Anzeige
Das blanke Grauen

Frau will in lebenden Oktopus beißen, Oktopus beißt zurück

Im Gegensatz zu Tintenfischen haben Menschen zwar Wirbel. Manche von uns sind dafür vielleicht nicht ganz so schlau wie die Weichtiere.

von Gavin Butler
10 Mai 2019, 7:57am

Screenshot via YouTube aus dem Video "Vlogger screams after octopus 'attacked her face'" von Aaron

Es gibt schlechte Ideen, und dann gibt es sehr schlechte Ideen. Einen lebendigen Oktopus essen ist eine von den sehr schlechten. Vielleicht wusstest du das schon, aber bei absolut allen ist das offensichtlich noch nicht angekommen.

Zum Beispiel bei dieser Frau in China. In einem Video, das gerade viral gegangen ist, versucht die Vloggerin, die sich online "Seaside Girl Little Seven" nennt, eine sehr lebendige Molluske zu essen. Eine grausame Tierquäler-Aktion getarnt als Jackass-mäßiger Spaß – bloß kämpft dann nicht nur der Oktopus um sein Leben. Der Tintenfisch saugt sich derart am Gesicht der Vloggerin fest, dass sie fast von der Snackenden zum Snack wird.

Seaside Girl Little Seven versucht daraufhin eine gute halbe Minute lang unter lautem Weinen, dem Todessog des Tintenfischs zu entkommen, während der Tintenfisch sich schweigend darum bemüht, ihr das Gesicht zu entreißen. Letztendlich kriegt sie das Tier wieder unter Kontrolle, auf ihrer Wange bleibt eine kleine blutende Wunde zurück.

"Mein Gesicht ist entstellt", sagt sie laut der britischen Zeitung The Independent, danach versichert sie ihrem Publikum, sie werde den Oktopus im nächsten Video essen.

Es gibt mehrere Gründe, warum die ganze Aktion extrem daneben ist. Da wäre der offensichtliche ethische Aspekt. Ein Tier bei lebendigem Leib zu essen ist ohnehin grausam, aber ein Tintenfisch ist auch nicht irgendein primitives Tier. Tintenfische sind die intelligentesten Weichtiere der Welt. Sie besitzen etwa eine halbe Milliarde Neuronen, in der Hinsicht sind sie ungefähr auf einer Stufe mit Hunden, wie der Guardian schreibt. Angesichts der beeindruckenden kognitiven und emotionalen Fähigkeiten dieser Tiere stellen inzwischen viele Menschen infrage, ob es überhaupt OK ist, Tintenfische zu töten und zu essen.

Wenn es dann auch noch um lebendige Oktopusse geht, wird die Frage nach ihrem Schmerzempfinden, ihrer Intelligenz und ihren Tierrechten noch dringlicher. Vor wenigen Jahren hat VICE die Kopffüßer-Expertin Jennifer Mather gefragt, ob lebende Tintenfische leiden, wenn man sie isst. "Sehr wahrscheinlich verspüren Tintenfische genauso viel Schmerzen wie Wirbeltiere", sagte sie. "Sie können Schmerzen und Stress auch antizipieren – und sich im Anschluss daran erinnern. Das Nervensystem bei Tintenfischen ist noch verzweigter als bei uns Menschen." Die Praktik, die Weichtiere lebendig zu zerstückeln oder zu zerkauen, sei barbarisch. "Ich könnte kein Mitleid mit Personen haben, die an einem lebenden Tier ersticken, das sie Stück für Stück aufessen."

Und dann ist da noch ein offensichtlicher Grund, warum es eine bescheuerte Idee ist, sich ein intelligentes Tier mit acht Saugarmen lebend in die Futterluke zu stopfen. Wie das Video von Seaside Girl Little Seven zeigt, besteht immer die Chance, dass der wirbellose Intelligenzbolzen sich das nicht gefallen lässt und den Mordversuch einfach erwidert. Der Rest von uns hat dann einen befriedigenden Fall von Instant Karma vor sich – ein unschuldiges Tier, das einfach nur leben will, rächt sich an einem arroganten Menschen, der es zum Spaß foltert. Auch wenn das Tier danach ziemlich sicher trotzdem sterben muss.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.