Fotos

In Acapulco liegen Spaß und Horror ganz dicht beieinander

Trotz anhaltender Gewalt der Drogenkartelle boomt der Tourismus im mexikanischen Urlaubsort immer noch.

von Hans-Maximo Musielik
15 Oktober 2015, 4:30am

Foto: Hans-Maximo Musielik / VICE News

Acapulcos Hotels, Bars und goldene Sandstrände erstrecken sich zwar über die gesamte Länge der spektakulären sichelförmigen Bucht, in der das beliebte Urlaubsziel liegt, aber trotzdem erwartet einen dort neben dem Versprechen von ungetrübtem Spaß auch der lange Schatten der Drogenkartell-Gewalt, der niemals wegzugehen scheint.

Miguel Alemán, die Küstenstraße, die die Touristen-Hotspots entlang des Strandes verbindet, soll diese beiden Welten trennen. Dort patrouillieren Soldaten und Polizisten rund um die Uhr, um die schrecklichen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Drogengangs aus den Urlaubsbereichen fernzuhalten. Diese unsichtbare Grenze ist jedoch auch nicht immer gegeben—so wurde zum Beispiel im August ein Restaurantbesitzer erschossen, nachdem er sich geweigert hatte, Schutzgeld zu zahlen, und zur Polizei gegangen war.

Während der Amtszeit des ehemaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón sind Hinrichtungen in Acapulco schon fast normal geworden. Und auch wenn sich die Namen der kriminellen Banden im Laufe der Jahre geändert haben, so ist die Gewalt auch heute unter Präsident Enrique Peña Nieto noch immer präsent. Mehrere behördliche Großoffensiven konnten das Versprechen, die Gewaltspirale zu beenden, nicht einlösen.

Dem in Mexiko sitzenden Consejo Ciudadano para la Seguridad Pública y la Justicia Penal [Bürgerrat für öffentliche Sicherheit und Strafjustiz] zufolge ist Acapulco hinter dem honduranischen San Pedro Sula und dem venezolanischen Caracas die Stadt mit der weltweit dritthöchsten Gewaltrate. Das Sicherheitsministerium des mexikanischen Bundesstaates Guerrero gab an, dass in Acapulco in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 336 Morde verübt wurde—im Vergleich zu 2014 bedeutet das einen 63-prozentigen Anstieg. In einer Untersuchung der Lokalzeitung El Sur kam man zu dem Ergebnis, dass bis Ende September 665 Mordopfer zu verzeichnen waren.

Und trotzdem mangelt es in Acapulco nicht an Touristen. Zwar sind die glamourösen Tage, als Liz Taylor noch durch den Strandort flanierte, längst vorbei, aber trotzdem findet man dort noch eine ganze Menge bewachter Urlaubsanlagen für die Reichen und Schönen Mexikos. Zur Hochsaison fallen dann zusätzlich noch ganze Busladungen an Arbeitern aus Mexico City in Acapulco ein, um sich den wohlverdienten Urlaub zu gönnen—angelockt durch Vergünstigungen und erhöhte Polizeipräsenz.

Motherboard: Dieses gerade freigegebene Video zeigt das ganze Grauen der US-Chemiewaffentests

Die Fotos dieser Galerie habe ich über einen Zeitraum von drei Wochen geschossen, in dem ich die Küstengegend durchstreifte. Zu der Zeit neigten sich auch die Sommerferien dem Ende zu und es waren noch viele Urlauber anzutreffen.

Den größten Eindruck haben bei mir jedoch die Obdachlosen hinterlassen, die unter den Brücken vor Sonne und Regen Schutz suchen und dort sowohl mit dem Geruch von fauligem Wasser als auch mit den durch den Verkehr verursachten Erschütterungen klarkommen müssen.

Dabei habe ich auch einen Koch kennengelernt, der sich Antonio nennt. Er ist vor einem Jahr nach Acapulco gezogen und arbeitet tagsüber in einem Restaurant. Er trug seine Arbeitskleidung in einem Rucksack bei sich, duschte unter einer geplatzten Wasserleitung in der Nähe der Brücke und kochte nachts für seine ebenfalls obdachlosen Freunde das Essen, das sie zusammengetragen hatten.

José Alfredo, der nur „El Security" genannt wird, hat aufgrund von familiären Streitigkeiten seine relativ privilegierten Lebensumstände hinter sich gelassen und arbeitet jetzt als Wachmann in einem Strandrestaurant von Acapulco. „Mach ein Foto von mir, das so aussieht wie das, das meine Mutter damals von mir geschossen hat, als ich noch ein kleiner Junge war", wies er mich an. Danach machte er vor der untergehenden Sonne einen Flickflack und lächelte, als er sich anschließend das Bild auf meiner Kamera ansah.

Alle Fotos: Hans-Maximo Musielik / VICE News