden vier Wochen werden 24 Teams um den Pokal kämpfen.

Die Fußball-WM der Männer ist das Sportereignis, das weltweit die meiste Aufmerksamkeit bekommt. Und zwar überall, egal ob nun im Supermarktregal oder bei Banken, die dir unter dem Vorwand des Teamzusammenhalts ein Girokonto aufschwatzen wollen. Das Gegenstück der Frauen wird hingegen oft vergessen. Obwohl die Veranstaltung immer beliebter wird und auf der ganzen Welt mehr und mehr in den Frauenfußball investiert wird, ist es noch ein sehr weiter Weg, bis sich die beiden Weltmeisterschaften auf einem Level bewegen.

Das liegt vor allem am Geld und daran, dass Frauenfußball in Österreich bis 1990 weder richtig anerkannt noch wirklich organisiert war – mit ein Grund, warum es das österreichische Team auch dieses Mal nicht zur WM schaffte (und in dieser Hinsicht den Männern um nichts nachsteht). Auch das Verhalten des durchschnittlichen Fußballfans trägt viel dazu bei, dass Frauenfußball in der Öffentlichkeit kaum stattfindet. Deswegen haben wir einige Tipps zusammengestellt, durch die du dich während der Frauenfußball-WM nicht zum Vollidioten machst.


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Frage unter keinen Umständen, ob die nächste Fußball-WM nicht erst in drei Jahren stattfindet

Stell dir vor, deine Kollegin fragt dich, ob du heute Abend das WM-Spiel schaust. Wie du auf keinen Fall reagieren solltest: dich mit gerunzelter Stirn umdrehen und im lehrerhaften Tonfall sagen, dass die Fußball-WM letztes Jahr stattfand und dementsprechend dieses Jahr kein Turnier sein kann. Newsflash, mein Freund: Natürlich findest dieses Jahr eine Fußball-WM statt, halt bloß mit Frauen. In drei Jahren sind dann wieder die Männer dran. Aber beide Turniere heißen Fußball-Weltmeisterschaft.

Sei genauso aufgeregt und betrunken wie bei der Fußball-WM der Männer

Wetten, dass mindestens 78 Prozent der Menschen, die die WM schauen, eigentlich gar keine Fußballfans sind? Die Taktik, die roten Karten oder die Einwechslungen sind diesen Leuten vollkommen egal. Sie wollen einfach nur dieses Gemeinschaftsgefühl genießen, das einen überkommt, wenn man bei Sonnenschein mit einem Bier in der Hand zusammen mit den Freunden und Freundinnen um einen Fernseher sitzt und eine Mannschaft anfeuert. Dabei sind in unserer neoliberalen Gesellschaft Individuen oft mehr wert als das Kollektiv. Und durch die Anonymität der Großstadt, Tinder und Single-Mahlzeiten fühlst du dich schnell so einsam wie nie zuvor. Also nutz die Fußball-WM, schnapp dir ein paar Leute, und schaut zusammen Sport.

Begeistere deine Kollegen und Kolleginnen für das Turnier

Mal ehrlich, die WM-Zeit ist wie ein Segen für jedes Büro. Plötzlich verwandelt sich der miefige Raum voller Menschen, die du eigentlich gar nicht wirklich magst, in ein Tollhaus des Public Viewings, der Tippspiele und der frühen Feierabende ("Natürlich dürft ihr gehen, um unsere Mannschaft anzufeuern!"). Irgendwie ist jeder glücklich und du redest auf einmal mit Kolleginnen, mit denen du noch nie etwas zu tun hattest, über das Tor von Giulia Gwinn. Und du garnierst das Gespräch lieber mit ein paar Fakten aus einem kicker-Artikel, anstatt mit den Worten "Ähm, naja, ich muss los, bis dann!" das Weite zu suchen.

Dank der Fußball-WM hast du genau jetzt die Gelegenheit, die gute Bürostimmung vom vergangenen Jahr wiederherzustellen und weniger zu arbeiten. Es liegt in deiner Hand!

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Das englische Nationalteam bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan | Foto: Alamy

Schau die Spiele dann auch wirklich an

Liebe Männer, so schwer ist das nicht. Gerade dann, wenn ihr wirklich alle Matches auf jedem Gerät streamen könnt.

Mach dich mit der Mannschaft vertraut

Es gibt da draußen mit Sicherheit einige Männer, die aufzählen können, in welchen Minuten die Tore in Cordoba gefallen sind. Aber wenn es nur um die Namen der Spielerinnen der aktuellen Frauenmannschaft geht, versagen sie. Wenn dir Fußball wirklich am Arsch vorbei geht, ist das verständlich. Dann solltest du dir trotzdem zumindest mal die wichtigsten Stützen in den jeweiligen Kadern anschauen – etwa Sam Kerr bei Australien oder Alexandra Popp bei der deutschen Mannschaft.

Wenn du einen Champions-League-Sieg hingegen genauso aufregend findest wie Sex und zig Transfergerüchte runterbeten kannst, dann informiere dich mal eingehend über die antretenden Teams. Da dein Gehirn jegliche Fußballinfos anscheinend wie ein Schwamm aufzusaugen kann, solltest du diese Fähigkeit jetzt mal sinnvoll einsetzen.

Die Aussage "Keine Ahnung, ich finde das nicht so interessant wie die Männer-WM" zählt nicht

Ob eine Sportart erfolgreich ist, hängt im Grunde immer vom Geld ab. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Frauenfußball vor allem in England und Frankreich noch richtig populär. Danach folgten jedoch – auch in Österreich – Verbote, weil der Sport angeblich nicht für Frauen geeignet sei. Zum Glück hat man diese Verbote mal mehr, mal weniger schnell wieder aufgehoben. So wurde der Frauenfußball in den letzten Jahrzehnten weltweit wieder beliebter. Dennoch besteht im Vergleich zum Männerfußball auch heute noch eine extremer Unterschied – vor allem in den Bereichen Gehalt und Förderung.

Manche Frauennationalmannschaften bekommen von ihren Verbänden gerade so die ausreichenden Trainingsmaterialien und -plätze zur Verfügung gestellt. Ada Hegerberg, die derzeit beste Spielerin der Welt, weigert sich wegen der ungerechten Bezahlung, bei der WM 2019 für Norwegen aufzulaufen. Und die amtierenden Weltmeisterinnen aus den USA sind wegen solche Diskrepanzen sogar schon vor Gericht gezogen – dabei spielen sie um Längen erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen.

Wenn man bedenkt, wie wenig Geld investiert wird und wie spärlich die Medien über Frauenfußball berichten, ist es kein Wunder, dass dir die schwitzenden Typen auf dem Rasen geläufiger sind. Wenn du Männerfußball allerdings grundlegend besser findest als Frauenfußball, dann ist das Sexismus, ganz einfach. Denn unterm Strich ist es der gleiche verdammte Sport. Also lass dein "Das ist nicht so interessant" direkt stecken.

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