Der VICE Guide zum Überleben in Innsbruck

Sag prinzipiell zu allem erst Nein und geh nicht in die Sega Bar. Innsbruck ist nicht ohne Grund die Stadt der Verbote.

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18 Dezember 2018, 8:56am

Grafik: VICE Media

Andreas Hofer kämpfte 1809 am Bergisel gegen die Belagerung der Bayern und Franzosen. Der legendäre Freiheitskämpfer hat Tirol mit Herzblut verteidigt.

Heute, 200 Jahre später, erinnert nur noch das Riesenrundgemälde an die Schlacht am Bergisel. Das ist 2010 übrigens auf magische Weise vom Rennweg zum Bergisel übersiedelt. Wie kann ein an die Wand gemaltes Gemälde übersiedeln? Den Kampf gegen die Belagerung hat Innsbruck endgültig verloren. Die Stadt ist seit geraumer Zeit Zufluchtsort für Hipster und Studenten und Studentinnen, vor allem aus Deutschland und Südtirol. Heute wäre Andreas Hofer mit seinem prächtigen Bartwuchs und seinem hippen Tiroler-Hut höchstwahrscheinlich das Oberhaupt der Innsbrucker Hipster-Szene.

Wenn du ein ganz normaler Mensch bist und trotzdem nicht flüchten willst, weil du Tiroler bist und dir bereits 100 Kilometer zu weit weg sind oder du die Berge einfach zu sehr vermissen würdest, dann haben wir hier ein paar Überlebenstipps für dich.

Menschen:

  • Bisch a Tiroler, bisch a Mensch.

  • Bist du Deutscher, eröffne ein hippes Lokal oder gründe ein DJ Kollektiv, das nach einem amerikanischen Western benannt ist.

  • Wenn du kein Student bist, dann schreib dich sofort für irgendetwas ein. In Innsbruck wirst du dich nur über dein Studentendasein definieren. Man fragt nicht danach, was du machst oder wer du bist, sondern was du studierst.

  • Brülle nach der Strophe der Tiroler Hymne "von dir gerissen wurde Südtirol" bloß nicht "Gott sei Dank" – außer du bist der Typ mit Glatze und Springerstiefeln.

  • Wunder dich nicht, wenn genau dieser Typ im nächsten Moment zu dir sagt: "Tausche Wien gegen Südtirol".


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  • Beende jeden Satz mit einem tiefen und nachdrücklichen ga – auf diese Weise holen sich Tiroler Bestätigung für das eben Gesagte. Ja, wir sind unsicher.
  • Sag prinzipiell zu allem erst Nein. Innsbruck ist nicht ohne Grund die Stadt der Verbote.

  • Die SoWi ist ein einziger Laufsteg und deshalb gehst du nur mit High Heels und tonnenweise Make-up in die Universitäts-Bibliothek.

Kulinarik

  • Auch wenn Hipster manchmal nerven, sie machen verdammt gute Sandwichs und Burritos.

    Das kulinarische Highlight der Stadt ist und bleibt aber ein Kebap im Chilis. Am besten schmeckt er nach zwanzig Bieren um fünf Uhr morgens.

  • Die beste Mensa ist die CCB Mensa.

  • In der SoWi Mensa ist das Schnitzel die einzig gute Wahl. Denk aber gar nicht daran, danach noch produktiv zu sein. Geh nach Hause und mach deinen wohlverdienten Mittagsschlaf.

  • Schlag dir den Magen im Teppan Wok am All-you-can-eat-Buffet voll. Zehn Teller sind das Minimum.

  • Iss keine "Tapas" in der Tapas-Bar. Ja, die Anführungszeichen sind Absicht.

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Foto: Soraya Pechtl
  • Wenn du in diesen Restaurants warst, hast du die kulinarische Bandbreite in Innsbruck ausgeschöpft. Aber sieh‘s positiv, du musst dich nicht durch eine Vielzahl von exotischen Restaurants kosten. Wer braucht schon vietnamesische oder authentische lateinamerikanische Küche.

Verkehr

  • Das beste Verkehrsmittel in Innsbruck ist KEINES. Geh zu Fuß. Innsbruck ist klein, ein durchschnittlicher Fußweg von A nach B dauert zwanzig Minuten. (Ja, das ist allgemeingültig)

  • Fahr nicht mit dem Bus. Außer du willst drei Euro pro Fahrt für ein nicht-vorhandenes Öffi-Netz bezahlen.

  • Wenn du ein reicher Bonze bist und trotzdem Bus fährst, mach dich auf einen Adrenalinkick gefasst. Die Busfahrer in Innsbruck betreiben nämlich insgeheim das IVB-Racing Team.

  • Schließ dich dem IVB-Racing-Team an. Die IVB bietet dafür sogar eine Schnuppertour an.

  • Fahr nicht mit dem Auto. Die Stadt ist eine einzige Baustelle. Bis die am Innrain fertig ist, werden die anfangs reparierten Straßenteile bereits wieder veraltet sein und die ganze Arbeit geht von vorne los. Ein Teufelskreis.

  • Kauf dir kein Rad – es wird dir sowieso gestohlen.

  • Fahr auch nicht mit den City-Bikes. Sie kosten ein Vermögen und die Stationen sind so weit voneinander entfernt, dass du gleich zu Fuß gehen kannst. Außerdem ist Radfahren in Innsbruck verdammt gefährlich.

Freizeit:

  • Im Sommer sitzt du auf der Steinmauer am Innufer bei der GeiWi. Ganz Innsbruck sitzt dort und ja, es ist eng wie in einer Sardinendose.

  • Setz dich bloß nicht 500 Meter weiter, nur weil dort genug Platz ist. Das ist dein gesellschaftlicher Tod.

  • In den Uni-Ferien ist Innsbruck eine Geisterstadt. Fast so wie an Sonntagen. Genieß es.

  • Sei kein Wacker-Fan.

  • Gewöhn dich besser schnell an deine Sturmfrisur. Die Stadt wird nicht ohne Grund auch Windsbruck genannt.

  • Gewöhn dich auch an das Geräusch von Kanonenschüssen. Nein, Innsbruck ist nicht Panem und du bist nicht Katniss Everdeen. Auf der Nordkette werden nur wieder Lawinen gesprengt.

  • Solltest du nicht Skifahren oder Snowboarden, dann lern es gefälligst. Niemand zieht zum Studieren nach Innsbruck, der einzige Grund sind die Berge.

  • Geh zum Ugly-Skiing-Day. Er ist wichtiger und größer als der Nationalfeiertag. Erraten, ganz Innsbruck geht hin.

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Ugly-Skiing-Day. Foto: Soraya Pechtl
  • Verbringe deshalb den Großteil deiner Zeit am Berg. Im Sommer wie im Winter. Tag und Nacht.

Nachtleben:

  • Im Winter gehst du am besten auf eine Cloud 9 Party. Die lohnt sich allein schon wegen der Aussicht.

  • Zieh dir mindestens zehn Pullover und drei Paar Socken an, wenn du zur Cloud 9 Party gehst. Das Lagerfeuer bringt nichts. Du wirst danach nur riechen wie ein Grillwürstel.

  • Im Sommer gehst du zum Bonanza Sonnendeck. Ganz Innsbruck geht und ja, es ist eng wie in einer Sardinendose.

  • Wenn du ein wahrer Hipster bist (oder sein willst), geh zum Bonanza Openair, egal was es kostet. Kalkuliert man die Preiserhöhung der vergangenen Jahre mit ein, wird die Karte im nächsten Jahr in etwa so viel kosten wie ein Kleinwagen.

  • Geh nicht in die Sega Bar. Und die Ausrede: "Die Flasche Gin ist aber sooo günstig" zählt nicht. Kauf dir beim MPreis eine Flasche und trink zu Hause.

  • Geh auch nicht in den Hofgarten – außer du bist Mediziner oder Wirtschaftsstudent.

  • Trink keine Berliner Luft in der Machete. Es schmeckt wie Mundwasser und bringt dich auch nicht näher nach Berlin.

  • Geh nicht zum Opening ins Fischerhäusl. Ja ich weiß, alle gehen hin, aber du wirst mal wieder keinen Platz haben und die Schlange an der Bar ist so lange, dass du nie zu deinem Glühwein kommst.

  • Geh stattdessen zum Magic in die Altstadt Glühwein trinken. Günstiger Alkohol und Platz – was willst du mehr.

  • Geh am Mittwoch ins Copa Cabana und singe Karaoke. Je schlechter, desto besser.

  • Besetze aber nicht den ganzen Abend die "Bühne", nur um zu zeigen, wie toll du singen kannst. Dafür gibt’s Open Mic Nights.

  • Dein Abend ist nicht vorbei, bevor du nicht zumindest in einem der Bögen-Lokale warst.

  • Geh vor 12 Uhr in die Tante Emma. Es ist zwar sonst niemand da, aber der Eintritt ist meistens günstiger. Außerdem kannst du wieder gehen, nachdem du dir den Stempel geholt hast.

  • Kauf nichts von dem zwielichtigen Typen, der in jedem Bogen-Lokal irgendwo im Eck steht.

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