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Sexarbeiterinnen kämpfen mit Nacktfotos gegen die Buschbrände in Australien

Mehrere Frauen verschicken in den sozialen Medien Nacktbilder, wenn dafür an die australischen Feuerwehren und Rettungskräfte gespendet wird. Mit grossem Erfolg.

von Samantha Cole
07 Januar 2020, 1:39pm

Zwei Menschen kämpfen gegen die Buschfeuer in Australien | Foto: Getty Images 

Alles begann mit dem Foto eines nackten Hinterns, das um die Welt ging. Eigentlich ist die 20-jährige Kaylen Ward als Nacktmodel auf der Erotik-Bezahlplattform OnlyFans unterwegs. Jetzt behauptet sie, dank des Tweets mit ihrem nackten Po in nur drei Tagen mehr als 500.000 Dollar für den Kampf gegen die verheerenden Buschbrände in Australien gesammelt zu haben.

In den vergangenen Monaten haben die kaum mehr kontrollierbaren Flammen mehr als 56.000 Quadratkilometer des Kontinents – also eine Fläche ungefähr so gross wie Kroatien – zerstört. Mindestens 24 Menschen sind durch die Brände ums Leben gekommen. Experten schätzen, dass knapp eine halbe Milliarde Tiere allein in den Buschfeuern im Bundesstaat New South Wales umgekommen sind.

In ihrem Tweet versprach Ward, allen User oder Userinnen ein Nacktfoto zu schicken. Die einzige Bedingung: Sie müssen ihr beweisen können, mindestens 10 Dollar an eine Hilfsorganisation gespendet zu haben, die die australischen Feuerwehren und Rettungskräfte im Kampf gegen die Brände unterstützt. So viel Geld mit Nacktbildern zu sammeln, ist an sich schon eine beachtliche Leistung. Ward hat zusätzlich aber noch mehrere andere Frauen dazu inspiriert, es ihr gleichzutun. So ist eine weitere grosse Menge Geld zusammengekommen.

Das OnlyFans-Nacktmodel Emmy Corinne sagt gegenüber VICE, dass Wards Aktion sie begeistert habe. Also wollte sie ebenfalls sofort etwas unternehmen, das sowohl auf die katastrophale Situation in Australien aufmerksam macht als auch "eine neue Möglichkeit für Frauen darstellt, etwas zu verändern".

Laut eigener Aussage hat Corinne so schon 10.000 Dollar gesammelt. Und Jenna Lee, ein weiteres Erotikmodel, hat mit dem gleichen aussergewöhnlichen Fundraising-Ansatz innerhalb von zwei Tagen über 35.000 Dollar zusammengebracht, wie sie behauptet.

Gegenüber Buzzfeed News gab Ward an, dass ihr mehrere Leute dabei geholfen hätten, sich durch die vielen Nachrichten zu klicken und dabei zu überprüfen, ob die Spendenbestätigungen echt sind. Am 5. Januar, also einen Tag nach dem Spendenaufruf, deaktivierte Instagram dann Wards Account – mit der Begründung, dass das Model gegen die Vorschriften der Social-Media-Plattform gegen anzügliche Inhalte verstossen habe. Ward selbst bestreitet das.

Ein Facebook-Sprecher schrieb an VICE: "Dieser Account wurde gesperrt, weil er gegen unsere Vorschriften verstösst. Es ist nicht erlaubt, auf Instagram Nacktbilder anzubieten." Es ist nichts Neues, dass Instagram nicht viel für individuelle Sexarbeitende übrig hat – selbst wenn die keine anzüglichen Inhalte posten oder bewerben. Da überrascht es kaum, dass die Social-Media-Plattform jetzt sogar eine sehr erfolgreiche Aktion unterbindet, die für einen guten Zweck gedacht ist.

Aber nicht nur Wards Instagram-Account wurde gesperrt. Das Model wird jetzt bei Twitter auch von Trollen belästigt, die sie fertig machen wollen, weil sie mit ihrem Körper Geld sammelt. Mit dieser Aussicht hat sich das andere Model Jenna Lee laut eigener Aussage auch auseinandergesetzt, bevor sie ihre eigene Nacktfoto-Spendenaktion startete.

"Ich ging zuerst die Vor- und Nachteile durch. Zu den Nachteilen gehörte auch, dass unter Umständen mein Account gelöscht wird oder dass Trolle mich mit den Bildern erpressen wollen", sagt sie. "Ich kam dann aber zu dem Schluss, dass das Klima und Australien so dringend Hilfe brauchen, dass ich solche Folgen gerne in Kauf nehme."

Mehrere Leute sollen Lees Nacktfotos selbst weiterverkauft haben. "Auf jeden schlechten Menschen kommen aber Tausende gute", sagt das Model. "Ich war total überwältigt davon, wie viele Leute meine Aktion gut fanden und mich unterstützten. Unterm Strich würde ich alles noch mal so machen. Die Spendensumme von mehr als 35.000 Dollar war es mir auf jeden Fall wert."

Das Model Emmy Corinne sagt, dass die negativen Reaktionen bei ihr nicht so schlimm waren. Dennoch versuche sie, jegliche Negativität direkt auszublenden. "Ich finde solche Aktionen super. Und so lange sie wirklich etwas bewirken, würde ich die Menschen dahinter niemals verurteilen", so Corinne. "Wenn ich meinen Körper und meine Reichweite für etwas Gutes einsetzen kann, dann helfe ich natürlich mit."

"Ich habe viele Follower und wollte genau das für einen guten Zweck nutzen", sagt Jenna Lee. "Ich finde, Leute mit grosser Reichweite sind dazu fast schon verpflichtet."

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