Sex

Ein Tag im Leben eines berühmten Porno-Pärchens

"Seit unseren Anfängen im Porno-Business hat es kein Sextape mehr von uns gegeben. Wenn wir heute etwas drehen, dann verkaufen wir es auch."

von Pavlos Toubekis, Fotos: Panos Kefalos
10 August 2016, 6:00am

Die beiden hatten Lust auf einen "Sexy Hausfrau"-Foto-Shooting im Haus von Theos Tante | Alle Fotos: Panos Kefalos

"Der schwierigste Teil dieses Jobs ist es, die eigene Familie hinter sich zu bringen. Wir haben echt Glück, denn unsere Familien sind von Anfang an verständnisvoll und unterstützend gewesen. Wir tun niemandem weh, sondern verdienen einfach nur unseren Lebensunterhalt. Die meisten Griechen in unserem Alter leben immer noch bei ihren Eltern. Wir sind jedoch auch wie eine Familie füreinander und unser Einstieg in die Porno-Branche hat an unseren Gefühlen nichts geändert", erzählt mir Theo, die eine Hälfte von Griechenlands berühmtesten Porno-Pärchen. Inna—seine Partnerin sowohl im echten Leben als auch vor der Kamera—sitzt neben ihm und nickt zustimmend.

Theos und Innas Karriere begann vor sechs Jahren, als die beiden bei Griechenlands angesehenster Porno-Produktionsfirma Sirina Entertainment anfingen. Weil sie schon damals auch im echten Leben zusammen waren, haben sie sich direkt von anderen Darstellern und Darstellerinnen abgehoben. Außerdem vermarkteten sie sich dazu noch bei verschiedenen Live-Sex-Shows in diversen griechischen Stripclubs. Heutzutage drehen die beiden ihre Filme vor allem im Ausland und in Kooperation mit international bekannten Porno-Stars wie etwa Kendra Lust. Ich wollte wissen, ob ihre Liebesgeschichte trotzdem so langweilig ist wie die von anderen Leuten, und kontaktierte deshalb Theo. Und ich hatte Glück, denn Theo und Inna waren gerade von einem Dreh in Las Vegas nach Hause zurückgekommen und ich durfte sie einen Tag lang begleiten.

Und so befinde ich mich im Wohnzimmer von Theos Tante in Nea Smirni, einer Vorstadt von Athen. Das Pärchen lässt das eigene Zuhause nämlich gerade renovieren. Inna und Theo sind jetzt schon seit zehn Jahren zusammen und sie haben sich lange vor ihrem Vorstoß in die Welt der Erwachsenenunterhaltung kennengelernt. Sie trafen sich in dem Café, in dem Inna mit 18 als Kellnerin arbeitete, zum ersten Mal.

Theo war damals noch in einer Tankstelle tätig und ihm gefiel direkt, wie schüchtern seine zukünftige Partnerin war. "Ich bin dann die darauffolgenden zehn Tage immer wieder in das Café zurückgekehrt, machte ihr Komplimente, gab witzige Bemerkungen ab und zahlte ihr ein großzügiges Trinkgeld. Das alles war jedoch für die Katz, denn sie schenkte mir keine Beachtung. Schließlich fasste ich mir ein Herz und sprach sie direkt an: 'Bitte gib mir nur eine Chance. Lass uns einen Kaffee trinken gehen, nur eine Stunde lang. Danach werde ich dich in Ruhe lassen. Versprochen.' Wahrscheinlich tat ich ihr leid, denn sie willigte ein. Seitdem sind wir zusammen."

Und auch heute scheint Inna noch eher von der schüchternen Sorte sein, denn sie lässt Theo mit Freuden das Reden übernehmen, während sie nur daneben sitzt und eine Zigarette raucht. Dann stelle ich jedoch die Frage nach Heiratsplänen. "Wir waren ja vor Kurzem in Las Vegas und dachten dort sogar darüber nach, den Deckel draufzumachen. Dann fühlte sich das Ganze jedoch irgendwie falsch und zu erzwungen an. Deswegen haben wir es lieber gelassen", wirft sie ein.

"Wir sind jetzt aber schon seit mehreren Jahren verlobt und denken deshalb natürlich auch übers Heiraten nach. Wir haben aber auch schon viele Pärchen kennengelernt, die jahrelang zusammen waren, dann heirateten und quasi direkt danach vor den Scherben ihrer Ehe standen. Ich glaube, dass eine Ehe so etwas wie Gift für eine Beziehung ist—wie ein zu enger Kragen, der einem die Luft abschnürt", fügt Theo hinzu. "Wir werden heiraten, wenn wir Kinder haben. Da gehört sich das dann einfach", sagt Inna mit Nachdruck und zeigt damit an, dass dieses Thema gegessen ist.

Das Pärchen verbringt quasi jeden Moment miteinander: Theo und Inna trainieren zusammen, arbeiten zusammen, feiern zusammen und angeln zusammen. "Wir sind ein Team. Selbst bei Drehanfragen bezieht man uns immer beide mit ein—als eine Art Package-Deal", erklärt mir Theo. "Das war nie geplant, es hat sich einfach so entwickelt. Inzwischen ist dieser Umstand aber so etwas wie unser Markenzeichen."

Die tägliche Routine von Theo und Inna sieht folgendermaßen aus: um 09:00 Uhr aufstehen, ins Fitnessstudio gehen, essen, ein Nickerchen machen und gegen 20:00 Uhr zum Stripclub aufbrechen, wo die beiden jeden Abend bei einer Live-Sex-Show auftreten. Das gilt natürlich nur, wenn sie nicht gerade einen Porno drehen, denn dafür sind sie seit Neuestem ja auf der ganzen Welt unterwegs. Sonntags gehen sie dann immer zusammen etwas trinken.

Was die Hausarbeit angeht, hat jedoch Inna die Hosen an. "Hier haben wir die Aufgaben streng geteilt. Ich mach alles im Haus und Theo macht alles außerhalb des Hauses—den Einkauf, die Rechnungen und so weiter", sagt sie.

"Habt ihr jemals ein Sextape aufgenommen?", frage ich. "Ja, lange bevor wie in die Porno-Branche eingestiegen sind. Es war richtig gut. Leider haben wir es nicht aufgehoben", erinnert sich Inna. "Ich glaube, dass es jeder spannend findet, wie er oder sie beim Sex aussieht. Damals haben wir aber noch gar nicht daran gedacht, damit unser Geld zu verdienen", fügt Theo hinzu. "Seit unseren Anfängen im Porno-Business hat es kein Sextape mehr von uns gegeben. Wenn wir heute etwas drehen, dann verkaufen wir es auch."

Der wöchentliche Einkauf steht an und ich begleite Theo in den Supermarkt, während Inna zu Hause bleibt, um einige Anrufe zu tätigen.

"Hast du nach einem Dreh überhaupt noch Lust auf Sex?", frage ich während der Fahrt. "Das kommt immer darauf an. Manchmal sind wir dann nicht mehr in der Stimmung. Unsere Drehpartner, die Rollen, die Szene und der Regisseur haben da einen großen Einfluss drauf. Es kommt aber definitiv auch vor, dass wir zu Hause einfach weitermachen", antwortet mir Theo.

Dann erzählt er mir, dass er sich in Inna verliebt hat, weil sie so süß ist. "Sie hat mir nie einen Grund zur Eifersucht gegeben und behandelt mich gut. Außerdem lässt sie mich im Job mit anderen Frauen schlafen. Was kann ein Mann denn überhaupt mehr wollen?", scherzt er. "Manchmal geht sie mir aber auch auf die Nerven. Meistens dann, wenn sie gerade das Haus geputzt hat und ich danach irgendwo etwas liegen lasse. Da platzt mir immer fast der Kragen."

"Ja, ich nerve ihn oft", gibt Inna zu, also wir sie später im Fitnessstudio wieder treffen. "Er ist aber sehr aufmerksam. Er gibt mir alles—und damit meine ich jetzt keine materiellen Dinge. Was mich jedoch stört, ist die Tatsache, dass er sehr schnell wütend wird und das Ganze dann an mir auslässt, weil wir ja immer zusammen unterwegs sind."

Dann lasse ich Theo und Inna erstmal alleine, damit sie sich nach ihrem Workout ausruhen und ihr Nickerchen machen können. Sie müssen für ihren abendlichen Auftritt ja schließlich fit sein. Derzeit stehen sie bei Athens Queens unter Vertrag—einem der ältesten Stripclubs Athens.

Ina im Umkleideraum vom Athens Queens

Und genau dort stoße ich gegen Mitternacht auch wieder zu den beiden. Im Umkleideraum reden wir über ihre Zukunft. Laut eigener Aussagen wünschen sich Theo und Inna ein oder zwei Kinder, ein schönes Haus mit Pool sowie regelmäßige Urlaube in Thailand, ihrem Ferienziel Nummer 1. Außerdem sind sich die beiden der Tatsache bewusst, dass sie ihren Beruf nicht ewig ausüben können. Wenn es mit der aktiven Karriere dann zu Ende geht, wollen sie entweder eine eigene Produktionsfirma oder eine Agentur für andere Porno-Darsteller und -Darstellerinnen gründen.

Der DJ kündigt den Auftritt von zwei "weltbekannten Porno-Stars" an und das Pärchen betritt die Bühne. Ich rufe Google auf, um die Aussage des DJs auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ich komme mir schnell wie ein Arschloch vor, denn Ina war vor Kurzem bei den DDF Awards 2016 in der Kategorie "Newcomer Sex Goddess" tatsächlich eine der vier Nominierten.

Nach der Show trinken wir zusammen noch einen letzten Drink. Ich sitze auf dem Barhocker, bin von wunderschönen, leichtbekleideten Frauen umgeben und höre Theo dabei zu, wie er mir davon erzählt, was auf der Bühne schon alles schiefgegangen ist. So fiel er zum Beispiel bei einem früheren Auftritt mal vom Stuhl und verletzte sich dabei seinen Penis. Schließlich schreibt mir noch ein Kumpel eine Nachricht: "Hey! Frag sie mal, ob es auf die Größe ankommt!"

"Nein, mein Freund. Das tut es nicht", verrät mir Inna mit einem Augenzwinkern. "Ein Mann kann einen riesigen Schwanz haben, aber wenn er nicht weiß, wie er diesen auch richtig einsetzt, dann ist sein bestes Stück trotzdem ziemlich nutzlos."