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Diese Vogelart ist ausgestorben – und dann wieder neu entstanden

Wie es schon bei 'Jurassic Park' hieß: Das Leben findet einen Weg.

von Becky Ferreira
10 Mai 2019, 10:30pm

Die seltene Aldabra-Weißkehlralle lebt auf einem Atoll im Indischen Ozean | Foto: Louise Murray | Bearbeitung: VICE

Auf den ersten Blick ist sie nichts Besonderes: Die Aldabra-Weißkehlralle ist ein Laufvogel und lebt auf dem Aldabra-Atoll im Indischen Ozean. Bei näherer Betrachtung aber ist dieses Tier alles andere als normal. Die Evolution hat die Spezies nämlich nicht einmal, sondern zweimal hervorgebracht. Vor etwa 136.000 Jahren ist die Aldabra-Weißkehlralle ausgestorben. Und jetzt ist sie wieder da, läuft quicklebendig durch die Gegend und tut, was eine Weißkehlralle eben so tut.

Hier ist eine besondere Form der Evolution am Werk: die sogenannte iterative Evolution oder Parallelentwicklung. So steht es in einer Studie, die diese Woche im Zoological Journal of the Linnean Society erschienen ist. Parallelentwicklung bedeutet, dass so gut wie identische Spezies in verschiedenen Regionen und Zeitaltern aufkommen können, obwohl eine frühere Version des Tiers schon ausgestorben ist.

Vor etwa 136.000 Jahren wurde das Aldabra-Atoll überschwemmt. Fossilien der Aldabra-Weißkehlralle gibt es dort aber nicht nur aus der Zeit vor der großen Flut, sondern auch danach. Das schreiben die Autoren der Studie, der Paläornithologe ("Altvogelforscher") Julian Hume vom Natural History Museum in London und der Paläobiologe David Martill von der University of Portsmouth.


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Der steigende Meeresspiegel sorgte dafür, dass die erste Version des Laufvogels ausstarb. Er hatte sich aus einer flugfähigen Rallen-Art entwickelt, die von den Seychellen und Madagaskar nach Aldabra gelangte. Erstaunlicherweise eroberte anscheinend Zehntausende Jahre später, als der Meeresspiegel wieder gesunken war, dieselbe Eltern-Spezies das Aldabra-Atoll erneut.

Die Fossilien zeigen, dass sich diese frisch eingeflogene Aldabra-Ralle direkt wieder zum Laufvogel entwickelte, wie schon ihre Vorgängerin. Auf dem Atoll gibt es keine Raubtiere, die dem Vogel gefährlich werden könnten, also muss er nicht fliegen können, um zu überleben. 100.000 Jahre nach ihrem Aussterben hat die Evolution bereits wieder die gute alte Weißkehlralle hervorgebracht, die schon vor der Flut auf Aldabra herumrannte.

Parallelentwicklungen gibt es bei diversen Tierarten, zum Beispiel bei Seekühen, Ammoniten und Meeresschildkröten. Den Forschern zufolge liefert die Weißkehlralle allerdings eine bahnbrechende Fallstudie zur Parallelentwicklung bei Vögeln.

"Wir kennen kein anderes Beispiel bei Rallen, oder überhaupt bei Vögeln, das dieses Phänomen so deutlich belegt", so David Martill. "Von allen Inseln im Indischen Ozean gibt es auf Aldabra die ältesten paläontologischen Spuren. Nur hier gibt es fossile Beweise dafür, wie sich Veränderungen im Meeresspiegel auf Artensterben und Neubesiedelung auswirken."

Auch in unserer Zeit steigen die Meeresspiegel wieder, teilweise aufgrund des von Menschen vorangetriebenen Klimawandels. Die heutige Aldabra-Weißkehlralle sieht also womöglich demselben Schicksal entgegen wie ihre Vorfahrin. Aber wie die Forscher gezeigt haben, läuft dafür vielleicht in einigen Tausend Jahren ein neuer, alter Vogel durch das entlegene Atoll: Weißkehlralle, die dritte. Wie es schon in Jurassic Park hieß: Das Leben findet einen Weg.

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