Anzeige
Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Bis so guet

Puffgänger: Leckt meinen A(ugusti)nus!

Ein Hoch auf das Onanieren. Wir wollen Selbstbefriedigung. Gegen die Prostitution, gegen Krieg und gegen Arschlöcher, die Gynäkologen umbringen wollen, weil sie ihre Frau nackt gesehen haben.

von Benjamin von Wyl
14 November 2013, 12:00pm

Foto: Peter Williams

Wichse ist ein hässliches Wort. Besonders auf Standarddeutsch. Sperma hingegen klingt ganz romantisch. Zu romantisch. Wahrscheinlich denkst du noch, dass Wichse nur auf Schuhe gehört. So einer bist du. Spätestens auf dem Pausenplatz wurden alle aufgeklärt. Wir bekennenden Wichser machten das zur Glaubensfrage. Auf unserem Pausenplatz war klar: "Wer nicht wichst, muss zu Nutten."

Für lange Zeit blieb das eine theoretische Überlegung. Egal wie lange wir wach blieben und an uns rieben — auch wenn wir die Softpornos mit üblem Saxofonsoundtrack zum Schluss geschaut haben: Nichts kam raus! Die ersten Live-Orgasmen bekam ich wohl im Firmungslager mit. Einige aus unserem Zimmer waren bereits biologisch weit genug, um in Geschwindigkeitswettbewerben zu brillieren. Was wir noch nicht wussten: So schnell wie möglich ist nichts Gutes.

Foto: Christian Mayrhofer

Was wir auch nicht wussten: Unsere katholischen Stimmbruch-Seelen handelten böse. Der nette Mittelaltermann Thomas von Aquin hielt Selbstbefriedigung für schlimmer als Inzest. Aber gut, sein geistiger Vater Augustinus grub die Faust halt tief in den Mastdarm: "Dirnen in der Stadt gleichen den Kloaken im Palast. Nimmst du sie heraus, so stinkt das ganze Schloss." Natürlich ist das daneben, aber das Zitat ist aus dem alten Rom. Und ich würde auch nicht so tief im Gesäss vom heiligen Augustinus bohren, wenn ich nicht echt wütend wäre.

Das 21. Jahrhundert: Latte Macchiato Mütter, Neo-Feminismus, aber auch schlimme Dinge wie Helene Hegemann. Da sollte man doch hoffen, dass es Bilder wie sie sich Mimmi Chakarova erkämpft hat, nicht mehr gibt. In ihrer Harakiri-Doku The Price of Sex lässt sie ehemalige Zwangsprostituierte zu Wort kommen. Grausame Bilder, wichtige Bilder — Bilder, die erzchristliche Bootcamps einsetzen könnten, damit ihre Terrorteenies keine Flecken mehr auf die Trainerhosen machen. Dieses, mein; unser Scheiss-Geschlecht. Und überhaupt: Es gibt auch noch Arschlöcher, die Gynäkologen umbringen wollen, weil sie ihre Frau nackt gesehen haben.

Foto: Rafael Poveda

Drum liebe Buben: Helft unserer Pauseplatzthese, wichst gegen Zwangsprostitution. Wichst in Taschentücher. Mehrlagig. Gerne Marke Tempo. Und wenn ihr zu eurem Spiegelbild auf den Badezimmerkacheln nicht abgehen könnt, versucht es mit Silicone Valley-Filmchen oder schaut bei VICE NSFW. Aber falls ihr Typen trotzdem nicht vom Puff loskommt, gibt es Mittel und Wege der Selbstkastration. Die muss nicht chemisch sein. Ich verspreche euch: Lest ein Kapitel aus Axolotl Roadkill und ihr bekommt zwei Monate lang weder Morgen- noch sonst eine Latte. Dazu müsst ihr nicht zwingend an Helene Hegemann denken. Vielleicht kocht ihr dann wiedermal für eure Kumpels und geniesst einen Männerabend.

Die besten Alternativen zu Selbstbefriedigung und Nutten gibt es natürlich am Wochenende:

Am Donnerstag stürmen wir ins SUD und tanzen zu wildgewordenen Balkanbeats Unplugged.

Am Freitag treffen wir uns um 18 Uhr an der Badenerstrasse 565. Dort wartet ein verheissungsunsvolles "All you (n)ever wanted" in dichtgepresster Form.

Danach lassen wir uns im Volkshaus vom schaurigen Klangfeuer von Trentemøller das Herz wegdröhnen.

Oder wir begeben uns zum nächstgelegenen Bahnhof, ab nach Düdingen ins Bad Bonn, wo die Britin Scout Niblett uns in einen wummernden, hämmernden, vibrierenden musikalischen Strudel hinabreisst.

Samstags wird es tropisch im Stall 6, exotisch im Hinterhof,blitzschnell im Palace, nachdenklich in der Reitschule, oder glitzrig in der heilen Welt zur Kalisti Gold-Labelnacht. Dafür verlosen wir 2x2 Tickets! Schreibt an win@viceland.ch.

Und weil wir so einen dicht gepackten Samstag hatten, gehen wir Sonntag an den Country-Katerbrunch im Hotel Kronenhof.

Tagged:
MASTURBATION
Zürich
wochenende
Stuff
Gynäkologe
onanieren
Augustinus
ThomasvonAquin