Spritzwein

Wir waren am Spritzer-Stand mit Michael Häupl

Der Bürgermeister kam, trank und musste erstaunlich oft für Selfies posieren.

von Florian Kutej
16 Mai 2017, 3:12pm

Kurz, AG und Neuwahlen: Gerade ist es ziemlich turbulent in unserem Land. Zumindest auf der christlich-konservativen Seite, die im Moment recht wenig mit Nächstenliebe, aber ganz viel mit Selbstzerfleischung, Neuausrichtung und J-Lo-mäßigen Promi-Attitüden am Hut hat.

Da macht die andere Koalitionshälfte nicht mit und tut (zumindest in Wien und zumindest an der Uni) genau das, was in Österreich schon immer die einzige Lösung für alle Krisen war: saufen. Böse Zungen würden behaupten, dass sie damit einiges mit den Studierenden in diesem Land gemeinsam hat. Und wir sind die letzten, die widersprechen würden.

Wenn du selber studierst, dann bist du vermutlich alleine bei dem Begriff "Neuwahlen" darauf konditioniert, zum Doppler zu greifen. Oder du gehst – weil es sozial ein bisschen akzeptierter ist – zum Spritzerstand des VSStÖ, weil der a) nahe und b) billig ist. Und weil du dort c) zumindest am Montag auch noch die einzige Person hättest antreffen können, die dir in diesen windigen Zeiten Stabilität und noch mehr Spritzer verspricht: unser aller Gottbürgermeister Michael Häupl.

Der bequemte sich gestern nämlich vor die Universität Wien, um zu tun, wofür er eigentlich Bürgermeister ist. Der #spritzermichi heiligte in vermutlich bester Laune und drückender Hitze den ÖH-Wahlkampf. Denn um die Wahl der österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft ging es beim Trinken grundsätzlich. (Sagt uns doch bitte, warum euch die so wenig interessiert).

Und während seiner einstündigen Präsenz gönnte er sich gefühlte fünf Spritzer (im Gegensatz zu den studentischen Banausen nicht aus dem Plastikbecher, sondern aus einem echten Glas) und musste auf gefühlt mindestens 500 Selfies posieren. Und das wars auch im Wesentlichen. Keine großen Worte, keine Rede zur Lage der Nation, nicht mal Offizielles zur ÖH. Nur die bürgermeisterliche Bitte, nein die Forderung: "Vor dem nächsten Foto aber ein Spritzer".

Leute wie Antoni (der links vom Meister) fanden ihn "urleiwand", "authentisch" und "sowieso am allerbesten" – auch wenn sie, wie sie mir gegenüber behaupteten, nichts mit der VSStÖ oder allgemeiner der SPÖ zu tun hatten.

Das Ganze war also ein ziemlicher studentischer Erfolg – und irgendwie kein gutes Omen für Kurz und Kern. Ich meine, schaut euch die beiden mal an:

Foto von Kurz: Felicitas Matern; Foto von Kern: BKA / Andy Wenzel

Schaut euch den Häupl an:

Da wollen Parteien jung und schön werden und wir lieben am Ende doch den ungeschönten, ungeschliffenen Zyniker auf dem Weg aus dem Amt. Up yours, liebe Spin-Doktoren, up yours.

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