DIY

Pool-Skaten wird niemals sterben

"Häufig ist Google Maps nicht mehr aktuell – im vermeintlich leerstehenden Haus wohnt schon wieder jemand. Manchmal fahren wir stundenlang durch die Gegend, bis wir ein Grundstück finden, das seit Längerem verwahrlost."

von Mariah Ernst
21 Februar 2017, 5:00am

Alle Fotos: Tino Razo, bereitgestellt von Anthology Editions

Normalerweise denkt man beim Wort "Pool" an kühles Nass, Entspannung und Schirmchendrinks. Für Skateboarder hingegen stellen Pools (natürlich im leeren Zustand) einen Spielplatz dar, auf dem sie sich austoben können. Der Trend begann in den 60ern und nahm in den 70ern dann so richtig Schwung auf, als findige Jugendliche in bester DIY-Manier mit Kübeln, Pumpen und nur wenig Achtung vor Privatgrundstücken auf der Suche nach den besten Pools loszogen. Und obwohl das Skateboarden selbst immer weiter in den Mainstream vorgestoßen ist, bereitet es immer noch genauso viel Freude wie damals, einen skate-baren Pool zu entdecken.

Der Fotograf Tino Razo veröffentlich mit seinem Fotobuch Party in the Back nun eine Art Liebesbrief an das Skateboarden in Pools. Beim Betrachten der zwischen 2013 und 2015 in Südkalifornien geschossenen Bilder fallen mehrere rote Fäden auf: der zerfallende amerikanische Traum als Kunst, der Erhalt von antikommerzieller Spontaneität, der Klimawandel oder der vielleicht bald schon vergangene, sorgenfreie Lebensstil.

Wir haben uns mit Razo zusammengesetzt und über sein Projekt sowie den heutigen Stand des Pool-Skatens gesprochen.


VICE: Pool-Skaten besitzt einen richtigen DIY-Spirit, richtig?
Tino Razo: Das Ganze ist auch heute noch mit viel Arbeit verbunden. Häufig ist Google Maps nämlich nicht mehr aktuell und in dem vermeintlich leerstehenden Haus zum Pool wohnt schon wieder jemand. Manchmal fahren wir stundenlang durch die Gegend, bis wir ein Grundstück finden, das offensichtlich schon seit Längerem verwahrlost ist.

Manchmal entdecken wir auch einen leeren Pool, der jemandem gehört. Dann versuchen wir, ein nettes Gespräch anzufangen und gewisse Vorlieben rauszufinden – so nach dem Motto "Du trinkst Bier und rauchst? Wie wäre es mit einem Sixpack und einer Schachtel Kippen, wenn wir hier skaten dürfen?" Und bei Pools mit Restwasser ist natürlich immer die Frage, wie man das am besten angeht. Mit Kübeln rausschaufeln? Oder doch lieber eine Pumpe besorgen?

Wir müssen natürlich auch darauf hoffen, dass die Nachbarn keinen Stress machen und nicht die Polizei rufen. Im Allgemeinen sind die Spots leider nicht sehr langlebig.


Es hat den Anschein, als sei das Skateboarden in Pools noch nicht von irgendwelchen großen Firmen vereinnahmt worden. Wie kommt das?

Bei der ganzen Zeit und Arbeit, die man da reinstecken muss, braucht es einfach eine gewisse Leidenschaft. Das Erforschen ist schon immer mein Lieblingsaspekt vom Skateboarden gewesen. Ich sehe meine Umgebung mit ganz anderen Augen. Als Skateboarder ist man sowieso immer auf der Suche nach Rails, Ledges und Treppen. Pools sind da noch mal ein anderes Level.


Welchen Einfluss hatte die Geschichte des Pool-Skatens auf dein Fotobuch?
Eigentlich keine. Ich bin 2011 nach Los Angeles gezogen und habe mich mit Buddy Nichols und Rick Charnoski getroffen. Mit den beiden erlebte ich meine erste Pool-Session und war direkt angefixt.

Wo siehst du das Pool-Skaten in einer Skateboardszene mit "Trainern" und Olympischen Spielen?
Letztendlich ist und bleibt das alles einfach Skateboarden. Das Gefühl der Rebellion wird niemals verloren gehen.


Gibt es sonst noch etwas über dein Buch zu sagen?
Es soll ein Geschenk für meine Ex-Frau Desiree Zondag darstellen. Sie war nämlich die treibende Kraft dahinter. Wir sind damals zusammen nach Kalifornien gezogen, trennten uns jedoch ein Jahr später. Zu dieser Zeit entwickelte sich meine Leidenschaft fürs Pool-Skaten. Ich versuchte, sie zurückzugewinnen, aber sie hatte schon mit mir abgeschlossen. Das brach mir mein Herz. Das Buch war dann eine Sache, an der ich mich festhalten und mit der ich mich ablenken konnte. Dieses Projekt hat den Heilungsprozess extrem beschleunigt.

Leider kann ich das fertige Buch nicht mehr mit meiner Ex-Frau teilen. Sie ist letztes Jahr nämlich bei einem Surf-Unfall ums Leben gekommen. Deshalb widme ich es ihr. Sie hat mich zu all dem motiviert, ohne dass sie es wusste.


Hier
kannst du 'Party in the Back' bestellen.

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