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Die Nachrichten nach dem Kater

Hangover-News, 27. März 2017​

Trump hat Merkel eine gefakte Rechnung hingelegt, nackte Aktivisten schlachten vor dem KZ Auschwitz ein Schaf, die Grünen drohen den Jungen Grünen mit dem Rausschmiss und die Kandidaten einer TV-Show wussten monatelang nichts vom Aus ihrer Sendung.

von Christian Fahrenbach
27 März 2017, 7:32am

Skandal! Nie sind die Wochenenden lang genug – und für diesen Samstag und Sonntag gilt das dank Zeitumstellung gleich mal doppelt. Aber gut. Verschlafen murmeln wir: "Spring forward – Fall back" und stellen unsere Uhren eine Stunde vor.

Die Menschen im Saarland haben das offenbar ganz gut hinbekommen, denn die Beteiligung bei der Landtagswahl dort stieg um acht Prozentpunkte. Ansonsten steht nach der Wahl in dem kleinsten und verrufensten deutschen Flächenland fest, dass der "Gottkanzler" Martin Schulz das Übers-Wasser-Laufen noch üben muss und eine Frau Ministerpräsidentin bleibt, die sich ihr Namenskürzel mit der Altkatholischen Kirche und dem Altonaer Kinderkrankenhaus teilt.

Wir widmen diesen Wochenstart den absurderen Seiten des Weltgeschehens: einem US-Präsidenten, der absurde Rechnungen schreibt, einem Dreijährigen, der in einem Spielzeugautomaten gefangen war. Außerdem dabei: eine Frau, die einer Klofrau 30 Cent geklaut hat und britische Reality-TV-Kandidaten, die nicht merkten, dass ihre Show bereits seit Monaten abgesetzt war – was sich ja vielleicht eines Tages wie der längste Kater aller Zeiten anfühlt. Hier sind unsere Hangover-News.

Trump wollte Merkel mit Fantasierechnung unter Druck setzen

Apropos Zeit: Es sind schlechte Zeiten für Donald Trump. Er braucht viel länger als seine Vorgänger, um wichtige Regierungspositionen zu besetzen, und beim Volk war noch kein Präsident so früh so unbeliebt. Und dann ging am Freitag auch noch die von ihm groß angekündigte Gesundheitsreform ordentlich schief (was für jene Amerikaner, die dringend eine Krankenversicherung brauchen, ein großes Glück ist).

Die britische Times berichtete nun, was passiert ist, als Merkel und Trump kürzlich in Washington zusammensaßen. Trump soll der Kanzlerin einen Zettel rübergeschoben haben. Darauf stand wohl etwas in der Richtung von: "Rechnung. Schulden Deutschland bei der NATO: 300 Milliarden Dollar". Wie so oft ist der 45. Präsident dabei ein bisschen unpräzise, denn diese "Schulden" bei der NATO gibt es genau genommen nicht. Wird ein Staat Mitglied in der NATO, dann erklärt er nur die Absicht, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung fürs Militär auszugeben. Die USA, Großbritannien, Griechenland, Polen und Estland erfüllen diese Regel, Deutschland mit 1,2 Prozent nicht, rechnet die NATO in ihrem Jahresbericht auf Seite 110 vor. Trump wiederum hat für seinen Zettel nun zusammengerechnet, wie viel wir seit 2002 als Militärausgaben hätten aufwenden müssen, und großzügig Zinsen draufgeschlagen. Die deutsche Kanzlerin soll es gelassen genommen und auf die Provokation nicht reagiert haben. Unter dem Strich ist für US-Medien der Fall klar: Der Mann manövriert sich immer mehr ins Abseits.

Die Grünen drohen den Jungen Grünen damit, sie rauszuschmeißen

Vergangene Woche schrieben die Jungen Grünen einen offenen Brief an Parteichefin Eva Glawischnig, in dem sie ihr den Rücktritt nahelegten und schrieben, sie solle "Platz für andere" machen. Auslöser war Glawischnigs Unterstützung für die Grünen und alternativen Studierenden (GRAS) und die Tatsache, dass sie die Grünen Studierenden nicht unterstützt. So werde eine starke Studierendenorganisation von Glawischnig im Keim erstickt.

Nun reagierte die Bundespartei. Michel Reimon erklärte via Facebook, dass den Jungen Grünen der Status als Jugendvertretung aberkannt werden soll, falls sie eine Abspaltung der GRAS weiter unterstützen:

Erdoğan ärgert sich über ein Transparent beim Anti-Erdoğan-Protest in Bern

Am Samstagnachmittag fand auf dem Bundesplatz in Bern unter dem Motto "Für Freiheit, Frieden, Rechtsstaat und Demokratie in der Türkei" eine Kundgebung mit Tausenden Teilnehmern statt, wie die NZZ berichtete. Die Organisatoren der Kundgebung setzten sich aus verschiedenen Parteien, NGOs und losen Gruppen zusammen.

Obwohl die Kundgebung friedlich verlief, hat der Protest nun unangenehme Folgen. Auslöser war ein Transparent der linksautonomen RJG Bern, das vor Ort zu sehen war. Es zeigte eine Pistole neben Erdoğans Kopf, versehen mit den Worten "Kill Erdogan with his own weapons". Das Transparent hat in der Türkei für Empörung gesorgt. Der Schweizer Botschafter wurde am Sonntagnachmittag zum türkischen Aussenministerium beordert. Erdoğan selbst äusserte sich gemäss Tagesschau dahingehend, dass Terroristen das Plakat im Schweizer Parlament aufgehängt hätten. Auch die Stadt Bern ist über das Plakat nicht erfreut. Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt, hat angekündigt, noch im Verlauf des Montags Anzeige zu erstatten.

Dreijähriger steckt in Plüschtier-Automat fest

OK, wir formulieren hier mal vorsichtig, sollte sich doch jemand diese Geschichte ausgedacht haben, denn die Bilder sind einfach zu strange: In Nenagh im Zentrum Irlands soll der dreijährige Jamie Bracken Murphy in einen Plüschtier-Automaten geklettert sein – und dort dann gefangen gewesen sein.

Weder sein Vater Damien noch der ältere Bruder Shane konnten ihm helfen. "Wir saßen an einem Tisch in der Spielhalle und Shane hat sich mit mir unterhalten, sodass ich kurz nicht auf Jamie geachtet habe", erzählte der Vater der irischen Sun. "Das Nächste, was ich gehört habe, war so ein gedämpftes Jammern. Als ich dann zu den Automaten rübergeschaut habe, war er plötzlich da hinter dem Glas." Ein Feuerwehrmann hat dem Kleinen schließlich erklärt, wohin er in dem Automaten klettern muss, und ihn herausgezogen.

Klofrau 30 Cent geklaut – 600 Euro Bußgeld

Der Ratschlag "Jetzt denkst du mal darüber nach, was du getan hast!" kann aber nicht nur dem Stöpsel aus Irland gegeben werden. Ordentlich zur Brust genommen hat sich ein Richter in Düsseldorf eine 62-Jährige, die schon mehrfach wegen Diebstahl vorbestraft war. Dieses Mal hat sie nach Ansicht der Richter einer Klofrau 30 Cent geklaut. Laut ihrer Version wollte sie der Klofrau 20 Cent geben, hatte aber nur 50 Cent dabei – da habe sie sich das Rückgeld eben selbst genommen. Ein Zeuge erklärte aber, dass sie nie den Fünfziger hingelegt habe, und fand es merkwürdig, dass sie die 30 Cent in ihren BH steckte.

Die Staatsanwaltschaft forderte drei Monate Haft für die Frau, weil sie wegen ihrer Vorstrafen nur auf Bewährung frei ist. Der Richter fand das zu krass und verurteilte sie stattdessen zur Zahlung eines Bußgeldes von 600 Euro.

Reality-Show-Kandidaten kehren nach einem Jahr zurück, die Show war aber seit Monaten abgesetzt

Statt nur einer Stunde können die Kandidaten der britischen Survival-Show Eden gleich mal sieben Monate abschreiben. Als sie am Donnerstag nach einem Jahr aus der Wildnis der Schottischen Highlands kamen, wurde ihnen nicht nur vom Brexit und Donald Trump erzählt – nebenbei erfuhren sie auch, dass die Sendung seit August abgesetzt war. Der Sender Channel 4 hatte nicht nur die Show, sondern auch die Social-Media-Kanäle bei Facebook, Twitter und Instagram bereits im Oktober aufgegeben, aber die Kandidaten weiter filmen lassen, weil möglicherweise noch ein Special gesendet werden sollte. Für Channel 4 war die Reihe ein Desaster: Die Quoten waren mies und die Sendung brachte 1,7 Millionen Pfund Verlust.

Nackte Aktivisten schlachten Schaf vor dem KZ Auschwitz

Der "Heiligt der Zweck die Mittel?"-Beitrag der Woche kommt aus Polen: Dort haben sich Freitagnachmittag Aktivisten vor dem Eingang zum Konzentrationslager in Auschwitz ausgezogen und zusammengekettet. Zuvor hatten sie ein Schaf geschlachtet. Sie saßen dann unter dem berühmten "Arbeit macht frei"-Tor, über das sie ein Banner "Love" geworfen hatten.

Nach unbestätigten Berichten wollten sie so gegen den Krieg in der Ukraine demonstrieren. Laut Museum des Vernichtungslagers sind die elf Männer und Frauen festgenommen worden.