VICEhttps://www.vice.com/de_atRSS feed for https://www.vice.comdeMon, 19 Nov 2018 09:27:30 +0000<![CDATA[Ein cleanes Leben ist langweilig – und wunderschön]]>https://www.vice.com/de_at/article/bjeze4/ein-cleanes-leben-ist-langweilig-und-wunderschoen-heroin-entzugMon, 19 Nov 2018 09:27:30 +0000 Hannah Brooks hat für VICE schon ausführlich über ihre Heroinsucht, ihren Entzug und ihren Rückfall geschrieben. Jetzt erzählt sie, wie es ihr in ihrem neuen, cleanen Leben im Hope House in Thailand ergeht.

Den Kopf ans Fenster gelehnt schaue ich raus. Ich sitze hinten in einem großen Geländewagen, wir fahren von Si Racha nach Bang Saray, einem Fischerdorf außerhalb von Pattaya an der Ostküste Thailands. Der Fahrer hält an einem 7-Eleven, dort verkündet ein großes Plakat: "Kinderhandel zum Betteln ist illegal". An einem Obststand kaufe ich einen Smoothie und zünde mir eine Zigarette an. Ich sehe mein Spiegelbild in einer Fensterscheibe und bin überrascht.

Meine Haare sind blonder, meine Haut schon brauner. Zwischen den Lippen die weiße Mentholkippe. Ich bin clean. Und so sehe ich auch aus. Gerade komme ich aus der Entzugsklinik.

Akiko, eine 22-jährige Heroinabhängige aus Australien, verlässt die Klinik mit mir. Wir sind schon mal zusammen aus dem Entzug gekommen und haben dann gleich wieder Drogen genommen. Diesmal checken wir uns direkt im Hope House ein, einem Heim für cleanes Leben im Fischerdorf Bang Saray. Dort fühlen wir uns im Moment am sichersten. Zu Hause ist es für Akiko und mich zu gefährlich. Wenn wir wieder nach Australien, in die Ruinen unserer Sucht, zurückkehren, dann kommt der Impuls zurück, uns Drogen zu schießen. Dort sind zu viele Erinnerungen. Also bleiben wir in Thailand, in diesem Gebäudekomplex mit Pool und Palmen, und drängen uns aneinander wie frierende Welpen.


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Manchmal wusste ich schon vor dem Ende meines Entzugs, dass ich wieder was nehmen würde. Andere Male kamen die Umstände zwischen mich und meine guten Vorsätze. Einmal holte mich ein Mitglied von Narcotics Anonymous vom Entzug ab. Ich kannte sie nicht, aber man sagte mir, dass ich ihr trauen könne und dass wir uns verstehen würden. Sie hatte in dem australischen Kultfilm Dogs in Space mitgespielt und was mit Nick Cave gehabt. Unter den Junkies von Down Under war sie die Königin. Sie hatte nach zehn Jahren ohne Drogen einen Rückfall gehabt, aber war seit neun Monaten wieder clean.

Auf der Heimfahrt fragte sie, ob ich noch Verlangen nach Stoff hätte.

"Ja, aber nicht all zu schlimm. Ich weiß, das wird nachlassen."

Sie starrte geradeaus. "Willst du mal?"

"Was?"

"Willst du mal was kosten?"

Meine Handflächen wurden nass, mein Herz schlug schneller. Ich hatte gerade eine Woche Entzug gemacht: schwitzen, zittern, erbrechen. Wollte ich das noch mal durchmachen?

"Nur ein Mal", versprach ich mir selbst.

Wir fuhren zum Haus meines Dealers. Dröhnten uns zu und unterhielten uns über ihre Jugend in einer italienischen Kommune und über Folk-Musik. Wir machten den Rest des Stoffs weg, rieben uns Lippenstift auf die Wangen und gingen zum Treffen von Narcotics Anonymous. Wo ich eine Runde Applaus bekam, weil ich clean aus der Klinik gekommen war.


Wenn ich jetzt aufwache, ist es hell. Mein Zimmer ist mir kurz fremd. Ich habe bis 7 Uhr geschlafen, länger als seit Monaten. Es ist still, ich bin allein. Ein seltsames Gefühl – in der Klinik war ich ständig von 30 Leuten umgeben. Ich stehe auf und streife umher. Das Haus ist groß und weiß und hat drei Stockwerke. Draußen rennt ein pummeliger Welpe auf mich zu. Neben dem Haus steht eine wackelige Hütte, vor der Kinder und dürre Hühner herumwuseln. Vor dem Tor warten ein dunkelbraunes Pferd und ein Rudel Straßenhunde. Angeblich hat das Rudel dem vorigen Hund des Hope House ein Bein abgerissen. Ich schließe das Tor immer sorgfältig.


Viel passiert hier nicht.

Ich bleibe clean. Ich befolge die Regeln des Wohnheims. Ich bin pünktlich. Ich schreibe. Ich radle zum Strand, wo Jungen am Ufer joggen und trainieren, um Muay-Thai-Boxer zu werden. Ich höre nur 60er- und 70er-Folk. Alles andere ist mir zu aufgeregt. Tagsüber bete ich in einem Tempel. Abends gehe ich auf den Tempelmarkt und kaufe Vintage-Badeanzüge, die sonst niemand will. Ich mache mein Bett, kämme und wasche mein Haar.

Es ist ein einfaches Leben. Morgens kaufe ich Obst fürs Frühstück. Ich klaue nichts, obwohl ich gerne würde – das hat mir früher immer einen Nervenkitzel bereitet. Ich lasse mir Zeit und schaue die ganzen Mangos an. Ich rieche an ihnen. Drücke mit den Fingern sanft gegen die grellgelben Früchte. Solche Kleinigkeiten geben mir jetzt viel. Früher gab es mir nur viel, Drogen zu besorgen. Ich liebte Heroin, aber die Vorfreude aufs High liebte ich noch mehr. Ich lebte für den Moment, wenn ich eine volle Spritze hatte, die ich mir gleich setzen würde. Dieser Augenblick war perfekt. Ich war Gott. Ich war eine Königin. Alles andere war vergleichsweise eine Enttäuschung.


Als ich viel Heroin nahm, schaute ich spöttisch auf Leute, die ganz normale Sachen machten: joggen, Brot kaufen, in einem Bistro essen. Ich wollte mit ihrer Menschlichkeit nichts zu tun haben. Ich gönnte den anderen kein einfaches Leben und war erschöpft von der Komplexität, die meins regierte. Manchmal fühlte ich mich so unbeschreiblich müde. Dann schaute ich auf den Boden und stellte mir vor, wie ich mich hinlegte und einfach für immer liegen blieb. Die Erde wäre aufgeheizt von der Sonne und ich voller Frieden. Ich würde da liegen, bis der Boden mich verschlungen hätte. Oder vielleicht würde auch der Himmel abstürzen und alles zudecken, eine Wolke nach der anderen.

Wir verwandeln uns alle irgendwie, hier im Hope House. Akiko holt ihre Bleistifte raus und zeichnet zum ersten Mal seit Jahren. Eine andere Mitbewohnerin, die britisch-jamaikanische Jester, trägt einen Mundschutz und tanzt auf ihrem Balkon zu altem R&B. Afids Zimmer ist im obersten Stock. Er ist Ägypter und sehr still – er war in die Revolution verwickelt.

"Mein Leben war wie ein Actionfilm", sagt er und erzählt von den Kämpfen, die er überstanden hat, high auf Heroin und LSD. Er schaut auf den Swimmingpool, an dem sich unsere Mitbewohner sonnen, und seufzt. "Das hier bin ich nicht gewohnt."


Mein Leben ist seit Jahren chaotisch, am schlimmsten war es in den Wochen vor diesem Entzug. Alles hatte sich angestaut: Die Polizei hatte mich so oft erwischt, dass die meisten Dealer sich nicht mehr trauten, mir was zu verkaufen. Ich konnte kein Sandwich riechen, ohne zu kotzen. Meine Arme sahen aus wie eine schlechte Stickerei. Mein Bruder wollte nicht mal meinen Namen aussprechen. Ich übte im Rückspiegel meines Autos lächeln, weil es nicht mehr von alleine ging. Das Chaos wuchs mir über den Kopf. Ich entschuldigte mich nicht mehr für das, was ich anstellte. Ich konnte ja doch nicht versprechen, dass es nie mehr vorkommen würde.

Mein Freund versuchte, mich zu retten. Er fuhr mich ständig zum Entzug, ich büxte ständig aus. Er brachte mich an den Strand, wo ich schwitzend in einem Boot lag. Er fuhr mich in eine Stadt und ich versuchte, aus dem fahrenden Auto zu springen. Er brachte mich in eine einsame Hütte auf einem Berg – aber direkt nach unserer Heimkehr war ich wieder beim Dealer. Daraufhin brachte er mich in meine übliche Entzugsklinik. Dort ließ ich mir drei Tage lang Heroin hin liefern, bevor ich ihn überzeugte, mich abzuholen, mich zum Dealer zu fahren, das Heroin zu bezahlen und meine Armbinde zu halten, während ich mir vor seinen Augen einen Schuss setzte. Ich versprach ihm, es sei das letzte Mal. Ich weiß nicht, warum er mir das glaubte, ich glaubte es ja selbst nicht. Aber auf den Schal, mit dem ich mir den Arm abgebunden hatte, schrieb ich mit blutigen Fingern: "Es ist vorbei." Ein Pakt mit mir selbst.

Ich band den Schal um einen schweren Stein und bat meinen Freund, mich zum Leuchtturm zu fahren, wo ich den Stein von den Klippen ins dunkle Wasser warf.

Ich setzte mir den nächsten Schuss bei Sonnenaufgang.

Nicht lange darauf hörte ich auf, nach Hause zu kommen. Ich ertrug die Schuldgefühle, das ständige Lügen und Ausweichen nicht mehr. Es sei leichter für alle Beteiligten, wenn ich einfach verschwand, dachte ich.


Ohne das Chaos entspannt sich alles in mir. Ich schalte mehrere Gänge zurück, mein Griff lockert sich. Plötzlich sind da wieder Gefühle. Sanfte Gefühle, die so tief reichen, dass es mich überrascht. Früher balancierte ich auf einem Grat zwischen Apathie und extremen Emotionen. Etwas dazwischen gab es nicht.

"Hannah", sagt mir eine der Betreuerinnen im Hope, "du verwechselst Ängste mit Liebe."

Sie hat Recht. Wenn das Drama um mich rauschte, fühlte ich mich am besten. Hauptsache intensiv. Penetrante, ohrenzerstörende Musik. Wenn mir etwas zu naheging oder zu stabil wurde, sabotierte ich es. Ich mochte es, wenn nichts einfach war, weil ich das Leben nicht anders kannte.

"Du bist süchtig nach Chaos", sagt Henk, ein anderer Hope-Betreuer.


Ich bekomme eine Mail von Gabriella. Vor zehn Jahren liebte ich sie über alles. Seit zwei Jahren habe ich nichts von ihr gehört. Als Gabriella und ich uns trennten, fing ich mit dem Heroin an. Das Ende unserer Beziehung zerstörte mich. Dann hatte mein Vater einen Herzinfarkt, ich sah ihn zum ersten Mal seit Jahren. Ich fing an, mich selbst zu verletzen. Und irgendwann zog Gabriella heim nach Argentinien. Ich blieb in unserer Wohnung, vermisste sie und hasste mich dafür, dass ich unsere Beziehung nicht zusammenhalten konnte. Ich litt und wusste nicht, wie ich das ausdrücken sollte. Wie ich ihr meine Liebe zeigen konnte. Also schmiss ich Partys, auf die ich keine Lust hatte. Ich schlief nie. Manchmal ließ ich mich auf der Arbeit blicken. Die anderen Drogen, die ich nahm, wurden irgendwann nutzlos, also nahm ich Heroin.

Es war eine bewusste Entscheidung: Ich werde Junkie, und dann können die anderen mal sehen. Zwei meiner Freundinnen waren an Heroin-Überdosen gestorben, bevor ich 23 war. Ich war mir darüber im Klaren, was diese Droge anstellt, und tat es trotzdem. Ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte, und hegte die kranke Vorstellung, dass das Junkie-Sein zu mir passte. Ja, die Folgen waren gravierend, aber ich war schließlich stark, ich würde klarkommen.

Jetzt, hier im Hope House, rauche ich eine ganze Schachtel Zigaretten und lese dabei immer wieder Gabriellas Mail: "Ich bin so stolz auf dich. Nicht wie eine Mutter, nicht aus Eitelkeit, aber weil ich ehrlich bewundere, dass du da bist und existierst. Diese Lebenskraft in dir ist etwas Großes und Seltenes." Ich bin und existiere.

Ich bin gerührt. Groß und selten. Ich liebe sie so sehr und weiß nicht, was ich sagen soll. Also antworte ich ihr nicht.


Langsam tun sich überall Risse auf, alles geht den Bach runter.

Ich fühle mich leer. Ich langweile mich. Ist das alles, was es im Leben gibt?

Bob, ein britischer Alkoholiker im Hope House, wird gebeten, das Wohnheim zu verlassen – weil er so respektlos gegenüber Frauen ist. Ein Typ namens Alexi ist die ganze Nacht wach und schläft bis Mittag. Jester sehen wir am Strand mit einer Masseurin spazieren, die ansonsten niemandem Massagen gibt. Charlie hat Thailand satt. "Ich will nach Hause", sagt er. "Ich will kaltes englisches Wetter, Tee und keine Mücken. Es reicht." Alan lässt sich in drei Wochen zehn Tattoos stechen.

Wir benehmen uns daneben. Wir verursachen Drama, weil es sonst keins gibt. Wir streiten uns. Charlie und Alexi gehen einander ständig an die Gurgel. Beim Muay Thai hätte Charlie fast einen Trainer geschlagen. Jester und Bob tauschen beim Abendessen Beleidigungen aus. Die ganze Gruppe fängt an rumzuschreien, als Afid von Feminismus anfängt. Alexi sagt, Frauen würden weniger verdienen als Männer, weil wir weniger leisten. Frauen wären einfach nicht so gut in ihren Jobs. Am liebsten würde ich ihn umbringen. Stattdessen mache ich eine Saft-Fastenkur. Vier Tage lang esse ich keinen Bissen. Ich würde gern behaupten, ich tue das für meine Gesundheit, aber ich will einfach nur etwas Extremes fühlen, um gegen den trägen Alltag anzukommen. Als ich wieder esse, ist das Intensive vorbei. Ich vermisse es sofort.


Ich habe seit 100 Tagen kein Heroin oder eine andere bewusstseinsverändernde Droge genommen. Mein Gehirn wird jetzt unnütze Synapsen los, löscht den Müll.

Kalter Wind hinterm Bahnhof, die Züge rattern. Die Vene hebt sich dick unter der Haut, wie ein Ballon. Das Rascheln einer Papiertüte.

Stattdessen bilden sich jetzt neue Nervenverbindungen in meinem Kopf. Neue Erinnerungen.

Akikos Lächeln. Bei Sonnenuntergang am Strand von Bang Saray einen Papaya-Salat essen. Die Blumen, lila und orange, die ich bei Sonnenaufgang in den Ozean werfe.

Ich lerne, Höhepunkte und Tiefen zu erleben. Ich brauche inzwischen keine Ansichtstafel mit Gefühlen drauf, um festzustellen, was ich empfinde. Ich fühle mich nicht mehr wie gelähmt, wenn ich mich für ein Mittagessen entscheiden soll. Ich verstehe, dass ich nicht immer Recht haben muss. Ich sehe ein, dass ich nicht immer kriege, was ich will. Und dass ich manchmal etwas viel Besseres kriege, als ich mir überhaupt vorstellen konnte. Wenn ich jetzt nach vorn schaue, sehe ich da eine Zukunft. Und gehe auf sie zu.

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<![CDATA[Mach mit bei der weltgrößten anonymen Drogen-Umfrage ]]>https://www.vice.com/de_at/article/vbk9mx/global-drug-survey-mach-mit-bei-der-weltgroessten-anonymen-drogen-umfrageMon, 19 Nov 2018 09:26:34 +0000Jetzt mal unter uns: Hast du in den vergangenen Wochen Drogen genommen? Das muss kein Koks, Cannabis oder LSD gewesen sein. Auch Alkohol ist eine Droge.

Wenn ja, dann möchte die Global Drug Survey (GDS) von dir hören. Die größte Drogenumfrage der Welt sammelt deine Erfahrungen mit allem, was unter die Bezeichnung "Stoff" fällt. So will die unabhängige Londoner Forschungsfirma GDS ergründen, wie und warum Menschen in aller Welt Drogen nehmen. In den vergangenen Jahren haben die anonymen Daten neue Entwicklungen aufgezeigt, die Gesetzgebung beeinflusst und bessere Safer-Use-Infos hervorgebracht.

Neben den üblichen Punkten möchte GDS dieses Jahr ein paar Fragen besonders beleuchten: Wie viel Droge bekommst du für dein Geld? Wie sehr vertraust du deinen Dealern? Würdest du für "Fair-Trade-Kokain" mehr bezahlen? Welche Erfahrungen hast du mit Darknet, Cannabis-Edibles, Psychedelika-Therapie, Microdosing? Wie ist die Polizei im Ernstfall mit dir umgegangen?

Mach dir eine nette Tasse (drogenfreien) Tee, gib dir einen Ruck und hilf den Forscherinnen und Forschern bei einer guten Sache. Folge dem Link unten und wähle Deutsch oder eine der 15 anderen Sprachen.

Hier geht's zur Global Drug Survey.

Falls du manchmal Drogen in Pillenform nimmst, solltest du außerdem unsere regelmäßigen Pillenwarnungen zum Wochenende beachten.

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<![CDATA[Geständnisse einer Stripperin]]>https://www.vice.com/de_at/article/8xpg4p/gestandnisse-einer-stripperinMon, 19 Nov 2018 09:23:34 +0000Eine Stripperin hat uns verraten, wie sie Gäste abzockt, was passiert, wenn Kunden einen Ständer bekommen und warum sie Männer mit Koks füttert. Und warum du dein Geld in Stripclubs lieber nicht offen rumliegen lassen solltest.

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<![CDATA[Menschen erzählen, warum sie aus einem Club geflogen sind ]]>https://www.vice.com/de_at/article/kzvwvn/aus-dem-club-fliegen-werden-tuersteherFri, 16 Nov 2018 14:30:44 +0000Es ist die zentrale Frage unserer Zeit: Wie komme ich in einen Club? Ganze Generationen haben versucht, darauf die eine Antwort zu finden, es wurden Bücher geschrieben, Dresscodes und Verhaltensmuster einstudiert. Die Angst vor dem Türsteher, dieser menschlichen Wand, die zwischen uns und dem puren Vergnügen im Inneren des Clubs steht, ist so groß, dass wir es häufig versäumen, über eine noch wichtigere Frage nachzudenken: Wie schaffe ich es, in einem Club auch drin zu bleiben?

Das sollte einfach sein, denken wir leichtsinnig, rausfliegen kann man schließlich nur aus wirklich gewichtigen Gründen. Das passiert nur den Chaoten und Kaputten, die auf die Tanzfläche pinkeln, den Türsteher umwrestlen oder von der Bar Kokslines ziehen. Aber das ist FALSCH. Es kann jedem passieren und es ist vielen von uns schon geschehen. Menschen haben uns erzählt, warum sie aus Clubs geflogen sind.

Nick, 36

Ich hatte in einer Kleinstadt-Ballermanndisco etwa eine halbe Flasche Absinth und sicherlich einige Biere verkostet. Irgendwann hatte ich den genialen Einfall, einen Feuerlöscher aus seiner Halterung zu reißen, vor den Laden zu treten und eine kleine Schaumparty zu veranstalten. Schaumpartys waren groß Mitte der 2000er. Fast so groß wie die Angst vor diesem undefinierbarem Pulver, das Terroristen in Briefen verschickten, um die Welt mit Viren zu überziehen. Ich wusste nicht, dass direkt neben der Disco ein islamisches Kulturzentrum war. Aber aus diesem Grund dachte wohl irgendeine andere besoffene Person, das Pulver aus meinem Feuerlöscher sei in Wirklichkeit ein Terroranschlag. Und rief die Polizei. Ich weiß nicht mehr, welchen Part die Türsteher am wenigsten geil fanden. Jedenfalls zogen sie mir 50 Euro für den Feuerlöscher aus der Tasche und warfen mich raus.

Laura, 26

Früher ging ich oft alleine in Clubs feiern. Mir ging es zu dieser Zeit psychisch ziemlich mies und ich dachte, dass ich so vielleicht leichter neue Leute kennenlerne. Ich war damals gerade nach Lausanne gezogen, nachdem ich wegen Depressionen, Suizidgefährdung und starkem Suchtverhalten in einer Klinik behandelt wurde. Es fiel mir schwer, in der neuen Stadt neue Freundschaften zu schließen und ich fühlte mich sehr einsam. Ich versuchte, mit Alkohol und Drogen meine Trauer zu ertränken – und bekam Psychosen. In einer Nacht fing ich im Rausch an, in den anderen Clubbern Gestalten mit entstellten Fratzen zu sehen. Als zwei Gäste im Gang zur Toilette rumknutschten und mich dabei aus Versehen schubsten, rastete ich aus. Ich packte die eine Person und stieß sie mit aller Kraft gegen die andere, sodass beide gegen die Wand prallten. Dabei schrie ich sie an – und alle, die dazukamen, um einzugreifen. Irgendwann wollte ich mich mit allen prügeln und warf dabei jemanden zu Boden. Erst die Securitys schafften es, mich rauszuwerfen. Draußen waren sie extrem einfühlsam mit mir. Sie trösteten mich, als ich mich bei ihnen ausheulte, und gaben mir einen kleinen Sandball zum Wutabbau mit. Den nahm ich in den nächsten Monaten überall hin mit. Hausverbot im Club hab ich trotzdem bekommen.


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Jonas, 30

Mit 20 habe ich in einem Club betrunken mit der Freundin eines Freundes herumgemacht. Sie hat sich auf den Barhocker des Türstehers gesetzt, um mit mir zu knutschen. Leider waren wir so dicht, dass wir die Balance verloren haben und mit dem Hocker aus der Clubtür raus auf die Straße gefallen sind. Das war dem Türsteher zu doll. "So jetzt ma' gut hier. Raus!", rief er. Die Aktion war schon einigermaßen würdelos. Die Strafe kam aber am nächsten Tag mit dem Kater und dem schlechten Gewissen vor meinem Kumpel.

Ilona, 21

Ich hatte eine Zeit lang etwas, was man zurückhaltend als alkoholinduziertes "Aggressionsproblem" bezeichnen könnte. Wenn ich viel getrunken habe, reichte die kleinste Situation, um mich komplett explodieren zu lassen – ein bisschen wie Scarface, nur mit billigem Sekt statt Kokain. An einem Abend hatte ich mich von einer Freundin überreden lassen, mit ihr zu einer wirklich schlechten Party zu gehen. Musik schrecklich, Club schrecklich, Leute schrecklich. Und dann war es da auch noch eng. Als ich zum bestimmt zehnten Mal geschubst wurde, reichte es mir. Ich stieß einen Typen, der sich an mir vorbeigedrängelt hatte, gegen eine Wand. Und vielleicht, möglicherweise, habe ich ihm daraufhin gesagt, dass ich ihm die Nase breche, wenn er das nochmal macht. Der Typ rief dann die Türsteher, die mich ruhig, aber bestimmt Richtung Ausgang begleiteten, während ich weiter unflätig fluchte.

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Foto aus: Die belastendsten Rauschfotos aus der Hölle

Joleen, 27

Zürich, Schweiz, normaler Samstagabend, irgendein Club: zwei Kabinen für die Frauen, fünf Pissoirs und zwei Kabinen für die Männer. In Berlin gehe ich auch auf die Männertoilette, wenn es schnell gehen muss. In Zürich habe ich das auch versucht. Und flog raus: Sofort kam der Türsteher und zeigte auf die Regeln an der Klotür. "Keine Frauen auf dem Herren-WC." Dann forderte er mich dazu auf, den Club zu verlassen. Hallo, 2018? Ich habe ihm gesagt, dass ich nur noch kurz meine Jacke holen muss. Dann bin ich in der Menge untergetaucht und habe weiter getanzt. Leider war ich mit meinen hohen Schuhen ungefähr 1,82 Meter groß. Zehn Minuten nach meiner Flucht wurde ich von zwei Türstehern mit Taschenlampe und festem Griff durch den Club geschleift. Ich kannte den Clubbesitzer, den DJ, die Barkeeper und ungefähr die Hälfte aller Gäste, mir war das ziemlich peinlich. Doch am Ende rettete das meinen Abend: Nach zwanzig Minuten Überredungskunst (immerhin kam ich mit dem DJ in den Club) und einer persönlichen Entschuldigung beim Ober-Türsteher durfte ich wieder rein.

Nina, 28

Aus dem Club fliegen gehörte in meinen jungen Partyjahren quasi zum Standard. Meistens war ich daran jedoch nicht direkt schuld, sondern mein damaliger Freundeskreis. Der bestand zu 90 Prozent aus übermütigen Jungs mit niedriger Alkoholtoleranz. Einmal bin ich aber tatsächlich selbst für meinen Rauswurf verantwortlich gewesen. In München traf ich im Club einen Typen wieder, der mich beim Oktoberfest wenige Stunden zuvor von einer Bierbank aus beschimpft und mit Hühnchen beworfen hatte. Er hatte seine Freundin niedergebrüllt, ich hatte sie getröstet. Zum Dank bewarf er mich mit Essen. Wisst ihr eigentlich, wie viel ein halbes Hendl auf der Wiesn kostet?! Im Club revanchierte ich mich mit dem gleichen Verhalten bei ihm – nur dass ich mit Eiswürfel statt Essensresten auf ihn warf. Leider kannte der Typ die Clubbesitzer. Und ich flog hochkant raus. Wieder einmal hatte das Patriarchat gewonnen.

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<![CDATA[Legales Cannabis würde Deutschland Milliarden einbringen]]>https://www.vice.com/de_at/article/bjen45/legales-cannabis-wurde-deutschland-milliarden-einbringenFri, 16 Nov 2018 13:51:03 +0000Dieser Artikel erschien ursprünglich bei VICE DE.

Angenommen, es würde hier nicht um Cannabis, sondern um Kartoffeln gehen. Alle fänden es gut, dass sie legal sind. Dass Behörden ihre Qualität kontrollieren, sie Steuergelder einbringen, Arbeitsplätze schaffen und die Polizei endlich keine Kartoffeldealer mehr jagen muss. Und das, obwohl man aus Kartoffeln Alkohol machen kann. Aber bei Cannabis ist das anders. Obwohl wenig dafür spricht, ist der Freizeitkonsum immer noch illegal. Die Gründe haben oft mit Irrationalität und Dogmatismus zu tun. Deshalb muss man zu so absurden Vergleichen greifen wie dem mit der Kartoffel. Und deshalb gibt es jetzt eine Studie, die ganz nüchtern zeigt, wie viel Geld dem Staat durch das Cannabis-Verbot entgeht.

Der deutsche Hanfverband hat die Studie in Auftrag gegeben, durchgeführt wurde sie von einem Team um den Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap. Der Hanfverband ist eine Lobbyorganisation, die sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzt. Natürlich kommt es ihr da gelegen, wenn die eigene Studie ergibt, dass dem Fiskus jedes Jahr 2,66 Milliarden Euro entgehen. Aber Befangenheit kann man der Untersuchung nicht vorwerfen.


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Die Autorinnen und Autoren zählen sachlich sowohl die Argumente für als auch die gegen eine Legalisierung auf. Dabei verrät dieser Part nichts Neues. Dass die Prohibition von Cannabis viel Geld kostet, aber wenig bringt, weil trotzdem immer mehr Menschen kiffen, ist weitgehend bekannt. Schon 2014 haben 122 deutsche Juraprofessorinnen und -professoren gefordert, Gras voll zu legalisieren – genauso wie deutsche Kriminalbeamte. Auch dass eine Legalisierung dem illegalen Markt weitgehend die Grundlage entziehen würde, ist logisch. Und ebenso, dass man Konsumierende besser vor gesundheitsschädlichen Streckmitteln schützen könnte, wenn der Staat die Qualität kontrolliert.

Nicht mal die deutsche Bundesregierung weiß, wie viel Geld sie durch Cannabis einnehmen würde

Neu an der Studie (PDF) ist, dass jemand mit hohem Aufwand ausgerechnet hat, wie viel Steuergelder der Staat durch legales Cannabis einnehmen könnte. Und wie viele Ausgaben für die Strafverfolgung man sparen würde. (Eine internationale Studie von Anfang des Jahres versuchte ebenfalls mögliche Steuereinnahmen in unterschiedlichen Ländern zu berechnen, nur war die Studie nicht so ausgefeilt. Für Österreich wurden damals übrigens Steuereinnahmen von 200 Millionen Euro prognostiziert; Anmerkung der Redaktion)

Um herauszufinden, wie viel Steuereinnahmen durch legales Cannabis zu erwarten wären, mussten die Forschenden hinter der neuen Studie erst mal einen Jahresbedarf der deutschen Konsumierenden errechnen. Der Hanfverband selbst geht von bis zu 400 Tonnen aus. Die Autoren liegen mit geschätzten 250 Tonnen für das Jahr 2016 also am unteren Rand. Als Grundlage dienten Zahlen darüber, wie viele Deutsche in einem bestimmten Zeitraum Cannabis konsumiert haben. Diese sogenannten Prävalenzdaten gibt es weltweit, aber auch für Deutschland. Die Studienautorinnen rechneten sie mit Konsumzahlen aus Colorado gegen. In dem US-Bundesstaat ist Cannabis seit 2014 vollständig legal. Seitdem gab es zahlreiche Erhebungen zu Umsätzen und Verkäufen. Wegen der guten Datenlage eigne sich Colorado besonders, um auf Basis dieser Informationen eine Vorhersage für den Cannabis-Jahresbedarf der Deutschen nach der Legalisierung zu berechnen, schreiben die Forschenden.

Auf dieser Grundlage haben sie jährliche Steuereinnahmen von 1,3 Milliarden Euro berechnet. Eine Cannabis-Steuer könne alleine 650 Millionen Euro einbringen. Wie hoch die Zahl wirklich sei, hänge aber davon ab, wie hoch man Gras besteuern will. Die aktuelle Studie hat sich an den Steuersätzen für Alkohol und Tabak orientiert. Hinzu kämen Einnahmen aus Gewerbe- und Körperschaftssteuer sowie der Lohnsteuer, schreiben die Wissenschaftler. Auch ein geschätztes Sozialversicherungsaufkommen von 279,5 Millionen Euro haben sie berechnet. Und zu all dem komme noch das Geld, das man bei der Polizei einsparen könne.

Einsparungen bei Polizei und Gerichten

Wenn sich Polizeibeamtinnen nicht mehr damit beschäftigen müssten, Dealern und Konsumierenden hinterherzulaufen, ließe sich viel Geld einsparen, argumentieren die Wissenschaftlerinnen. Am Ende ihrer Kalkulation kommen sie auf 1,1 Milliarden Euro – auch das ist ein konservatives Ergebnis. Es könnte auch mehr sein. Denn hinzu kämen eigentlich noch Einsparungen bei Staatsanwaltschaften und Gerichten. Aber weil es hierzu keine belastbaren Daten gebe, könne man sie auch nicht berechnen.

Die 1,1 Milliarden Euro haben die Wissenschaftler mithilfe der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2017 berechnet. Genaue Kosten für die Bekämpfung von Cannabis-Delikten stehen darin nicht. Dafür aber die Zahl der aufgeklärten Cannabis-Delikte. Um auf ihr Ergebnis zu kommen, haben die Studien-Autoren diese Zahl mit allen insgesamt aufgeklärten Delikten verglichen. Und mit diesem Ergebnis haben sie wiederum berechnet, wie viel der 23,833 Milliarden Euro an Polizeikosten jedes Jahr für Cannabis-Delikte anfallen.

"Das oberste Ziel der Drogenpolitik ist, dass möglichst wenige Leute legale und illegale Drogen konsumieren bzw. drogenabhängig werden", schreiben die Autoren in ihrer Studie. Man kann nicht behaupten, dass das der bisherigen Drogenpolitik gelungen ist. Auch dass Konsumierende möglichst geringen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind – ein weiteres Ziel erfolgreicher Drogenpolitik – ist nicht der Fall. Deswegen besteht Handlungsbedarf. Die vorliegende Studie kann einen Beitrag dazu leisten, das Nachdenken und die Diskussion um eine bessere Drogenpolitik ein bisschen sachlicher zu machen.

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<![CDATA[Diese Ecstasy-Pillen sind momentan besonders gefährlich]]>https://www.vice.com/de_at/article/ev3x7a/pillenwarnung-mdma-heineken-superman-diese-ecstasy-pillen-sind-besonders-gefahrlichFri, 16 Nov 2018 12:11:20 +0000Es ist gar nicht so schwer, das Risiko beim Ecstasy-Konsum ein wenig zu senken: Alle drei Monate nur eine Viertel Pille nehmen, keinen Alkohol dazu trinken, dafür aber genug Wasser, wenn auch nicht zu viel, und davor und danach ausreichend schlafen. Doch viele tanzen stattdessen 48 Stunden auf mehreren Pillen durch, saufen exzessiv und ziehen zusätzlich noch andere Drogen. Der Mischkonsum von MDMA und Amphetamin ist einer der häufigsten in der Partyszene, sagt Philipp Weber vom Safer-Use-Programm Take Stuttgart. Speed unterdrückt Müdigkeit, Durst und Hunger und kostet weniger als die meisten anderen Drogen.

Aber Amphetamin dämpft die typische MDMA-Wirkung deutlich. Eine Überdosierung sei laut Weber beim Mischkonsum also noch wahrscheinlicher. "Da die stimulierenden Effekte beider Substanzen sich jedoch weiterhin voll entfalten, kann das zu einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems führen." Grundsätzlich rät er Konsumierenden, nie mehr als eine Substanz zu nehmen.

Doch auch beim reinen Konsum von Ecstasy ist das Risiko hoch, zu viel zu nehmen. Denn man weiß nie, was drin ist in den Dingern. Darum fassen wir wöchentlich die Ergebnisse der Drug-Checking-Institute unserer Nachbarländer zusammen. Getestet wurden die Pillen von The Loop in Großbritannien, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control auf Mallorca, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlichen im Laufe des Wochenendes regelmäßig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Die Pillenwarnungen der dritten November-Woche 2018

Rosafarbene "Heineken"

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Eine solche graue Pille mit den Audi-Ringen auf der einen und Audi-RS auf der anderen Seite wurde im November in der österreichischen Hauptstadt abgegeben. Sie enthielt eine extrem hohe Dosis von 230 Milligramm MDMA. Audi-Pillen zirkulieren bereits in Rosa und Lila mit extrem hohen MDMA-Dosen bis zu 319 Milligramm.

Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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<![CDATA[Wie es ist, beim eigenen Freund Sexismus zu erleben]]>https://www.vice.com/de_at/article/pa5p3v/frauen-ueber-sexismus-in-partnerschaft-beziehungFri, 16 Nov 2018 11:01:05 +0000Auf Plakaten in der Fußgängerzone werben halbnackte Frauen für Handwerkerfirmen, in manchen Firmen bekommen sie grundsätzlich weniger Geld, und im Club halten einige Typen Besucherinnen für "verfügbar", nur weil sie einen kurzen Rock tragen und zu Beyoncé twerken. In fast jedem Lebensbereich können Frauen sexistisch behandelt werden. Doch während es für manche einfacher ist, einem random Dude auf der Tanzfläche Grenzen aufzuzeigen, ist es in Beziehungen oft viel schwerer.

Nur weil man sich mit einer Person ein Bett teilt, heißt das nicht, dass sie sich nicht sexistisch äußern kann. Wir haben Frauen gefragt, ob sie Sexismus in der Partnerschaft erlebt haben – und wie sie und ihre Partner damit umgegangen sind.


Auch bei VICE: Die Black Women's Defense League kämpft mit Waffen gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit


Anna, 23

Vor zwei Wochen habe ich auf Instagram ein Bild von meinem Arsch in einer Jeans gepostet. Einen Tag später schickte mir mein damaliger Freund eine Nachricht: "Was soll das?" Darüber hing ein Screenshot aus einer WhatsApp-Gruppe, die er mit neun Freunden hat. Da mein Ex kein Instagram hat, hatte einer seiner Freunde mein Bild an die Gruppe geschickt. "Hast du deshalb kein Instagram?", fragte er meinen Ex. Dann haben sich einige Gruppenmitglieder darüber unterhalten, warum "Frauen denn so sind".

"Was soll was?", habe ich meinem Freund auf seine Nachricht geantwortet. "Ich bin stolz auf das Bild, also kann ich es posten", schob ich hinterher. Ich habe gekocht vor Wut. Als wir uns zwei Tage später getroffen haben, sprach ich ihn nochmal darauf an. Er rechtfertigte alles damit, dass ich ihn "vorher hätte fragen können". Vorher fragen? Ich habe ihm erklärt, dass ich auf meiner Seite und mit meinem Körper mache, was ich will. Die Beziehung ist mittlerweile vorbei, dafür gab es allerdings andere Gründe.

Julia, 26

Mein Ex-Freund hat immer mit zweierlei Maß gemessen. Bei ihm war es cool, dass er vor unserer Beziehung One-Night-Stands hatte. Bei mir nicht. Und das, obwohl wir uns genau dadurch kennen gelernt haben. Generell kam er nicht damit klar, dass ich vor ihm bereits mit anderen Männern geschlafen hatte. Nachdem wir einen Monat zusammen waren, hat er auch aus diesem Grund schon mal mit mir Schluss gemacht. "Frauen sollten sich nicht so verhalten", hat er gesagt. Dann haben wir uns drei oder vier Monate nicht mehr gesehen. In dieser Zeit hatte ich immer mal wieder etwas mit anderen Männern. Bis mein Ex und ich uns wieder getroffen haben und einen zweiten Anlauf gestartet haben. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Wieder kam er nicht damit zurecht, dass ich während unserer Pause mit anderen Sex hatte. Er dachte, dass ich mit jedem geschlafen habe, den ich auf der Straße grüßte oder bei Facebook anschrieb. Es ging so weit, dass er angefangen hat, mein Handy zu kontrollieren. Einmal ging er ran, als jemand anrief – und es war tatsächlich ein Kerl dran, mit dem ich ein Jahr früher was hatte. Die Beziehung wurde zum Psychoterror. Immer wenn ich nicht ans Telefon gegangen bin, dachte er, ich würde ihn betrügen. Als wir für einige Wochen eine Fernbeziehung führen mussten, habe ich Schluss gemacht.

Im Nachhinein finde ich es erschreckend, wie ich die Situation akzeptiert habe. Ich dachte immer, ich wäre eine starke, unabhängige Frau. Und dann kommt so ein Vollidiot und ich stelle meine Handlungen in Frage: Bin ich wirklich eine Schlampe? Habe ich mit zu vielen Männern geschlafen? Zum Glück habe ich am Ende die Reißleine gezogen.

Kristina, 25

Meine Beziehung war extrem: Ich durfte nur etwas mit Freundinnen unternehmen, wenn klar war, dass kein Typ dabei sein würde. Partys waren sowieso tabu. Und Sex musste ich meinem damaligen Freund jeden Tag "geben". Auch wenn ich keine Lust hatte. Aussagen wie: "Bevor du dir Gewand kaufst, schickst du mir ein Foto davon. Damit ich das absegnen kann" waren nicht ungewöhnlich. Generell hat er darüber bestimmt, was ich anziehen "darf" und was nicht. Wir haben zwar oft laut und intensiv gestritten, letzten Endes habe ich aber immer wieder nachgegeben. Ich habe ihn geliebt und wollte ihm gefallen. Nach anderthalb Jahren habe ich es dann endlich geschafft, mich zu trennen. So wollte ich mein Leben definitiv nicht mehr führen. Heute würde ich das nicht nochmal zulassen.

Stephanie, 28

Mein Ex-Freund war der Ansicht, ich müsse später als Hausfrau und Mutter zu Hause bleiben. Darüber habe ich herzlich gelacht. Da ich mir ohnehin keine Zukunft mit ihm vorstellen konnte, war es mir damals nicht wert, darüber zu diskutieren. Kurze Zeit später haben wir uns getrennt. Nicht nur deshalb, aber das hat die Sache definitiv noch leichter gemacht.

Lana, 22

Es fing an mit: "An Frauenfüße gehören Stiefelchen, keine Sneaker. Du bist doch kein Junge." Und wenn ich Ausschnitt gezeigt habe, war es meinem Ex zu provokant. Zugegeben, ich hatte damals eine große Oberweite, aber bei 40 Grad im Schatten trägt nun mal jeder Tops. Männerfreundschaften waren absolut tabu. "Ich will das nicht", sagte mein damaliger Freund. "Die wollen was von dir und du kannst dich gar nicht dagegen wehren. Da läuft dann bestimmt was", war seine Argumentation. Ging es aber um seine weiblichen Kontakte, hieß es nur: "Mach dir keine Sorgen, da geht nichts. Sei nicht so eifersüchtig und vertrau mir."

Wenn ich mal eines seiner T-Shirts angezogen habe, war das nicht süß genug, im Gegenteil. "Hier, schau mal, hast du schon das Kleid mit dem Blumenprint gesehen? Das würde dir viel besser stehen." Ich habe immer versucht, mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr mich das innerlich verunsichert hat. Nach jeder Aussage habe ich mich ein Stück ungeliebter gefühlt. Ich hatte oft das Gefühl, ihm nicht zu gefallen. Deshalb habe ich versucht, mir Mühe zu geben und seine Wünsche umzusetzen. Dadurch habe ich mich immer mehr selbst aufgegeben. Die Rolle, die ich dadurch gespielt habe, hat aber nicht zu mir gepasst. Irgendwann war ich noch verunsicherter. Die Beziehung hat nicht gehalten, und das ist auch gut so. Ich will kein Bild erfüllen müssen, damit mich ein Mann als "richtige" Frau sieht. Übrigens: Ich habe aktuell 22 Paar Sneaker in meiner Schuhsammlung. Und ein paar Stiefel.

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<![CDATA[Offenbar glauben jetzt Menschen, die Erde wäre ein Donut]]>https://www.vice.com/de_at/article/mbyak8/offenbar-glauben-jetzt-menschen-die-erde-waere-ein-donut-flat-earth-verschwoerungFri, 16 Nov 2018 10:52:29 +0000Die Erde ist eine Scheibe – wer das glaubt, hat sich die Wahrnehmung vermutlich, na ja, an der Wirklichkeit plattgedrückt. Aber es gibt heute eben doch einige, die zu dieser uralten Überzeugung zurückkehren. Als Reaktion darauf entstehen immer wieder neue Parodien wie die Zwölfeck-Erde, die Bananen-Erde, die Taco-Erde und auch die Dinosaurier-Erde. Aber so absurd es klingt: Die Donut-Erde ist weniger abwegig als so manch andere Vorstellung.

Im Internet kreiseln tatsächlich Menschen, die behaupten, die Erde wäre weder Scheibe noch Kugel, sondern ein Torus – das ist Bildungssprache für etwas, das aussieht wie ein Donut. Wie viele von ihnen nur trollen, ist unklar. Aber die Theorie hat ihren Ursprung anscheinend in dem Forum von FlatEarthSociety.org. Eine Person mit dem Nutzernamen Dr. Rosenpenis hatte das Thema 2008 offenbar als Witz eröffnet. 2012 kam der User Varaug auf den Donut und ergänzte das absurde Grundgerüst mit vielen Details.

Die Donut-Theorie besagt, dass da ein gigantisches Loch im Zentrum unseres Planeten ist, das wir nicht sehen können, weil, so Varaug: "Das Licht krümmt sich und folgt der Rundung des Torus, wodurch das Loch für uns 'unsehbar' wird." Wie dann das mit der Schwerkraft funktionieren würde? Varaug hat auch hier eine schlüssige Erklärung parat: "Stell dir einen Donut vor. Stell dir einen Donut mit Füllung vor. Die Schwerkraft zieht Richtung Füllung."

Es blieb nicht bei Varaug. User auf FlatEarthSociety.org entdeckten den Forenthread 2016 wieder. VICE hat sich an mehrere Forennutzer gewandt, um ein ernstes Gespräch über diese Theorie zu führen, doch niemand hat auf die Anfrage reagiert. Anders als die Astrophysikerin Tabetha Boyajian von der Louisiana State University. Sie sagt gegenüber VICE: "Dieses Thema beginnt nicht mit einer Frage, die wir beantworten müssen. Die Leute fangen an mit: 'Hey, wie wär's hiermit?' Und dann suchen sie Erklärungen."


Auch bei VICE: Wir waren beim ersten "Flat Earth"-Treffen der Welt


Schon vor Jahren hat jemand den Informatiker und Neurowissenschaftler Anders Sandberg von der Oxford University aufgefordert zu erklären, wie eine Donut-Erde funktioniert – vermutlich eher als Gedankenspiel statt aus Überzeugung. Sandberg präsentierte 2014 auf iO9 ein ausführliches Modell einer Torus-Erde. Dabei stützt er sich auf Forschung zu torusförmigen Körpern im All – die Frage nach einem Donut-Planeten ist also weniger abwegig als die Flache-Erde-Theorie. Das Ergebnis: Ein torusförmiger Himmelskörper bräuchte ganz bestimmte Bedingungen, darunter eine sehr schnelle Rotation, erklärt Sandberg, und der Planet wäre in dieser Form wohl kaum lange stabil. Trotzdem, er sei möglich.

Sandbergs Modell zeigt aber auch: Wenn die Erde ein Torus wäre, wüssten wir es definitiv. Es gäbe einen massiven Unterschied in der Schwerkraft, je nachdem, wo auf dem Ring man sich befindet. Die Jahreszeiten in der Nähe des Lochs würden sich "doppeln", es gäbe also zum Beispiel einen zweiten Winter mitten im Juli. Auch das Wetter wäre extrem anders: Wolken auf dem Donut-Planeten wären bis zu dreimal so hoch, die Winde wären um einiges stärker und würden anderen Mustern folgen.

Die Astrophysikerin Boyajian und ihr Student Taylor Ellis zeigen VICE Beispiele für Phänomene, die auf einer Donut-Erde unerklärlich wären. Das Foucaultsche Pendel, das die Erdrotation nachweist und sich mit den Bewegungen eines sphärischen Planeten deckt. Oder der runde, völlig unzerlöcherte Schatten der Erde, der bei einer Finsternis den Mond verdunkelt. Dann ist da noch das Problem, dass wir wohl an der Innenseite des Donuts die andere Seite des Erdrings sehen müssten. Ach ja, das ist ja "unsehbar", wie Varaug schreibt, weil "das Licht der Rundung des Torus folgt". Normalerweise verbiegen eher gigantische Körper wie supermassereiche Schwarze Löcher das Licht auf diese Art, erklärt Boyajian. "Diese Menschen überlegen sich eine Handvoll Punkte, die der Vorstellung nicht widersprechen, und nennen es eine Theorie", sagt sie. "Aber so entwickelt man keine Theorie."

Dafür ist diese Geschichte der Beweis dafür, dass eine ganz andere Theorie stimmt: Poes Gesetz besagt, dass man im Netz keine Parodie auf extreme Ansichten machen kann, die offensichtlich als solche erkennbar ist – es gibt einfach zu viele Menschen, die wirklich absurde Dinge glauben. Die hatte Dr. Rosenpenis offenbar nicht auf der Rechnung. Also: Wenn dir jemals jemand etwas über eine Donut-Erde erzählen sollte, denk dran, was alles passieren kann, wenn man versucht, witzig zu sein. Und verlinke diesen Text. Bitte schön, gern geschehen.

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<![CDATA[Ein Sugarbabe zeigt, welche Geschenke sie von ihren Sugardaddys bekommt]]>https://www.vice.com/de_at/article/vbad7y/ein-sugarbabe-zeigt-welche-geschenke-sie-von-ihren-sugardaddys-bekommtFri, 16 Nov 2018 09:10:34 +0000Julia mag Designerkleidung und geht gerne auf Reisen. Während ihrer Ausbildung als Pflegefachfrau konnte sie sich das nicht leisten. Schon damals verdiente sich die 21-jährige Schweizerin als Sugarbabe jeden Monat um die 2.000 (rund 1.760 Euro) zu ihrem Lehrlingslohn von 1.300 Franken (rund 1.150 Euro) dazu. Julia ist nicht ihr richtiger Name, sie möchte anonym bleiben, nur ihre beste Freundin weiß, dass sie ein Sugarbabe ist. Die Gefahren, die der Job mit sich bringt, nimmt sie in Kauf, um sich etwas Luxus leisten zu können in diesem völlig überteuerten Land. Aber vor allem auch, um finanziell unabhängig zu sein. Das können wenige Lehrlinge und Studenten in der Schweiz von sich behaupten. Viele müssen ihr Geld gut einteilen, um über die Runden zu kommen. Kein Wunder, wenn 10 Franken (rund 8,80 Euro) für ein Sandwich ein völlig normaler Preis sind.

Wir treffen Julia am Bellevue-Platz im Zentrum Zürichs. Ihre beste Freundin ist mit dabei, sie wollen später gemeinsam ihren freien Tag genießen und shoppen gehen. Mit freundlicher, sanfter Stimme stellt sich Julia vor. Ihre langen Haare fallen über ihr Gucci-Shirt, das sie von einem ihrer Kunden geschenkt bekommen hat.

Unbeschwert erzählt Julia von Männern, die es anturnt, beleidigt zu werden, und die ihre getragenen Sneaker kaufen. Sie muss selbst immer wieder lachen, wenn sie solche Storys erzählt. Sie wirkt locker und aufgeschlossen, und trotz der absurden Erlebnisse sehr vernünftig. Besonders wenn sie sich mit neuen Kunden trifft, sei sie sehr vorsichtig, erzählt Julia. Sie verabrede sich nur im öffentlichen Raum und teile ihren Live-Standort bei Snapchat mit ihrer besten Freundin. Trotzdem sei sie auch schon in unangenehme Situationen gekommen: "Viele Männer lassen nicht locker, wenn ich ihnen sage, dass ich keinen Sex mit ihnen haben werde. Dann beende ich das Treffen. Erst wenn ich weiß, dass ich einem Mann vertrauen kann, treffe ich ihn im privaten Raum."


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Auf diversen Online-Plattformen lernt Julia ihre Kunden kennen. Das sind meistens ältere, reiche Männer, welche ihr für eine halbe Stunde Gesellschaft bis zu 400 Franken (rund 350 Euro) bezahlen. Sugarbabe zu sein, ist ein Beruf für sie: "Mit dem Geld, das ich damit verdiene, leiste ich mir große Anschaffungen wie ein Auto oder eine schöne Reise mit meiner besten Freundin. Ich gehe aber sparsam damit um, wahrscheinlich ist deshalb noch niemandem aufgefallen, dass ich ein Sugarbabe bin."

Julia bekommt nicht nur Bargeld von ihren Sugardaddys, sondern auch teure Geschenke. Und jedes Geschenk, das sie uns zeigt, hat eine Geschichte.

Den Gürtel von Off White bekam Julia von ihrem ersten Sugardaddy

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Gürtel von Gucci für 330 Franken

"Den Gucci-Gürtel bekam ich von einem sehr alten, dementen Mann. Wahrscheinlich hat er schon wieder vergessen, dass er mir einen Gürtel für 330 Franken (rund 290 Euro) geschenkt hat. Ehrlich gesagt nutze ich seine Vergesslichkeit manchmal aus und frage ihn immer wieder nach Geld. Manchmal tut er mir etwas leid, aber er genießt die Zeit mit mir.

Als ich das erste Mal seine Wohnung betrat, traute ich meinen Augen nicht: Es hing ein Foto von mir in Postergröße an der Wand. Er hatte mein WhatsApp-Profilbild ausgedruckt und in seinem Wohnzimmer aufgehängt. Ich war schockiert, habe mir aber nichts anmerken lassen.

Er himmelt mich so sehr an, dass er mich jedes Mal fragt, ob ich mit ihm Sex haben würde. Das werde ich aber nie, ich musste mich schon überwinden, ihn zu umarmen. Ich weiß aber, dass er mit anderen sehr jungen Frauen Sex hat. Das bedrückt mich, weil ich weiß, dass diese Frauen auf das Geld angewiesen sind und nicht anders können."

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<![CDATA[Über Jahre soll der "Butterbrot-Mörder" seine Kollegen heimlich vergiftet haben]]>https://www.vice.com/de_at/article/439wap/uber-jahre-soll-der-butterbrot-morder-seine-kollegen-heimlich-vergiftet-habenThu, 15 Nov 2018 16:30:28 +0000"Ich wusste nichts von ihm", sagt Werkzeugmacher Udo über den Mann, der ihn vielleicht umbringen wollte. "Er blieb immer für sich, sprach nicht und hatte keine Freunde". Das war so und das blieb so – während der gesamten 30 Jahre, die die beiden Männer nebeneinander in der Werkzeugbau-Abteilung einer Armaturenfirma im ostwestfälischen Ort Schloß Holte-Stukenbrock gearbeitet hatten.

"Ich hatte mit Klaus kein Problem und habe akzeptiert, dass er keine Kontakte wollte", erzählte Udo B. der Bild im Juni. "Streit gab es nie."

Trotzdem sitzt sein Kollege Klaus O. seit Donnerstag vor Gericht – weil er versucht haben soll, Udo B. heimlich umzubringen. Langsam, über Monate, mit giftigen Schwermetallen, die er ihm aufs Pausenbrot streute. Und B. soll nicht sein einziges Opfer sein.


Auch auf VICE: Falsch wegen Mordes verurteilt


Im Prozess, der am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld beginnt, wird Klaus O. des versuchten Mordes in drei Fällen beschuldigt. Aktuell ziehen die Ermittler aber auch eine noch schlimmere Möglichkeit in Erwägung: dass Klaus O. über mehrere Jahre zahlreiche seiner Arbeitskollegen heimlich vergiftet hat. Sie untersuchen deshalb gerade die Todesursachen von 21 ehemaligen Mitarbeitern, teilweise werden deren Leichen dafür exhumiert.

Zuerst glaubten alle an einen Streich

Aufgeflogen ist der 57-jährige Schlosser, als ein 26-jähriger Kollege im Mai ein verdächtiges Pulver auf seinem Pausenbrot bemerkte und damit sofort zu seinem Vorgesetzten ging. Die Geschäftsführung hielt das für einen Scherz – bis sie das Pulver als hochgiftiges Bleiacetat identifizierte.

Dann ging alles sehr schnell: Das herbeigerufene Landeskriminalamt entschied, eine Kamera im Pausenraum der Werkstatt aufzuhängen. Knapp eine Woche später filmte die Kamera Klaus O., wie er sich wieder am Pausenbrot desselben Kollegen zu schaffen machte. Die Ermittler verhafteten ihn noch am selben Tag. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden sie ein ganzes Labor, in dem der Schlosser giftige Substanzen wie Quecksilber, Blei und Kadmium offenbar selbst zusammenmischte.

Ist Klaus O. ein Serienmörder?

Die Polizei begann zu ermitteln und plötzlich stand die Frage im Raum, ob Klaus O. für eine ganze Reihe von schweren Erkrankungen unter Angestellten der Firma verantwortlich war, die die Behörden vor ein Rätsel gestellt hatten.

So liegt Nick N. seit mehr als einem Jahr im Koma. Vor zwei Jahren hatte der 30-Jährige eine schwere Quecksilbervergiftung erlitten. Das Verblüffende an dem Fall: In der Armaturenfabrik wird gar kein Quecksilber eingesetzt.

Und dann war da eben noch der Fall von Udo B., dessen Nieren im April plötzlich versagten. Seitdem muss B. dreimal in der Woche sechs Stunden zur Dialyse. "Ärzte konnten nicht erklären, warum ich so krank wurde", sagte er damals zur Bild. Möglicherweise beantwortet diese Frage jetzt die Mordkommission.

Nachbarn beschreiben ihn als verbittert

Warum Klaus O. seine Kollegen über Jahre vergiftete, weiß bis heute niemand. Der Angeklagte selber schweigt. Das Wenige, was Reporter bisher über den Familienvater zusammentragen konnten, gibt wenig Aufschluss über seine Motive – auch wenn man einen Eindruck von einem isolierten, unangenehmen Mann bekommt.

"Freunde hatte der nicht, der hat sich mit seiner Familie abgesondert", erzählte eine ältere Nachbarin dem Westfalen-Blatt. Eine andere Nachbarin erinnert sich, wie sie O. einmal gebeten hatte, seine Hecke zu schneiden, worauf er sie "beschimpft und bedroht" habe – und am nächsten Tag, berichtet sie, habe sie Nägel in ihrem Garten gefunden. "Es ist nicht gerade angenehm, neben so einem verbitterten Menschen zu leben."

Trotzdem ist bisher nichts über O.s Motiv bekannt. Laut der Anklageschrift soll es ihm bei den Giftanschlägen "auch darum gegangen sein zu sehen, wie seine Kollegen vor seinen Augen langsam an körperlichen Wohlbefinden einbüßen und aufgrund der Art der Vergiftung Schmerzen und Qualen erleiden würden".

Bei Udo B. hat das funktioniert. Seit seinem Nierenversagen kann der 56-Jährige nie mehr als einen Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen, ohne schwere Krämpfe zu bekommen. Niemand kann ihm sagen, ob er jemals wieder gesund wird.

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