So sehr vertrauen Besucherinnen eines Fake-News-Events Medien wirklich

Daniele Ganser gilt für viele als Verschwörungstheoretiker. Sein aktuellster Vortrag: "Fake News – Können wir den Medien vertrauen?".

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Okt. 17 2018, 7:54am

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Der Historiker Dr. Daniele Ganser spaltet die Gemüter: An seinen Vorträgen spricht er vor Menschen, die für "alternative Fakten" offen sind, sein Kurs "Geschichte und Zukunft von Energiesystemen" an der HSG wurde gestrichen. Die Uni Basel sah bereits 2015 von einer weiteren Zusammenarbeit ab, und in einer SRF Arena im Frühling dieses Jahres kreuzte Ganser vor allem mit Roger Schawinski und Moderator Jonas Projer die Klingen – und sah sich nach der Sendung als Opfer von unsorgfältiger Berichterstattung.

Obwohl – oder vielleicht gerade weil – Daniele Ganser immer wieder mit Theorien auftrumpft, die gerne von Aluhut-Anhängern wiederholt werden, spricht der Historiker immer wieder vor ausverkauften Sälen. Aktuell zieht er in seinen Vorträgen gegen "Fake News" in den Kampf und will sein Publikum zum Denken anregen, über Fragen wie: Kann man den Medien noch vertrauen? In Zeiten, in denen in Chemnitz Neonazis durch die Strassen marschieren und "Lügenpresse" rufen natürlich brandaktuell. Am Montag hielt Ganser in Aarau einen solchen Vortrag und ich habe ihn besucht. Und wollte vor allem von den Besucherinnen wissen, warum sie gekommen sind.


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Das Publikum ist eine bunte Mischung aus jungen Menschen mit Camp-David-Poloshirts, Mittvierzigerinnen und Mitvierzigern mit Jackets oder bunten Hosen und älteren Intellektuellen, die für diesen Abend wieder mal den teuren Blazer aus dem Schrank holten. Es fällt mir nicht ganz leicht, die Leute zu einem Gespräch zu überzeugen. Wenn sie mich fragen, warum sie mir glauben sollen, bleibt mir bloss zu sagen: "Sie müssen mir einfach vertrauen." Mit dem richtigen Namen wollte trotzdem niemand von den Befragten in den Medien stehen.

Tobias*, 21 Jahre, Schüler

Daniele Ganser Vortrag Besucher auf Twitter

"Ich finde Daniele Ganser eine interessante Person. Ob alles, was über ihn geschrieben und berichtet wird, stimmt oder nicht, sei mal dahingestellt. Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, was Medien sind und wie sie arbeiten. Wann sie recht haben, wann sie nicht recht haben und eine kritische Perspektive darauf zu haben. Was ich bei den Zeitungen in der Schweiz häufig sehr vermisse sind Quellenangaben, online zum Beispiel Links oder so.

"Man sollte den Medien aber schon vertrauen können – und sollte sich Sorgen machen, wenn man sich fragt, ob man das überhaupt kann."

News konsumiere ich eigentlich nicht, mich interessieren vor allem längere, tiefergehende Analysen. Jeden Tag immer wieder ein bisschen zu einem Thema etwas zu lesen, halte ich nicht für eine angemessene Art und Weise, sich zu informieren. Aber das ist ja kein neues Phänomen. Ich sehe auch, dass die Medienschaffenden immer mehr mit den Geschäftsmodellen der Verlage zu kämpfen haben. Die wollen ja Geld verdienen, die wollen Werbung machen, da muss man halt möglichst clickbait-ig sein. Ich würde sagen, man sollte den Medien aber schon vertrauen können – und sollte sich Sorgen machen, wenn man sich fragt, ob man das überhaupt kann. Ich selber habe dieses Vertrauen durchaus noch. Gerade bei Themen, in denen ich mich selber nicht allzu gut auskenne, Wirtschaft zum Beispiel. Aber bei Politik eigne ich mir mein Wissen dann lieber selber an, beispielsweise über Fachbücher."

Fabian*, 28, arbeitet im Informatikbereich

Daniele Ganser Vortrag auf Twitter ueber Fake News

"Ich würde mich auf jeden Fall als Kritiker bezeichnen. Das heisst aber nicht, dass ich nichts glaube, was in den Zeitungen steht – ich hole mir einfach lieber noch Drittmeinungen ein. Für mich hat der Bruch in meinem Vertrauen in die Medien bei 9/11 angefangen. Da konnten die Medien ja aber eigentlich nichts dafür, die haben ja einfach erzählt, was sie wussten. Aber es gibt ja auch Dinge, die einfach anders dargestellt werden, als sie wirklich sind. Beispielsweise Bilder von Flüchtlingen aus dem Syrienkrieg, wo sich danach herausgestellt hat, dass die neben einem Boot standen. Auf dem Foto sah es aber so aus, als seien sie komplett verloren. Seither bin ich kritisch.

"Ich glaube aber auch Ganser nicht einfach alles, was er sagt. Ich glaube ihm auch nicht mehr als den Medien generell."

Ich bin der Meinung, dass das SRF noch einer der wenigen Medienkanäle ist, der unabhängiger ist als andere, weil die nicht Gewinn machen, sondern den Staatsauftrag erfüllen müssen. Wenn beim SRF etwas über den Syrienkrieg läuft, dann glaube ich das eher, als wenn es in einer Zeitung steht. Dort ist im Verlag vielleicht auf der Chefetage gerade ein Kopf gerollt und dann muss die publizistische Ausrichtung gewechselt werden, damit wieder mehr Geld reinkommt. Ich glaube aber auch Ganser nicht mehr als den Medien generell. Ich finds wichtig, sich zu öffnen und mehrere Perspektiven zu haben in der eigenen Meinungsbildung. Die "Lügenpresse" sind für mich die Medien, die nur auf den Profit gehen und darauf scheissen, ob ihre Geschichten stimmen."

Luca*, 58, arbeitet in der Verwaltung einer Berufsschule in Zürich

Daniele Ganser Vortrag ueber Fake News auf Twitter

"Ganser hinterfragt Dinge auf eine sehr redliche, sachliche Art und Weise, das mag ich an ihm. Die Fragen, die er aufwirft, sind sehr legitim – zu 9/11 oder dem Syrienkrieg. Dadurch, dass ihn viele als Verschwörungstheoretiker diffamieren, ist er mir noch etwas sympathischer geworden. Als Historiker, als Wissenschaftler darf er doch Fragen aufwerfen. Fake News bedeutet für mich, dass einflussreiche Leute, die den Grossteil der Bevölkerung erreichen können, Unbehagen ausbreiten – bewusst oder unbewusst. Ganser zeigt auch auf, wie im Kalten Krieg das Verhältnis zwischen Russland und den USA war, da musste ich meine Ansichten revidieren.

"Aber es ist ja auch klar, dass eine Zeitung Geld braucht, Einnahmen braucht und wir sind ja alle bestechlich."

Wenn man immer nur erzählt, dass die Russen die Bösen sind, dann schürt man Konflikte. Ganser ist wirklich auf Frieden aus, nicht auf Krieg. Und ich möchte auch keinen Krieg. Natürlich vertraue ich den Medien noch, aber eben nicht, ohne kritisch zu sein. Es gibt Berichte, die ich wirklich daneben finde, aber es gibt bestimmt noch Journalisten, die ehrliche Arbeit machen und die bemüht sind, sachlich zu sein. Aber es ist ja auch klar, dass eine Zeitung Geld braucht, Einnahmen braucht und wir sind ja alle bestechlich. Also ich denke, dass Journalisten nicht wirklich frei sind, wenn sie bei einem grossen Verlag arbeiten. Und wenn Sie als Journalist dann eine gewisse Ansicht vertreten, die nicht der ihrem Arbeitgeber entspricht, dann können Sie Probleme bekommen."

Tamara*, 36, keine Angaben zum Beruf

Daniele Ganser Vortrag nicht auf Twitter über Fake News

"Ich kenne Daniele Ganser schon länger und finde das Thema Fake News und Medienkonsum spannend. Ich finde es wichtig, das von verschiedenen Seiten anzuschauen und selber kritisch darüber nachzudenken. Das heisst nicht, dass ich alles gut finde, was Ganser sagt. Aber er erweitert das eigene Denkspektrum, das mag ich sehr. Generell bin ich ein sehr kritischer Mensch. Ich muss Vertrauen gewinnen, das dauert ein Weilchen. Wenn ich zum Beispiel zehn Jahre lang eine Zeitung lese und dann gibts dort plötzlich einen Wechsel in der Redaktion und die Artikel gehen dann in eine ganz andere Richtung, dann stimmt das nicht mehr für mich.

"Etwas, das ich mir wünsche von den Schweizer Medien, ist mehr Dialektik. Also ausgewogenes Berichten."

Aber man ist ja auch immer beeinflusst von seinem Umfeld und von seinem täglichen Leben, auch ich. Ich habe ja auch nur ein spezifisches Weltbild und eine konstruierte Wahrheit. Wenn Sie und ich über den gleichen Vortrag sprechen, dann haben wir dennoch beide eine andere Perspektive darauf, obwohl wir genau das gleiche gesehen haben. Etwas, das ich mir wünsche von den Schweizer Medien, ist mehr Dialektik. Also ausgewogenes Berichten. Verschiedene Meinungen und Ansichten zulassen und aufbereiten und dann den Konsumentinnen und Konsumenten selber überlassen, was sie sich für eine Meinung bilden. Ich schaffe es nicht, zehn Zeitungen zu lesen und mir das alles selber zusammenzutragen."

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