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Italiens Faschisten lieben Instagram

Ja, den Hashtag #fascistlove gibt es wirklich.

von Leonardo Bianchi
17 April 2015, 6:09am

Obwohl der italienische Faschismus schon lange vorbei ist, ist rechter Extremismus in Italien auch heute noch ziemlich angesagt. Man muss sich nur ein wenig auf italienischen Facebook-Seiten umzuschauen, auf denen Mussolini-Fotos und altbackene Regime-Slogans Tausende „Gefällt mir" absahnen.

Das wahre Internetparadies der Jungen und Rechten Italiens ist aber Instagram. mit Hahstags wie #fascistlove, #instafascio und #duxmealux [Der Führer, mein Licht] landet man schnell in einer Welt, in der sich Militante von CasaPound [eine Bewegung, die sich selbst als die „Faschisten des dritten Millenniums" bezeichnet], Hools von Lazio und des Roma FC sowie die üblichen Mussolini-Fanboys gegenseitig die Klinke in die Hand geben.

Und das hier, meine lieben Damen und Herren, sind die Grundelemente von dem, was wir in Italien FascioInstagram nennen:

Der römische Gruß

Der römische Gruß—in Deutschland vielleicht etwas bekannter als Hitler-Gruß—ist die faschistische Armverrenkung der Wahl schlechthin. Egal ob unisono von einem feistgrinsenden rassistischen Mob ausgeführt oder von einem einzelnen Typen mit Hassi, der auf dem Rand seines Hochbettes balanciert, der römische Gruß kommt bei Instagram immer gut an.

Hier sind drei harte Jungs, die das Erklettern eines Zaunes feiern:

So faschistisch, so fröhlich. Sieht fast so aus wie in dieser Werbung mit den Fußballfans, die diesen einen Savage Garden Song singen—nur viel rassistischer.

Der Lieblingsort, an dem Italiens Jungfaschisten ihren rechten Arm lüften, ist und bleibt aber das Fußballstadion. Tatsächlich entschied ein toskanisches Gericht vor ein paar Wochen erst, dass es vollkommen OK sei, bei Sportveranstaltungen den Führergruß zu zeigen.

Mussolini-Fanartikel

In Italien ist es recht normal für kleine Läden oder Kioske Feuerzeuge zu verkaufen, auf denen Mussolinis Konterfeit prangt. Ich habe mich immer schon gefragt, wer sich diesen Scheiß eigentlich kauft, aber jetzt weiß ich es: FascioInstagram-Fanboys! Schau dir nur dieses emotionale Instagram-Bekenntnis zu einem Mussolini-Feuerzeug an: „Es repräsentiert, wer ich bin :')" Richtig gesehen, ein Mussolini-Feuerzeug hat dieses arme Emoticon zu Tränen der Freude gerührt.

Warum aber bei Feuerzeugen aufhören? Jedes Kinderbett ist erst vollständig mit einem echten Fascho-Baseballschläger.

Oder wie wäre es mit einem schönen Flasche Mussolini-Wein? Du trinkst nicht? Kein Problem! Du kannst dir auch eine Kochschürze mit seiner kantigen Hackfresse zulegen. Es ist einfach für jeden was dabei.

Tattoos

FascioInstagram ist außerdem voll mit Tattoos, die bisweilen etwas mehr als nur subtil politisch sind.

„Der Führer, mein Licht" und eine total bedeutungsschwangere Axt.

Das SS [steht für „societá sportiva"] des SS Lazio Rom ist hier im Stil der Siegrune—einem weiteren Evergreen faschistischer Symbolik—dargestellt. Ganz schön gewitzt, oder?

Graffiti

Faschistische Kunst hört aber natürlich nicht bei Tattoos auf. In der Form rechtsextremer Graffiti verschönert sie die Mauern und Häuserfassaden Italiens. Was passt auch besser zur HipHop-Kultur, als gegen Minderheiten zu hetzen?

„Sex, Alkohol und Gaskammern."

Liebesbekenntnisse

Etwas Romantik darf natürlich auch nicht fehlen:

„Ich unterwerfe mich nur dir, Julia. Ich liebe dich."

Ja, den Hashtag #fascistlove gibt es wirklich und darunter findet man alle möglichen herzzerreißenden und zum Rassenhass anstachelnden Bilder.

„... du bist so schön wie Mussolinis Rede am Piazza Venezia ..." (<3)

Mussolini Leckereien

Wem die Liebe noch nicht süß genug ist, für den gibt es auch noch eine ganze Reihe faschistischer Schlemmereien, mit denen man sich den völkischen Wanst vollschlagen kann. Auf FascioInstagram gibt es eine eigene Kategorie für Süßkram und patriotisches Backwerk.

CasaPound Präsident Gianluca Iannone präsentiert eine faschistische Torte.

„Schwarzes Herz"

Was sagt #fascistlove besser als ein Cappuccino?

Zeigen, was für ein harter Kerl man ist

Das Leben des gemeinen Fascho 2.0 besteht natürlich aus noch viel mehr als Romantik, Gebäck und Kaffeepausen. In der Welt von FascioInstagram geben die Nachwuchsfaschisten auch gerne damit an, wie verdammt hart und kompromisslos sie sind. Hier haben wir zum Beispiel jemanden in einer Hitlermaske und einem alten Trikot von Lazio Rom.

Wer ein echter Faschist sein will, der muss auch mit den lächerlichsten Verletzungen angeben. Die Tatsache, dass diese blutigen Fingerknöchel mit dem Tag #fascistlove versehen sind, wirft dann aber doch ein paar Fragen auf.

#Messer

Aber warum dem Gegner bloß eins in die Fresse geben, wenn es doch Messer gibt? FascioInstagram ist geradezu besessen von bedrohlichem Schneidwerkzeug.

Insgesamt kann man bei FascioInstagram wunderbar sehen, wie weit die Popkultur-Auslegung des Faschismus eigentlich geht und wie sehr die Bildästhetik auch heute noch junge Italiener in ihren Bann zieht.

Tom Stevens und Peter Neumann vom King's College in London zufolge ermöglichen es das Internet und die sozialen Netzwerken politischen Extremisten, „ein neues soziales Umfeld" zu erschaffen, in dem, „ansonsten untragbare Ansichten und Verhaltensweisen normalisiert werden."

In ihrer Arbeit Countering Online Radicalisation – A Strategy for Action heißt es weiter, dass das Internet, „wenn Menschen von anderen Radikalen umgeben sind, zu einer virtuellen ‚Echo-Kammer' wird, in der die extremsten Ansichten und Vorschläge die meiste Bestätigung und Unterstützung erfahren."

Das ist auch genau das Argument, das ich hier machen möchte: Auch wenn es dir ein paar Likes einbringen mag, vor dem Altar für das Vaterland in Rom abzuhitlern und das dann auf Instagram zu teilen, ist es am Ende doch weit entfernt von der Normalität.