Fotos

Wenn Paparazzi selbst vor die Linse geraten

Wir haben den Spieß mal umgedreht und einen Skandalfotografen mit zwei Einwegkameras ausgestattet, damit er für uns seinen Arbeitsalltag dokumentieren kann.

von Julian Master
08 Juni 2016, 4:00am

Normalerweise ist es der Job von Paparazzi, die Schönen und Reichen in allen Lebenslagen abzulichten. Wir haben uns jedoch dazu entschlossen, den Spieß mal umzudrehen und die Fotografen selbst zum Motiv zu machen. Und so haben wir Stan Rozewicz, seines Zeichens selbst seit neun Jahren Paparazzo, mit zwei Einwegkameras ausgestattet und darum gebeten, anstelle von Brad Pitt, Barack Obama und Cameron Diaz doch mal seine Kollegen bildlich festzuhalten.

Rozewicz schnappt sich jeden Tag sein Fahrrad und radelt die Celebrity-Hotspots von New York ab. Dabei ist er ständig auf der Jagd nach guten Fotos und bekommt dafür manchmal auch Tipps von Insidern. Letztendlich ist das Ziel dann, dass Klatsch-Magazine und Revolverblätter seine Fotos von der Agentur abkaufen, bei der er angestellt ist.

Im Laufe des Tages, den Rozewicz für uns dokumentiert hat, sind ihm Rihanna, der Snowboarder Shaun White sowie Meg Ryan über den Weg gelaufen. Außerdem wissen wir nun, dass die Arbeit eines Paparazzo vor allem mit langen Wartezeiten verbunden ist. Wir haben Rozewicz noch ein wenig ausführlicher zu seinem Tag befragt.

VICE: Wie lief dein für uns dokumentierter Tag genau ab?
Stan Rozewicz: Mein Arbeitstag begann so zwischen 10:30 und 11:00 Uhr am Bowery Hotel, wo ich wartete und schaute, ob irgendein Celebrity rauskommt. Nach ein paar Stunden hatte ich dann tatsächlich Fotos von Shaun White und Meg Ryan im Kasten und bin deshalb weiter zu diversen angesagten Restaurants von Manhattan gezogen. Nachdem ich selbst einen Happen gegessen hatte, ging es weiter durch die Innenstadt, wo ich noch weitere Hotel abgeklapperte. Schließlich konnte ich noch Rihanna beim Shoppen ausmachen und beendete meinen Arbeitstag dort, wo er auch angefangen hatte, nämlich am Bowery Hotel.

Welche Leute fotografierst du normalerweise?
Promis. Das meiste Geld verdient man natürlich durch große Storys wie etwa Hochzeiten oder neue Beziehungen, aber wenn man als Paparazzi wie ich täglich unterwegs ist, dann muss man auch die Klamotten der Celebritys ablichten und darauf achten, welche Marken sie tragen. Nur so hat man ein beständiges Einkommen.

Wie genau wirst du bezahlt?
Ich schicke meine Bilder an eine Agentur, die versucht, das Ganze weiterzuverkaufen. Ich bekomme dann jeden Monat eine Auflistung aller Fotos zugeschickt, die genommen wurden.

Wie lange bist du nun schon als Paparazzo tätig?
Ich habe mit 20 angefangen und dafür sogar mein Studium abgebrochen. Das war vor neun Jahren.

Wie kommt man am besten an einen Promi ran, um ein gutes Foto machen zu können?
So etwas wie eine perfekte Herangehensweise gibt es da nicht, denn es kommt natürlich immer auf die Situation und den Promi an. Manche Celebritys stört es nicht, wenn man sie fotografiert, aber bei anderen muss man hingegen schon etwas diskreter vorgehen. Ich benutze meistens ein langes Teleobjektiv und versuche, nicht aufzufallen.

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Sind irgendwelche Promis dir gegenüber auch schon mal ausfällig geworden?
Natürlich werde ich ab und an angeschrien, zum Beispiel von Cameron Diaz. Celebritys müssen meiner Meinung nach jedoch mit den Paparazzi klarkommen, denn das gehört einfach dazu und sie wissen ja, worauf sie sich einlassen. Gleichzeitig weiß ich aber auch, wenn es zu persönlich wird oder wann man vielleicht lieber keine Fotos schießen sollte. Ich mag es zum Beispiel gar nicht, kranke oder trauernde Promis abzulichten. Da wird für mich einfach eine Grenze überschritten.

Was machst du, wenn während der Arbeit mal nichts los ist oder du keine Promis siehst?
Ein großer Teil meiner Arbeit besteht nur aus Warten, weil die Fotos selbst auch recht schnell geschossen sind.

Hast du so etwas wie Informanten?
Wir nennen diese Leute "Tipster" und ich gebe ihnen immer meine Telefonnummer mit. Oftmals bringt das jedoch leider gar nichts, denn sie erzählen zwar oft davon, dass sie irgendwelche Promis sehen, aber von ihnen angerufen werde ich trotzdem nicht.

Auf deinen Fotos sind nur männliche Paparazzi zu sehen. Hast du auch Kolleginnen?
Es gibt tatsächlich eine Kollegin, die sich vor allem auf Rihanna konzentriert, aber als ich mit den Einwegkameras unterwegs war, habe ich sie nirgendwo gesehen. Es gibt natürlich auch noch andere Frauen in der Paparazzi-Welt, aber die stehen dann eher am roten Teppich von irgendwelchen noblen Events.

Julians eigene Arbeiten findest du auf seiner Website oder bei Instagram.