Alle Fotos: Grey Hutton

Fotos aus dem Fundbüro der Berliner U-Bahnen

Glasaugen, Gasmaken und 26 Kilo EC-Karten. Was auf Sitzen und an Haltestellen liegen bleibt.

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29 Juni 2017, 7:46am

Alle Fotos: Grey Hutton

An kaum einem Ort ist man näher am Zeitgeist als im Fundbüro der Berliner Verkehrsbetriebe. "Wenn ein neues Smartphone auf den Markt gekommen ist, haben wir das ein, zwei Tage später hier", sagt einer der Mitarbeiter der Berliner Verkehrsgesellschaft. In einer Kiste in der Ecke stehen fünf Boxen, jede gefüllt mit rund 300 Handys. Eins der Telefone fängt plötzlich an zu klingeln.

Alles, was in Berlins Bussen, Straßen-, U-Bahnen und an den Bahnhöfen gefunden oder abgegeben wird – und nicht offensichtlich in den Müll gehört –, landet in den schmucklosen Räumen der Potsdamer Straße 180/182. Jeder Regenschirm wird registriert und mit einer "Fundfahne" versehen, einem Zettel mit Objektbeschreibung, Fundort, Datum und gegebenenfalls den Kontaktdaten des Finders. Darunter ein Sixpack Billigbier, ein Udo-Jürgens-Pappaufsteller und ein Glausauge. 2016 kamen insgesamt 65.000 Gegenstände zusammen.

Dauerbrenner sind die kleinen Gegenstände, die das Leben deutlich einfacher machen, und die trotzdem in den dunklen Ecken der BVG-eigenen Schwerlastregale versauern: EC-Karten, Portemonnaies, Handys oder Schlüssel. Die größte "Belastung" im Fundbüro seien die Billigregenschirme, so die Mitarbeiter. Die werden so gut wie nie abgeholt und müssen trotzdem gespeichert und aufbewahrt werden, bis sie nach sechs Wochen endlich versteigert werden und Platz machen für Neues. Wer seinen 3-Euro-Schirm aus der Drogerie liegen hat lassen, spart womöglich sogar Geld, wenn er sich einen neuen kauft. Denn Fundsachen abholen kostet: Die Verwaltungsgebühr beträgt zwischen einem und sieben Euro, je nach Wert und Größe des Gegenstandes.


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Ungefähr 30 Prozent der Sachen werden abgeholt, sagen die Mitarbeiter des Fundbüros, die vorher fast alle als Fahrer gearbeitet haben. Was übrig bleibt, wird nach sechs Wochen versteigert. Regenschirme in Bündeln von 20 bis 25 Stück, Schuhe kistenweise, der Rest einzeln. Smartphones dürfen aus Datenschutzgründen nicht versteigert werden. EC-Karten sammeln die Mitarbeiter in einem Alueimer, schreddern und verbrennen sie. Zur Zeit befinden sich in dem Eimer 26 Kilo EC-Karten aus den letzten drei Monaten (wir haben gewogen).

Die beiden Mitarbeiter, auf die wir treffen, haben bisher noch nie was in der Bahn verloren, im Gegensatz zu einigen Stammkunden. Die kommen alle zwei Wochen vorbei.


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