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Stanic – Die Kolumne

So datest du, ohne ein Arschloch zu sein

Dank mir später.

von Alexandra Stanic
13 Februar 2020, 4:03pm

Foto: Imago Images | Mika Volkmann || Bearbeitung: VICE

Feministin, Gastarbeitertochter und VICE-Kolumnistin: Alexandra Stanić schreibt zweiwöchentlich darüber, wie sie Politik, Rassismus und Sexismus erlebt.

Bist du einer dieser Männer, die Frauen nach einem Kinodate fragen? Und der es dann ihnen überlässt, herauszufinden, wo und wann der Film läuft – und sie außerdem die Tickets selbst besorgen lässt? Dann pass jetzt besonders gut auf. Denn Frauen leisten schon genug unbezahlte Arbeit, wenn sie Verwandte pflegen, sich um Kinder kümmern oder einfach nur dafür sorgen, dass die Familie nicht explodiert. Da brauchen wir nicht auch noch Männer, die nicht imstande sind, Google zu nutzen.

Männer zu daten kann mitunter so anstrengend sein wie das Lesen von Facebook-Kommentaren bei der Kronen Zeitung oder der Bild. Aber keine Sorge, ich sorge für Abhilfe.

Ich weiß, für viele bin ich das Sinnbild einer Männerhasserin. Aber ich hasse Männer nicht – oder zumindest nicht alle. Um endgültig zu beweisen, dass auch in meinem Herzen Platz für euch ist, habe ich den ultimativen Dating-Guide geschrieben. Befolgt meine Ratschläge, liebe Männer, sie bringen euch mehr als der "Melde dich frühestens in drei Tagen"-Tipp von eurem Bro. Das Date in drei Akten:

1. Die Vorbereitung

Ich weiß nicht, in welchem Universum es nach einer guten Idee klingt, jemanden vorab zu googeln und Instagram zu durchwühlen. Bitte lass es bleiben. Das ist im besten Fall cringy, im schlimmsten Fall creepy. Dabei ist es völlig egal, ob du sie auf Tinder oder im Club kennengelernt hast. Ungefähr genauso daneben ist es, sinnliche Selfies und freizügige Fotos von Frauen als Einladung zu verstehen.

Gehen wir davon aus, dass das Date gut laufen wird. Damit das auch so bleibt, nimm Kondome mit, aber lass deine Erwartungen, dass ihr Sex haben werdet, zu Hause.

"Ohne Dings kein Bums" hieß es schon an der Klowand meiner Schule. So schwer ist das also gar nicht. Wie wichtig Verhütung ist, scheint trotzdem nicht bei allen angekommen zu sein. Das ist keine Überraschung, aber trotzdem auf sehr vielen Ebenen sehr falsch. Wer auf ungeschützten Sex besteht, sollte Dates erstmal sein lassen und sich eher mit der Frage beschäftigen: Wieso bin ich so ein ignoranter Lurch? Und damit kommen wir zu einem Teil der Vorbereitung, den du am besten schon Wochen vor dem nächsten Date in Angriff nimmst.

Besorg dir Bücher von Feministinnen. Nicht nur für das nächste Date, nicht nur um zu punkten, viel eher, um zu verstehen, wie sexistisch unsere Gesellschaft ist und damit auch du.

Lies Rebecca Solnits Wenn Männer mir die Welt erklären und sei in Fraugottsnamen nicht der Mann, der Frauen beim Date die Welt erklären will. Mach dir Notizen zu Untenrum frei von Margarete Stokowski. Und wenn du glaubst, du bist einer von den Guten: Auch linke Männer sind Sexisten. Ändern kann sich das nur, wenn man dahin geht, wo es weh tut. Das bedeutet, den verinnerlichten Sexismus als solchen zu erkennen und sein eigenes Dating-Verhalten zu reflektieren.

Und ein letzter Hinweis, bevor es für dich zum Date geht: Männer reißen eher das Wort an sich als Frauen, nicht nur in Meetings oder Hollywood-Produktionen – in drei Vierteln aller Filme sprechen Männer mehr, in 15 Prozent sprechen Männer sogar über 90 Prozent der Sätze. Deswegen stelle dich am besten unmittelbar vor dem Treffen vor den Spiegel und erinnere dein Spiegelbild daran: Du wirst keinen Monolog führen. Und wer weiß, vielleicht führt ihr stattdessen ja tatsächlich eine Unterhaltung auf Augenhöhe.

2. Das Date

"Wenn du Interesse an einer Frau hast, darfst du ihr das auf keinen Fall zu sehr zeigen", meinte ein besonders scharfsinniger Bekannter von mir mal.

Ich muss an die vielen Erzählungen von Freundinnen denken, die mir nach einem Treffen frustriert davon berichtet haben, wie desinteressiert ihr Date gewirkt hat. Ich kann euch versichern: Kein Interesse vorzutäuschen, ist in erster Linie kindisch und führt zu nichts weiter als Missverständnissen und Unmut.

Wenn du sie magst: Sag ihr, dass du sie magst. Hör zu, was sie sagt. Merkt dir ihre Lieblingsband. Extra-Punkte beim Date gibt es dafür, wenn du ihr Komplimente machst, die nichts mit ihrem Aussehen zu tun haben.

Ehrliche Komplimente: klar. Pseudo-polemische Aussagen zu Feminismus: nein. Es gibt ungefähr nichts Unattraktiveres als Männer, die übergriffige Stars wie Kevin Spacey oder Louis C.K. verteidigen. Du bist auch nicht woke, wenn du dich lieber als Humanist und nicht als Feminist bezeichnest.

Wer die Drinks zahlt, ist situationsabhängig und keine große Sache. Zur großen Sache wird es nur, wenn du denkst, die Drinks zu bezahlen sei dein Freifahrtschein für Sex. Auch diese Denkweise gibt es und ich weiß nicht, ob ich mir als Reaktion lieber Rakija in den Rachen schütten oder das Internet anzünden möchte.

Sorry to break it to you, aber niemand hat das gottgegebene Recht auf Sex und es ist auch nicht in Ordnung, das erste Nein als "Sie will nur, dass ich es weiter probiere" zu interpretieren. Nein bedeutet immer Nein, egal, wie viel ihr geflirtet, getrunken und gelacht habt. Egal, ob sie mit zu dir kommt oder ihr zu ihr geht. Es ist gar nicht so schwer, die Körpersprache des Gegenübers zu verstehen und die Grenzen anderer zu respektieren. Dafür muss man nichts weiter tun, als aufmerksam zu sein – und kein Arschloch.

Sollten doch beide Lust auf Sex haben, an dieser Stelle eine freundliche Erinnerung: Auch Frauen kommen gerne. Orgasmen sind für alle da.

3. Der Abspann

Könnt ihr euch noch an den Bro-Tipp mit dem Nicht-Melden erinnern? Weg damit. Wenn das Date gut war, lass sie es wissen. Wenn es nicht so gut war: Lass sie es wissen. Falsche Hoffnungen zu schüren, sich jemanden als Plan B oder als Booty Call warmzuhalten, zeugt von einem miesen Charakter und in Wahrheit wollen wir doch alle gute Menschen sein. Und: There is a special place in hell für Menschen, die andere ghosten, weil sie zu feige sind, um ehrlich zu sein.

Aber – und nun folgt ein großes Aber: Es kann genauso gut sein, dass sie keine Lust hat, dich noch einmal zu sehen. In diesem Fall bleibt dir nichts Anderes übrig, als ihre Entscheidung zu akzeptieren. Tu dir selbst einen Gefallen und spar dir lästige Nachrichten.

Gehen wir noch ein letztes Mal davon aus, dass das Date gut gelaufen ist und du sie gerne wiedersehen möchtest. Du weißt, was jetzt kommt, oder? Richtig. Lass es sie wissen. Und schick ihr einen Song von ihrer Lieblingsband. Denn so unattraktiv Männer sind, die das Fehlverhalten von anderen Männern verteidigen, so attraktiv ist ehrliches Interesse von Männern, deren Welt sich nicht nur um sich selbst dreht.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.

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