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Wo sind eigentlich die Brüste in Musikvideos hin?

Die Skinny Bitch wurde aus dem Popbusiness vertrieben, die Ass-Mania regieren Nicki Minaj, Iggy Azalea, J.Lo und Co. Ist der Arsch der neue Busen?

von Kat George
30 September 2014, 2:18pm

Booty, Bass und buns, hun. Wohin du in der Popmusik gerade auch schaust, überall wackeln Frauen mit ihren Hinterteilen. Ob sie das nun in House of Deréon tun oder nicht. Von J.Lo’s „Big Booty“, über Nicki Minajs „Anaconda“, Meghan Trainors unerklärlichem Hit „All About That Bass“ bis hin zu Iggy Azalea im Allgemeinen—der Körperteil der stets im Fokus steht ist der Arsch. Der gleiche Körperteil—ich möchte euch nur erinnern—aus dem geschissen wird.

Frauen können einfach nicht gewinnen. Nicht einmal dann, wenn „positive“ Körperwahrnehmungen wie die von Kurven wieder schick werden, da sie dann immer noch bis zur Unendlichkeit idealisiert werden. So oder so fühlt sich die durchschnittliche Frau immer noch suboptimal und die Tyrannei der männlichen sexuellen Vorstellung (die bekanntlich nicht sehr komplex oder gar interessant ist) diktiert weiterhin, was „begehrenswert“ ist. Die „Skinny Bitch“ wurde aus dem Popbusiness getrieben. Für schäbige Typen gibt es aber immer noch genug Fleisch zu sehen.

Weil ich schon lange nicht mehr in meinen frühen oder mittleren Zwanzigern stecke, kann ich mit den dominanten Trends der popkulturellen Frauenwelt schon lange nicht mehr mithalten. Ich versuche noch immer ein perfektes Dekollté zu haben, was mittlerweile wohl ziemlich 2000 ist. Dabei wäre es doch ganz nett, wenn weibliche Körperteile kein Teil von Fashiontrends wären. Selbst wenn ich normalerweis nicht Dinge wie „Titten sind so 2000“ schreiben würde, ist das die Welt die wir kreiert haben und in der wir nun eben Leben müssen. Im Idealfall werden Frauen nicht objektiviert, aber vermutlich würden in einer utopischen Welt sowohl Frauen als auch Männer zu Objekten gemacht und genau wegen dem Körper, den sie gerade haben, geliebt.

Wegen der steigenden Beliebtheit von Arschbacken sind Brüste in der Größe von Kuheuter aus Musikvideos verschwunden und haben traditionell flachärschige, großbrüstige Frauen verwundert zurückgelassen. Selbst als bekenndende Feministin lässt mich diese abrupte Arsch-Fixierung Kopf kratzend zurück. Während die Ass-Mania seinen Höhepunkt erreicht, gehe ich nun auf die Suche nach den anscheinend spurlos verschwundenen Brüsten.

KATY PERRY
Das wird euch jetzt vielleicht schockieren, aber wenn man sich die Video-Releases der weiblichen Popstars des letzten Jahres stundenlang einverleibt, dann merkt man, das Katy Perry mit Abstand die Prüdeste ist. Ihre Videos mögen vielleicht ein bisschen wahnsinnig und manchmal auch kulturell herausfordernd sein. Was unnötige Sexualität betrifft, ruht sich Katy allerdings nicht auf den Lorbeeren ihrer Körperteile aus, nur um einem Video gelungenen Content zu geben. Ein bisschen weird für eine Frau, die ihre Karriere auf Fake-Lesben-Inszenierung aufgebaut hat. Ich gebe zu: Ich bin beeindruckt, dass sie nur mit ihren Brüsten wackelt um lustige Popvideos zu machen—das hört sich jetzt vielleicht so an als ob ich mich über Bitches lustig mache, tue ich aber nicht!


Der Boob-Faktor in Katys Videos ist gleich Null—auch wenn man in ihrem Video zu „Dark Horse“ ein paar Moobs (männliche Brüste—ich habe ja gesagt, dass ich für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern bin) sieht. In „Birthday“ hat ihr Parodie-Charakter „Goldie“ lustig hängende Altweiberbrüste (wenn du hohes Alter und Alkoholismus lustig findest, bist zu hier richtig). Katys eigene Brüste haben nur einen ganz flüchtigen Auftritt in einem mit Pizzastücken bedruckten Badeanzug in „This Is How We Do“. Brüste stehen bei Katy dieses Jahr nicht sehr hoch im Kurs, Ärsche aber auch nicht. Das macht sie zu einem definitiven Außenseiter in der Pop-Landschaft.

SHAKIRA
Shakira, die Königin des ehrlichen Hüftschwungs, hat dieses Jahr „Can´t Remember To Forget You“ herausgebracht. Ein sehr ironischer Titel für einen Song, der ziemlich schnell vergessen war. Rihanna hat im Video mitgespielt und die zwei lieferten einen kleinen Soft Porno. Die Kamera glitt ihren Körpern entlang und fokusierte sich besonders auf ihre Hüften und dem Arsch darunter. Aber am Anfang des Videos kann man für einen kurzen Moment Shakiras Brüste sehen—die sie selbst als klein bezeichnet. Die meiste Zeit haben Brüste in dem Video die gleiche Rolle wie Backup-Tänzer bei einer Show: sie sind immerzu da und du könntest dich immer wieder auf sie konzentrieren, aber sie sind nicht der Grund warum du Eintritt gezahlt hast. Dennoch orientiert sich das Video hauptsächlich am Arsch—und warum auch nicht? Warum soltest du RiRi sonst für einen Kurzauftritt in deinem Song beuzahlen?

RITA ORA
Von allen Musikvideos, die dieses Jahr herausgekommen sind, setzt „Black Widow“ von Rita Ora und Iggy Azalea den Busen wohl am Besten in Szene. Ich habe Folgendes über Iggy Azalea gesagt und sage es jetzt wieder: Ich glaube, sie braucht bessere Freunde. Die Videos zu „Problem“ (In dem sie neben Ariana Grande hässlich ausschauen sollte) und jetzt „Black Widow“ zeigen, dass sie stattdessen eine große Zahl an Frenemies hat. „Black Widow“ ist eine Tittenparade, und Rita Oras Busen springt dem Zuschauer quasi aus ihrem Onesie entgegen. Das Problem: Iggy hat keinen besonders beeindruckenden Ausschnitt, und die Regie schenkt ihrem großartigen Hintern keine Beachtung, so dass Ritas Dekoletté ungestört strahlen kann. Wann werden wir lernen, dass in Musikvideos genug Platz für mehrere unnötig und nahezu unangenehm sexualisierte Körperteile von Frauen ist?

TAYLOR SWIFT
In Sachen Musikvideos macht Taylor Swift alles richtig. Immer. Ich will bei jeder ihrer Performances „10 Punkte für Gryffindir!“ schreien. Ich glaube sie würde dann kichern und mich ihre Katze (die Olivia Benson oder so heißt) halten lassen. Im Video zu „Shake It Off!“ beweist Taylor wieder einmal eindrucksvoll, dass sie 37 Schritte vor allen anderen ist. Kein Busen, kein Arsch, nur ein bisschen good ol’ fashioned music video fun. Und zum Glück eine ganze Menge Ignoranz gegenüber der Musikvideo-Kultur im Generellen.


Beyoncé
Beyonce wird ja zugeschrieben den Begriff „Bootylicious" erfunden zu haben. Ob sie das nun wirklich hat oder lediglich den Wikipediaeibtrag umgeschrieben hat, werden wir wohl nie erfahren. Ich frage mich, ob sie zwischen all dem Seelenkonsum und Bädern in Jungfrauenblut nicht wirklich eine Zukunftsvision hatte, in der sich eine anal fixierte Dystopie aus der Asche von Britney und XTinas alten, faden Floskeln emporhob. „Bootylicious" zu erfinden ist wie Domains im Dot-Com-Boom zu kaufen: ein super Investment für eine zukünftige Mono-Kultur. Während sich B immer als führender Monsterarsch-Popstar verstand, hat sie auch nie auf einen guten Ausschnitt vergessen (oder ihre oft durchschimmernde Muschi, wo wir grad dabei sind). Wenn du Beyonce bist, ist nämlich jeder Teil an dir perfekt und sollte stets zu jeder Zeit gezeigt werden. In „Partition" gibt sie nicht nur Shout-Outs zu ihrer Sister Monica Lewinsky (wahrscheinlich eine der schlimmsten Frau-gegen-Frau-Szenarien, die es in letzter Zeit im Pop gab), sondern auch mal wieder Busen, Arsch und alles dazwischen!


Nicki Minaj
Zum Ärgernis von Iggy Azalea und J.Lo (siehe untern) ist Nicki Minaj die regierende Königen des Arsches. Außerdem ist Nicki Minaj auch die regierende Königin der Titten, wie tausende Instagram-Selfies, die ihr Dekollté im Fokus haben, beweisen. In „Anaconda“, ein Lied, in dem es ausschließlich um Ärsche und deren Wichtigkeit für die Menschheit geht, gibt Nicki gleich viel von vorne wie auch von hinten. Gott segne dich, Nicki Minaj, zum einen für dein überwältigendes Selbstbewusstsein und zum anderen für die Gleichberechtigung der weiblichen Körperteile. Und für Drakes Ständer.





J.LO
Genau wie bei Nicki geht es in J.Los Track „Booty“ darum einen riesigen Arsch zu haben—auch wenn J.Lo ihren im Vergleich zu Miss Minaj so schüttelt, als ob sie auf auf ihm eine Spinne entdeckt hat und nun krampfhaft versucht das Miststück los zu werden. Deshalb hat sie auch ein ziemliches Glück, dass man ihre Brust zumindest im Profil aus jedem möglichen Winkel sehen kann. Auch wenn J. Lo ihr Herz in ihrem Hinterteil trägt, bewegt er sich so als hätte er gerade Kontakt mit einem Teaser aufgenommen. Ihre Brüste andererseits FUNKTIONIEREN. Ein Beweis dafür, dass ein unabsichtlich entblöster Nippel oft lohnender ist, als auf den Musikantenwagen zu springen und mit deinen „Waffen“ vorm Gesicht deiner Rivalen rumzuwackeln.

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