Anzeige
Stuff

Lektionen, die Menschen durch ihre schlechten ersten Tattoos gelernt haben

"Ich dachte, es wäre witzig, mir ein Gang-Tattoo mit Uzi stechen zu lassen. Jetzt kann ich am Strand nicht mehr mein T-Shirt ausziehen."

von Simon Doherty
28 September 2016, 2:30pm

Rosie Evans und Sam Layzell von MVL Tattoo | Fotos: Paul Jones

Viele Menschen lassen sich in ziemlich jungen Jahren tätowieren. Das ist—ganz egal, was du deinen Eltern am Tag nach deinem 16. Geburtstag entgegengeschrien hast—nicht unbedingt die beste Idee. Denk nur daran, was du sonst noch als Teenager getrieben hast. Würdest du dir als Erwachsener jeweils eine Dose Faxe an die Hände gaffern und nicht wieder losmachen, bis beide leer sind? Oder anders gefragt: Würdest du deine Geldbörse mit einer langen Metallkette an deiner Hose befestigen?

Das Gleiche gilt für Tätowierungen: Bist du insgeheim nicht froh, dass du dir nie das handgemalte Porträt deines Lieblingsmusikers auf deiner Haut verewigen lassen hast? Oder dieses tiefgründige Zitat über die ganzen Entbehrungen, die du während deiner Zeit auf dem Eliteinternat durchmachen musstest?

Das Tätowierer-Paar Sam Layzell und Rosie Evans betreibt das gemütliche Studio MVL Tattoo im britischen Leeds und mit den gängigen Fehltritten des ersten Tattoos sind sie bestens vertraut. Schließlich werden sie regelmäßig darum gebeten, schlechte Entscheidungen wieder geradezubiegen. "Informier dich", sagt Eveans, während sie einem Kunden eine Ratte auf den linken Arm tätowiert, die einen Schädel hochklettert. "Sei dir sicher, dass du die Person wirklich kennst, die dir dein erstes Tattoo sticht. Du solltest mit ihrer Arbeit vertraut sein und wissen, wie kompetent sie ist. Es ist auch nie verkehrt, ein paar verheilte Tattoos von dem Künstler zu sehen."

Layzell nickt beipflichtend mit dem Kopf. "Ja, ich würde auch raten, für das Tattoo deiner Wahl wenn nötig woanders hinzufahren. Wenn du die Arbeit von jemandem wirklich magst, die Person aber am anderen Ende des Landes lebt, dann ist es auch nicht so schwer, sich ein Zugticket zu besorgen. Es ist immer besser, zu jemandem zu gehen, dessen Arbeiten du wirklich magst, als jemanden in deiner Nähe dazu zu bringen, einen Stil zu imitieren."

"Ich würde auch davon abraten, selbst ein Design zu entwerfen und es dann zu einem Tätowierer zu bringen", antwortet Evans auf meine Frage nach den häufigsten Gründen für Tattoos, die man später bereut. "Das ist, als würdest du vor deinem Zahnarztbesuch selbst schon rumbohren. Erlaub dem Künstler, dein Design anzupassen. Nur weil etwas auf dem Papier gut aussieht, ist es noch lange kein gutes Tattoo."

Evans und Layzell sind sich auch beide einig, dass ein spontanes Tattoo im Urlaub mit Freunden nur in den seltensten Fällen gut endet—und das nicht nur, weil du höchstwahrscheinlich rattendicht bist, wenn du die Entscheidung triffst. "Viele der großen No-Nos der Tattoopflege sind typische Urlaubsaktivitäten", erklärt Evans. "Du bist ständig im Wasser—egal, ob Pool oder Meer—viel in der Sonne und hast Probleme, die Tätowierung am Strand oder im Club sauber zu halten."

Soweit also die Expertenmeinung. Ich interessierte mich aber auch dafür, was die Menschen zu berichten hatten, die bereits in jungen Jahren ihre Eltern enttäuscht haben. Welche Lektionen haben sie durch ihr erstes Tattoo gelernt?

Macca, 26

Mein Kumpel Greg war schuld. Wir waren beide 18 und hatten den Tag über gesoffen. Bevor wir Abends loszogen, wollten wir noch ein Nickerchen machen. Als ich wieder aufwachte, lag meine Hand auf meinem Gesicht. Ich merkte sofort, dass das Wort "STEAMER" auf meinem Handgelenk geschrieben stand. Es sah so aus, als hätte es jemand einfach mit einem Kugelschreiber draufgekritzelt. Es war noch nicht mal gerade.

Ich versuchte, es abzurubbeln, aber dann erkannte ich, was ich getan hatte. Ich konnte mich an nichts erinnern, also weckte ich Greg auf. Greg erinnerte sich noch an alles und begann laut zu lachen. Er hatte genau das gleiche Tattoo. Er lief den ganzen nächsten Monat über zu Hause mit einem Schweißband über dem Handgelenk rum, um es vor seiner Mutter zu verstecken.

Ich schätze, die Lektion lautet hier: Lass dich nicht besoffen tätowieren. Denk darüber nach, was du tust, und lass dir nichts Großes stechen, das man nicht überdecken kann.

Cez, 23

Als ich 18 war, hingen wir in einem verlassenen Waisenhaus ab. Jemand von uns sprayte dieses Motiv an die Wand. Mit 18 fanden wir das natürlich total witzig und begannen von da an alle, ständig dieses Bild zu malen—ein nach vorne gebeugter Typ mit Riesenschwanz und Eiern. Überallhin. An irgendeinem Abend waren wir ziemlich betrunken und ich meinte: "Ich werde es mir tätowieren lassen." Und das tat ich dann auch. Es ist wirklich lustig, aber ich habe jetzt eine Tochter. Das kann ich also nicht länger mit mir rumtragen.

Mein Rat lautet: Mach dir ein paar Gedanken dazu. Und wenn du eine Idee hast, dann such dir den passenden Künstler dafür.

Paul*, 27

Ich stamme aus einem beschaulichen Vorort, in dem es quasi keine Kriminalität gibt. Meine Freunde und ich hatten so einen Running-Gag laufen, dass wir behaupteten, Mitglieder der Hardcore-Streetgang "The Greenie Possie" zu sein. Wir stritten uns ständig darum, wer der Anführer war. Wenn du Teenager bist, ist so was anscheinend total witzig.

Wie auch immer. Die Geschichte, wie ich mit einer Uzi auf meiner Brust endete, ging so: Einmal sind wir alle zusammen in die nächste Stadt gefahren, weil mein Kumpel dort ein Tattoo bekommen sollte. Auf der Busfahrt dorthin alberten wir rum und redeten darüber, wie witzig es doch wäre, wenn wir uns alle Gang-Tattoos machen lassen. Das ging dann soweit, dass ich sagte: "OK, wenn ich mir das tätowieren lasse, bin ich definitiv der Anführer der Greenies." Also ja: "Warum nicht?" Das ist jetzt Jahre her und ich bereue es nicht—froh bin ich darüber aber auch nicht. Ich kann jetzt nicht mehr einfach zum Strand gehen und dort guten Gewissens mein T-Shirt ausziehen.

Spaßtattoos sind nur für eine begrenzte Zeit lustig. Sie nutzen sich schnell ab. Anstatt einen Witz zu machen, wirst du selbst zu einem—zu einem Witz, über den du keine Kontrolle mehr hast. Wenn ich jetzt im Knast landen sollte, wäre ich am Arsch. Die würden denken, dass ich ein echtes Gangmitglied bin.

Becky, 27

Eigentlich hatte ich das Design selbst entworfen. Es waren einfache, schwarze Umrisse eines Herzens, die ich auf meinem Handgelenk haben wollte. Während der Emo-Epidemie von 2007 war das definitiv das Ding der Stunde. Ich war damals 19 und hing ständig in diesem Tattoo-Studio ab, weil ich mit dem Piercer zusammen war. Die ganze Zeit zutätowierte Menschen um mich herum zu haben, hatte mich wohl beeinflusst. Ich wollte unbedingt auch eins.

Als ich ihnen mein Design zeigte, meinten sie, dass sie es etwas aufpeppen, damit es besser aussieht. Ich willigte ein. Als ich dann aber eine Woche später zurückkam, hatten sie aus meinem minimalistischen Entwurf ein vollschattiertes, schwarz-rotes Design gemacht. Letzten Endes habe ich dann wohl zugesagt, weil ich jung, dumm und umgeben von lauter coolen Menschen mit haufenweise Tattoos war. Ich wollte unbedingt dazugehören.

Ich hatte bislang sechs Lasersitzungen und es fühlt sich jedes Mal an, als würde man mit einer heißen Nadel malträtiert und gleichzeitig mit heißem Öl übergossen werden. Jetzt ist es fast weg. Wenn du ein Tattoo möchtest, dann bleib bei dem, was du wirklich willst. Lass dir nicht von andere Menschen reinreden, es zu ändern oder größer zu machen.

*Name auf Wunsch geändert.

Tagged:
Tattoos
Tattoo
Tätowierung
spaß
Schlecht
Tätowieren
Reue
bereuen
Teenager
Vice Blog
schlechte Ideen
bedauerlich
Laserbehandlung
Tattooentfernung