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Drogen

Wir haben Leute gefragt, wie sich ihr Drogenkonsum auf ihre Beziehungen auswirkt

Wenn man Drogen und Liebe vermischt, kann das Ergebnis manchmal richtig furchteinflößend sein.

von Allison Tierney
31 Mai 2016, 11:00am

Foto: Gastón Gaiduk | Flickr | CC BY 2.0

Die Synergie zwischen zwei Menschen in einer Beziehung reicht aus, um eine Wirkung auszulösen, die manchen Rauschmitteln nicht unähnlich ist. Wenn dann aber noch echte Drogen dazukommen, kann die ganze Angelegenheit unglaublich komplex werden.

Genau wie keine Beziehung der anderen gleicht, unterscheiden sich auch Drogen stark. Es ist also ganz klar, dass sich Opiate anders auf deine Beziehung auswirken als Partydrogen. Wir haben mit Menschen gesprochen, die Intimität mit anderen Drogen vermischt haben—von LSD über Koks bis zu Fentanyl—, um herauszufinden, wie verschiedene Substanzen ihre Beziehungen verbessert, zerstört oder anderweitig verkompliziert haben.

Foto: Bit Boy | Flickr | CC BY 2.0

Kevin, 25
Länge der Beziehung: 2 Jahre
Drogen: MDMA, LSD

So ziemlich alle meine Freundinnen in der jüngeren Vergangenheit waren ziemlich positiv gegenüber Drogen eingestellt. Das ist definitiv eine Voraussetzung: Wenn eine Person in der Beziehung das macht, dann muss die andere Person damit klarkommen. Es ist natürlich noch schöner, wenn es beide zusammen machen.

[Meine Ex und ich] haben relativ regelmäßig zusammen MDMA genommen. Ich stehe total auf Techno und elektronische Musik, sie aber nicht ... Ich hatte das Gefühl, dass es ihr Spaß macht, MDMA zu nehmen, aber sie saß dabei lieber zu Hause rum und hat einen Film geguckt oder wollte einfach abhängen. Für mich war das eher so ein Partyding. Ihr MDMA-Konsum nahm zu, weil sie eine Verbindung zu mir haben wollte, wenn ich auf Partys gegangen bin—und ich glaube, dass ihr das letzten Endes geschadet hat. MDMA war so etwas wie eine oberflächliche Lösung für sie, um unseren unterschiedlichen Musikgeschmack zu überbrücken ... Man sollte niemals Drogen nehmen, um bei seinem Partner mitzuhalten, oder weil er das tut. Das kann wirklich böse enden. Sie hatte schon eine sehr suchtaffine Persönlichkeit und irgendwann hat sie sich, ohne mir davon etwas zu sagen, Drogen aus meinem persönlichen Vorrat genommen und am Ende dann auch noch deswegen gelogen. Man muss da wirklich aufpassen und sichergehen, dass man auf der gleichen Wellenlänge ist ... Psychedelika sind da noch mal eine ganz andere Geschichte.

Es war das erste Mal, dass wir zusammen LSD genommen haben. Ich hatte es davor schon ausprobiert, sie noch nie. Auf eine negative Art weiß ich nicht, ob ich sie danach noch genau so wahrgenommen habe wie davor. Die Erfahrung hat mir auf jeden Fall die Augen geöffnet. Es gab während des Trips eine Stunde, in der wir nur dagelegen, uns gegenseitig angeschaut und kein Wort gesagt haben. Man denkt dabei eine Menge über sich selbst nach, über seinen Partner ... Ich wusste, dass es in der Beziehung Probleme gab, die ich ignorierte. Als wir LSD genommen haben, hatte ich dadurch diese Erkenntnis, dass diese großen, krassen Probleme in unserer Beziehung, von denen ich ja schon wusste, viel größer sind, als ich jemals zu glauben gewagt hatte. Fünf Monate später haben wir unsere zwei Jahre andauernde Beziehung dann beendet.

Foto: Jake Kivanc

David, 35
Länge der Beziehung: 3 Jahre
Drogen: Kokain

Ich hatte andere Beziehungen, in denen alles in die Brüche gegangen ist, weil wir zusammen Unmengen Kokain genommen haben. In dieser war es aber so, dass ich Drogen hinter dem Rücken meiner Freundin genommen habe. Am Anfang hatte sie noch keine Problem mit meinem Konsum, aber dann habe ich es eines Tages versaut und sie deswegen angelogen. Ich meinte zu ihr, dass ich Drogen nehmen muss, worauf sie dann sagte: "Nun, dann musst du damit aufhören, weil du mich deswegen schon anlügst." Dann habe ich einfach hinter ihrem Rücken weitergemacht.

Munchies: In deinem Lachsfilet könnte Koks sein

Als jemand ohne Drogenerfahrung hat sie das Bedürfnis danach nicht verstanden. Ich habe mir damals absichtlich so jemanden gesucht, damit ich aufhöre. Die Droge war fast wie so ein Dexter-Effekt: Du machst etwas, das dir einen Kick gibt, und das dann heimlich hinter dem Rücken von jemandem ... Es gab mir einen gewissen Kick, dass ich mit ihrem Auto losfuhr, Drogen besorgte, zurückkam und sie dann in ihrer unmittelbaren Nähe konsumierte ... Dann gab es da den anderen Teil in mir, der unbedingt erwischt werden wollte, damit ich endlich damit aufhören konnte.

Es ist schwer, jemandem ohne Drogenerfahrung zu erklären, dass man so einen Scheiß machen kann und das viel mehr so ein Ritualding ist. Ohne Drogenerfahrung versteht man das nicht ... Wir hatten Streitereien um absolute Nichtigkeiten, aber das war nur der ätzende Tag-danach-Bullshit ... Ich fand es sogar richtig gut, dass sie kein [Koks] genommen hat, und ich wollte auch nie, dass sie welches probiert. Nicht, dass es ihr vielleicht gefällt und sie so endet wie ich.

Das hier abgebildete Fentanyl wird oft in Pillenform gepresst, damit es wie OxyContin aussieht | Foto: Twitter

Leah, 21
Länge der Beziehung: 4 Jahre
Drogen: Fentanyl, OxyContin, Crack, Kokain

Mein Freund und ich sind seit vier Jahren in einer Beziehung und leben jetzt seit etwas mehr als zwei Monaten zusammen. Wir haben früher zusammen Drogen genommen—am Anfang vor allem Upper (Koks und Crack). Wir haben bei meinem Freund im Keller Koks gezogen, sind dann rausgegangen, einfach high durch die Nachbarschaft gestreunt, zum Haus eines Kumpels rüber, haben dort ein paar Steine geraucht und sind die ganze Nacht wachgeblieben. Wir haben dann einfach Musik gehört und gequatscht.

Dann war er auf der Suche nach dem nächsten High und ich hatte genug davon. OxyContin [ein sehr stark wirkendes Opioid] tauchte auf ... Da waren wir erst ein paar Monate in unserer Beziehung und ich sagte ihm, dass er mir Angst machen würde und damit aufhören müsste. Das hat er dann auch, aber gelegentlich tauchte es wieder auf. Ich nehme nicht mehr wirklich viele Drogen—vielleicht zwischendurch etwas Koks, so zwei Mal im Jahr. Als [mein Freund] vor einem Jahr für vier oder fünf Monate in den Knast musste, habe ich aufgehört. Kurz bevor er ins Gefängnis musste, waren wir nicht zusammen. Er hatte sich verdrückt, weil er Fentanyl nehmen wollte. Ich bin jedes Wochenende ausgegangen, habe hart gefeiert und haufenweise Koks genommen.

Ich habe ihn im Knast gesehen—in diesem Pulli, hinter dem Glas mit diesem altmodischen Telefonhörer. Ich habe ihn mit einer Überdosis gesehen. Es ist schon krass, denn wenn ich ihn mir jetzt angucke, denke ich mir nur: "Du bist nicht die gleiche Person, in die ich mich verliebt habe." Er wollte mich letztens zum Essen einladen und ich meinte nur: "Nein, ich werde nicht dabei zuschauen, wie du in der Öffentlichkeit auf einem Tisch einpennst." Wir haben keinen Spaß mehr zusammen. Jeder Tag ist frustrierend. Ich wache auf und höre seinen Oxy-Grinder. Es ist das Erste, was ich jeden Morgen höre—ihn, wie er seine Pillen zermahlt.

Foto: Alaska Carter | Flickr | CC BY 2.0

Josh, 28
Länge der Beziehung: 1 Jahr
Drogen: LSD, MDMA, Ketamin

Ich hatte ein Date mit einer jungen Frau und sie schien mir eher eine von der ruhigen, nerdigen Art zu sein. Es stellte sich dann heraus, dass sie mehr Hedonistin als Nerd war. Wir standen also beide total auf Drogen. Ich dann so: "Hey, ich habe etwas Acid." Das war unser erstes Date. Wir hatten uns beide erst ein paar Stunden miteinander unterhalten. Sie war sofort dabei und so haben wir das LSD genommen, ich habe ein vertripptes Techno-Set aufgelegt und dann hatten wir die abgefahrenste sexuelle Erfahrung überhaupt. Es war wie nichts, das wir zuvor erlebt hatten. Wir waren voll dabei, während wir auf dem Höhepunkt unseres Rausches waren. Das einzige Verhältnis zur Zeit war das Drei-Stunden-Set, das ich angemacht hatte. Es war, als hätten wir das Verständnis für alle Grenzen zwischen uns verloren, und wir waren wie eins. Wir hörten erst auf, als die Musik aufhörte. Danach hatten wir zehn Stunden oder so, in denen unsere Köpfe voll auf LSD waren, und wir haben einfach geredet und alles übereinander erfahren. Als wir dann runterkamen, fühlte sich das an, als würden wir uns schon Jahre kennen. Wir hatten danach etwa ein Jahr lang eine ziemlich gute Beziehung.

Motherboard: Erstmals visualisiert: So sieht das menschliche Gehirn auf LSD aus

Nach diesem ersten Date war es, als hätten wir schon einen Riesenteil dieser Kennenlernphase hinter uns gebracht. Es war so, als hätten wir mehrere Monate Beziehung in dieses eine Date gequetscht. Wir haben dann noch viele andere Drogen zusammen genommen: vor allem LSD, etwas Ketamin und MDMA ... Liebe ist an sich ja schon eine Droge und wenn man Drogen miteinander kombiniert, verstärken die gegenseitig ihre Effekte. Die stärksten und intensivsten Trips hatte ich mit jemandem, den ich geliebt habe.

Ich würde sagen, dass alles vom Setting abhängt. Wenn Drogen in deinem Leben einen zu großen Platz einnehmen oder ihr diese Verbindung nicht habt, dann wird es wahrscheinlich nicht die beste Erfahrung werden. In meinem Fall, wenn man gerade erst jemanden kennenlernt ... Dafür kann das sehr praktisch sein. Drogen können derartig tiefgreifende Erfahrungen auslösen, dass ich nicht glaube, dass man diese Erfahrungen irgendwie nachahmen kann. Ich würde mich also nicht wundern, wenn ich den Rest meines Lebens gelegentlich Psychedelika und MDMA nehme—vor allem, um Beziehungen zu festigen.

Foto: Cristian C | Flickr | CC BY-SA 2.0

Rory, 37
Länge der Beziehung: 5 Jahre
Drogen: OxyContin, Morphium, Fentanyl, Heroin

Meine Frau wusste lange Zeit gar nichts von meiner Sucht, weil ich von meinem Arzt so viele Rezepte [für Opiate] ausgestellt bekommen habe. Es war wirklich einfach, das geheim zu halten. Ich hatte einen guten Job und war erfolgreich. Nachdem wir geheiratet hatten, begann der Arzt, mir immer weniger zu verschreiben. Es hatte einfach schwere, finanzielle Auswirkungen. Das hat es immer noch (ich bin clean seit Februar) und wir versuchen, da irgendwie rauszukommen. Meine Frau hat immer pünktlich ihre Rechnungen bezahlt, aber es wurde irgendwann total chaotisch ... Unser Haus wurde gepfändet.

Ich habe meine Frau nie bestohlen. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann tue ich auch alles, um diese Sache zu bekommen—und genau das wusste sie auch. Deswegen half sie mir auch immer dabei, das nötige Geld zusammenzubekommen. Ich brachte sie jedoch auch in eine Lage, in der sie quasi keine andere Wahl mehr hatte. Sie liebt mich jedoch sehr. Ihr war damals auch klar, was ich durchmachte, und sie wollte etwas dagegen tun. Ich verdiente 250.000 Dollar im Jahr und sie 100.000—uns ging es also richtig gut. Aber dennoch verprasste ich täglich 400 oder 500 Dollar und verkaufte Geschenke meiner Frau im Pfandleihhaus—egal ob nun Pfeil und Bogen oder Schmuck. Sie verpfändete ebenfalls einen Großteil ihrer Sachen. Damals war ich auf Fentanyl und erst danach wurde es richtig schlimm.

Am 24. Dezember holte ich in der Apotheke meine letzte Dosis Morphium ab. Als mir mein Arzt das Zeug nicht mehr verschrieb, geriet ich richtig ins Schwimmen. Also meinte ich zu meiner Frau: "Hey, lass uns über die Weihnachtsfeiertage doch nach Vancouver fahren!" Schon am ersten Abend bat ich sie dann darum, mich nach Downtown Eastside zu fahren. Sie fragte mich: "Und was machen wir dann dort? Die Gegend ist doch richtig schlimm." Also ließ ich sie an einem sicheren Ort parken und zog anschließend los, um mir Drogen zu besorgen. Sie wollte wissen, was ich da kaufen würde. Weil ich nicht zugeben wollte, dass ich Heroin holte, meinte ich zu ihr, dass ich da Pillen besorgen würde. Wir verbrachten gut acht Tage in Kanada und der Trip war einfach nur schrecklich. Wir haben uns die ganze Zeit nur gestritten und quasi nichts zusammen unternommen, weil es mir eigentlich ausschließlich darum ging, Drogen zu kaufen.

Es wurde dann richtig hart, als sich unser Badezimmer in eine Art Drogenbesteck-Müllhalde verwandelte. Meine Frau fand schließlich ein paar Spritzen und wollte natürlich wissen, wofür ich die denn bräuchte. So etwas hatte sie in ihrem Leben noch nie gesehen. Ich meine, Paracetamol ist wohl das Stärkste, das sie jemals genommen hat.

Da ich jetzt clean bin, ist alles wieder viel besser geworden. Natürlich hat meine Frau immer noch Probleme, mir zu vertrauen, weil ich ihr Vertrauen damals so heftig missbraucht habe, dass sie sich nicht sicher ist, wozu ich noch fähig bin. Ich bin nie fremdgegangen, aber da ich sie in Bezug auf die Drogen so heftig angelogen habe, fragt sie sich natürlich auch, ob ich sie noch anderweitig hintergangen habe. Wenn ich im Bad mal ein paar Minuten länger brauche, will sie danach immer gleich wissen, was ich da drin gemacht habe.

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich das Ganze ohne meine Frau nicht überlebt hätte. Und wenn sie mich irgendwann aufgegeben hätte, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, ihr dafür die Schuld zu geben. Ich meine, sie hat dank mir ja eine richtig schlimme Zeit durchgemacht. Ohne sie hätte ich es auf jeden Fall nicht geschafft.