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Popkultur

Der Alltag eines professionellen Trump-Imitators

Wir haben ein Trump-Double bei einem Comedy-Wettbewerb für Trump-Nachmacher begleitet. Und auch einen seiner Konkurrenten interviewt.

von Brittany Joyce
30 Oktober 2017, 12:33pm

"Als Donald Trump die Wahl für sich entschied, sagte ich: 'Ich habe gerade im Lotto gewonnen!'", erzählt John Di Domenico in unserer aktuellen Folge von FAMEish. Di Domenico arbeitet seit 13 Jahren als Trump-Imitator und wurde vor Kurzem sogar zum besten Vertreter seiner Zunft gewählt.

Seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 hat sich die Comedy-Landschaft wegen Trump definitiv verändert. Vergangenen April veranstaltete der Comedy-Club Laugh Factory in Los Angeles dann die Suche nach der "wahrhaftig besten Trump-Nachahmung der Welt". Weil der derzeitige US-Präsident so eigentümlich spricht und dazu noch eine unverkennbare Gestik besitzt, ist er der Traum eines jeden Imitators. Aber wie schafft man es da überhaupt, sich von seinen präzise gekämmten Mitstreitern abzuheben?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns mit dem Doktoranden Michael Salgarolo getroffen, der bei seiner Trump-Imitation mehr auf die Inhalte als auf das Aussehen setzt. Ein Grund dafür sind seine philippinischen, italienischen und jüdischen Wurzeln.

"Der Verlauf der Wahl war damals echt traumatisch. Ich fing an, diese Witze zu schreiben, um mit der Situation fertigzuwerden", erzählt er. "Ich bin in einer ziemlich konservativen Gegend aufgewachsen. Die Freunde meiner Eltern unterstützten Trump sogar. Trotzdem finden sie meine Imitation richtig gut und witzig." Salgarolo erklärt uns, warum er sich mit anderen Nachahmern misst, wie genau Trump die Comedy-Landschaft verändert und wie lange er den US-Präsidenten noch imitieren will.

VICE: Wie bist du zur Stand-up-Comedy gekommen?

Michael Salgarolo: Mit 12 oder 13 stand ich zum ersten Mal auf der Bühne. Auslöser waren die Comedy-Alben von Bill Cosby, die mein Vater zu Hause stehen hatte. Während meiner Schul- und Studienzeit war ich dann lange in diversen Theatergruppen, bis mich das langweilte. Also gab ich der Stand-up-Comedy noch mal eine Chance.

Und wieso die Teilnahme an einem Trump-Imitator-Wettbewerb?
Ich mache die Trump-Nummer jetzt schon eine ganze Weile und eines Tages bekam ich durch Facebook mit, dass die Laugh Factory diesen Wettbewerb veranstaltet. Ich habe mich dann einfach spontan angemeldet.

Imitierst du auch noch andere Personen?
Ich habe jahrelang Obama gespielt, das hat mir viel Spaß gemacht. Seit einiger Zeit imitiere ich auch den Schauspieler Aziz Ansari. Dazu kommen noch Ronald Reagan, Joe Pesci und Jerry Seinfeld. Eigentlich eine ziemlich komische Kombination.

Dachtest du, du würdest den Wettbewerb gewinnen?
Ich war mir nicht sicher. Ich hatte ja noch nie an so etwas teilgenommen. Eine kleine Siegchance räumte ich mir dennoch ein. Meine Imitation und meine Witze sind ja ziemlich gut. Aber da war ja zum Beispiel auch dieser Typ, der Trump schon seit Jahren nachmacht.

Hat die Niederlage dann sehr geschmerzt?
[lacht] Nein, das war schon OK. Ich habe es einfach genossen, auf der Bühne zu stehen. Außerdem waren ein paar Freunde und Familienmitglieder da, die echt viel Spaß hatten.

Wie reagiert dein Umfeld, wenn du erzählst, dass du an einem Comedy-Wettbewerb für Trump-Imitatoren teilgenommen hast?
Das finden alle gut. Es ist kein Geheimnis, dass ich den Typen nicht gerade feiere.

Könntest du dir vorstellen, das Ganze professionell zu machen?
Seit dem Wettbewerb ist es mein Ziel, ein Bühnenprogramm zu schreiben, das sich nicht komplett um Trump dreht und bei dem ich mich richtig entfalten kann. Ich liebe Comedy und will damit in Zukunft auch mein Geld verdienen.

Findest du, dass Trump das Comedy-Umfeld verändert hat?
Meiner Meinung nach sind Trump-Witze inzwischen vollkommen durch. In den Comedy-Clubs und bei Open-Mic-Veranstaltungen hat da keiner mehr Bock drauf. Immer wenn ein Comedian mit "Donald Trump ist ein Idiot" anfängt, schaltet das Publikum inzwischen voll ab. Ich glaube jedoch, dass Comedians und die Zuschauer jetzt verstärkt über Dinge wie Politik, ethnische Hintergründe und Nachrichten reden.

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