Fotos von den Protesten gegen den Grazer Akademikerball

Bei den Protesten gegen den Grazer Akademikerball wurden dieses Jahr mitunter sehr kreative Blockade-Methoden gewählt.

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24 Jänner 2016, 11:08am

Lange Zeit blieb der Grazer Akademikerball, der dieses Jahr in seine 64. Ausgabe ging, weitgehend unbeachtet und wurde kaum skandalisiert. Nachdem es im Vorjahr zum ersten Mal größere Proteste gegen den Ball des Grazer Korporationsringes gab, rief die Offensive Gegen Rechts Steiermark dieses Jahr unter dem Motto „Faschismus stoppen, Burschenschaften blocken" erneut zum Protest auf, um ein „Zeichen gegen den Sexismus, Antisemitismus, Rassismus und Elitarismus für den die Burschenschaften stehen" zu setzen. Über die Schnittmengen der steirischen Deutschnationalen, der FPÖ und ihrer Jugendorganisationen, sowie der außerparlamentarischen extremen Rechten, berichteten wir bereits im Vorfeld.

Kritik, der sich unter anderem auch die Grazer Grünen anschlossen, richtete sich zudem gegen die Tatsache, dass die Stadt Graz, als Mehrheitseigentümerin des Messe Congresses—dem Veranstaltungsort des Akademikerballes—keinen Grund sieht, die Vermietung ihrer Räumlichkeiten zu überdenken. Doch auch das von der Polizei dieses Jahr abermals großräumig verhängte Platzverbot sorgte, angesichts eines Urteils vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) vom Juli 2015, das ein ebensolches im November 2012 im Zuge einer FPÖ-Veranstaltung als rechtswidrig erklärte, vorab für Diskussionen.

Ein erster Demonstrationszug, wonach laut Polizei etwa 500 und laut OGR zirka 800 Personen teilnahmen, marschierte kurz nach 17:00 Uhr vom Mariahilferplatz aus durch die Grazer Innenstadt zum Hauptlatz. Im Anschluss darauf kam es zu einer weiteren Kundgebung am Andreas-Hofer-Platz, wo die meisten Ball-BesucherInnen mit dem Taxi ankamen. Hier kam es unter Rufen wie „No, no, no pasaran!" zu mehren Blokade-Aktionen mit dem Ziel, den Zugang zur Veranstaltung im Congress zu behindern.

Dabei wurden mitunter kreative Blockade-Methoden gewählt: Am Marburger Kai etwa kletterten AktivistInnen auf kurzerhand aufgestellte Gerüste, wo sie über die längste Zeit ungehindert verweilen konnten. Währenddessen sorgte ein Großaufgebot der Polizei für den Zugang der Gäste zum Akademikerball. Eine Versammlung nur unweit der Kundgebung im Bereich der Kreuzung zur Landhausgasse wurde vom Einsatzleiter für beendet erklärt und anschließend geräumt.

Trotz der Festnahme von sechs Personen mit dem Ziel der Identitätsfeststellung, verlief die Demonstration von Seiten der Protestiereden friedlich. Es wurden auch keinerlei Sachbeschädigungen gemeldet. Doch die Casino-BersucherInnen, die irrtümlich für Ballgäste gehalten und vereinzelt mit Farbbeuteln beworfen wurden, dürften über diese Verwechslung nicht erfreut gewesen sein. „Zu unmittelbaren Tätlichkeiten gegen Ballbesucher" kam es laut Polizei nicht.