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Gina-Lisa hat Worte für Tausende junge Frauen gefunden – das bleibt

Die Aufmerksamkeit um den Fall Gina-Lisa war gut—egal, ob sie ins Dschungel-Camp geht oder Prozesse verliert.

von Sofia Faltenbacher
11 August 2016, 2:47pm

Auf der Demonstration für Gina-Lisa am 27. Juni umarmen sich junge Frauen | Foto: Grey Hutton

Der Fall Gina-Lisa driftet ins Absurde. Jüngst ließ Sebastian Castillo Pinto, einer der beiden Beschuldigten, von seinem Anwalt klarstellen, dass Gina-Lisa ihre Vorwürfe nicht wiederholen darf, wenn sie im kommenden Januar im Dschungel-Camp vor der Kamera steht. Die Welt spitzte zu: "Hat Gina-Lisa alles nur fürs Dschungel-Camp getan?" Mit Fragezeichen kann eben fast jede Zeile raus—zumindest rechtlich. All das ist schmutzig. Im Dezember 2015 entschied das Berliner Amtsgericht, dass Lohfink 24.000 Euro Strafe zahlen muss—wegen Falschbeschuldigung. Sie legte Einspruch ein. Das Urteil steht aus.

Egal, wie die Richter entscheiden, die Aufmerksamkeit um den Prozess hat etwas bewirkt.

Klar ist: Sie fand Worte für etwas, das kaum auszusprechen ist. Damit hat sie Frauen zusammengeführt, die sich gegenseitig stärker machen. Die Diskussion ist durch ihren Fall bei Menschen angekommen, die weder feministische Essays lesen, noch Nachrichten über die Reform des Sexualstrafrechts verfolgen.

Selbst vor engen Freundinnen und Freunden ist es schwer, über sexuelle Gewalt zu sprechen. Es ist ein maximal intimer und verletzlicher Punkt.

Im Gesetz ist sexuelle Belästigung so definiert: "wer eine Person durch eine geschlechtliche Handlung an ihr oder vor ihr unter Umständen, unter denen dies geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, belästigt." Aber keiner sagt zu einer Freundin: "Peters geschlechtliche Handlung an mir hat berechtigtes Ärgernis erregt". Wirklich klar ist auch nicht, was genau darunter fällt und was nicht. Wenn es um Missbrauch geht, wird es noch schwieriger, Worte zu finden.

Deshalb ist es so wichtig, dass jemand öffentlich über dieses Thema spricht, zu dem junge Frauen in irgendeiner Weise einen Bezug aufbauen können—und sei es nur, weil sie Gina-Lisa von Germany's Next Topmodel kennen. Spekulationen, ob Gina-Lisa diese Aufmerksamkeit wollte oder nicht wollte, seien dahingestellt. Egal, welche Motivation dahinter steckt, es schmälert diesen Wert in keiner Weise.

In den letzten Wochen diskutierten Tausende Menschen darüber, wie eine Frau sich verhalten kann, wenn sie Opfer sexueller Gewalt geworden ist—und was sexuelle Gewalt eigentlich ist. Das Gespräch war und ist in den Zeitungen, in unserem Facebook-Feed, auf Twitter, im Radio, auf der Straße. Auch das ist wichtig.

Je öfter man eine Diskussion geführt hat, desto sicherer wird man in seiner eigenen Haltung. In den Kommentarspalten unter den Artikeln und vor allem auf Facebook hat sich in den letzten Wochen jede erdenkliche Reaktion gezeigt, die einer Frau entgegenschlagen kann, die sagt, sie sei missbraucht worden. Über diese Reaktionen wurde wiederum diskutiert. Genau das ist wichtig. Gina-Lisa reagierte mit Worten, die jeder versteht: "Ich war total betrunken und geschlagen und gefilmt werden wollte ich auch nicht!"

Tausende Mädchen haben in Kommentarspalten und auf der Straße bekundet: "Wir stehen hinter dir." Dieses Zeichen—wir stehen gemeinsam hinter Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben—hat Tausende junge Menschen erreicht. Das bleibt.

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