Hausbesetzung

Ich habe 24 Stunden in einem besetzten Haus verbracht

Diskutieren haben die Besetzer an der Uni gelernt. Jetzt wollten sie ein bisschen Action.

von Lea Albring
12 Juni 2017, 8:11am

"Hi, hier ist das Squat Bochum. Kannst vorbeikommen und dich bei uns vorstellen." Auch beim zweiten Telefonat keine Namen. Dass Hausbesetzer nicht ihre Namen nennen, wundert mich nicht. Dass ich sie überhaupt anrufen kann, überrascht mich schon. Eine Presse-Telefonnummer steht auf ihrem Twitter-Profil. Hier berichten sie jeden Tag über den Stand ihrer Sache, die rechtlich gesehen eben nicht ihre Sache ist. Spendenaufrufe, Solidaritätsbekundungen und bedruckte Soli-Jutebeutel ("Home sweet home"): Ist das die Vermarktung einer Hausbesetzung? Aktivismus 2.0? Ist ein guter Draht zur Öffentlichkeit wichtiger als stabile Barrikaden?

Am nächsten Morgen steige ich über eine Leiter, die auf Europaletten steht, durch ein kleines Fenster im Innenhof. Wie sie die Wohnungen geöffnet haben, woher der Schlüssel für das Ladenlokal im Erdgeschoss kommt, will mir keiner sagen. Ich habe eine Einladung zur Geburtstagsparty bekommen, aber mitspielen darf ich nicht. Das Untergeschoss ist verbarrikadiert, alte Schränke und Gerümpel aus dem Keller verhindern den Zutritt. In das Ladenlokal kommt man nur von der Straße aus, deshalb ist im ersten Obergeschoss erstmal die letzte Station.

8:00 Uhr: "Ich glaube, die Bochumer Polizei weiß einfach nicht, wie man räumt."

Seit dem 19. Mai ist der grüne Altbau mit der bröckelnden Fassade an der Herner Straße 131 besetzt, das gab es in Bochum seit fast 20 Jahren nicht mehr. Warum auch, die Mieten sind vergleichsweise gering, in Bochum zahlt man für 66 Quadratmeter in guter Lage 341 Euro kalt, der Quadratmeterpreis liegt bei 6,21 Euro. In Wien sieht das ganze so aus. In Berlin kosten vergleichbare Angebote das Doppelte, in München auch mal das Dreifache. Eine Statistik zu besetzen Häusern in Deutschland gibt es nicht, nur für Berlin zeigt eine interaktive Karte alle aktuellen und ehemaligen Besetzungen. Seit den 70ern sind das mehr als 630 besetzte Häuser. Die meisten von ihnen gibt es nicht mehr, Neubesetzungen werden meistens innerhalb der ersten 24 Stunden geräumt.

Nicht so in Bochum. Auch nach knapp drei Wochen sitzen die Hausbesetzer noch in "ihrem" Hinterhof. Mit Elementen der Gebärdensprache lenken sie ihre Diskussion, Händewackeln bedeutet Zustimmung, eine Roll-Bewegung mit beiden Händen heißt "zum nächsten Thema". Diskutieren haben sie an der Uni und alternativen Gruppen gelernt. Jetzt wollten sie mal ein bisschen mehr Action.

Das Haus haben sie schlau gewählt: Richtig verfallen ist es nicht, renovierungsbedürftig schon. An die Vormieter erinnern in einigen Wohnungen noch die Wandfarben in Pastell-Grün und Lila und Tapete mit Schmetterlingsmuster; der letzte Mieter ist letztes Jahr ausgezogen. Die Besitzerin ist eine ältere Frau, die bei der Stadt verschuldet ist. Der Marktwert des Hauses liegt bei 181.000 Euro, bei einer Zwangsversteigerung am 22. Juni soll das Haus einen neuen Besitzer finden. Wenn es nach den Hausbesetzern geht, gibt es die schon. Ihr Ziel: Im 120 qm großen Ladenlokal im Erdgeschoss soll ein selbstverwalteter Nachbarschaftsladen oder ein Kulturtreffpunkt entstehen.


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Die Wohnungen wollen sie Bedürftigen, Obdachlosen oder Geflüchteten geben. Ein Fall aus Köln zeigt, dass das keine Utopie ist: Vor einem Jahr mietete die Stadt Köln ein Haus an der Zülpicher Straße, um dort zu renovieren und Geflüchtete einziehen zu lassen – und kam damit den Forderungen der Aktivisten nach, die das Haus ein halbes Jahr lang besetzt hatten. Aber es gibt auch Negativ-Beispiele wie die Räumung der Liebigstraße 14 in Berlin zum Beispiel. 2011 wehrten sich Aktivisten dort mit Feuerlöschern gegen die räumende Polizei, am Ende gab es 30 Festnahmen und 8 verletzte Polizisten.

Im dritten Stock, in einem rund 40 Quadratmeter großen Zimmer mit Holzbalken, Erker und holzvertäfelter Decke, hängt ein Whiteboard, darauf Fragen für die nächste Diskussionsrunde: Soll das Haus "Alte Dame", "Grüne Freiheit" oder doch lieber "Klaus-Jürgen-Rattay-Haus" heißen, nach einem Hausbesetzer, der 1981 bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam? Es ist eine Entscheidung zwischen Nostalgie, Kitsch und Rebellion.

In dem Zimmer treffe ich auf Simon. Bis gerade hatte er Schutzschicht, was heißt: "Aus dem Erkerfenster die Straße beobachten, und per Walkie-Talkie Meldung machen, wenn Polizisten oder Faschisten auftauchen", wie er sagt. Einmal tauchte eine Streifenpolizei auf und bat, leiser zu sein. Und sie berichten, sie hätten einzelne "Faschisten" vorbeilaufen sehen, einer habe das Haus wohl fotografiert.

Eine Plaudertasche ist Simon nicht, ein Analyst schon: "Tagsüber wird fast nie geräumt, die brenzlige Zeit ist zwischen drei und sechs Uhr morgens", sagt er. Das habe vor allem pragmatische Gründe: "Jetzt die Herner Straße für eine Räumung sperren? Das wäre ein riesen Chaos." Die Straße ist eine Hauptschlagader im Bochumer Stadtzentrum, Auf- und Abfahrt der A40 sind 500 Meter die Straße runter, Autos aus Dortmund, Recklinghausen, Gelsenkirchen und Herne fahren im Sekundentakt vorbei. Und auch die bisherige Zurückhaltung der Bochumer Polizei sieht Simon pragmatisch: "Ich glaube ja, dass die gar nicht wissen, wie man räumt. Vielleicht sind die auch noch in einem Crash-Kurs." Was alle hier wissen: Hausbesetzungen gegen den Willen des Eigentümers sind Hausfriedensbruch – bei einer Verurteilung kann das ein Jahr Gefängnis bedeuten. Und trotzdem: Im Haus herrscht Ferienlager-Stimmung, als wäre das Schlimmste, was passieren kann, dass der Soli-Tabak alle ist.

9:00 Uhr: Offenes Haus, verschlossene Hausbesetzer

Im dritten Stock sind mehrere kleine Zimmer bewohnt oder durch Namensschilder reserviert. So sieht also Freiraum für alle aus? "Die Dauerbesetzer brauchen Rückzugsräume, die alle respektieren", erklärt mir Isa später beim Rauchen. Vick ist einer von ihnen. Ohne dass ich ihn danach frage, bietet er mir an, bei sich zu fotografieren. Vorher räumt er aber noch ein paar Bierflaschen weg, kommt dann nochmal wieder, um ein AKP-kritisches Plakat abzuhängen. Ein Hausbesetzer, der gemocht werden und deswegen niemanden verschrecken will.

9:30 Uhr: "Früher war ich nur ein Sauf-Punk."

Rumsitzen vor dem Haus, zusammen mit Ephraim und Wiesel, die Schutzschicht findet jetzt unten statt. Es ist wie bei einem Festival: Rumhängen auf dem Zeltplatz, bevor der erste interessante Act spielt. Menschen laufen vorbei, mustern die Transparente an der Hausfassade: "Wir bleiben alle","Friedlich besetzen statt Hassen und Hetzen". Flex und Xuxu schmeißen Flyer in Briefkästen, laden Nachbarn zu einer offenen Diskussion am Abend ein. Auch sie sollen mitentscheiden, was mit dem Haus passiert.

Das Ladenlokal im Erdgeschoss soll ein Kulturzentrum werden

Nach ein paar Minuten steht ein Nachbar vor uns: "Ihre Zettel können Sie behalten, wir empfinden das als Belästigung", sagt der grauhaarige Karohemd-Mann. Die meisten anderen Nachbarn sind deutlich freundlicher. Carsten sitzt mit einer Flasche Bier häufig vorm Ladenlokal. Er wohnt direkt daneben, ist Ur-Bochumer, lebt von Hartz IV. "Ich hab' dat ausm Fenster beobachtet", sagt er. "Dass die da rein sind ins Haus."

Carsten versteht sich gut mit den Besetzern, staubt öfter mal ein Bier ab.

Er freute sich, dass mal was los ist im Viertel, hat auch schon einen großen Topf Nudeln für die Besetzer gekocht: "Nur an dat vegan habe ich nich gedacht."

Andere Anwohner und Unterstützer haben den Kühlschrank, den mobilen Gasherd und eine funktionierende Spülmaschine gespendet, die jetzt in der Küche stehen. Autos hupen beim Vorbeifahren. Ein Fahrer der Bochumer Stadtreinigung streckt kämpferisch seine Faust aus dem Fenster seines orangenen LKWs. Es scheint, die meisten Deutschen freuen sich über ein bisschen Rebellion in ihrer Nachbarschaft.

Die Hymne der Hausbesetzer ist Rio Reisers "Rauch-Haus-Song" von 1972: "Ihr kriegt uns hier nicht raus, das ist unser Haus". Keiner in der Herner Straße 131 war geboren, als der Song rauskam. Manche tragen Zahnspangen, einige kommen erst am Nachmittag, weil sie davor noch in der Schule sitzen. Wissen eure Eltern, dass ihr ein Haus besetzt?

"Ich habe meine Mutter sogar hierhin eingeladen, gekommen ist sie aber noch nicht", sagt Ephraim.

"Ich wohne sonst alleine, da kriegt meine Mutter das nicht mit", sagt Flex. Keiner der Hausbesetzer ist obdachlos, alle haben eine eigene Wohnung, leben in einer WG oder noch zu Hause. Was sind ihre politischen Ziele? "Ich will mir selbst und anderen beweisen, dass Gemeinschaft funktioniert. Ein Haus für Bedürftige, das geht nicht, wenn es weiter verfällt. Wir wollen es der kapitalistischen Verwertungslogik entziehen, im Ladenlokal einen Raum der Begegnung schaffen."

Weniger auswendig gelernt klingt die Antwort von Wiesel: "Früher war ich Sauf-Punk. In einer anderen Stadt war ich schonmal bei einer Besetzung dabei, die hat mich erst politisiert. Ich bin der Meinung, dass Freiheit alles ist. Wenn etwas nicht genutzt wird, warum können wir es uns dann nicht nehmen und etwas Gutes daraus machen?"

Schon drei Polizeiautos sind an uns vorbeigefahren. Wäre nicht ein bisschen Aufregung angebracht? "Ne, ne, vor der Autobahnauffahrt ist doch die Wache", erklärt Wiesel.

Mit einem gemieteten Sprinter fahren die Besetzer ihren Müll zur Deponie.

13:00 Uhr: Plenum mit Emo-Runde

Erstes Plenum. Zehn Leute sitzen im Erkerzimmer im Kreis. Am Anfang sagt jeder, wie es ihm gerade geht, ob er gut geschlafen hat, wie Motivationsstand ist, sowas. "Ich bin satt und habe neue Kraft", sagt Ara, die gerade einen Tag lang in ihrer eigenen Wohnung war. Lisa erzählt, sie sei genervt, weil viel Büro-Arbeit an ihr hängen bleibe. Am Abend wird sich ein Besetzer, der bisher noch keinen Büro-Dienst gemacht hat, für die nächste Schicht melden. Die Emo-Runden sind ein bisschen wie Arztbesuche: Wer sich schlecht fühlt, bekommt einen imaginären gelben Schein.

"Ist noch ein Handy im Raum", fragt Lisa panisch nach fünf Minuten? Eine Abhör-Aktion scheint gleichzeitig logisch und absurd: Einerseits begehen sie Hausfriedensbruch, sind möglicherweise schon strafrechtlich aufgefallene Linksaktivisten. Andererseits wird hier gerade über Sinn und Unsinn einer Jam-Session, die sich nicht an Anfänger wendet, also Menschen ausgrenzt (!), debattiert. "Ein paar Musiker-Freunde von mir würden das machen. Die haben schlechte Erfahrungen mit Leuten, die sich irgendwann angesoffen auf die Bühne stellen und keinen geraden Ton spielen können", meint eine. "Wollen wir nicht allen Menschen die gleiche Chance geben?", hält ihr ein anderer entgegen. Eine Viertelstunde kreist das Gespräch darum.

19:00 Uhr: Support aus der Szene

Über den Tag verteilt habe ich über 20 Leute im Haus gezählt, die Grenzen zwischen Besetzern und Unterstützern sind nicht eindeutig. Die Gruppe ist beides: dynamisch und abgeschlossen. Nachbarn sind willkommen, solange sie supporten. Ist die offensive Einbindung der Nachbarn eine weitere PR-Maßnahme? Prävention gegen Ruhestörungsanzeigen bei der Polizei? Ehrliches Bestreben, das Ganze auf eine breite Basis zu stellen? Ungefähr 20 Leute sind zur Diskussion gekommen, im Business-Sprech bilden sie einen Think Tank zur Zukunft des Hauses. Im Ladenlokal gibt es für 1,50 Euro Hansa Pils und Mate, warm. So kommt ein bisschen Geld in die Kasse, die Besetzer leben gerade hauptsächlich von Spenden, nach denen sie bei Twitter gezielt fragen. Ob es eine Gemeinschaftskasse gibt, oder wie der Sprinter bezahlt wird, darüber sagen sie nichts.

"Eins muss ich ja mal sagen", applaudiert ein circa 50-jähriger Mann mit Baskenmütze, der sich als Hausbesetzer aus den 80ern vorstellt: "Ihr habt ein super Haus besetzt. Das Ladenlokal ist perfekt, um einen sozialen oder kulturellen Treffpunkt fürs Viertel einzurichten." Dann meldet sich ein Typ, Ende 30, Anfang 40 zu Wort: "Ich war bei der Ex-Steffi in Karlsruhe dabei. Braucht ihr Tipps gegen die Polizei? Ich weiß ja gar nicht, wer ihr seid, wofür ihr steht. Aber prinzipiell unterstütze ich euch."

Moderatorin Kati bedankt sich für den Hinweis, lenkt das Gespräch aber schnell wieder auf den Nutzungsplan. Bei dem Treffen zeigt sich, was passiert, wenn drei Generationen Hausbesetzer aufeinandertreffen: Der Baskenmützenmann war bei fünf Besetzungen in den 80ern dabei, erzählt er, auch bei der BO-Fabrik, die im Februar 1982 von 1.000 Polizisten geräumt wurde. Nostalgie und Solidarität haben ihn hergeführt. Der Ex-Steffi-Besetzer will prinzipiell nicht mit der Presse sprechen, dafür mit den Besetzern. Sein Dilemma: Die Presse (also ich) ist an seinen Geschichten interessiert, die aktuellen Besetzer nicht. Sie wollen einen Kiezladen statt Krawall-Tipps.

21:35: Reden, reden, reden

Schon wieder ein Plenum. 15 Leute sitzen bei Kerzenschein zusammen – Strom gibt es nur für die Küchengeräte und im Bad. Eine Meta-Reflexion der abendlichen Diskussion, dann erzählt eine andere Arbeitsgruppe, wie das Treffen mit dem Anwalt gelaufen ist. Briefe an den Bürgermeister und verschiedene Stadtfunktionäre sollen geschrieben werden, um ein Signal zu senden. Die Message: Wir sind gesprächsbereit. Offen ist, ob jemand mit ihnen reden will.

00:47: "Wenn du Glück hast, kannst du vor der Räumung noch eine rauchen."

Kein Gefühlsgerede beim letzten Plenum mitten in der Nacht. Jetzt geht es um den Ernstfall, welche Taktik gibt es im Fall einer Räumung? Widerstand oder Wegtragen? Die Sorglosigkeit des Tages ist einem wohligen Schauer gewichen. Neun Leute werden heute im Haus übernachten. "Stell dich mal drauf ein, dass du mindesten eine halbe Stunde Zeit hast, bevor die Bullen oben sind", sagt Wiesel. "Wenn du Glück hast, kannst du vor der Räumung noch eine rauchen." Während unten die Tür aufgebockt und die Barrikaden gelöst werden, muss oben ein abgesprochenes Programm abgespult werden: "Das Pressehandy muss vernichtet werden.

Aber am wichtigsten ist, dass wir uns alle hier treffen. Dass wir uns auf eine Version einigen, die wir dann den Bullen erzählen. Ob du freiwillig raus gehst oder dich wegtragen lässt, ist deine Sache. Wegtragen ist aber immer gefährlich: Jeder Ausrutscher, jedes Zucken kann als Widerstand gewertet werden. Und dann bist du am Arsch." Auf eines haben sich die Besetzer geeinigt: keine Gewalt, zu keinem Zeitpunkt.

Ein paar Tage später, Anruf bei der Bochumer Polizei: Nein, sagt der Polizeisprecher, einen Polizisten für die Beobachtung des Hauses abgestellt haben sie bisher nicht: "Das erledigen wir mit unseren Streifen", sagt er. Seit fast 20 Jahren hat die Bochumer Polizei kein Haus mehr geräumt. "Das letzte war die alte Feuerwache, Anfang der 2000er." Beim Haus an der Herner Straße sehe die Polizei aber aktuell keine akute Gefährdungslage: "Eine Räumung ist für uns die letzte Option, von der wir nicht hoffen, dass sie stattfinden muss." Er sagt, die Stadt spreche noch mit der Eigentümerin, solange so nach einer konstruktiven Lösung gesucht werde, mische man sich nicht ein.

1:30: Und wenn es brennt?

Ich suche mir einen Schlafplatz. Wo, ist egal. "Such dir was Bequemes", heißt es. Ich entscheide mich für eine Wohnung im Obergeschoss. Ich nehme das Zimmer neben einer alten Küche, stelle mir ein Teelicht aus dem Bad vor meine Isomatte. Die Wachposten, die nicht ahnen, dass die Polizei gar nicht daran denkt anzurücken, sind in Stellung. Die Leiter wird hochgezogen. Wenn keiner mehr reinkommt, kommt auch keiner mehr raus. Überall brennen Teelichter. "Was ist, wenn es brennt?", frage ich mich plötzlich. Ein Brand durch die Kerzen ist tatsächlich die größere Gefahr als Tritte von Polizisten. Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, bin ich eingeschlafen.

7:30: Kurze Nacht, tiefer Schlaf

"Yo, ich weiß nicht, wie lange du pennen willst, aber deine 24 Stunden sind bald rum", weckt mich Vick. Mein Kurztrip in die Revoluzzer-Welt ist vorbei. "Willst'n Kaffee?" Er hat die ganze Nacht Wache gehalten.

Wer ins Haus will, muss an der Fensterwache vorbei.

Neben den gemeinsamen Plänen ist es vor allem das gemeinsame Risiko, das die Gruppe verbindet. Sie spielen Räuber und Gendarm im echten Leben – und ohne dass der Gendarm vermutlich je kommen wird. Eine Protestdemo in der Bochumer Innenstadt im Falle einer Räumung haben sie trotzdem schon geplant.

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