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Wenn du dir Dinge in die Harnröhre steckst, können furchtbare Dinge passieren

Wir haben mit einem Internisten über die Gefahren einer Sexpraxis namens „Sounding“ gesprochen.

von Brian Moylan
30 August 2013, 12:14pm


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Männliche Leser kreuzten wohl kollektiv ihre Beine und verzerrten ihr Gesicht vor Schmerz, als die Geschichte über einen siebzigjährigen Australier im Internet kursierte, der eine Gabel im Inneren seines Schwanzes stecken hatte. Viele, die den Bericht lasen (oder schlimmer noch: die Bilder sahen), hatten wahrscheinlich keine Ahnung, was jemanden dazu verleitet, sich einen Gegenstand—und insbesondere ein Stück Besteck—in die Harnröhre zu schieben. Diejenigen unter uns, die den Umgang mit den verdorbeneren Seiten des Lebens pflegen, wissen hingegen, dass es sich dabei um eine recht verbreitete Sexpraxis namens „Sounding“ handelt.

Wenn du dich in diesem Gebiet weiterbilden willst, gib den Begriff bei XTube ein (NSFW, du Idiot), und du stößt auf eine Bandbreite von Videos, in denen sich Typen jeden möglichen Scheiß in ihren Schwanz schieben. Nein, mein Ding ist das auch nicht so. Übrigens steckt sich nicht jeder einfach Gabeln, Stifte oder andere Haushaltsgegenstände rein. Für ungefähr 60 Dollar bekommst du ein Sounding-Operationsset direkt vor die Haustür geliefert. Dieses Set beinhaltet die geraden, manchmal auch geschwungenen Stahlrohre, die auch in Arztpraxen verwendet werden. Die scheinen ein bisschen sicherer als eine Gabel zu sein. Doch ich wollte herausfinden, ob es einen wirklich todsicheren Weg gibt, dich mit deinem persönlichen Geysirloch zu vergnügen, ohne danach in der Notaufnahme zu landen. Deshalb rief ich den Internisten und Autor Dr. Frank Spinelli in Manhattan an, um mich mit ihm über Sounding und die damit verbundenen Gefahren zu unterhalten. 

VICE: Hallo Herr Doktor. Ich würde gerne über die Vor- und Nachteile davon sprechen, sich Objekte in sein Pissloch zu stecken, auch bekannt unter dem Namen „Sounding“. Was ist eigentlich der chirurgische Zweck der Stahlrohre?
Spinelli: Deine Harnröhre transportiert Urin und Samen aus deinem Penis. Bei manchen Männern ist die Harnröhre im anatomischen Sinne zu klein oder zu eng. Ein Urologe kann die  Harnröhre weiten, indem er verschieden große Stahlrohre einsetzt. Sie können den Durchmesser erhöhen und Verstopfungen ausfindig machen.

Wie weit sollte man dabei eindringen?
Das hängt davon ab, wie groß das Rohr ist, aber man sollte nicht zu weit vorstoßen. Es wird als Instrumentation genutzt. Katheter werden in der gleichen Weise eingesetzt, um zur Blase zu gelangen. So können sich Leute dann während einer Operation ihres Urins entledigen. All dies wird aber nach strengen medizinischen Anweisungen und von einem geschulten Personal durchgeführt.

Was ist deine Vermutung, warum Menschen dies sexuell befriedigend finden?
Die Leute führen sich Metall oder Glas in ihre Harnröhren ein. Dabei kommt es zu einer Art Stimulation. Ich würde sagen, es sind die gleichen Gründe, aus denen sich Leute gerne fisten lassen. Solche Praktiken liegen außerhalb der Reichweite einer natürlichen sexuellen Interaktionen. Sie haben etwas mit Unterordnung zu tun und fallen in die Kategorie des Perversen. Ich habe Darstellungen in Filmen und auf Bildern gesehen. Ich persönlich verstehe den Reiz nicht, und als Arzt flößt mir die Vorstellung Angst ein.

Was ist so angsteinflößend daran?
Was mir Angst einjagt, ist, dass man blindlings ein Körperteil instrumentiert. Von einem Laien kann man es nicht anders erwarten, der weiß nicht, was er tut. Ein Arzt wäre aber ebenso unsicher, weil er nicht sehen kann, was er tut.

Wie meinst du das?
Nehmen wir mal an, ich habe einen absolut sterilen Gegenstand, treffe auf einen Widerstand und durchbohre ihn. Mein Partner wäre wahrscheinlich begeistert, weil ihn das befriedigt. Aber ich könnte dabei einen blinden Trakt bilden. Führ dir das Loch in einem Donut vor Augen. Da stecke ich einen spitzen Gegenstand hinein. Stell dir vor, dass ich durch den Teig des Donuts steche. Dann hätten wir einen blinden Trakt. Wenn du älter wirst und aus bestimmten Gründen einen Katheter brauchst, würde man den in diesen blinden Trakt stecken und bekäme kein Urin aus dir heraus.

OK. Jetzt bitte mal Klartext, Doktor. Was ist das Schlimmste, das passieren kann?
Nun ja, bei dem Beispiel, das ich eben gegeben habe, hatten wir einen sterilen Gegenstand. Was aber, wenn er nicht steril ist? Du würdest jemand etwas Schmutziges in die Harnröhre stecken. Dadurch kannst du dir eine Harnröhreninfektion, eine Urethritis oder sexuell übertragbare Krankheiten einfangen. Weißt du, was Humane Papillomviren sind? Das sind die Viren, die Genitalwarzen verursachen. Ich habe einen Patienten gesehen, der mit einem schmutzigen Gegenstand gesoundet wurde. In seiner Harnröhre entwickelten sich Warzen, die sich in der Innenseite seines Penis am gesamten Schaft ausbreiteten. Wenn du da hineinsahst, erblicktest du nichts als Warzen.

Mein Gott.
Wenn du einen Arzt danach fragst, wird er dir all die Dinge aufzählen, die schief gehen können. Ich weiß, dass es Leute gibt, die sagen, dass Sounding ihnen ein großartiges Gefühl gibt. Ich aber denke nur an all die Dinge, die schief gehen können.  

Wie kommt denn ein Arzt in die Harnröhre hinein? Mit Tonnen von Gleitgel? 
Natürlich, aber das macht dann jemand, der darin ausgebildet ist. Mit ein bisschen Fachkenntnis des menschlichen Körpers weißt du, wie man dabei nichts durchsticht. Aber vergiss nicht, dass das kein routinemäßiger Vorgang ist. Es gibt aber mittlerweile Geräte, mit denen du ins Innere der Harnröhre sehen kannst, damit die Einführung nicht blind vonstatten geht.

Was sind die Langzeitwirkungen für jemand, der das ständig tut?
Die Verletzungen können zu anatomischen Verformung führen. Es könnte sein, dass du aus einem anderen Loch pinkelst. Du könntest das Innere deiner Harnröhre beschädigen, was eine Narbenbildung bewirkt. In den Narben kann sich Plaque ablagern, und das wiederum kann zur Peyronie-Krankheit führen, die deinen Penis zur einen oder anderen Seite krümmt.

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