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Die glorreichen Combovers Asiens

Der australische Künstler Paul Schonberg fängt in seinem Buch die einzigartige Gabe älterer Männer ein, sich einen Dreck um deine Meinung zu scheren.

von Paul Schonberger
06 Mai 2015, 8:29am

Alle Fotos von Paul Schonberger

Der australische Künstler Paul Schonberger hat ein neues Buch veröffentlicht, das Up and Over heißt. Das Buch handelt von Combovers, genauer gesagt von den Rüberkämm-Frisuren von Männern mittleren Alters in Asien. Damit das klar ist: Er verarscht diese Typen nicht. Er will auch kein trauriges Bild verblichenen Glanzes präsentieren. Stattdessen sieht er seine Motive als übersehene Elemente der Gesellschaft, die gefeiert werden sollten. Wenn du dich mit Paul unterhältst, so wie ich es am Telefon tat, dann wird deutlich, dass er sie auf ein Podest stellt. Das geht so weit, dass er meint, er sei nicht würdig, der großen Glatzenbruderschaft beizutreten, die er so liebt. Hier ist unser Gespräch.

VICE: Hast du dieses Projekt geplant, oder hat es sich so nach und nach aus deiner Arbeit herauskristallisiert?
Paul Schonberger: Ursprünglich war es nur ein Hobby. Ich war hauptsächlich in Asien mit meiner Kamera unterwegs und all die alten Exzentriker inspirierten mich einfach. Man kann es Stalking nennen, aber auf eine freundliche Art. Ein Buch hatte ich definitiv nicht geplant.

Ehrlich, ältere Menschen inspirieren mich einfach allgemein. Was sie tun, wo sie schon waren und die Kleidung, die sie im Alltag tragen.

Es ist beeindruckend, wie sehr sich ältere Männer nicht um Dinge scheren. Ich habe neulich einen Typen gesehen, der trug ein frisches, sauberes Anzughemd mit Krawatte, ordentlich frisierte Haare und die bequemste Jogginghose, die ich je im Leben gesehen hatte.
Du hast Recht, es ist ihnen scheißegal. Ja, da steckt auch Humor drin, aber ich stelle diese Typen auf ein Podest. Ich finde, wir sollten sie anbeten und als Stil-Pioniere feiern.

Manchmal erscheint es mir auch so, als sei es für glatzköpfige Männer einfacher, Kameradschaft zu finden, als gäbe es eine Glatzenbruderschaft.
Viele von ihnen fühlen sich sehr wohl in ihrer Haut. Sie freuen sich, am Leben zu sein und machen sich um andere Sachen keine Sorgen. Sie sind einfach unterwegs und spielen Schach, oder tun, was auch immer sie tun.

Die Fotos sind hauptsächlich aus Japan, Korea, China und Singapur. Was waren die größten Unterschiede, die dir beim Fotografieren in den verschiedenen Ländern aufgefallen sind?
Ich schätze, es kommt darauf an, in welcher Gegend du bist, ob Arbeiterklasse, Geschäftsleute, etc...

Es gibt also Klassenunterschiede zwischen den verschiedenen Combover-Gruppen?
Ja, ich würde es Klassenunterschiede nennen. Manche Männer sind stolz und bei manchen kannst du ein gewisses Maß an Paranoia und Leugnen bemerken. Es ist einfach faszinierend. Allein die Zeit, die manche von diesen Rüberkämm-Frisuren in Anspruch nehmen.

Es gibt in Asien alle möglichen Bezeichnungen für die Frisur. Der Barcode, der Acht zu Zwei, der Streusel und sogar die Frisur aus der Sprühdose. Die Liste ist lang.

VIDEO: Diese Hunderasse wird wahrscheinlich nie Haarprobleme bekommen.

Ich schätze, ich habe noch nie eine bessere Lösung gesehen, außer vielleicht Haartransplantate, doch die sind schrecklich.
Man sieht viele Sportler mit Glatzenbildung, wegen der Steroide oder was auch immer sie nehmen. Ich denke der Combover ist der richtige Weg. Ich weiß allerdings nicht, ob ich selbst einer solchen Frisur würdig bin.

Andre Agassi trug jahrelang eine Perücke, weil sein Aussehen und die Millionen Dollar, die er verdiente, ihn so paranoid machten. Irgendwann sagte er einfach: „Leute, ich habe eine Glatze." Ich würde aber all die Werbeeinnahmen alten Männern geben, die herumsitzen. Ich finde, die haben es viel mehr verdient.

Gibt es Regionen von Asien, in die du unbedingt zurückkehren willst?
Es gibt eine Gegend in Korea, wo ich viel fotografiert habe. Es gibt dort ein paar Jugendliche, die interessante Sachen machen—aber auch viele langweilige Jugendliche, die einfach nur herumsitzen. Die alten Leute sind um 2 Uhr nachts draußen und hören Livemusik, kaufen sich bei Essensständen einen Snack und tragen, was auch immer sie wollen, inklusive Combover.

Es ist schön, nicht nur Menschen zu sehen, die sich so anziehen oder so tun, als würden sie auf die Meinungen Anderer pfeifen, sondern die es tatsächlich tun.
Sie gehen einfach ihrem Leben nach und haben Spaß. Sie leben einfach. Sie feiern jeden Tag die Tatsache, dass sie am Leben sind, bis sie irgendwann umfallen.

Interview von Ben Thomson. Folge ihm auf Instagram.