Die Teilnehmer des "Kongress der Verteidiger Europas" nach Rechtsextremismus-Faktor sortiert

Am 28. und 29. Oktober findet in Linz das große Meet and Greet der rechtsextremen Szene statt. Wir haben uns alle 25 teilnehmenden Organisationen genauer angeschaut.

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Okt. 6 2016, 12:00pm

"Was wird einst von Europa übrig bleiben?" lautet die große Frage, die sich prominente Vertreter der österreichischen und deutschen rechtsextremen Szene am 28. und 29. Oktober in den Linzer Redoutensälen stellen wollen. Unter dem Titel "Kongress: Verteidiger Europas" lädt das selbsternannte Europäische Forum Linz dazu ein, sich mit Vorträgen und Info-Ständen auseinanderzusetzen.

Geht es nach den Veranstaltern, soll der Begriff "Europa" einmal die Geschichte der "größten Rückeroberung aller Zeiten" erzählen. Um sich auf diese "Rückeroberung" bestmöglich vorzubereiten, soll der Kongress in Linz zu einer Leistungsschau der patriotischen, konservativen und sogenannten identitären Arbeit im publizistischen, kulturschaffenden sowie politischen Bereich werden, heißt es.

Tatsächlich wird die Veranstaltung ganz sicher eines: Ein Vernetzungstreffen rechter bis rechtsextremer Verlage, Organisationen, Privatinitiativen, Parteien, Burschenschaften und Einzelpersonen mit Unterstützung der FPÖ—oder zumindest von ihrem Generalsekretär Herbert Kickl, der als Referent auftritt.

Hauptattraktion wird neben den Vorträgen von Kickl und Co. aber vor allem die Messe sein, auf der sich 25 rechte Akteure und Gruppen präsentieren wollen. Wir haben uns die teils unbekannten Vereine und Organisationen genauer angesehen und sie nach ihrem Rechtsextremismus-Faktor sortiert. Auffallend ist dabei, dass immer wieder dieselben Personen Schnittstellen zwischen den einzelnen Gruppen, Verlagen und Burschenschaften bilden.

ARBEITSKREIS SÜDTIROL

Screenshot via "Europäischen Forums Linz"

Den Arbeitskreis Südtirol gibt es eigentlich noch gar nicht. Laut dem Europäischen Forum Linz handelt es sich dabei allerdings um einen "Zusammenschluss verschiedener Südtiroler Interessensvertretungen und Vereine", der sich "über Lager und Vereinsgrenzen hinaus" für die "Anliegen der Südtiroler Bevölkerung und deren Möglichkeiten zur Ausübung des Selbstbestimmungsrechts" einsetzen will. Außerdem soll der Arbeitskreis die Südtiroler Tradition aufrechterhalten und vermitteln.

Rechtsextremismus-Faktor: 0/10

WEIN CEOLAN

Screenshot via "Europäischen Forums Linz"

Wein Ceolan ist ein traditionelles Weingut in Salurn in Südtirol. Betrieben wird es seit 1948 von der Familie Ceolan. Heute ist Walter Ceolan der Eigentümer. Außerdem ist Walter Ceolan Hauptmann der Salurner Schützenkompanie und ein Bekannter Martin Grafs. Bei einer Gedenkfeier für Josef Noldin im Jahr 2012 appellierte Walter Ceolan an die "gutgesinnten Kräfte in allen deutschen Parteien Südtirols", die Unabhängigkeit Südtirols voranzutreiben.

Rechtsextremismus-Faktor: 0/10

THOMAS BACHHEIMER

Screenshot via "Europäischen Forums Linz"

Thomas Bachheimer ist ehemaliger Redakteur des ausländerfeindlichen Blogs hartgeld. Nachdem Bachheimer laut eigenen Angaben trotz einer "bereits fix vereinbarten Übernahme" von hartgeld nicht angestellt wurde, gründete er seinen eigenen Blog thinking outside the box, auf dem seither eine Mischung aus Verschwörungstheorien, Endzeit-Phantasien, Goldwerten, Islamophobie und Hetze verbreitet wird. Dazwischen finden sich aber auch immer wieder mal seriöse Wirtschafts- und Technikartikel.

Bachheimer ist ausgebildeter Börsenhändler, Europachef des Goldstandard-Instituts, unterstützte die Kandidatur von Frank Stronach und war als Berater für dessen Partei tätig. Vorträge hielt Bachheimer aber auch schon für FPÖ-nahe Institute. Auf Bachheimers Blog finden sich neben Sätzen wie "Deutschland wird nicht der Buhmann sein, diesmal geht es den Zionisten an den Kragen" auch bekannte Ausdrücke der Rechten wie "Lügenpresse", "Rapefugees" und "Migrantenflut".

Rechtsextremismus-Faktor: 4/10

NIBELUNGEN GOLD

Screenshot via Facebook

Bei Nibelungen Gold handelt es sich um eine Privatbrauerei aus Fürstenfeld. Inhaberin ist Daniela Gruber, die Frau von Braumeister Markus Gruber. Markus Gruber ist in der rechten Szene kein Unbekannter. 2005 kandidierte er bei den steirischen Gemeinderatswahlen für die Liste FRANZ des wegen Wiederbetätigung verurteilten Rechtsextremisten Franz Radl. Franz Radl soll außerdem laut stopptdierechten.at eine nicht unwesentliche Rolle bei der Neonazi-Seite alpen-donau.info gespielt haben.

Nach der Kandidatur für die Liste Franz versuchte sich Markus Gruber auch als FPÖ-Lokalpolitiker und war 2009 FPÖ-Parteiobmann von Fürstenfeld. Franz Radls politische Einstellung verteidigte Gruber auch damals noch. So sagte er laut DÖW zum Beispiel über Radls einschlägige Position zum Holocaust: "Zum Holocaust gibt es nichts mehr zu berichten. Das lernt man in der Schule. Man kann sich den Kopf zerbrechen, ob es auf diese Weise passiert ist oder nicht."

Rechtsextremismus-Faktor: 4/10

VERLAG ANTAIOS

Screenshot via Facebook

Beim Antaios Verlag handelt es sich um einen rechtskonservativen Verlag, der etwa Bücher des Rechtspopulisten Akif Pirinçci vertreibt. Auch Publikationen von Martin Lichtmesz (eigentlich Martin Semlitsch), einem Vordenker der selbsternannten neuen Rechten und Unterstützer der Identitären Bewegung, werden dort verlegt.

Gegründet wurde der Verlag 2000 vom Rechtsaktivisten Götz Kubitschek, der etwa auch die Kampagnen "Konservativ-subversive Aktion" und "Ein Prozent für unser Land" organisierte. Kubitschek trat mehrmals als Redner auf Pegida-Demonstrationen auf, gilt als ein Unterstützer der Identitären in Deutschland und engagiert sich für die AfD.

Rechtsextremismus-Faktor: 5/10

AKADEMISCHE SÄNGERSCHAFT NIBELUNGEN ZU LINZ

Screenshot via s-nibelunge.at

Über die Akademische Sängerschaft Nibelungen zu Linz ist relativ wenig bekannt. Gegründet wurde sie 1966. Auf ihrer "Heimseite" wirbt sie mit Sätzen wie "Du bist unangepasst und mainstream-resistent? Du pfeifst auf 'Political Correctness' und denkst lieber selbst? Dann steh auf und werde aktiv!"

Allerdings gibt es ein Foto von Horst-Rudolf Übelacker, das den seit seiner Pensionierung in Linz lebenden Deutschen in der Couleur der Nibelungen zeigt. Übelacker war Direktor der Deutschen Bundesbank und CSU-Politiker. Heute sitzt er für die FPÖ im Gemeinderat. Auffallend ist vor allem Übelackers Engagement für die Wiederbelebung des Witikobund Österreich. Dabei handelt es sich um einen völkisch-rechtsextremen Verein, der sich als "nationale Gesinnungsgemeinschaft der Sudetendeutschen" versteht.

Rechtsextremismus-Faktor: 5/10

alles roger?

Screenshot via Facebook

alles roger? ist ein 2015 von Ronald und Roger Seunig gegründetes Magazin, das seither immer wieder aufgrund von antiamerikanischen und antisemitischen Verschwörungstheorien aufgefallen ist. Neben dem Besitzer der Einkaufsstadt "Excalibur-City", Ronald Seunig, findet sich im Impressum des Magazins auch Roland Hofbauer, Ex-Ehemann von Barbara Karlich.

Generell konnte das Magazin bei seiner Release-Party mit prominenter Unterstützung aufwarten. Auf Heute-Fotos der Feier finden sich unter anderem Justizminister Wolfgang Brandstetter, der umstrittene Top-Anwalt Werner Tomanek und die Schauspielerin Angelika Niedetzky. Laut Recherchen von Karl Öllingers Blog stopptdierechten.at und Fotos des Bezirksblatts sollen auch Ex-FPÖ- und -BZÖ-Politiker Peter Westenthaler, der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christian Höbat und ATV-Chef Martin Gastinger auf der Party gewesen sein.

Ob sich die ganzen Adabeis darüber bewusst waren, dass sie sich damit quasi auf dem Laufsteg für ein rechtes Magazin präsentierten, das unter anderem Verschwörungstheorien über 9/11 verbreitet und an die geheime Weltherrschaft der Rothschilds glaubt, sei dahingestellt. Feststeht, dass Ronald Seunig bereits 2006 gegenüber Trend offen über seine Verehrung für Adolf Hitler sprach und ein Deckengemälde des Diktators in seinem Wohnhaus präsentierte. Über die Gräueltaten Hitlers und der Nazis sagte Seunig damals: "Das stimmt alles nicht, er war es nicht, der den Krieg angefangen hat, man hat Hitler provoziert."

Rechtsextremismus-Faktor: 6/10

WOLF PMS

"Defend Europa". Screenshot via Facebook

Wolf PMS ist wahrscheinlich der einzige Calligrafitti-Künstler mit etwas zu groß geratener Heimatliebe. Der Dresdner Künstler zeichnet etwa Bilder für den rechtsradikalen Verein Volkishilfe e.V., der vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet wird. Wolf PMS bewegt sich außerdem im Umfeld von Philip Stein (siehe Germania Marburg). PMS steht übrigens für "Politisch Motivierte Schriftkunst".

Rechtsextremismus-Faktor: 6/10

RING FREIHEITLICHER STUDENTEN

Screenshot via Facebook

Der Ring freiheitlicher Studenten (RFS) ist die Studentenorganisation der FPÖ und mit einem Mandat in der Bundes-ÖH vertreten. Auf studentischer Ebene setzt sich der RFS vor allem für Studiengebühren, schärfere Aufnahmebedingungen für ausländische Studierende und gegen Studienrichtungen wie Gender-Studies ein.

Wesentlich interessanter sind aber die immer wieder aufgedeckten personellen Überschneidungen zur rechten Szene und deutschnationalen Burschenschaften. So unterstützten etwa der Holocaust-Leugner Gerd Honsik und der Neonazi Gottfried Küssel den RFS. Während einer linken Demonstration 1965 gegen einen antisemitischen Universitätsprofessor, die vom RFS gestört wurde, verletzte Günther Kümel, Mitglied des RFS und der Burschenschaft Olympia, den Antifaschisten und KZ-Überlebenden Ernst Kirchweger so schwer, dass dieser seinen Verletzungen erlag. Nach Ernst Kirchweger ist heute das linke Kulturzentrum EKH in Favoriten benannt.

Auch heute noch umgeben sich die Aktivisten des RFS gerne mit einschlägigen Rechten. Zum Beispiel Markus Ripfl, RFS-Obmann an der Uni Wien und Mitglied der Burschenschaft Olympia. Ripfl warb im April 2016 für eine Veranstaltung der Olympia, bei der Szabolcs Szalay als Redner angekündigt war. Szalay ist Anhänger der ultrarechten und verbotenen ungarischen Jugendbewegung der 64 Burgkomitate (HVIM). Erst Ende 2015 wurden zwei Mitglieder von HVIM in Rumänien verhaftet, weil sie einen Terroranschlag auf die Feierlichkeiten zum rumänischen Tag der Einheit geplant haben sollen.

Rechtsextremismus-Faktor: 6/10

JUGENDEUROPA

Screenshot via "Europäischen Forums Linz"

Jugendeuropa ist das neueste Projekt von Philip Stein (siehe Germania Marburg). Momentan scheint das Projekt aber alles andere als gut zu laufen. Bis jetzt gibt es noch keine Publikationen oder Aktionen. Auch der eigens angelegte Twitter-Account ist seit dem 3. Oktober down. Lediglich der Podcast Von rechts gelesen ist noch mit drei Sendungen—unter anderem ein Interview mit dem rechten Graffiti-Künstler Wolf PMS—verfügbar.

Rechtsextremismus-Faktor: 6/10

COMPACT MAGAZIN

Screenshot via Facebook

Als "Zentralorgan der deutschen Asylkritiker- und Verschwörer-Szene" hat mein Kollege Matern Boeselager das Compact-Magazin im Juni beschrieben. Tatsächlich hat sich das Magazin von Chefredakteur Jürgen Elsässer, Deutschlands bekanntestem Querfrontaktivisten, seit seiner Gründung 2010 zum Haus-und-Hof-Blatt von AfD, Pegida und Co. entwickelt. Auf rechten Demos werden reißerische Schlagzeilen des Magazins auf Plakate gedruckt und die jährliche Compact-Konferenz dient als Meet and Greet der selbsternannten neuen Rechten.

Elsässer selbst kann auf eine bewegte Karriere als politischer Aktivist zurückblicken. Zuerst als Antideutscher, später als leninistischer Anti-Imperalist, war er bis 2008 Redakteur unterschiedlicher linker Medien, wie zum Beispiel Bahamas, Jungle World und konkret. 2010 schlug er mit dem Compact-Magazin einen neuen Weg ein und versucht seither, Linke und Rechte im Kampf gegen das "internationale Finanzkapital" zu einen. Bisher zieht seine Strategie aber vor allem Russland-Fans und Rechtsextremisten aus dem Umfeld der Identitären, Pegida und der AfD an.

Rechtsextremismus-Faktor: 7/10

EIN PROZENT FÜR UNSER LAND

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Die Initiative Ein Prozent für unser Land ist so etwas wie eine NGO für die selbsternannte neue Rechte und wird etwa im Compact-Magazin als "Greenpeace für Deutschland" beschrieben. Gegründet wurde sie, wie auch der Verlag Antaios, vom Rechtsaktivisten Götz Kubitschek. Mit dabei sind auch noch zwei weitere Männer, deren Namen auch in diesem Artikel immer wieder fallen: Jürgen Elsässer (siehe Compact-Magazin) und Philip Stein (siehe Germania Marburg und Jugendeuropa Verlag). Unterstützung gibt es außerdem auch von Martin Sellner (siehe Identitäre Bewegung Österreich).

Inhaltlich geht es der Initiative um die Bekämpfung der "Flüchtlingsinvasion", der "Willkommenskultur", der "Asylkatastrophe", der "Lügenpresse", sowie der Politik von Angela Merkel im Allgemeinen. "Ein Prozent" steht dabei für ein Prozent der deutschen Bevölkerung, welches, erst einmal gut vernetzt und zusammengeschweißt, die Ziele der Initiative im Ernstfall auch gegen die restlichen 99 Prozent durchsetzen können soll.

Rechtsextremismus-Faktor: 7/10

Ares Verlag

Screenshot via "Europäischen Forums Linz"

Beim Ares Verlag handelt es sich um ein 2004 gegründetes, rechtskonservatives Tochterunternehmen des Grazer Leopold Stocker Verlags, das immer wieder mit rechtsextremen Publikationen auffällt. Neben Büchern von einschlägigen Autoren wie Alain de Benoist, Caspar Schrenck-Notzing und John Philippe Rushton, werden zum Beispiel auch Werke von Martin Graf und Barbara Rosenkranz verlegt.

Auch der ehemalige Leiter des Thüringer Verfassungsschutzes, Helmut Roewer, in dessen Amtszeit die Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe untertauchten, publizierte bereits im Ares Verlag.

2006 machte der Verlag damit Schlagzeilen, dass er mehrere Prozesse gegen Kritiker führte und kritische Berichterstattung über seine Publikationen verhindern wollte—allerdings ohne Erfolg. Das Gericht urteilte damals, dass "rassistisch", "antisemitisch" und "rechtsextrem" zulässige Werturteile für den Verlag seien.

Rechtsextremismus-Faktor: 7/10

SEZESSION

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Sezession ist ein Print- und Onlinemedium des Rechtsaktivisten Götz Kubitschek (siehe Antaios Verlag und Ein Prozent für unser Land). Der Online-Auftritt von Sezession besteht hauptsächlich aus einem Autoren-Blog. Die Printausgabe erscheint alle zwei Monate mit einer Auflage von etwa 2000 Stück. Sowohl auf dem Blog, als auch im Printmagazin werden klassische Positionen der selbsternannten neuen Rechten vertreten, wie zum Beispiel xenophobe Propaganda gegen die europäische Flüchtlingspolitik, Verschwörungstheorien und Diffamierung von Kritikerinnen und Kritikern.

Rechtsextremismus-Faktor: 7/10

UNZENSURIERT.AT

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unzensuriert.at ist ein von führenden FPÖ-Mitarbeitern betriebener Blog, der den Lesern eine rechte Parallelwelt und den Untergang Österreichs vermittelt. Vor allem FPÖ-Politiker, aber auch Aktivisten der extremen Rechten nutzen gerne Artikel von unzensuriert.at um ihre Propaganda mit vermeintlichen Fakten zu untermauern. Verbreitet werden allerdings, wie so oft in den angeblich unabhängigen Medien der Rechten, vor allem Halbwahrheiten, hetzerische Artikel und Verschwörungstheorien. profil widmete dem rechten Online-Medium im Mai 2016 einen umfassenden Artikel.

Initiiert wurde die Seite vom FPÖ-Politiker Martin Graf. Unter den Autoren finden sich aber auch bekannte Figuren der rechten Szene wie Wolfgang Dvorak-Stocker (siehe Ares Verlag), Barbara Rosenkranz und Martin Semlitsch (siehe Antaios Verlag).

Rechtsextremismus-Faktor: 8/10

ZUERST!

Screenshot via Facebook

Zuerst! ist ein rechtes Magazin aus Kiel, das erstmals im Dezember 2009 erschien und wird von der Verlagsgruppe Lesen & Schenken, einem Tochterunternehmen der Bauer Media Group, vertrieben. In der Zeitschrift werden vor allem Ressentiments gegen Ausländer geschürt und Vorurteile gegen Migranten befeuert. So finden sich in Zuerst! Weisheiten wie "Der typische Serientäter ist männlich, arabischer Herkunft und bleibt auch als Erwachsener kriminell","In der Regel leben die kriminellen arabischen Familien in großen, eng verbundenen Clans, oft mit zehn bis 15 Kindern, von Sozialgeldern und von Kriminalität" und "Es ist keine Übertreibung, wenn ich heute sage: Unser deutsches Volk steht auf der Kippe zum Sterben".

Zuerst! versuchte außerdem den Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds umzudeuten und als politisches Konstrukt darzustellen. Chefredakteur des Blattes ist zur Zeit Manuel Ochsenreiter, der auch schon für Sezession (siehe Sezession) geschrieben hat und Mitglied des Witikobunds (siehe Nibelungen zu Linz) ist.

Rechtsextremismus-Faktor: 8/10

Blaue Narzisse

Screenshot via Facebook

Die Blaue Narzisse ist ein rechtes Jugendmagazin aus Chemnitz, das seit 2004 erscheint und 2006 durch einen Onlineauftritt ergänzt wurde. Als Chefredakteur fungiert der Burschenschafter Felix Menzel, der auch als eine Schlüsselfigur der deutschen Identitären gilt.

Neben klassischen rechten und ausländerfeindlichen Themen widmet sich die Blaue Narzisse auch mehr oder weniger unpolitischen Themen und versucht damit ihre Reichweite zu optimieren. So gab etwa die österreichische Band Ja, Panik dem Magazin ein Interview, distanzierte sich im Nachhinein aber von der Zeitschrift. Auch der mehrmals als "Rassist" diffamierte französische Autor Michel Houellebecq distanzierte sich klar von der Blauen Narzisse, nachdem die Zeitschrift 2014 einen "Michel-Houellebecq-Jugendkulturpreis" ausgeschrieben hatte.

Die Blaue Narzisse kann klar zu den sogenannten "neurechten" Publikationen gezählt werden, die mit popkulturellen Elementen über ihre rechtsradikale Gesinnung hinweg täuschen wollen.

Rechtsextremismus-Faktor: 8/10

INFO-DIREKT

Screenshot via Facebook

Info-DIREKT beschreibt sich selbst als "die neue freie und unabhängige Stimme in der heimischen Medienlandschaft". Tatsächlich handelt es sich bei dem Magazin aus Linz um ein rechtes Russland-Fanzine, das neben Werbung für Putin vor allem rassistische und antisemitische Verschwörungstheorien wiederkäut. Vertrieben wird die Zeitschrift von einem Konglomerat aus mehr oder weniger bekannten Exponenten der extrem rechten Szene, FPÖ-nahen Personen, Identitären und Putin-Anhängern. Info-DIREKT tritt neben unzensuriert.at als Medienpartner des Europäischen Forums Linz auf.

Eine ausführliche Reportage zu den Hintermännern von Info-DIREKT findest du hier.

Rechtsextremismus-Faktor: 9/10

ODIN WIESINGER

Norbert Hofer und Manfred Wiesinger. Screenshot via Facebook

Der Künstler "Odin Wiesinger" heißt eigentlich Manfred Wiesinger. Bekannt ist er vor allem deshalb, weil ihn FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer als seinen "Lieblingskünstler" und "Freund" bezeichnet. Bekannt ist der Maler aber auch durch seine Vorliebe für rechtsradikale Bands wie Thorak und sehr fragwürdige Facebook-Postings. Wie etwa jenes, in dem er Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste, als ein "selten hässliches und dummes Stück Fleisch" bezeichnet. Meine Kollegin Hanna Herbst hat sich mit Odin Wiesinger ausführlich beschäftigt. Den Artikel findest du hier.

Rechtsextremismus-Faktor: 9/10

UMWELT UND AKTIV

Screenshot via umweltundaktiv.de

Umwelt und Aktiv ist ein ökologisches Magazin mit braunem Rand unter den Fingernägeln. Seit seiner Gründung 2007 beschäftigt sich das aus Traunstein stammende Magazin vor allem mit ökologischen Themen vor dem Hintergrund der germanischen Mythologie. Das Magazin steht in enger Verbindung mit der NPD. So waren in der ersten Ausgabe wortwörtlich übernommene Passagen aus dem NPD-Parteiprogramm zu finden. In der Redaktion von Umwelt und Aktiv sitzen außerdem NPD-Funktionäre wie Peter Haese, Christoph Hofer und Sascha Roßmüller. Das Magazin steht unter Beobachtung durch den bayrischen Verfassungsschutz.

Rechtsextremismus-Faktor: 9/10

PHALANX EUROPA

Screenshot via phalanx-europa.com

Bei Phalanx Europa handelt es sich um einen Online-Shop von sogenannten Identitären für sogenannte Identitäre. Verkauft werden hauptsächlich T-Shirts mit Aufschriften wie "Islamist Not Welcome", "Reconquista", "Patriot", "Grenzen hoch und Schotten dicht", "Remove Kebap", "Europa Nostra" und "FCK VDB". Eigentümer ist Patrick Lenart, einer der beiden Leiter der sogenannten Identitären Bewegung Österreich.

Rechtsextremismus-Faktor: 10/10

NEUE ORDNUNG

Screenshot via neue-ordnung.at

Die Neue Ordnung ist eine vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem eingestufte Grazer Zeitschrift, die vier mal im Jahr erscheint. Herausgegeben wird sie vom extrem rechten Ares Verlag.

Die Neue Ordnung zeichnet sich vor allem durch geschichtsrevisionistische Artikel zu Themen wie Auschwitz und Zwangsarbeit aus. Immer wieder finden sich auch antisemitische, rassistische und hetzerische Artikel in der Zeitschrift. Die Neue Ordnung tritt außerdem für die Abschaffung des Verbotsgesetzes ein und vertritt eine positive Haltung zum Faschismus.

Rechtsextremismus-Faktor: 10/10

DER ECKART

Screenshot via "Europäischen Forums Linz"

Der Eckart ist die Monatszeitschrift des Schutzvereins Österreichischer Landsmannschaften (ÖLM), einer Organisation die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem eingestuft wird. Auch die Zeitschrift selbst vertritt laut DÖW "revanchistischen und ausländerfeindlichen Inhalte".

Der Eckart erscheint unter unterschiedlichen Namen bereits seit 1923. Auch nach dem Nationalsozialismus wurden in der Zeitschrift weiterhin rechtsextreme und rechtskonservative Inhalte verbreitet. Auch heute noch werden in Der Eckart extrem rechte Positionen vertreten. So wurde zum Beispiel in der Jännerausgabe 2005 dem Nazi-Kriegsverbrecher Erich Priebke gedacht. Wörtlich hieß es, dass man Priebke "aus Rachsucht und politischem Kalkül in einer Gefängniszelle in Rom schmachten lässt".

Laut Wikipedia hat Der Eckart eine Auflagenstärke von immerhin 12.000 Stück; unabhängige Zahlen liegen dazu keine vor. Chefredakteur ist Thomas Hüttner, der in Wien-Donaustadt für die FPÖ im Gemeinderat sitzt und Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Ghibellinia zu Wien ist.

Rechtsextremismus-Faktor: 10/10

Burschenschaft Germania Marburg

Screenshot via germania-marburg.de

"Ich akzeptiere die nationalsozialistischen Maßnahmen, weil sie dem heißen Wunsch der damaligen Führung entsprangen, des deutschen Volkes Einigkeit und Recht und Freiheit zurückzugewinnen. Diesem großen Ziel musste die persönliche individuelle Freiheit einiger weniger untergeordnet werden, denen man dadurch die Möglichkeit nahm, in Versammlungen oder Journaille für ihre dem Nationalsozialismus feindlichen Ziele zu werben", schrieb 1957 ein Mitglieder der Burschenschaft Germania Marburg über die Konzentrationslager der Nazis.

Heute würden es die Mitglieder der Burschenschaft, die 2015 den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft innehatte, wohl anders formulieren. Trotzdem ist die Germania Marburg immer noch ein Sammelsurium von alten und neuen Rechtsextremen. Darunter etwa ehemalige Mitglieder der Neonazigruppe AG Schwaben und der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten.

Unter den aktivsten Burschen der Germania Marburg findet sich aber auch der Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft, Philip Stein. Neben seinem burschenschaftlichen Engagement bewegt sich Stein vor allem im Dunstkreis der deutschen und österreichischen sogenannten Identitären. Er ist außerdem Gründer von Jugendeuropa, einer Organisation, die ebenfalls am Kongress in Linz ausstellt.

Rechtsextremismus-Faktor: 10/10

Identitäre Bewegung Österreich

Screenshot via Facebook

Die Identitäre Bewegung Österreich (IBÖ) ist eine rechtsextreme Bewegung, die in den letzten Jahren vor allem mit Störaktionen und Besetzungen von Workshops, Lehrveranstaltungen und Theatervorstellungen für mediale Aufmerksamkeit gesorgt haben. Zu Auseinandersetzungen zwischen den Identitären und linken Gegendemonstranten kam es in Wien auch im Zuge von drei Aufmärschen der Rechtsextremisten. In Österreich pflegt die IBÖ gute Kontakte zu Teilen der FPÖ und deutschnationalen Burschenschaften. Aushängeschild der IBÖ, aber auch der Identitären in ganz Europa ist der in Wien studierende Martin Sellner.

Die IBÖ verfolgt das Ziel des von ihr proklamierten "Ethnopluralismus". Gemeint ist damit eine Welt, in der jeder Ethnie und Volksgruppe ihr eigener Lebensraum zugeschrieben wird. Um die "Reinhaltung" der eigenen "Rasse" zu gewährleisten, soll es keine Migration zwischen den einzelnen Lebensräumen geben. Um etwa in Österreich die "kulturelle Reinheit" wieder herzustellen, kämpft die IBÖ für eine "Remigration", also die "Umvolkung" des nach ihrem Weltbild nicht dem "deutschen Kulturkreis" zugehörigen Teils der jetzigen österreichischen Bevölkerung. Dass eine solche Zwangsumsiedlung von Teilen der Bevölkerung nicht gewaltfrei ablaufen würde, liegt auf der Hand.

Weiterführende Artikel zu den Identitären findest du hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Rechtsextremismus-Faktor: 10/10

Paul auf Twitter: @gewitterland

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