Ja, eine EgyptAir-Geisel hat tatsächlich ein Foto mit dem Entführer gemacht

Noch im Flugzeug kam der Brite Ben Innes auf die glorreiche Idee, ein Selfie mit dem Sprengstoffgürtel tragenden Geiselnehmer zu schießen.

|
30 März 2016, 8:12am

Seif Eldin Mustafa hat am Dienstagmorgen ein EgyptAir-Flugzeug entführt, kurz nachdem dieses Kairo verlassen hatte. Er zeigte einen gefälschten Sprengstoffgürtel und zwang den Piloten so, die Maschine zum Flughafen Larnaka in Zypern zu fliegen.

Zu irgendeinem Zeitpunkt während der Entführung entschloss sich der 26-jährige Ben Innes aus dem englischen Leeds, ein Foto mit Mustafa zu schießen und es seinem Mitbewohner Chris Tundogan über WhatsApp zu schicken. „You know your boy doesn't fuck about!", schrieb er laut einer Unterhaltung, die Tundogan mit dem britischen Boulevardblatt Daily Mail geteilt hat. „Turn on the news lad!!!"

Tundogan antwortete mit Besorgnis. „Wtf?", schrieb er. „Hat der Typ da eine Bombe an der Brust? Geht's dir gut? Melde dich, wenn du aus dem Flugzeug raus bist."

„Ich habe keine Ahnung, warum er dieses Selfie geschossen hat, aber ich kann mir vorstellen, dass er sich freiwillig gemeldet hat, denn er ist nicht der Typ, der vor irgendetwas zurückschreckt", sagte Tundogan der Daily Mail. „Ich finde es ziemlich übergeschnappt, aber so ist Ben nun mal, schätze ich!"

Beide Männer wirken in dem Bild überraschend entspannt. Es könnte entstanden sein, als das Flugzeug auf dem Rollfeld in Larnaka stand und die Geiseln gerade evakuiert wurden. Mustafa trägt darin noch den falschen Sprengstoffgurt, der laut dem zypriotischen Außenminister Ioannis Kasoulides aus Handyhüllen bestand.

Als das Flugzeug in Larnaka landete, warf Mustafa Berichten zufolge einen auf Arabisch geschriebenen Brief auf die Rollbahn und verlangte, dass dieser seiner Ex-Frau gebracht werde.

Nachdem die Behörden mit den Verhandlungen anfingen, wurden 74 der 81 Personen an Bord befreit. Drei Passagiere und vier Crewmitglieder blieben in der Maschine. Innes war Berichten zufolge einer der letzten drei. Mustafa ergab sich letztendlich und niemand wurde verletzt.

Motherboard: Warum der Flugzeug-Hacker Chris Roberts zu weit gegangen ist

Kasoulides sagte, Mustafa habe anfangs damit gedroht, den Gürtel zu zünden, und verlangt, dass das Flugzeug neu aufgetankt und nach Istanbul geflogen werde. „Es sieht so aus, als sei ihm klar geworden, dass man seinen Forderungen nicht nachkommen würde, und als habe er daraufhin den letzten beiden Geiseln, beide britisch, die Flucht erlaubt", sagte Kasoulides. „Er wurde verhaftet."

Der Flug MS181 startete am Dienstagmorgen vom Flughafen Burg al-'Arab in Alexandria und war unterwegs nach Kairo. Der Pilot, Omar al-Gammal, sagte den Behörden, Mustafa scheine einen Sprengstoffgürtel zu tragen und habe ihn gezwungen, zum Flughafen Larnaka in Zypern auszuweichen. Reuters gegenüber sagte Gammal, der Entführer habe „unnormal" gewirkt, doch er sei verpflichtet gewesen, ihn als ernstzunehmende Bedrohung zu behandeln.

Obwohl der Vorfall keinerlei Verbindungen zu terroristischen Gruppen aufweist, sind angesichts der Tatsache, dass Mustafa mit genug Material für einen glaubhaften Sprengstoffgürtel an Bord gelangen konnte, Sorgen um die ägyptische Flughafensicherheit laut geworden. Letzten Oktober bekannte sich die Terrororganisation Islamischer Staat zu einer Bombe, die in einem russischen Passagierflugzeug versteckt worden war und kurz nach dem Abflug aus Scharm asch-Schaich alle 224 Menschen an Bord tötete.