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Alles über Geld, was du nicht in der Schule gelernt hast

Auch wenn Sparen nicht als besonders cool gilt, du wirst es irgendwann lernen müssen. Wir haben einen Finanzexperten gefragt, wie auch du am besten zu Geld kommst.

von Matern Boeselager
22 November 2016, 10:45am

Mein bester Freund in der Schule war einer dieser Menschen, die immer Geld haben—und zwar, weil er ein wahnsinnig disziplinierter Sparer war. Wir trugen beide mal eine Zeit lang Zeitungen aus, aber während ich das verdiente Geld sofort für allen möglichen Mist ausgab, sparte er eisern jeden einzelnen Groschen .

Mit 15 oder 16 hatte er genug Geld gespart, um sich mit seinem großen Bruder einen eigenen PC zu kaufen. Alle in seinem Freundeskreis waren völlig überwältigt, dass jemand in unserem Alter derart astronomische Summen ansammeln konnte. Aber vor allem waren wir ziemlich aufgeregt: Bald würden wir bei ihm Computerspielen können, bis uns die Augen bluteten.

Daraus wurde leider nichts. Als der PC kam, setzte sein großer Bruder einfach mit Gewalt durch, dass das Ding in seinem Zimmer stehen würde. Mein Freund musste jedes Mal um Erlaubnis betteln, wenn er ihn benutzen wollte, und oft genug ließ der Bruder ihn aus reiner Willkür nicht ran. Es war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, ein brutaler Akt der Despotie. Und ich bin fest überzeugt, dass dieses Verbrechen mein Verhältnis zu den stillen Freuden des Sparens nachhaltig beschädigt hat.

Zumindest ist das eine gute Entschuldigung, warum ich so wahnsinnig schlecht im Umgang mit Geld bin. Es kann aber auch ein bisschen daran liegen, dass das Thema Geld an Schulen so gut wie nie angesprochen wird. Wenn man nicht das Glück hat, dass einem die Eltern ein paar Grundlagen vermitteln, muss man sich das Wissen selbst aneignen.

Denn auch wenn Sparen jetzt nicht als besonders cool gilt—es gibt jedenfalls nicht viele Rapsongs über Bausparverträge—, du wirst es irgendwann lernen müssen, wenn du nicht den Rest deines Lebens ein flaues Gefühl am Geldautomaten haben willst. Deshalb habe ich den Finanzexperten Hermann-Josef Tenhagen von der Plattform finanztip.de angerufen, damit er mir erklärt, was Studenten und Berufsanfänger tun können, um irgendwann mal etwas Geld übrig zu haben. Und um euch extra zu motivieren, habe ich den Artikel mit Instagram-Posts von reichen Menschen geschmückt, die euch ihre teuren Sachen zeigen.

1. Besorg dir das richtige Konto

Gute Nachrichten: Nur weil dein Vater dir zum 12. Geburtstag mal ein Jeans-Sparbuch von denen geschenkt hat, musst du nicht für den Rest des Lebens bei der Sparkasse deiner Kleinstadt bleiben. Such dir stattdessen eine Bank, die ein kostenloses Girokonto anbietet.

Wenn du das geschafft hast, dann leg dir noch ein Tagesgeld-Konto zu. Nicht wegen der Zinsen (die gibt es da aktuell auch so gut wie nicht), sondern als Rücklagen-Konto für Extra-Ausgaben. "Das ist das Konto, das dafür sorgt, dass ich nicht unter Wasser gerate", erklärt Tenhagen. Auf das Konto zahlst du dann am besten jeden Monatsanfang ein bisschen Geld. Das Ziel ist, rund zwei Monatsgehälter in diesem Tagesgeld-Konto gesammelt zu haben. Diese Rücklage ist deshalb so wichtig, damit du Tenhagens allerwichtigste Regel befolgen kannst:

2. Vermeide dein Konto zu überziehen

Eigentlich echt nett von deiner Bank, dass sie immer wieder bereit ist, dir ein bisschen unter die Arme zu greifen, oder? Nein, ist es nicht. "Das Konto zu überziehen ist das teuerste, was man an Kredit nehmen kann", warnt der Finanzexperte. Im Durchschnitt lassen Banken sich die gute Tat mit 10 oder 11 Prozent Zinsen bezahlen. Für jeden Tag, den du im Minus rumdümpelst, musst du blechen.

Kleine Rechenaufgabe: Wenn du jeden Monat ab Mitte des Monats ins Minus gehst rutschst und am Monatsende regelmäßig bei 1.000 Euro Minus ankommst, dann bist du 12 Monate im Jahr durchschnittlich 500 Euro im Minus—bei einem Zinssatz von 10 Prozent sind das immerhin 50 Euro im Jahr, die du der Bank für ihren Liebesdienst überweist.

3. Verarsch dich nicht selbst

Völlig verständlich, dass du gerne eine Playstation und einen riesigen Fernseher hättest. Wie sollst du die schleichende Verzweiflung über deinen erdrückend gleichförmigen Alltag sonst betäuben? Und das Beste: Dank immer mehr "Null-Prozent-Finanzierung"-Angebote, mit denen Elektronik-, Möbel- und Autohäuser Kunden anlocken wollen, ist das ganze Zeug auch für Leute ohne Ersparnisse erschwinglich.

Das ist erstmal in Ordnung, wenn es keine versteckten Nebenkosten gibt. Aber auch hier musst du höllisch aufpassen, dass du wegen dieser Zinsen nicht ins Minus rutscht—denn sonst kostet dich die eigentlich kostenlose Finanzierung plötzlich wieder 10 Prozent.

4. Setz dir ein Ziel, bevor du lossparst

"Ohne Ziel ist Sparen freudlos", erklärt Finanzexperte Tenhagen. Du solltest immer vor Augen haben, was du mit dem Geld eigentlich anfangen willst. Die wichtigsten Posten, an denen du sparen kannst, sind dabei immer: Energie, Handyverträge und Auto. Wechsel den Stromanbieter, wenn du einen billigeren finden kannst, nimm den billigsten Handyvertrag, mit dem du noch zurecht kommst, und besorg dir nur dann ein Auto, wenn du es wirklich brauchst. Wenn du es jetzt noch schaffst, nicht jede neue Limited Edition Super Box von jedem Rapper im Game zu kaufen, dann solltest du es hinbekommen, ein bisschen Geld auf die Seite zu legen.

5. Nimm im Job mit, was geht

Wenn du einen Job anfängst, dann versuch, so viel Extra-Würste herauszuhandeln wie möglich. Fragen kostet nichts, und wenn du am Ende mit einer U-Bahn-Monatskarte und vielleicht sogar einem Betriebshandy dabei herauskommst, dann hast du schon ordentlich Geld gespart.

6. Kredite kann man machen, aber nicht für jeden Scheiß

Wir haben ja jetzt schon gelernt, dass das Überziehen deines Kontos scheiße ist. Aber wie ist das mit den ganz normalen Ratenkrediten, die Banken auch anbieten? Darf man sich auf sowas überhaupt einlassen, oder ist der finanzielle Ruin damit praktisch vorprogrammiert?

Man darf durchaus, erklärt Tenhagen—aber er warnt: "Sinnvoll ist ein Kredit, wenn ich etwas fürs Überleben brauche." Das heißt, wenn man ein Auto braucht, um zur Arbeit zu kommen, oder eben eine neue Waschmaschine, dann kann man darüber nachdenken. Aber auf keinen Fall sollte man einen Kredit aufnehmen, um sich "Schnickschnack" zu gönnen. "Urlaub auf Kredit würde ich bleiben lassen—das ist Quatsch." Denn wenn plötzlich was passiert, wofür du dann wirklich Geld brauchst, dann kann das schwierig werden, wenn du schon einen Kredit laufen hast. Aber immerhin hast du dann schöne Erinnerungen.

Auch wichtig, wenn man einen Kredit nimmt: Lass dir von der Bank keine unnötigen Kosten aufschwatzen. Sehr gerne verkaufen Banker einem nämlich eine sogenannten "Airbag" oder eine Restschuldversicherung. "Die macht den Ratenkredit doppelt so teuer und ist völlig überflüssig." Lass dich also nicht drauf ein—die Bank darf den Kredit davon sowieso nicht abhängig machen.

7. Wenn du dann ein bisschen Geld zusammen hast

Wenn du bis jetzt brav alle Tipps befolgt und deine zwei Monatsgehälter im Tagesgeldkonto angesammelt hast, dann kannst du jetzt darüber nachdenken, dein Geld anzulegen.

Was du genau machst, kommt aber ein bisschen drauf an, wie lange du auf dein Geld verzichten kannst. Wenn du es nur für zwei oder drei Jahre anlegen willst, empfiehlt Tenhagen ein Festgeldkonto. Da legst du deine Kohle für einen vorher bestimmten Zeitraum ab, dafür bekommst du dann höhere Zinsen als bei einem Tagesgeldkonto. Du musst das Geld allerdings wirklich für die gesamte Laufzeit dort parken, sonst zahlst du Strafe.

Wenn du dein Geld für zehn Jahre anlegen willst, empfiehlt Tenhagen Aktien-Indexfonds. Das sind große Fonds, die viele verschiedene Aktien bündeln. Natürlich kannst du auch einfach losgehen und direkt in die Aktien einzelner Unternehmen investieren—aber seien wir ehrlich, du bist zu dumm dazu.

"Wenn du einzelne Aktien so kaufst, ist das, als wenn du als Pferdeliebhaber an die Trabrennbahn gehst", beschreibt das der Finanzexperte. "Wenn du was von Pferden verstehst, kann das gut gehen—muss es aber nicht. Wenn du nichts von Pferden verstehst, ist das reines Glücksspiel." Das heißt, du kannst genauso gut ins Casino gehen und 500 Euro auf Schwarz setzen—da kannst du nebenbei wenigstens noch ein paar schnöselige Cocktails trinken.

Aktienfonds dagegen sind so breit gestreut, dass sie eigentlich immer Gewinn machen—aber auf lange Sicht gesehen. Das heißt, sie gehen weder so stark runter noch so stark rauf wie der Rest vom Markt, haben aber in den letzten 15 Jahren immer mehr Gewinn gemacht als der Durchschnitt. Allerdings funktioniert das nur so richtig, wenn du das Geld eine Weile dort arbeiten lässt. Wenn du es in einer Niedrig-Phase wieder rausholst, hast du deinen Verlust für immer festgeschrieben.

8. So gehst so vor, wenn du dir irgendwann eine Wohnung oder ein Haus kaufen willst

Du hast es ja richtig weit gebracht, nicht schlecht! Aber auch hier hat der Experte ein paar wichtige Tipps: Wenn du Immobilien als Geldanlage kaufst, dann musst du darüber nachdenken, ob jemand auch tatsächlich die Miete bezahlt, die du haben willst. Und wenn du dir sicher bist, dass das funktioniert, dann muss noch der Kaufpreis stimmen.

Um auszurechnen, ob eine Wohnung zu teuer ist, nimmst du einfach eine Kaltmiete und rechnest die aufs Jahr hoch (mal zwölf, du Pisa-Kind). Jetzt nimmst du diese Jahresmiete mal 20. Wenn der Kaufpreis ungefähr bei 20 Jahresmieten liegt, ist alles in Ordnung. Bei allem über 25 Jahresmieten solltest du dringend die Finger davon lassen.

9. Denk daran, dass du irgendwann alt bist und deine Kinder sich nicht um dich kümmern werden

Gibt es irgendein langweiligeres Wort als "Pensionsvorsorge"? Pensionsvorsorge ist schon echt sehr, sehr langweilig. Bis man dann halt alt ist; dann ist das Thema plötzlich massiv interessant. Und wenn du dich jetzt nicht darum kümmerst, dann wirst du dich später dafür herzlich verfluchen.

Also mach dich am besten gleich schlau, ob dein Betrieb zum Beispiel eine betriebliche Pensionsvorsorge anbietet. Das ist nett, weil du zwar jeden Monat ein bisschen was einzahlen musst, dein Chef aber auch etwas dazuzahlt, und du am Ende mehr Geld hast, als du alleine zusammenkriegen könntest.

Fazit

Ja, ich weiß, es ist alles furchtbar langweilig und außerdem so, als würde es ewig dauern und enorm viel Disziplin erfordern. Stimmt auch. Und natürlich würdest du es viel lieber machen wie dieser eine Kommilitone von dir, der gerade 50.000 Euro verdient hat, weil er vor drei Jahren Bitcoins gekauft hat. Oder wie Yung Hurn, der sein Geld damit verdient, dass er betrunken Fußballernamen in Mikrofone plappert.

Aber hey: Du bist nicht dieser Kommilitone, und du bist auch nicht Yung Hurn (außer du bist Yung Hurn. In dem Fall: Hi, Hurn! Was hast du denn verkackt, dass du auf VICE Geldspar-Tipps lesen musst? Na ja, herzlich willkommen!). Deshalb tust du gut daran, dich mal ein bisschen zusammenzureißen und Geld zu sparen. Wenn Präsident Trump dann die Weltwirtschaft zerstört hat und niemand mehr einen Job hat, wirst du dich in der Schlange vorm Supermarkt ganz außerordentlich freuen, dass du unserem Rat gefolgt bist!

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