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katastrophe

10 Dinge, die wir durch die Fyre-Festival-Doku auf Netflix gelernt haben

Der Film über das katastrophal gescheiterte Abzocker-Festival hat uns gut unterhalten – und uns einiges beigebracht.

von VICE Staff
23 Januar 2019, 2:16pm

Andy King, einer der Angestellten des Fyre Festivals | Alle Bilder: bereitgestellt von Netflix

Vergangenen Freitag veröffentlichte Netflix FYRE: The Greatest Party That Never Happened , die von VICE Studios mitproduzierte Dokumentation, und du hattest hoffentlich schon die Gelegenheit, dir den Film reinzuziehen. Neureiche Typen, die neureiche Kids mit einem Festival-Fiasko um Tausende Dollar linken und sich dadurch selbst richtig in die Scheisse reiten, das ist mal Entertainment. Leider hat die ganze Sache auch die Existenz vieler lokaler Arbeiter und Unternehmerinnen auf den Bahamas zerstört.

Beim Schauen von FYRE … überkommen einen viele negative Gefühle, egal ob nun Schadenfreude, Neid oder Wut. Aber können wir durch die Dokumentation auch etwas lernen? Auf jeden Fall! Deswegen haben wir unsere Kollegen und Kolleginnen gebeten, uns aufzuschreiben, was die Doku ihnen beigebracht hat.

Dich ständig filmen zu lassen, ist keine gute Idee

Was macht Fyre-Festival-Organisator Billy McFarland, nachdem er erst festgenommen und dann auf Kaution wieder freigelassen wurde? Er nistet sich wieder in einem Penthouse ein (der Typ ist quasi pleite, woher kommt die Kohle?) und startet dort zusammen mit seinem Bekannten Frank direkt die nächste Abzocke. Was dabei noch mehr verwundert: Er engagiert erneut ein Filmteam, um sich bei alldem filmen zu lassen. Als die Kameramleute fragen, worauf genau sie ihr Arbeitsgerät halten sollen, weist McFarland sie an, die Kameras einfach die ganze Zeit laufen zu lassen – und sagt dann sowas wie: "Wenn ich bei der ganzen Sache eins gelernt habe, dann: Je mehr Footage, desto besser". Wow.

Ich bin jetzt kein Videoproduzent, also korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber stundenlanges Filmmaterial davon, wie man ein Verbrechen begeht, riecht doch förmlich nach Ärger. Und dann lässt sich der Typ bei seiner neuen Betrugsmasche direkt wieder filmen? Wieso sollte man so was machen?
– Jamie Clifton

Du musst einem Zollbeamten keinen blasen, damit dein Trinkwasser im Wert von 175.000 Dollar freigegeben wird

Die Leute, die beim bahamaischen Zoll arbeiten, verstehen im Normalfall etwas von ihrem Job. Bevor das Festival losging behielten sie das importierte, abgefüllte Trinkwasser (das dringend nötig war, um das eher unzureichende Wassersystem einer kleinen bahamaischen Insel nicht komplett zu überlasten) zurück, weil noch Steuern gezahlt werden mussten. Für die Beamten bestimmt reine Routine. Das Problem: Es war kein Geld da. Ich würde aber wetten, dass man angesichts der dringlichen Lage die Zollgebühren auch später nachzahlen kann, wenn man nur nett fragt. Was dagegen eher nicht nötig ist: Andy King, den schwulen Leiter des Organisationsteams darum zu bitten, zum Zollchef zu gehen und sich mit einem Blowjob "für das Team zu opfern", um keine Steuern zahlen zu müssen.

OK, vielleicht findet der Zollbeamte Blowjobs ganz gut, aber solche Bestechungsversuche sind generell ziemlich verpönt. Diese Erkenntnis ist eigentlich gar nicht so schwer.
– Lauren O'Neill


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Reiche Leute = Idioten

Ich verwende den Grossteil meines Einkommens darauf, mir mein immer gleiches McDonald's-Menü öfter nach Hause liefern zu lassen, als ich zugeben will. In anderen Worten: Ich sollte eigentlich niemandem sagen, für was er oder sie Geld ausgeben sollte.

Aber Rich Kids? Mann, die kennen echt nichts. Stell dir vor, du besitzt 12.000 Dollar. Und jetzt stell dir vor, dir ist alles so egal, dass du diese 12.000 Dollar für ein Ticket zu einem Festival ausgibst, über das quasi nichts bekannt ist. Ein Festival, bei dem blink-182 Headliner sein sollen. Wie blöd kann man sein?
– Nana Baah

Überlege dir genau, ob du wirklich das machen willst, was Kendall Jenner dir sagt

Jaja, ich weiss. Kendall Jenner ist superreich und superheiss. Sie ist die Sorte Mensch, der die Leute aus irgendeinem Grund an den Lippen hängen. Mir persönlich geht es bei Cardi B so, ich verstehe also, was in diesen Menschen vorgeht. Aber im Gegensatz zu Kendall Jenner wurde Cardi B nicht fast ihr komplettes Leben lang von Kameras begleitet. Und Cardi B sagt nicht ständig Sachen, die sie nur sagt, weil sie dafür bezahlt wird. Kendall Jenner hat nur für das Fyre Festival geworben, weil sie von den Veranstaltern dafür einen Haufen Kohle bekommen hat. Genau deswegen sollte man vielleicht nicht unbedingt ohne Wenn und Aber auf sie hören.
– Lauren O'Neill

Anscheinend sind nur zwei fehlende Mahlzeiten nötig und wir drehen alle völlig durch

Neben dem ganzen anderen Chaos, der Blowjob-Szene und Ja Rules herrischer Art ist mir vor allem eine Szene aus FYRE … im Gedächtnis hängengeblieben: Justin Liao, der zusammen mit seinen Freunden trotz offensichtlichem Unterkunftsmangel umliegende Zelte unbewohnbar macht – inklusive Selfie-Stick in der Hand.

"Unsere Strategie, um keine Nachbarn zu haben: die Zelte um uns herum zu zerstören", sagt Liao in der Doku – und zwar mit der ruhigen, rationalen Art eines eiskalten Serienmörders. "Ich fing dann einfach an, Löcher in die Zeltwände zu reissen und Matratzen rumzuwerfen. Mein Kumpel pisste sogar auf ein paar Betten."

Was hier sehr wichtig ist: Zu diesem Zeitpunkt war noch gar nicht richtig klar, wie beschissen es um das Fyre Festival wirklich stand. Man hatte den Besuchern nur gesagt, dass sie sich ein Zelt aussuchen sollten, der Rest würde dann am nächsten Tag geklärt. Das wars. Und trotzdem pisste der eine Typ direkt in die Unterkünfte. Mal ehrlich, wir waren doch alle schon mal auf einem Festival und wissen deswegen, dass in der letzten Nacht schnell einiges aus dem Ruder laufen kann, inklusive brennender Zelte oder Exkrementen als Wurfgeschosse. Aber wartet doch zumindest einen Festival-Tag ab, bis ihr mit einer solchen Scheisse anfangt, verdammt noch mal.
– Joel Golby

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Die Fyre-Gründer Ja Rule und Billy Mcfarland

Betrug ist wohl ein Kinderspiel

Der Grund: Menschen sind dumm. Es braucht nur ein paar Videos mit Instagram-Models am Strand und einige Dutzend Posts mit einem orangefarbenen Viereck und schon sind die Leute bereit, bis zu 50.000 Dollar für ein Plastikarmbändchen auszugeben. Man muss sich doch bloss anschauen, wie einfach die ersten ankommenden Festivalbesucher zufriedenzustellen waren: ein paar Flaschen Wodka an einer normalen Strandbar verteilen, die Musik aufdrehen – und die Menge ist glücklich. So hat es ganze sechs Stunden gedauert, bis sich mal jemand gefragt hat, wo eigentlich die Toiletten sind.

Billy McFarland war einfach zu gierig. Eine halbgare Kopie des Coachella-Festivals mit Tipis anstellte von Notfallzelten, einem DJ-Set von Calvin Harris auf Dauerschleife und einem immer wieder eingespielten "Habt ihr alle richtig viel Spass?" von den Kardashian-Schwestern hätten locker gereicht, damit sich jeder noch vor Ort sein Ticket für das Fyre Festival 2019 gesichert hätte.
– Dipo Faloyin

Wenn ein Pilot, der sich das Fliegen per Microsoft Flight Simulator beigebracht hat, die vernünftigsten Vorschläge bringt, sollte man seine Prioritäten überdenken

Ich weiss, hinterher ist man immer schlauer, aber vielleicht hätte Billy McFarland auf seinen autodidaktischen Piloten Keith van der Linde hören und "im Baumarkt Tausend Toiletten kaufen" sollen. Vielleicht wären die Leute dann nicht durchgedreht und hätten auf Matratzen gepisst.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der einzige Angestellte, der so weit denken konnte und vorher mal eine Nacht in den Notfallzelten geschlafen hat (sein Fazit: "brutal" und "nicht machbar"), war ein Pilot, der sich das Fliegen mithilfe eines Computerspiels selbst beigebracht hat.
– Jack Cummings

Betrüger finden immer wieder ein Hintertürchen

Billy McFarland ist so verliebt in seinen Bullshit, dass um ihn herum erst alles so richtig den Bach runtergehen musste, damit er auch nur einen Hauch von Besorgnis zeigte. McFarland kennt kein Mitgefühl, er kriegt nichts gebacken und er setzt auch dann noch sein schmieriges Grinsen auf, wenn er für ein absolutes Desaster verantwortlich ist.

Dieser augenscheinlich unaufhaltsame Chaot erinnert mich an so viele Männer in mittleren bis hohen Managerpositionen, die sich nach folgenschweren Fehlern einfach auf ihre Privilegien, ihre Connections und ihre Arschkriecherei verlassen, um sich irgendwie wieder in die gleichen Positionen zurückzuwieseln. Am Ende von FYRE … sagen ein paar der interviewten Leute, dass sie sich gut vorstellen könnten, wie Billy McFarland nach seiner sechsjährigen Haftstrafe wieder erfolgreich Geschäfte macht. Da muss ich ihnen leider zustimmen.
– Hannah Ewens

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Das Instagram-Model Bella Hadid in dem berüchtigten Promo-Video für das Fyre Festival

Selbstüberschätzung wird niemals sterben

Ich muss etwas gestehen. Während ich mir die Fyre-Doku über einen anmassenden weissen Mann ansah, der ein Festival mit zu viel Selbstvertrauen und dem Geld anderer Leute veranstalten will, schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf: "Das würde ich viel besser hinbekommen! Ist doch ganz einfach, oder? Einfach keinen Typen ins Organisationsteam holen, der sich das Fliegen mithilfe eines Computerspiels beigebracht hat. Einfach keinen neurotischen Typen, der ständig rumschreit und gleichzeitig anscheinend nur auf Instagram ist, das ganze Ding planen lassen. Einfach mehr Unterkünfte ranschaffen. Einfach die Importsteuern zahlen, anstatt Blowjobs anzubieten. Wie schwer kann das schon sein?"

Vielleicht sind solche Leute wie ich genau das, was diese Welt in den Untergang treibt. Obwohl ich mir gerade eineinhalb Stunden angeschaut habe, wie Männer alles komplett gegen die Wand fahren, ist ein ziemlich grosser Teil von mir davon überzeugt, dass ich das besser machen würde – obwohl es dafür exakt null Belege gibt. Genau darin liegt das Problem: Wegen solcher Menschen wie Billy McFarland und mir wird so etwas garantiert noch mal passieren.
– Joel Golby

Ist es vielleicht nicht so klug, Tausende Dollar auf ein Plastikarmband zu laden – vor allem dann, wenn man am Telefon ziemlich aggressiv dazu aufgefordert wurde?

Wahrscheinlich schon.
– Lauren O'Neill

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE UK.

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