Dieses Gerät verpetzt dich, wenn du im Hotel high wirst

Wenn wir einen normalen Rauchmelder mit einem schreienden Baby gleichsetzen, dann ist der AirGuard eher wie ein Spion, der dir heimlich über die Schulter schaut, deinen Konsum aufzeichnet und dich dann verrät.

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05 November 2014, 8:11am

Foto: bereitgestellt von Joseph BelBruno

Wenn du zu den überzeugten Rauchern gehörst, die zu einem Vortrag über „Freiheit" ansetzen, weil sie sich im Flugzeug keine Glimmstängel anzünden dürfen, dann finde erstmal ein Hotel, in dem du in Ruhe ​deine Lunge teeren darfst. Eine ​alte Volksweisheit besagt jedoch, dass Kiffer ohne Probleme ihrer Lieblingsbeschäftigung in Nichtraucher-Hotelzimmern nachgehen können, weil sich der Geruch nicht festsetzt.

Wenn es jedoch nach Joseph J. BelBruno, ​Professor am Dartmouth College, und seinem Team geht, dann ist das dank ihrer neuen Erfindung namens ​AirGuard bald nicht mehr der Fall. Das Gerät ist ein Sensor, der fähig ist, zwischen Rauch und Rauchen zu unterscheiden. Das Ganze ist nicht nur für Hotels gedacht, sondern für alle von mehreren Leuten genutzten Räume, in denen nicht geraucht werden soll. Dazu gehören auch Studentenwohnheime; Hausmeister können also aufatmen.

Wenn wir einen normalen Rauchmelder mit einem schreienden Baby gleichsetzen, dann ist der AirGuard eher wie ein Spion, der dir heimlich über die Schulter schaut, deinen Konsum aufzeichnet und dich dann verrät. Ob du dir jetzt eine Zigarette, eine Pfeife, eine Zigarre oder einen Joint anzündest, ist dabei völlig egal. Ich habe mich mit BelBruno unterhalten, denn ich wollte wissen, wie genau das Leben der Kiffer durch seine Erfindung erschwert wird.

VICE: Das Gerät reagiert also nicht nur auf Rauch, sondern auf das Rauchen an sich?
Joseph BelBruno: Ja, das stimmt. Es nimmt Nikotin wahr.

Und wenn man Gras raucht, dann nimmt es das THC wahr?
Nein, da reagiert das Gerät auf einen anderen chemischen Bestandteil, der im Marihuana-Rauch noch viel dominanter ist.

Und dieser Bestandteil bleibt ein Geheimnis?
Vorerst ja. Wir werden wahrscheinlich alles enthüllen, wenn wir den AirGuard tatsächlich verkaufen. Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt es aber noch unser Geheimnis.

Ich glaube, dass die Leute richtig wütend reagieren und darauf bestehen werden, dass Kiffen kein Problem darstellt, weil sich der Geruch ja nicht festsetzt. Mir wurde gesagt, dass es maximal 12 Stunden danach riecht.
Ich war sehr überrascht, als die Hotels mir erzählten, dass sie das Rauchen von Marihuana für problematischer halten als das Rauchen von Zigaretten. Laut ihnen kiffen viel mehr Leute in den Hotelzimmern und der Geruch bleibt auch hängen. 12 Stunden mag gut klingen, aber die Hotels sagen, dass das nicht wirklich stimmt. Anfangs haben wir uns nur auf Nikotin konzentriert und das mit den Hotelbesitzern besprochen. Während unseren Recherchen wurden wir allerdings immer wieder gefragt, ob wir auch Marihuana berücksichtigen könnten, weil es da ebenfalls Probleme gibt.

Allgemein wird angenommen, dass der Marihuana-Geruch schnell verfliegt und das Zimmer dadurch auch nicht diese gelbe Färbung bekommt.
Eine ausgiebige Reinigung ist nicht nötig, da hast du wohl Recht. Wenn wir nur über den Geruch reden, dann geht das Ganze wirklich relativ schnell vorbei. Die Hotels haben bloß folgendes Problem: Wenn das Zimmer direkt wieder am nächsten Tag bezogen wird, dann kommen oft Beschwerden und der Gast verlangt ein anderes. Es geht hier nicht nur um das Putzen. Das Zimmer soll einfach am nächsten Tag wieder bezugsbereit sein.

Der AirGuard nimmt Nikotin wahr. Merkt das Gerät dann auch, wenn man eine E-Zigarette raucht?
Ich denke nicht. Eine E-Zigarette brennt nicht, wenn man sie nicht raucht. Zwischen dem Ziehen und dem Verdampfen der Flüssigkeit gibt es eine Verzögerung, bei der vielleicht ein wenig Dampf austritt. Darin ist eigentlich kein Nikotin enthalten. Also nein.

Immerhin.
E-Zigaretten scheinen wirklich nur für den Raucher selbst schädlich zu sein, wenn sie überhaupt schädlich sind. Das kommt darauf an, was du von Nikotin hältst.

Wird das Gerät hauptsächlich in Hotels eingesetzt oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Wir wurden zum Beispiel schon von Sozialwohnungseigentümern kontaktiert. Besitzer von Mehrfamilienhäusern, die für eine rauchfreie Atmosphäre sorgen wollen, riefen uns ebenfalls an. Der AirGuard ist auch für Studentenwohnheime, Altenheime und allgemein Orte, die von mehreren Leuten genutzt werden, interessant. Wir planen gerade ein handlicheres Gerät, das mit Batterien betrieben wird. Das könnte dann auch für wissenschaftliche Studien eingesetzt werden, bei denen untersucht wird, wie viel Nikotin Kinder oder Menschen in verschiedenen Umgebungen ausgesetzt sind.

Was genau macht das Gerät, anstatt nur zu piepen, wenn jemand raucht?
Wir entwickeln zwei Versionen. Die eine speichert die Informationen und mit einer App sieht man sich dann an, was aufgezeichnet wurde. Man kann das Gerät direkt fragen, ob geraucht wurde und bekommt gegebenenfalls eine genaue Antwort. Die andere Version kann in ein WLAN-Netzwerk integriert werden und gibt dann sofort Auskunft darüber, wo geraucht wird.

Das Gerät gibt also quasi einem Angestellten Bescheid, von dem man dann sofort Ärger bekommt?
​So wünschen es sich die meisten Hotels, mit denen wir uns unterhalten haben. Ich weiß nicht, ob die Angestellten sofort etwas unternehmen würden. Das liegt dann in den Händen des Hotels. Es wäre jedoch möglich. Man kann ja einfach im Zimmer anrufen und sagen: „Wir wissen, dass Sie rauchen. Bitte unterlassen Sie das." Laut den Hotels werden so die Nichtraucher-Zimmer geschont. Sie wollen diese Zimmer nicht extra vom Rauchgeruch befreien müssen, damit sich der Rest von uns darin wohl fühlt.