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Popkultur

Die schlimmsten Social Media-Phrasen

Von „Der Moment, wenn ..." bis hin zu pseudo-philosophischen Zitaten. Facebook kann wehtun.

von Franz Lichtenegger
16 Juli 2015, 7:18am

Collage via VICE Media/ Instagram

Jedes Jahr, wenn zu Weihnachten die Sissi-Filme im Fernsehen laufen, überrede ich meine Mama zu diesem Trinkspiel, das ich aus Mädchen, Mädchen 2 kenne. Jedes Mal, wenn das Wort „Majestät" fällt, muss getrunken werden—am besten Eierlikör aus diesen Waffelbechern. Das macht einen schönen Wattekopf und schmeckt auch irgendwie weihnachtlich. Spätestens an dem Zeitpunkt, an dem Sissi ihre Baby-Tochter in Italien wiedersieht, sind wir beide dicht und haben Lulu in den Augen („Yaaaass Romy, yaaaass").

Noisey kennt sich mit Trinkspielen aus.

Diese Art Saufspiel funktioniert aber nicht nur mit Sissi. Ebenfalls gute Vorlagen bieten beispielsweise Die Nanny („Miss Fine!"), der Eurovision Song Contest (Windmaschine, Pyro etc.) oder eben auch Facebook. Dort gibt es nämlich genau so viele ausgeleierte Phrasen, die wie ein mieser Running Gag immer wieder in deiner Timeline auftauchen und dafür sorgen, dass du zum ersten Mal das „Ich möchte das nicht sehen"-Feature verwenden musst. Bei besonders postingfreudigen Härtefällen bleibt einem oft gar nichts anderes übrig, als diesen Vollhorst einfach zu entfreunden. Damit ihr diese Menschen leicht erkennt, haben wir die schmerzhaftesten Social Media-Sprüche zusammengetragen.

„Der Moment, wenn ..."

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese selten dämliche Phrase ihren Ursprung in der Meme-Blütezeit haben muss und wir alle sie mindestens einmal in irgendeiner Form verwendet haben. Das Ding ist aber, dass dieses eine Mal gereicht hat. Vollkommen. Es kann doch nicht sein, dass uns keine andere Formulierung mehr einfällt, wenn wir unseren Freunden von einem mehr oder weniger spannenden Erlebnis berichten wollen.

„Der Moment, wenn ein Piano in der Wohnung steht"? Wirklich? Ich weiß ja nicht, aber dieses Piano ist mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit für länger als nur einen Moment in deiner Wohnung, und wenn du über diese Tatsache wirklich unbedingt berichten möchtest, warum dann nicht in einem Wortlaut, der sie auf ihre tatsächliche Banalität reduziert, wie zum Beispiel „Ein Piano steht in der Wohnung"? Der Moment, in dem dir klar wird, dass du damit echt aufhören solltest.

„Für ein ‚Du Bist' liken ..."

Nein, bitte, nein. Wie langweilig muss jemandem sein, um ein „Gefällt mir" jeder noch so flüchtigen Bekanntschaft mit einem Gsatzerl auf der jeweiligen Pinnwand zu belohnen? Das kann peinlich werden. Entweder sind die Einzigen, die diesen Mist noch mitmachen wollen, deine Eltern oder lauter semi-fremde Personen, die du nicht wirklich kennst und dadurch mit halbherzigen Plattitüden abfertigen musst. „Du bist die Nati und einfach die Geilste" oder „Du bist der Patze und wir haben uns einmal beim Fortgehen getroffen". Es ist Like-Hurerei und ihr wisst es.

Pseudo-philosophische Zitate

Wie findet man die eigentlich? Googelt man da „Tiefgründige Zitate"? Oder gleich „Duseliges Geschwurbel"? Ihr könnt noch so oft Nietzsche oder den Dalai Lama zitieren, es verleiht eurem Badezimmer-Selfie trotzdem nicht mehr Substanz „Freundschaft ist die Blüte eines Augenblicks und die Frucht der Zeit. <3 Friedrich Nietzsche. *_* feeling special with Jacqueline Herbst"

Hase, glaub mir, du musst dein neues Profilbild nicht mit einem schein-tiefsinnigen Spruch pimpen. Ob da jetzt „If you want something you've never had, you've got to do something you've never done." daneben steht oder nicht, ist scheißegal. Zum einen, weil es keinen Sinn macht, und zum anderen, weil du auch so wunderschön bist.

Inspirational Quote via VICE Media

Ah ja, dieser subtile Seitenhieb in Inspirational Poster-Form, den du auf Instagram gepostet hast, ist nicht wirklich subtil. Ein pseudo-philosophisches Zitat über Freundschaft und Enttäuschung wird deinen Konflikt nicht lösen.

„Manche Menschen ..."

Wo wir gerade bei unterschwelligen Botschaften sind—jeder weiß, dass du in deinem „Manche Menschen ..."-Status nicht wirklich von manchen Menschen, sondern von einem ganz bestimmten Menschen sprichst, und der selbst weiß es am allermeisten. „Manche Menschen sind der lebende Beweis dafür, dass man auch ohne Gehirn leben kann!" Ja, eh, aber dann post's ihm halt gleich auf die Pinnwand. Wäre zumindest direkter.

„On Tour mit ..."

Foto: Taylor Swift/Instagram

Eins vorweg: Ich kann diese Auto-Selfies nicht mehr sehen. Wenn ihr euch schon eure Pilotenbrillen aufsetzen und vom Armaturenbrett aus ein Foto von allen Insassen machen müsst, dann schnallt euch wenigstens an. Die Bildunterschrift „On Tour mit den Mädels" setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Nur weil ihr gerade im Auto unterwegs seid, macht euch das nicht zu fucking Taylor Swift samt Squad. Die ist nämlich wirklich on tour.

„Over and out"

Du sitzt also in der Airport-Lounge und wartest darauf, dass dein Flug aufgerufen wird. Zeit für ein Selfie. Abhängig von der Destination tippst du „London/Barcelona/Berlin Calling" und/oder „over and out", nur um ein paar Stunden später schon wieder ein Foto der Zielort-Skyline zu posten. Hashtag Urlaub. Wenn du wirklich over and out sein möchtest, tu dir selbst einen Gefallen und halt dich auch daran.

Party-Floskeln

Foto: Stefanie Katzinger via VICE Media

Ich weiß nicht, ob das überall in Österreich so ist—aber da, wo ich herkomme, ist „fahren" eines von vielen Synonymen für feiern. „Voll fahren" ist dann noch die Steigerung dazu („Und wir fahren", „Heute wird gefahren", „Wir fahren voll"). Verstanden habe ich das nie so ganz, will und werde ich wohl auch nie—zumindest nicht, solange ich nicht weiß, wohin ihr alle fahrt. Jedenfalls möchte ich das nicht mehr lesen.

Weitere Floskeln aus eurer Zwischenablage beinhalten die Klassiker „Party mit den Geilsten", „Es gibt nur ein Gas—Vollgas", Kombinationsmöglichkeiten wie „Vollgas mit der Besten" und natürlich das allseits beliebte „Party Ende nie". Versüßt wird das Ganze nur noch durch den exzessiven Gebrauch von Emojis. Ich habe noch nie so viele Lachweiner gesehen.

„Ein Hoch auf uns"

Hört endlich auf, Andreas Bourani zu zitieren, ihr Depperten. Dieser Song war schon bevor er dank seines Gröl-Potentials zur inoffiziellen WM-Hymne deklariert wurde der wohl ekligste Proll-Fetzen der letzten Jahre. Wie zu erwarten ist die Nummer seitdem nicht gerade gut gealtert, und eure Cocktail-Fotos mit draufgeklatschten Textzeilen sind keine Hilfe. „Wer friert uns diesen Moment ein?", fragt ihr euch, und ich frage mich das auch.

Tests

Screenshot via nametests.com

Wer dachte, die große Zeit von Facebook-Apps ist seit dem Aussterben der Glücksnuss vorbei, der hat sich gewaltig geirrt. In letzter Zeit kommt es immer mal wieder zu einem kurzlebigen Hype um Persönlichkeits-Tests, der einem beispielsweise bei der Suche nach dem einen, wahren Seelenverwandten helfen kann. Und das alles ausschließlich auf Basis von Likes. 2015, oida.

Während ich das hier schreibe, stoße ich auf einen Test, der die Antwort auf eine der großen Fragen meines Lebens zu kennen scheint: „Was ist die Bedeutung von deinem Profilbild?" Ich bin unfassbar leicht zu haben und bevor ich überhaupt darüber nachdenke, habe ich schon zweimal auf „OK" geklickt und der App wahrscheinlich Zugriff zu meiner gesamten Existenz gewährt.

Analysiere Profil ... Ergebnisse werden berechnet ... Die Komplexität der hier angewandten Algorithmen geht weit über meinen mathematischen Verstand hinaus, jedenfalls sieht das Ergebnis so aus: „Franz du bist sehr freundlich!" Ich wusste es. Gut, dass das auch mein Profilbild über mich aussagt. Und: „Aussehen: 0,1 Prozent besser als andere." Ich bin kurz davor, das zu teilen und erinnere mich plötzlich wieder daran, worum es hier eigentlich geht: Hört auf mit diesen beschissenen Tests!

Franz ist wirklich sehr freundlich und twittert hier: @FranzLicht