Eine Frau saß drei Monate im Gefängnis, weil die Polizei ihre Zuckerwatte für Crystal Meth hielt

Zwei Polizisten fanden die "hellblaue Substanz" im Auto der Frau höchst verdächtig. Nun klagt sie auf Schadensersatz.

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27 November 2018, 12:57pm

Fotos: Zuckerwatte: Photofusion | UIG | Getty || Beweismaterial: Screenshot WMAZ

Eine Frau aus dem US-Bundesstaat Georgia wurde Opfer einer folgenschweren Verwechslung: Weil Polizisten eine Tüte Zuckerwatte für Crystal Meth hielten, saß sie drei Monate im Gefängnis. Wie der Nachrichtensender WMAZ berichtet, klagt sie nun auf Schadensersatz.

Am Silvesterabend 2016 wurde Dasha Fincher von der Polizei angehalten, weil diese ihre getönten Autoscheiben für zu dunkel hielt, das geht aus der Klageschrift hervor. Später stellte sich heraus, dass Finchers Scheiben zulässig waren – doch das war nicht der größte Irrtum, der den Polizisten an diesem Abend unterlief. Bei einem Blick ins Auto entdeckten sie eine Plastiktüte auf dem Boden, die eine "hellblaue Substanz" enthielt. Fincher sagte ihnen, dass es sich um Zuckerwatte handelte – doch die Polizisten glaubten ihr kein Wort.

Wie jedes Kind weiß, kann Zuckerwatte kristallisieren, wenn sie zusammengepresst oder feucht wird. Genau das war offenbar auch mit Finchers alter Zuckerwatte passiert: Sie hatte sich zu einer Masse verformt, die den Polizisten verdächtig nach Crystal Meth aussah.

Die beiden Polizisten führten vor Ort einen Schnelltest durch, der fälschlicherweise positiv auf Methamphetamine testete. Darum wurde Fincher festgenommen und wegen Drogenhandels ins Gefängnis gesteckt. Ein Richter setzte ihre Kaution auf eine Million Dollar fest.

Erst im März 2017 ergab ein Labortest, dass es sich tatsächlich um Zuckerwatte handelte und Fincher wurde am 4. April 2017 aus dem Gefängnis entlassen. Nun klagt Fincher gegen den Bezirk, die Polizisten und den Hersteller des fehlerhaften Drogentests auf Schadensersatz.


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"Ich möchte, dass Monroe County für das zahlt, was sie mir angetan haben", sagte Fincher gegenüber WMAZ. Während des Gefängnisaufenthaltes habe sie die Geburt ihrer Zwillings-Enkelsöhne verpasst und habe ihre Tochter nicht unterstützen können, als sie eine Fehlgeburt hatte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Polizisten Süßigkeiten mit Drogen verwechseln. Im Juli 2016 wurde ein Rentner in Florida festgenommen, weil Polizisten den blauen Zuckerguss seines Donuts für Crystal Meth hielten. Im Vergleich mit Fincher kam der 64-Jährige noch glimpflich davon, denn er wurde immerhin nach zehn Stunden wieder aus der Haft entlassen.

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