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Die besten Filme aus 2016, die ihr auf keinen Top-Listen findet

Wir haben die filmischen Stiefkinder des Jahres zusammengetragen, um ihnen Liebe zu geben. 'La La Land', 'Moonlight' und 'Manchester by the Sea' werdet ihr hier sicher nicht finden.

von VICE Film Staff
30 Dezember 2016, 6:00am

Screenshot aus 'Everybody wants some!!'

Filmrückblicke auf 2016 zusammenzustellen fühlt sich mittlerweile an wie das Saving Private Ryan der Jahresendartikel. Das heißt, sie sind viel zu lange, wiederholen sich viel zu oft und man fragt sich ständig, warum genau man sich durch diese schrecklichen Ereignisse noch mal durchquälen muss. Aber genau wie bei Saving Private Ryan lautet die Antwort auch hier: Weil es euch auf eine weirde Art anzieht und ihr es euch trotzdem immer wieder anschaut. 

Wie schon bei unserer Liste aus 2015 verzichten wir im Sinne der Wiederholungsgefahr auf die ganz großen und offensichtlichen Highlights: Zu Jahresfavorit Moonlight hatten wir schon an dieser Stelle ein Video-Interview und auch den international durch die Decke gehypten Toni Erdmann durften wir zum Glück schon früh mit der Regisseurin besprechen. Und Werner Herzogs Lo and Behold: Reveries of the Connected World ist zwar genauso genial wie alles andere von Herzog, aber das ist eben auch nicht nur uns aufgefallen.

Was uns mit den cineastischen Stiefkindern des Jahres zurücklässt. Lest das und liebt sie.

Blair Witch

Screenshot aus Blair Witch


Eigentlich ist Adam Wingard das Hipster-Aushängeschild unter den Horror-Regisseuren und mit seinen Beiträgen zur V/H/S-Reihe und dem viel gefeierten You're Next sowas wie ein Buzz-Garant bei den Festival-Fans, die seine Werke auf Wolken aus postpubertären Ausdünstungen tragen. Vielleicht nicht gleich bei Festivals wie Cannes, aber zumindest bei solchen wie dem /slash. Umso überraschender ist es auch, dass Blair Witch auf IMDb mit fast schon perfekt mittelmäßigen 5,1 Punkten bewertet wird und auf jeder Bestenliste fehlt, die nicht nur auf einen Bierdeckel gekritzelt ist.

Dabei hat die Fortsetzung und Neuinkarnation des Found-Footage-Klassikers wirklich alles, was Horror für Hosilulu braucht—inklusive einer ziemlich ordentlichen, sich zum Exzess steigernden, geistig klaustrophobischen Twist- und Schockmoment-Dichte, viel Homevideo-Charme und sogar denselben modischen Umgang mit altbekannten Franchises, den auch Jurassic World oder Star Wars: The Force Awakens pflegen (also ein Mittelding aus Fortsetzung und Reboot, das für alte Fans bekannte Highlights und für neue Fans einen einfachen Einstieg bietet).

Und nicht nur, dass Blair Witch formal und zeitgeistig alles richtig macht: Es ist auch die Art von Horrorfilm, nach der man dieses seltene Gefühl hat, dass sich im Kopf etwas verschoben hat und man gerade einer Stroboskop-Geisterbahn entkommen ist. Das ist Attraktionskino im einfachsten, besten und geilsten Sinne. Wem das nicht passt, der mag Spaß vielleicht auch nicht so gerne. 

Blue Jay

Screenshot via IndieWire

Wenn es ein Prädikat gibt, das heute für garantierte Qualität im Film steht, dann ist es das Logo der "Duplass Brothers Productions" im Vorspann. Kein anderes Gebrüderpaar hat das Streamingzeitalter so nachhaltig mit seinem Stil markiert wie Mark und Jay Duplass und bei fast jeder nennenswerten Produktion maßgeblich mitgewirkt. Ihre Filmografie umfasst unter anderem die entwaffnend aufrichtige HBO-Serie Togetherness, das magisch realistische Safety Not Guaranteed, die wunderschöne Doppelgänger-Parabel The One I Love, das Brudertwist-Meisterwerk Do-Deca-Pentathlon, den beziehungsdreieckigen Your Sister's Sister und den Ausnahme-Film Creep, der nach Blair Witch Project wahrscheinlich die beste Ergänzung des Found-Footage-Homevideo-Genres ist.

Im Netflix-Film Blue Jay widmet sich die Duplass-Schmiede wieder zwischenmenschlichen Beziehungen im Kammerspiel-Format, aber mit einem leicht abgewandelten Thema: nämlich der Freude am Früher. Nicht im naiv nostalgischen Sinn, sondern im "Lass uns unsere Beziehung von damals noch mal einen Abend lang durchspielen und rituell austreiben"-Sinn. Wie jeder Duplass-Film ist auch der hier eine absolute Empfehlung (genauso wie übrigens unser VICE Meets mit den Brüdern und dieses Porträt über die beiden in Wired).

Bo Burnham: Make Happy

Man kann also wirklich so dermaßen talentiert sein, dass es weh tut. Bo Burnham hat in seinem zweiten Stand-Up-Special—das erste,  What, war schon ein verdammtes Meisterwerk—den Begriff von existenzialistischem Musik-Klamauk perfektioniert (auch, falls wir diesen gerade erst erfunden haben). Bo verwendet Audio-Arrangements, Bühnenlichttechnik und sein beeindruckendes musikalisches Können, um dem Zuschauer eine Konzept-Performance um die Ohren zu knallen, die uns in den Grundfesten erschüttert.

Er ist ein bisschen wie Otto Waalkes—wartet, wartet, lasst uns das erklären!—, und zwar in Bezug auf seine schier unendliche Energie, die diesen hyperaktiven, liebenswerten Wahnsinnigen auf der Bühne 1000 Faxen pro Minute machen lässt, während derer er philosophische One-Liner runterrattert und sehr eingängige Lieder über Vergewaltigung abliefert; und man kann nicht anders, als ihn für jede Note, jedes Zucken und jede Pointe zu bewundern. Es ist vielleicht das erste Mal, dass das Konzept einer "Lachnummer" wirklich Sinn ergibt. Diese rapide Aneinanderreihung von Quatsch und fatalistischen Schockmomenten, die aber wie durch Zauberhand saulustig sind, endet stilecht in einem genialen Finale. 

Bo deklariert sich als Fan von Kanye West und den coolen Ansprachen, die Yeezy gerne in Begleitung mächtig wummernder Beats hält. Anstatt aber einen Klimax in Selbstüberhöhung abzuliefern, zerplatzt dieser Stand-Up-Comedian in Burrito-Sprechgesang, private Angstgeständnisse und gipfelt in einem sehr glaubhaften Nervenzusammenbruch. Ein verdammter Hammer.

Donald Trump's The Art of the Deal: The Movie

Foto von Funny or Die

Angeblich riechen Menschen verbrannten Toast, kurz bevor sie einen Schlaganfall erleiden. Das hier ist der Film zu diesem Moment. Oder anders: Wenn Trumps Präsidentschaft der Schlaganfall ist, dann ist The Art of the Deal: The Movie die böse Vorahnung, die man währenddessen nicht ernst nimmt und sich stattdessen nur denkt: "Lustig, hier riecht es nach Frühstück." Jetzt ist die Tafel leergegessen und unser Gesicht halbseitig gelähmt und Johnny Depp wirkt wie der vernünftigste Mensch auf dem Planeten. Und das, obwohl (oder gerade weil) er den mahnenden Donald spielt, für alle gut sichtbar.

Als wäre das nicht gruselig genug, ist  The Art of the Deal: The Movie auch noch ein Film, in dem so ziemlich alle Grenzen verschwimmen, die die Unterhaltungsindustrie, die Medien oder Johnny Depps persönliche Assistentin in den vergangenen Jahren aufgebaut haben: zwischen Film und Verfilmung des gleichnamigen Buchs (das Trump tatsächlich herausgebracht hat), zwischen Funny or die-Sketch und echter US-Präsidentschaft, zwischen furchtbar schlechten Dialogen und unglaubwürdigen Situationen und der cineastischen Umsetzung davon durch Johnny Depp.

Dass die Parodie angesichts des Originals schon zum Tag des Erscheinens wieder obsolet war, hat Esquire bereits an dieser Stelle schön veranschaulicht. Trotzdem bleibt der Film eine Ausnahmeerscheinung: Nicht nur, weil er aussieht wie eine öffentlich-rechtliche Doku auf VHS-Kasette, sondern auch, weil er wie ein stummes Mahnmahl während der gesamten Trump-Präsidentschaft auf Netflix daran erinnern wird, dass manchmal—aber wirklich nur manchmal—mehr Promo ein echter Segen wäre.

Everybody wants some!!

Es gibt vielleicht ein paar präpotente Jahreslisten—neben der unsrigen—, die Everybody Wants Some!! auch mit aufgenommen haben. Aber selbst wenn, dann sicherlich aus den falschen Gründen. Während dieser funky 80er-Jahre-Fetischfilm einfach als Bier-getränkte Bully-Bibel gelesen werden kann und man es einfach nur super findet, "My Sharona" wiederzuerkennen, wollen wir vor allem die super Charakterarbeit in diesem Party-Film—abseits von kurzen Männer-Shorts und Schnauzern—hervorheben.

Natürlich kann man vom hohen Proleten-Level, den die grölenden Baseballspieler-Dudes hier an den Tag legen, abgestoßen sein—wie zum Beispiel Jeff Cannata vom The /Filmcast. Aber nach der anfänglichen Angst und Ablehnung, die man als Nerd vor solchen Alphamännchen reflexartig verspürt, entpuppt sich das Ganze als stimmungsvolle Milieustudie, zu der man als geneigter Soziofan fast durchgehend grinsend mit dem Kopf nickt. Spätestens bei der zweiten Hausparty gehört man zur Gang. Wie schon mit Dazed and Confused hat Linklater auch hier einen Film gemacht, mit dem man einfach nur gemütlich abhängen will.

Klar: Die Charaktere vom Kiffer über den Sportmacker bis zur süßen verkorksten Kunst-und-Kultur-Fanatikerin sind alles mehr oder minder wandelnde Klischees—aber habt ihr euch schon einmal Studentenheime und Uni-Campusse aus der Nähe angesehen? Everybody Wants Some!! sollte man immer vor dem Anprobieren von bauchfreien T-Shirts und absolut jedem Fortgehen schauen.

Goksung (The Wailing)

Es war einmal, da hatten Der Bulle von Tölz und Der Exorzist ein südkoreanisches Baby. Ein trotteliger Polizist auf der Insel Goksung wird mit ziemlich übernatürlichen und ebenso ansteckenden Mordfällen konfrontiert. Leute werden zu halb besessenen, halb zerfressenen Zombies, was ihn und die integere Dorfgemeinde aber vorerst nicht aus der Bahn wirft, weil sie immer noch Gyoza und ein gewisses Grundvertrauen in die Ratio haben. 

Als es dann die eigene Tochter erwischt, wird der unfähige Inspektor panisch und holt sich Hilfe beim Schamanen. Dahin ist die Vernunft, gefunden ward die Schuld an allem, die einem japanischen Einsiedler im Wald gegeben wird. Weil Japaner nun mal so sind, wie jeder gute Südkoreaner weiß. Nach diesem Lehrstück an latentem asieninternen Rassismus macht der Film einen radikalen Knick: Plötzlich werden Teufel ausgetrieben, Tiere geopfert und wirklich durchgehend Ohren betäubend laute Schreie losgelassen beziehungsweise geweint. 

Bis zum Ende wird man an der Nase herumgeführt und die Frage zum Zerreißen aufgespannt, ob das alles nur Show ist oder wirklich Geister und Dämonen umgehen. Wir sind uns bis heute nicht ganz sicher—und träumen sicher auch nach diesem Absatz wieder schlecht von den hunderten Twists am Ende von Goksung.

The Greasy Strangler

Screenshot via YouTube

Wir könnten an dieser Stelle versuchen, unser ernstes Gesicht zu wahren und uns hinter Formulierungen wie "Ein Fieberwahn aus pastellfarbenen Pullovern, öligem Disco-Fanatismus und albernen Westcoast-Würgereien" verstecken. Wir könnten euch auch etwas über das Improvisations-Flair des Films erzählen, berechtigte Vergleiche zu Helge-Schneider-Filmen ziehen oder auf die spannende Frage eingehen, wie eine so unplausibele Handlung es schafft, die Diegese der Erzählwelt trotzdem schlüssig wirken und nicht zerplatzen zu lassen.

Aber ganz ehrlich: Schaut euch das Bild oben an. Genau so ist The Greasy Strangler. Wir haben den Film am /slash präsentiert und vor der Vorführung nicht nur mehrere Shots Rum und Absinth getrunken, sondern auch die Seelen von zirka sechs Gipsy-Wahrsagerinnen in Joint-Form geraucht. Und weil wir im Saal auch noch ein paar Dankesworte vorab sprechen mussten, bei denen wir stilecht rosa Mützen mit der Aufschrift "Greasy" tragen durften, haben wir uns zu Beginn des Films die Nervosität mit ein paar zusätzlichen Bieren und Spritzern weggetrunken. 

Das erzählen wir euch nicht als Anleitung, sondern als Erklärung. Und zwar dafür, warum wir bei The Greasy Strangler ein paar so heftige Lachanfälle hatten, dass selbst unser Arschloch geschwitzt hat. Ihr könnt es natürlich auch ganz anders machen. Ihr könnt nüchtern bleiben, Bullshit über Diegese diskutieren oder The Greasy Strangler sogar hassen. Manche Menschen mögen ja auch keine Hundebabys.

Lemonade

Screenshot via E! Online

Habt ihr alle den intimsten und unglaublichsten Media-Release aller Zeiten vergessen, der dieses Jahr von der einzig wahren Künstlerin kam und eingeschlagen hat wie ein artistischer Schenkelklopfer aus Stahl? Beyoncé hat mit Lemonade ihre Eheprobleme nach außen gekehrt und in einem extrem guten Album verarbeitet: So ist es, beschissen zu werden. Manche haben einen Britney-Spears-Moment, andere machen einen millionenschweren Tonträger, der sogar ihre Therapeutin zum Booty-Shaken bringt. Wirklich eindrucksvoll war aber vor allem das entsprechende Qualitätslevel ihres episodischen Begleitfilms zum Konzeptalbum. 

Das Video zu Lemonade in Spielfilmlänge hatte eindrucksvollste Kameraarbeit, sexyeste Ausstattung—von Beyoncés Kostüm-Haar-Erscheinung hin bis zu den obsessiv detaillierten Filmsets—und eine Bildgestaltung, die mit ihren Texturen, Tänzerpullis und zerstörten Windschutzscheiben so viel mehr Poesie in die Musikvideolandschaft zurückgebracht haben, als es die großen Stilisten wie Gondry oder Cunningham in einem Jahrzehnt Clip-Arbeit konnten. Der Musikfilm des Jahres.

Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows

Ja, dieser Filmtitel steht hier wirklich. Beim Screening des Sequels mit den neuinterpretierten Kampfschildkröten auf Steroiden waren insgesamt genau drei Typen. Wir alle waren Mitte 30 und mit einem Gesichtsausdruck, der die Unsicherheit und Angst kaschieren sollte, dabei gesehen zu werden, wie wir uns diese nostalgische Shame-Orgie gönnten. Trotzdem taten wir das, was wir taten, völlig zurecht. Der neue Turtles 2 ist super und macht endlich das, was der erste Teil schon hätte tun sollen: Er bringt uns Krang, das Technodrome, Bebop und Rocksteady (gespielt von WWE-Wrestler Sheamus) und sie alle erfüllen die infantilen Fan-Fantasien unserer Kindheit. 

Klar, der Film ist für Kids kurz vor der Pubertät, aber das sind eben auch genau die Zielgruppe und die Zeit, in der wir selbst Leo, Raph, Mikey und Don so lieben gelernt haben. Die irren Charaktere, sinnbefreiten Bullshit-Unterhaltungen und kleinen Shots von Anarchie, waren genau das, was wir Man-Children so an unseren Turtles vermissten. Auch die Moral des Films hat schöne Untertöne, in Punkto Akzeptanz des eigenen Körpers und Identität—quasi ein bunt rundumschlagendes "I was born this way, deal with it". 

Wem jetzt ein Minibus mit gigantischen Nunchaku-schwingenden Roboterarmen an den Seiten oder die geistige Akrobatik, sich Megan Fox als Journalistin vorzustellen, zu blöd sind, der hat diesen Film sowieso nicht verdient. Die Turtles haben ihre eigene kleine Popkultur-verarschende Meta-Ebene und waren vor allem schon immer selbstreferenzielle Hipster. Um es mit einem Meme-Update zu sagen: I still like turtles.

10 Cloverfield Lane

Filmstill via The Verge

Die einzige Jahresliste, auf der 10 Cloverfield Lane Platz 1 belegt, ist das Ranking der am häufigsten geteilten Filmtitel aut Metacritic. Und das ist eine Liste, auf der Platz 2 und 3 von Batman V Superman und Allegiant (aus der Divergent-Reihe) besetzt sind—also die Definition des Gegenteils von einem "Best of". Dabei hat es dieser Film mehr als verdient, in den Olymp gelobt zu werden, von dem er sich räumlich als Bunker-Flucht-Drama klaustrophobisch abgrenzt.

John Goodman spielt einen Kellertyrannen und Prepper, der seinen Gefangenen unter der Erde Geschichten von der fortschreitenden Apokalypse erzählt. Und je weiter der Film fortschreitet, umso drängender wird nicht nur die Frage, was tatsächlich passiert, sondern desto deutlicher wird auch, worum es abseits von der Handlung eigentlich geht: nämlich um häusliche Gewalt, willkürliche Regeln, ein sich langsam aufbauendes, psychologisches Rache-Stück und eine große Parabel auf Missbrauch (die übrigens auch das Ende absolut notwendig macht, wie dieser Artikel mit massiven Spoilern sehr gut ausführt). 

It's Fritzl with a Twist, but then again, not. Und wer aufgrund dieser Beschreibung aus Gründen, die wir uns eigentlich nicht so genau vorstellen wollen, Lust auf mehr bekommen hat, sollte am besten auch gleich den ähnlich sensationellen Take Shelter von ein paar Jahren zuvor nachlegen.

The Trust

Ihr vermisst Nicolas Cage? Ihr sehnt euch nach plötzlich gesungenen Dialogfetzen, schütterem, vom anhaltenden Schreien zerzausten Haar, kurz "The Cage Rage"? The Trust ist ein perfekt in sich geschlossenes Filmschmankerl, in dem ihr euch euren Schuss abholen könnt: eine kleine, feine Einbrechergeschichte in dieser großen weiten Welt voller Blocks und Busters. Man fühlt sich wie in einem 60er-Jahre-Kino bei einem Film mit vielleicht gerade mal zehnköpfigem Produktionsteam.

Uns wird Nic Cage auf seiner mittleren Intensitätseinstellung geboten—was im Vergleich zu normalen menschlichen Darstellern immer noch völlig ausreicht. Dazu bekommen wir einen typisch hundeäugigen Elijah Wood und ihre beiden ziemlich unsympathischen Charaktere. Zwei Arschloch-Polizisten haben den etwas unausgegorenen Plan, etwas zu stehlen, von dem sie nicht einmal wissen, was es ist. 

Irgendwie bekommt man beim Schauen das Gefühl, dass diese etwas unbedarfte Herangehensweise nicht nur auf die Figuren im Film, sondern auch auf die Macher dahinter zutrifft, die sich an einem Nicolas-Verité-Experiment in der Erzähltechnik "Make it up as you go" versucht. Ein Film, wie er früher in der hintersten Ecke der Videothek verstaubte und der heute genauso große Freude macht, ihn zu entdecken.

Honorary Hate Mentions

VICE Media

Weil das Filmleben aber kein Ponyhof ist (obwohl Ponyhöfe stinken, also vielleicht schon), muss zum Schluss auch noch ein bisschen negative Jahreskritik—im Volksmund auch: unbegründeter, haltloser Hass—erlaubt sein. Um 2016 würdig abzuschließen, lasst uns also zum Ausklang noch über die beschissensten und überschätztesten Filme dieses Jahr sprechen. 

Ja, Zoolander 2 soll per Design schlecht und trashig sein, wir haben schon verstanden, Danke. Aber dieses Sequel beweist nur, dass eigentlich der erste Teil schon dämlich war und nur isolierte Szenen ihn zu einem unverdienten Idioten-Kult gemacht haben. Und das wollten wir uns nie eingestehen. Wir wollen Zoolander nie wieder schauen und stattdessen bei YouTube-Clips an die gute alte Zeit zurückdenken. Man wird bei Nummer 2 ein paar Mal lachen, besonders wenn The Fat Jew vorkommt und wenn Will Ferrell am Ende meta-monologisiert, wie unglaublich dämlich und unnötig alles Geschehene ist. Aber man wird seine Jugend zerbrechen sehen und bei jedem gespitzten Mund Donald Trump vor Augen haben. Danke, Teil 2 für diesen Reality-Check. Du Arschloch.

Deadpool ist vielleicht nicht scheiße per se, aber eben auch bei Weitem nicht so gut, wie alle tun. Dieses großäugige Kichern, dass ein Comic-Charakter mal arge Sachen sagt, ist bei uns ausgeblieben. Super Sonic Teenage Warhead und ihr Eisenrusse reissen uns da auch nicht raus. Die zweite Hälfte ist typischste Marvel-Fadesse, die einen so nahe ans geistige Flatlining bringt, dass man kurz sogar ein Essay über den langsamen Untergang Amerikas am Beispiel seiner Comic-Dekadenz schreiben will. Das sagt hoffentlich alles.

Der Award für den filmübergreifend schlimmsten Stil, Humor und Inhalt geht an Netflix für seine Comedy-Spielfilmproduktionen 2016: Mascots ist Spinal Tap für Normcore-Idioten, True Memoirs of an International Assassin ist die Art von Film, bei der man sich sogar in 10 Jahren noch ärgert, wenn man sie verkatert an einem Sonntagnachmittag versehentlich geschaut hat und der Rest ist so schlimm, dass wir ihn nicht erwähnen wollen, weil wir Angst haben, dass alleine die Filmtitel zu irreversiblen Schäden im Kleinhirn führen könnten. Sorry, Netflix. Wir lieben deine Serien (außer Sense 8) und alle deine Dokus, aber deine Komödien gehören vor der UNO diskutiert. 

Sorry, Netflix. Wir lieben deine Serien und alle deine Dokus, aber deine Komödien gehören vor der UNO diskutiert. 

Ebenfalls von Netflix und genauso würdig für eine Ehrenerwähnung, aber aus einem anderen Genre ist der dumpfe Sci-Fi-Kriegsfilm Spectral, der wahrscheinlich 1981 einen Award für Originalität gewonnen hätte, wenn er bei einem 48-Stunden-Filmwettbewerb für herausgeforderte Menschen eingereicht worden wäre. Auch hier passt der Vergleich mit Saving Private Ryan, zumindest was das Setting der Hauskämpfe angeht, und auch hier weiß man schon vorher sehr genau, wie die Geschichte weitergeht; und das ganz ohne historische Vorlage.

Auch Secret Life of Pets muss man zumindest kurz dafür schimpfen, dass sie Louis C.K.s gesamtkunstwerkende Filmografie besudelt haben. Die Story ist das Gegenteil von mitreissend und sogar Animation-Fanaten gähnen im Mittelteil beobachtbar laut. Kevin Hart als süßes weißes Häschen mit Black Attitude klingt auf dem Papier ganz lustig, ist in der Praxis aber doch alles lauwarmes Hundelulu als prickelnde Unterhaltung. 

Ein besonderer Dank ergeht zum Abschluss noch an Warcraft, Suicide Squad, Antibirth: Dank euch lernen auch filmwissenschaftlich wenig gebildete Menschen, dass Filmemachen anscheinend nicht so einfach ist, wie es oft ausschaut. Mahalo.

Markus auf Twitter: @wurstzombie
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Und noch mehr unterhaltungsmedialen Jahresend-Talk gibt es in der letzten Folge Lust auf Zorn

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