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Der Neonazi, der einen Rapper getötet haben soll, wurde noch vor seinem Prozess entlassen

Griechenland erlebt das nächste Kapitel im extrem verzögerten Mordprozess eines Mitglieds der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte.

von Melpomeni Maragkidou
21 März 2016, 11:10am

Giorgos Roupakias bei einem Gerichtstermin | Foto: Dimitris Michalakis von VICE Griechenland

Vor zweieinhalb Jahren hat ein rechtsradikaler Grieche mutmaßlich einen Rapper in den Straßen von Athen erstochen. Pavlos Fyssas, ein 34-Jähriger, der unter dem Namen MC Killah P rappte, erlag in derselben Nacht seinen Verletzungen. Giorgos Roupakias, ein 47-jähriges Mitglied der rechten Partei „Goldene Morgenröte", wurde im Zusammenhang mit dem Mord in Gewahrsam genommen. Nachdem er 30 Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte, wurde Roupakias vergangenen Freitag auf freien Fuß gesetzt, denn er hat die maximale Dauer der vorübergehenden Verwahrung hinter sich und der Prozess in dem Fall hat noch nicht begonnen.

In der Zwischenzeit wird der sensationelle Prozess um den Vorwurf gegen Goldene Morgenröte, die Parteimitglieder hätten eine kriminelle Vereinigung gebildet, immer wieder verzögert. Noch immer ist sein Ende nirgends in Sicht. Pavlos Fyssas, dessen Texte eine deutlich antifaschistische Botschaft hatten, wurde am Abend des 17. September 2013 von der Neonazi-Gruppe angegriffen, während er mit Freunden in einem Café ein Fußballspiel ansah. Roupakias fügte ihm mutmaßlich die tödlichen Stichwunden zu und der noch lebende Fyssas teilte der Polizei nach ihrem Eintreffen mit, wer ihn verletzt hatte. Dies war ein Wendepunkt in der Sicht der etablierten Parteien auf Goldene Morgenröte, welche sich bis dato darauf beschränkt hatte, Immigranten und Minderheiten anzugreifen.

Roupakias wurde am Freitagmorgen freigelassen. Polizeibeamten fuhren ihn von dem Gefängnis Korydallos nach Hause. Die Nachbarn waren nicht erfreut: Als er vorbeifuhr, wurden Beleidigungen gerufen. Die Nachricht über seine Freilassung erregte in Griechenland viel Aufsehen. Roupakias wird vorsätzlicher Mord vorgeworfen und er gehörte zu einer (mutmaßlich) kriminellen Vereinigung. Er war Mitglied der Parteiniederlassung von Goldene Morgenröte in der Stadt Nikaia—eine Beziehung, die kurz nach seiner Festnahme erst noch abgestritten wurde. Zwei Jahre später übernahm der Parteichef Nikolaos Michaloliakos die politische Verantwortung für den Mord.

Warum er freigelassen wurde

Die maximale Dauer der Untersuchungshaft für Roupakias ist am 18. März 2016 abgelaufen, 30 Monate nach seinem Geständnis in dem Mordfall am 20. September 2013. Die maximale Dauer seiner Verwahrung hat die 18 Monate überschritten, die im griechischen Gesetz festgelegt sind, da gegen Roupakias auch noch andere Anklagen vorlagen.

Wie es weitergeht

Roupakias befindet sich unter durchgehendem Hausarrest mit Polizeibewachung. Nur zu Gerichtsterminen darf er mit drei Wachen sein Haus verlassen. Auch darf er Griechenland natürlich nicht verlassen.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass Roupakias' Anwesenheit bei allen Stadien des Prozesses gewährleistet sein muss. Jetzt müssen wir sehen, wie gut diese Sicherheitsmaßnahmen sind", sagte Andreas Tzelis, der Anwalt der Familie Fyssas, gegenüber VICE Griechenland.

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„Sowohl die Familie als auch die Staatsanwaltschaft wünschen, dass er bei allen Gerichtsterminen anwesend ist. Wir möchten, dass diese Person anwesend ist, wenn das Urteil gefunden wird. Was ich meine, ist vermutlich allen klar, und offensichtlich herrscht Sorge, dass es nicht so weit kommt. Ich hoffe, dass die verhängten Einschränkungen ausreichen und zu dem von uns gewünschten Ergebnis führen.

„Dies ist ein trauriger Tag für die Familie", fuhr er fort. „Die Familie ist verbittert, und zwar seit September 2013. Verbittert und wütend."

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