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Wie die FPÖ Lügen über die Benachteiligung von Österreichern verbreitet

Asylwerber sollen in Krankenhäusern bevorzugt behandelt werden. Das behaupten zumindest Johann Gudenus und "unzensuriert.at". Wir haben nachgefragt.

Immer wieder nutzen freiheitliche Politiker Artikel von , um ihre Anliegen mit "Fakten" zu untermauern. Ein unabhängiges Medium habe es geschrieben, dann müsse es doch stimmen. Aber ist alles andere als unabhängig. Vielmehr ist es ein von führenden FPÖ-Mitarbeitern betriebener Blog, der den Lesern eine rechte Parallelwelt vorspielt. Die Welt hätte schon lange untergehen müssen, würde man den Artikeln, die dort geschrieben werden, glauben.unzensuriert.atunzensuriert

profil zeigte vergangenen Mai die Verbindungen zwischen unzensuriert und der FPÖ auf: "Der Geschäftsführer der Website, Walter Asperl, arbeitet als Referent im blauen Parlamentsklub. Als Chefredakteur gilt Alexander Höferl, der hauptberuflich Kommunikationschef der Freiheitlichen ist. Wohlgemerkt: Er bestreitet, Chefredakteur des Portals zu sein—obwohl mehrere Artikel auf unzensuriert.at ihn als solchen beschreiben." In einem anfänglichen Impressum der Seite war auch Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer noch aufgelistet. Nein, unzensuriert ist nicht unabhängig.

Heinz-Christian Strache, Norbert Hofer, Johann Gudenus—die Liste der FPÖ-Politiker, die die Seite für ihre Zwecke nutzen, lässt sich sehr lange fortführen. Anfang September war es Johann Gudenus, der einen Artikel mit dem Titel "AKH-Mitarbeiterin packt aus: Asylwerber sollen bei Operationen bevorzugt werden".

Das Posting wurde über 1300 Mal geteilt. Ein nicht angeführter Autor schreibt, die Krankenpflegerin sei—wie alle Mitarbeiter der Intensivstation des AKH—genötigt worden, einen Vertrag zu unterschreiben, der ihr verbiete, diese Dinge an die Öffentlichkeit zu tragen. Sie habe trotzdem ihr Schweigen gebrochen. "Wer trotz 'Schweigegelübte' rede, werde mit einem Disziplinarverfahren bedroht", so unzensuriert.

Dann werden Dinge aufgezählt, die Johann Gudenus interessanterweise zu Teilen schon im April wusste. Damals erklärte er bei einer Kundgebung der FPÖ in Floridsdorf ebenfalls, dass Asylwerber in Krankenhäusern Österreichern vorgereiht würden. Auch unzensuriert schrieb bereits im Februar darüber: "... in Wien, wo Asylanten, Flüchtlinge und Co. schneller als jeder einheimische Wartende drankommen." Woher diese angebliche Information kommt, schreibt die Seite damals nicht.

Im Artikel vom September hingegen erklärt die vermeintliche Krankenpflegerin, Asylwerber würden unter anderem "auf der Herzstation bei Operationen bevorzugt, Österreicher nachgereiht." Sie könne dem Treiben nicht länger zusehen. Der Artikel wiederholt außerdem eine Geschichte aus dem Vergangenen Jahr. Damals berichtete unzensuriert darüber, wie ein Junge aus Niederösterreich angeblich nicht zur vereinbarten Therapie in der Onkologie des Wilhelminenspitals durfte, weil 500 Flüchtlinge zur Erstversorgung in das Krankenhaus gebracht worden seien.

Von Seiten des Wiener Krankenanstaltenverbundes heißt es gegenüber VICE:

"Selbstverständlich sind die in unzensuriert.at und sozialen Medien verbreiteten Vorwürfe unwahr. In den Krankenhäusern des Wiener Krankenanstaltenverbunds werden alle PatientInnen—unabhängig von Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Religion, etc.—gleich behandelt. Aus medizinischen und therapeutischen Gründen werden schwer erkrankte PatientInnen, gegenüber Personen mit leichten Beschwerden, bei der Behandlung beziehungsweise Erstbegutachtung mit Erstversorgung vorgezogen. Das heißt: In unseren Ambulanzen und Notaufnahmen wird nicht nach Ankunft, sondern nach der Schwere der Erkrankung beziehungsweise der Schwere des Verletzungsgrads gereiht. Das gilt auch für chirurgische Eingriffe—Notfälle werden immer zuerst abgewickelt."

Auch Heinz-Christian Strache verbreitete vergangenes Jahr die Erzählung eines Mannes, der behauptete, Asylwerber hätten eine Hofer-Filiale gestürmt, um dort stehlen zu können. Eine Billa-Filiale soll es hingegen nicht geschafft haben, rechtzeitig zuzusperren, sei überrannt worden, sodass es sogar zu einem WEGA-Einsatz gekommen sei. Nachdem das Posting Tausende Male geteilt wurde, löschte Strache es wieder. Hofer und Billa erklärten beide, dass das Beschriebene nie passiert sei.

Heinz-Christian Strache, Johann Gudenus & Co. haben ein Problem: Entweder nutzen sie bewusst Lügen, um mit ihnen Politik zu machen und Neid auf Asylwerber zu schüren oder sie haben noch nie etwas von Quellenkritik gehört. Egal, welches Problem es ist; wenn die FPÖ im Sinne ihrer Wähler wirklich an der Wahrheit interessiert ist, sollte sie das Problem jedenfalls beseitigen.

Hanna auf Twitter: @HHumorlos