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Geschmacklosigkeit

Nach Vergewaltigung: Münchner Verkehrsgesellschaft bietet Opfer Partyfahrt in Tram an

Eine 18-Jährige wurde in der U-Bahn vergewaltigt und bekommt statt Anteilnahme eine wahnsinnige Kundenbetreuung.

von VICE Staff
24 Oktober 2018, 12:11pm

Symbolbilder| Frau | reporters | imago || Partybahn | lindenthaler || imago || Bearbeitung: VICE

In Zeiten von #MeToo könnte man annehmen, das Bewusstsein für das Problem sexueller Übergriffe sei geschärft. Vielleicht trifft das noch nicht auf empathielose Trolle in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke zu, aber im öffentlichen Dienst sollte eigentlich angekommen sein: Vergewaltigungen erfordern einen sensiblen Umgang mit den Opfern. Sollte. Eigentlich.

Es war 7 Uhr morgens, als eine betrunkene junge Frau am 16. Juni dieses Jahres in München mit der U6 Richtung Klinikum Großhadern fuhr. Während der Fahrt schlief sie ein und verpasste es, aus der U-Bahn auszusteigen. An der Endhaltestelle angekommen fuhr die Bahn weiter in den Wendehammer "Großhadern". Die Frau sei die einzige im leeren Waggon gewesen. Während sie noch auf der Sitzbank schlief, sei der Fahrer der U-Bahn in den Wagen gekommen, habe seine Hose runtergezogen und sie vergewaltigt.


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Zum heutigen Prozessauftakt gestand der 58-Jährige Günther K. die Vergewaltigung in der Münchner U-Bahn im Juni 2018, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Dem Gericht lägen zusätzlich Videoaufnahmen vor, die das belegen sollen. Das Urteil wird in Kürze erwartet.

Laut Informationen der TZ soll "ein Mitglied der MVG-Führungsriege" zuvor zum Opfer Kontakt aufgenommen haben und ihr eine Sonderfahrt mit der Münchner Party-Tram angeboten haben. Wirklich: Eine Sonderfahrt mit der Münchner Party-Tram.

"Dieses Angebot hat mich sehr verletzt, ich habe mit den Tränen gekämpft", sagt die heute 19-jährige der TZ. Es gibt sicher andere Wege, dem Opfer Beileid zu bekunden, als es immer noch traumatisiert in einer Partytram durch die Stadt zu kutschieren.

Die Verkehrsgesellschaft erklärt, dass beide Mitarbeiter nicht mehr für sie arbeiten würden. Sowohl der mutmaßliche Täter, der seine Kündigung selbst eingereicht hat, als auch der Mitarbeiter, der dieses "Wiedergutmachungs-Angebot" ausgesprochen hat. Dass Letzterer nicht mehr für sie arbeitet, habe aber nichts mit dem Angebot zu tun.

In einem Schreiben der Verkehrsgesellschaft wird die Sonderfahrt als Zeichen der Anteilnahme bezeichnet. Ernsthaft. Weiter heißt es, die Betroffene habe die Sonderfahrt ja so gestalten können, wie sie möchte. Sie wollten "der Kundin" etwas im Rahmen der Möglichkeiten anbieten und hoffen, dass sie die Verkehrsgesellschaft "infolge der Geschehnisse nicht nur negativ wahrnimmt". Offensichtlich haben sie mit diesem unangemessenen Angebot aber genau das Gegenteil erreicht.

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