​Hat die Dortmunder Polizei einen Flüchtling misshandelt?

Beschimpft, geschlagen, gedemütigt: Ein Flüchtling erhebt schwere Vorwürfe gegen die Dortmunder Polizei. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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24 März 2015, 10:45am

Symbolbild (aus der Berliner Gürtelstraße). Foto: Jermain Raffington

Die Dortmunder Polizei hat ein Flüchtlingsproblem. Genauer gesagt, ein Problem mit einem Flüchtling, der schwere Vorwürfe erhebt.

Amadou, dessen Namen wir geändert haben, weil er aus Angst vor Repressionen unbedingt anonym bleiben will, erzählt Folgendes: Anfang Februar wurde er in Dortmund von der Polizei kontrolliert und in Handschellen in eine Polizeiwache gebracht. Ohne ihm etwas vorzuwerfen, wie er sagt. Stattdessen sei er mehrfach geschlagen worden und hätte sich vor Zivilpolizistinnen nackt ausziehen müssen. Das ist seine Geschichte.

Amadou hat sich entschlossen, diese Geschichte öffentlich zu machen. Freunde von ihm haben sein schockierendes „Gedächtnisprotokoll" auf der linken Plattform Indymedia veröffentlicht. Auch wenn Amadou heute davon erzählt, trübt sich sein Blick, er wirkt traurig und nachdenklich.

Anfang Februar: Amadou ist in der Dortmunder Nordstadt unterwegs, als er von einer Polizeistreife angehalten und nach seinem Ausweis gefragt wird. Er kennt das schon, es ist nicht das erste Mal, dass er auf der Straße von der Polizei kontrolliert wird. „Ich habe mein Portemonnaie rausgeholt und auf eine Fensterbank gelegt", erzählt er. Einer der Polizisten habe es daraufhin an sich genommen. „Dann wurde ich noch mal nach meinem Ausweis gefragt, ich habe dann gesagt, dass der in meinem Portemonnaie ist, das sie ja schon haben. Ein Polizist hat dann gesagt, dass ich im Wagen mitkommen muss. Ich bin dann ohne Widerstand zum Streifenwagen gegangen."

Im Streifenwagen, erzählt Amadou, wollte er seinen Anwalt anrufen. „Ich habe den Polizisten das gesagt und mein Handy rausgeholt. Einer der beiden Polizisten, die neben mir saßen, wollte mir das dann wegnehmen. Der dritte Polizist kam dann auch in den Wagen und hat mit seinem Schlagstock nach meiner Hand geschlagen. Ich hatte Angst und habe angefangen zu schreien. Da hat der mich dann mit seinem Schlagstock an meiner Kehle gegen den Sitz gedrückt. Danach wurden mir Handschellen angelegt", sagt Amadou.

Die Wache, auf der Amadou misshandelt worden sein soll. Foto: Felix Huesmann

Auf der Polizeiwache sei er von dem Polizisten dann auch geschlagen worden. Er spricht von zwei Ohrfeigen. „Ich habe die ganze Zeit geweint. Danach musste ich mich komplett ausziehen, dabei waren auch weibliche Zivilpolizistinnen im Raum." Amadou sagt, er sei daraufhin gar nicht befragt worden, sondern hätte die Polizeiwache verlassen können. Warum man ihn mitgenommen hätte, sei ihm auch nicht verraten worden. In dem Text auf der linken Plattform Indymedia schreibt er noch, zum Abschied habe man ihm unter Gelächter lediglich etwas gesagt, das er nicht verstehen konnte. Amadou spricht zwar etwas deutsch, für längere Gespräche braucht er aber einen Übersetzer.

Nachdem er entlassen wurde, hat Amadou direkt einen Freund angerufen. „Er hat mich angerufen und ich habe erstmal nichts verstanden, weil er total am Heulen war. Ich hab nur zwei Worte verstanden: Boxen und Polizei", erzählt Jochen (Name geändert), wie die Geschichte für ihn begonnen hat. „Ich hatte vorher geschlafen und bin dann aufgesprungen und hab das meinen Mitbewohnerinnen erzählt. Dann habe ich ihn zurückgerufen und ihn wieder nicht richtig verstanden. Ich bin erstmal zu Hause losgegangen, um ihn zu suchen." Kurz später hat ihn dann eine Freundin von Amadou angerufen, die ihn zufällig hinter der Polizeiwache getroffen hatte. „Als ich da war, war Amadou völlig am Boden zerstört und musste sich erstmal beruhigen, bevor er mir erklären konnte, was passiert ist."

Am Tag danach waren sie dann bei einem Arzt. Laut Attest, das er mir gezeigt hat, hat der Arzt bei Amadou eine Kehlkopfprellung und eine Gesichtsprellung diagnostiziert. Die psychischen Auswirkungen beschreibt Amadou aber als schlimmer: „Es ging mir ziemlich schlecht und ich musste viel darüber nachdenken. Vor allem über die Frage, warum die das getan haben. Ich wurde zwar schon öfter kontrolliert, aber noch nie von der Polizei geschlagen."

Die Gruppe „Refugees Welcome Dortmund" hat den Vorfall zum Anlass für eine Kundgebung am „Internationalen Tag gegen Polizeigewalt" am 15. März genommen. Dabei ging es vor allem auch um „Racial Profiling". Die Hochschulgruppe von Amnesty International bezeichnete diese Polizeipraxis dort in einer Rede als Verstoß gegen Grundgesetz, EU-Recht und Menschenrechte.

Und was sagt die Dortmunder Polizei zu den Vorwürfen? Dort heißt es, „Racial Profiling" sei kein Thema. „Die Kollegen auf der Straße richten sich nicht nach Hautfarbe, sondern nach der Kenntnis vorangegangener Sachverhalte", sagt ein Polizeisprecher am Telefon.

Im Fall von Amadou hat die Veröffentlichung seiner Geschichte im Internet zu internen Ermittlungen geführt. Das Kommissariat für Beamtendelikte habe den Fall durchermittelt, dabei sei man allerdings zu einer anderen Darstellung als in dem bei „Indymedia" veröffentlichten Text gekommen. Mittlerweile liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft, die jetzt entscheiden muss, ob ein Strafverfahren gegen die Polizisten eingeleitet wird.