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Der Pub mit der Panzerfaust

Neuerdings hat die Wiener Graffiti-Szene so eine Art Grippe, die sich davor auch schon andere Städte zugezogen haben. „Puber“ heisst die Krankheit und gekommen ist sie aus Zürich.

von Text: VICE Staff, Illustrationen: studioleela
26 August 2013, 1:11pm

Wien ist scheinbar unglaublich erwachsen. Oder es liegt an der Einfallslosigkeit von FALTER und The Gap, dass beide auf dasselbe unlustige Wortspiel zurückgreifen, wenn sie ihre Geschichten mit „Puber“tär oder Pubertäterprofil betiteln. Danke, wir haben es verstanden, den eigenen Namen zu taggen ist „weder besonders kreativ noch mutig oder politisch“ (FALTER) und Puber hält sich auch nicht an gewisse Spielregeln und zwingt die Polizei zu mehr nächtlichen Kontrollen, was „sehr bedauerlich“ ist, wie das Gap den Bezirksvorsteher Thomas Bimlinger zitiert, dessen Schreiber auch die wahren Leidtragenden sind, weil sie sich jetzt „mit diesem Pimperkram beschäftigen mussten“.

Aber abgesehen von der doch recht – hmmm, wie sollen wir es formulieren, ohne jemanden zu beleidigen – dummen Behauptung, die Ulfs seien rechtsradikal, erfahren wir nicht viel. Und weil uns der alte Artikel im Tagesanzeiger auch nicht genug war, haben wir uns gedacht, wir rufen einfach einmal im Zürcher Büro an und fragen, was die uns so über Puber erzählen können. Erst war die Stimmung am Telefon ziemlich heiter und am anderen Ende der Leitung war man sehr amüsiert darüber, dass wir Wiener uns den Typen jetzt eingetreten haben. Als aber langsam klar wurde, dass wir vorhaben, einen Artikel über den Jungen zu schreiben, wurde es eher still. Die Zürcher haben sich kategorisch geweigert, was über den Puber zu schreiben, uns aber dankenswerterweise einige Nummern von Leuten gegeben, die anonym mit ein paar Geschichten herausgerückt sind.

Alles nur Gerüchte versteht sich. Hier die besten:

1.     Puber sprayt schon seit den Neunzigern, früher, noch unter anderem Namen, war sein Zeug auch recht hübsch. Heute crossed er sich jedoch sogar selbst. Er ist auch schon damals recht viel herumgekommen und dann ins Visier der Bullen geraten. Eines Tages haben die Herren in Blau dann mal bei Pubers daheim angeklopft, worauf sich Puber aus dem zweiten Stock gestürzt hat, was dazu führte, dass er eine Zeit lang auf Krücken ging.

2.     Neben seinen Tags zeichnet Puber anscheinend vor allem sein nicht unbeträchtliches Aggressionsproblem aus. So war es laut Aussagen einer Quelle Gang und Gäbe, dass er vor den Clubs mit irgendwelchen Gegenständen auf blutende Reste von Partygästen eingedroschen habe.

3.     Was Puber als richtiges Arschloch herausstechen lässt, ist sein Schwulenhass. An langweiligen Nachmittagen soll er vor Schwulentreffs (öffentliche Klos und so weiter) gewartet haben, bis sich zwei für so 10 Schäferminütchen in die Latrine verzogen. Denen ist er dann (so erzählt man sich) auf seinen Krücken nachgehumpelt und hat sie mit denselben verdroschen. Damit nicht genug, als die Opfer jeweils am Boden lagen, soll er ihnen brennende Klopapierrollen in die Kleider gestopft und „Schwulenhasser“ an die Wand gesprayt haben.

4.     Sehr detailreich ist die Geschichte mit Shanty Town überliefert. Das war ein friedliches Besetzer-Hippiedorf in Zürich, das mittlerweile schon lange wieder verschwunden ist. Jedenfalls soll Puber dort rumgepöbelt haben, bis einer der Besetzer meinte, er solle doch damit aufhören. Puber hat daraufhin eine Metallstange aufgelesen, draufgespuckt und sie dem Besetzer ins Gesicht gedonnert. Dann sammelte er allen Müll zusammen, den er finden konnte, legte ihn in die Zelteingänge des Dorfes und zündete ihn an.

5.     Puber wurde auch schon von Torch und seinen Jungs durch Heidelberg gejagt. Generell hat er ein Faible dafür, sich mit jedem und drum auch ab und zu (laut unseren Berichten eher öfter als selten) mit den falschen Jungs anzulegen.

6.     Puber soll außerdem Mitglied bei den Bellevue Boys sein, die von manchen auch für die Bellevue-Riots 2011 mitverantwortlich gehalten werden. Früher war er vermeintlich noch Teil der „Mara Ost“ und der „ZOG“ (Züri Oberstrass Gang). Ein paar Jahre war er weg. Man sagt, er hätte die Zeit in Spanien verbracht – im Knast.

7.     Puber hat es  aber trotz allem geschafft, sich ein paar Freunde zu halten. Die haben ihm letzten Monat in Bern eine kleine Party ausgerichtet. Zum Geburtstag haben sie ihm einen Kubikmeter Feuerwerk geschenkt. Wie der Abend sich so entwickelte, haben die Jungs dann irgendwann angefangen die Feuerwerkskörper auf die Passanten zu ballern, dann kam die Polizei und was im Anschluss passierte, ist hier nachzulesen.

So viel also zu den Mythen und Legenden. Wir sind ein bisschen ratlos, was wir von all dem halten sollen – nicht zuletzt deshalb, weil sich die Teile in unseren Köpfen noch nicht wirklich zu einem Bild zusammenfügen. Wie immer bei Gerüchten und Legenden ist nur sehr schwer festzustellen, was der Wahrheit entspricht. War Hitler wirklich Vegetarier? Ja (wenn auch nicht aus Überzeugung, sondern wegen seinen Blähungen). Aber hat er auch tatsächlich nur von Kackapornos einen Ständer bekommen? Schwer zu sagen ...

Mehr Graffiti:

The Kids Were Alright: Ryan McGinley über die wilden Jahre in NY und Earsnot, einen der wildesten von damals.

Zeichen an der Wand: Eine kleine Einführung über Regimekritische Graffitis in Syrien.

Graffiti ist nicht Kunst: Stinkfisch über den Unterschied zwischen Graffiti und Street Art.

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