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Hangover-News, 22. August 2016

Ein LKW-Fahrer kegelt mitten auf der Autobahn Bierflaschen um, in der Türkei tötet ein Kind bei einem Selbstmordanschlag 51 Menschen und Sobotka will Flüchtlingen, die straffällig werden, das Recht auf Asyl entziehen.

von VICE Staff
22 August 2016, 6:15am

Ein Selbstmordattentat eines Kindes erschüttert die Türkei, ein LKW-Fahrer kegelt mitten auf der Autobahn, Facebook versucht mal wieder, die Jugendlichen durch eine neue App zurückzuholen, und die deutsche Bundesregierung rät zu Hamsterkäufen. Willkommen bei den Hangover-News.

Deutsche Ärzte meiden die Schweiz – auch wegen der Masseneinwanderungsinitiative

Lizenz: Public Domain

Die Anzahl ausländischer Ärzte in der Schweiz nimmt immer mehr ab. Besonders Mediziner aus Deutschland seien schwieriger zu rekrutieren als vor fünf Jahren, stellt die Kadervermittlung B-plus laut Schweiz am Sonntagfest. Das sei nicht nur beim Nachwuchs der Fall, sondern auch Chefarztpositionen seien weniger attraktiv. Somit spitzt sich der Ärztemangel in der Schweiz zusätzlich zu. Gemäss Monika Kugemann, Sprecherin des Inselspital Bern, habe sich die Situation über die vergangenen Jahre kontinuierlich verschlechtert. So hat es dort derzeit 52 vakante Stellen, die dringend besetzt werden müssen.

Grund dafür seien einerseits verbesserte Arbeitsbedingungen in Deutschland und andererseits habe sich herumgesprochen, dass Deutsche in der Schweiz nicht willkommen seien, beteuert Julia Balensiefen von B-plus. Besonders die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative habe viele enttäuscht und einige sogar zur Rückkehr veranlasst. Vor allem Ärzte mit Familien seien zurückhaltend, weil sie ihren Kindern Anfeindungen ersparen wollen.

Sprecher des Unispital Basel, Martin Jordan, sagt gegenüber Schweiz am Sonntag: "Wir sind zwingend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen." Knapp 40 Prozent der praktizierenden Ärzte dort seien Deutsche. Sie hätten den Schweizer Spitälern besonders aus dem Engpass geholfen, denn es gäbe aufgrund des Numerus clausus zu wenig Studienplätze an den Schweizer Universitäten. Dieses Jahr hätten sich zwar über 5.000 Interessenten für ein Medizinstudium gemeldet, doch nur 1.683 dürfen schlussendlich tatsächlich die Bank an einer Universität drücken. Als Folge davon hat heute jeder dritte praktizierende Arzt ein ausländisches Diplom, während es vor fünf Jahren noch jeder vierte war.

Wolfgang Sobotka findet, dass "Kriminelle Asyl verlieren sollen"

In der Sonntagsausgabe der Tageszeitung Österreich hat sich Innenminister Sobotka dafür ausgesprochen, Flüchtlingen, die straffällig werden, sofort das Asylrecht zu entziehen. Er führt weiter aus: "Für mich wäre das eine denkbare Maßnahme, die es zu überlegen gilt." Welche Delikte eine solche Entziehung des Asylrechts nach sich ziehen sollen, muss laut Sobotka "verhältnismäßig" sein: "Wenn jemand Asyl begehrt und er hat eine rechtskräftige Verurteilung, dann ist es für mich klar, dass wir das Asylverfahren zu beenden haben."

51 Tote bei Selbstmordanschlag in der Türkei: Der Attentäter war vermutlich ein Kind

Krankenwagen vor der Hochzeitshalle in Gaziantep | Foto: imago | Xinhua

In der südtürkischen Stadt Gaziantep hat es am Wochenende ein Selbstmordattentat gegeben. Bisher starben 51 Menschen und 69 Menschen wurden verletzt—17 davon schwer. Unter den Opfern sind auch viele Kinder. Der Anschlag traf eine kurdische Hochzeit, der Attentäter war nach Angaben des türkischen Präsidenten Erdoğan zwischen 12 und 14 Jahre alt—dies sagte er der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Noch ist nicht klar, ob der Sprengsatz vom Kind selbst oder per Fernzündung aktiviert worden ist. Erdoğan schreibt den Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat zu.

Die Stadt Gaziantep grenzt an Syrien, auf dessen Seite ein großes Gebiet unter der Kontrolle des IS steht. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "grauenhaften Angriff" und der französische Präsident Hollande ließ in einer Nachricht aus dem Élysée-Palast verkünden, dass Frankreich an der Seite derer stehe, die gegen Terrorismus kämpfen.

Facebook versucht mit neuer Video-App, die Jugendlichen zurückzuholen

Screenshots: Apple App-Store

Lifestage heißt die neue App von Facebook, mit der man den Schwund an jungen Leuten auf der eigenen Plattform reduzieren möchte. Diese weichen immer öfter auf andere Apps wie Snapchat oder Instagram aus—das belegte auch jüngst eine Studie, bei der deutsche Jugendliche angaben, eher Snapchat als Facebook zu benutzen.

Funktionieren wird das Ganze allein über Videos, die die User ähnlich wie bei Snapchat mit Filtern, Emojis und Kritzeleien verschönern und Kategorien wie "Like", "Dislike" oder etwa "My best friend" zuordnen können. Eine Chat-Funktion wird Lifestage nicht besitzen. Richtig nutzen kann man das eigene Profil aber erst, wenn mindestens 20 andere Schüler derselben Schule die App benutzen und wenn man selber unter 21 Jahre alt ist.

Entwickelt hat die App der 19-jährige Michael Sayman, der schon seit sechs Jahren Apps programmiert und bereits vor zwei Jahren auf einer Facebook-Konferenz einen Vortrag gehalten hat. Bisher sind viele Versuche von Facebook gefloppt, wenn es darum ging, neue Apps wie Slingshot oder Paper auf den Markt zu bringen. Übrigens: Bisher ist Lifestage nur im amerikanischen iOS-App-Store verfügbar.

Betrunken nach Sri Lanka fliegen ist ok – allerdings nicht, wenn man der Pilot ist

Eine Maschine der Sri Lankan Airlines | Foto: Wikipedia | Aero Icarus | CC BY-SA 2.0

Am Frankfurter Flughafen ist am Freitagabend ein "sichtlich betrunkener" Pilot erschienen, der fest davon überzeugt war, einen Airbus 330 mit 274 Personen nach Sri Lanka fliegen zu können. Keine so gute Idee. Das Personal der Fluggesellschaft Sri Lankan Airlines stoppte den eigenen Piloten und hielt ihn fest. Durch das Festhalten des Piloten verspätete sich der Flug um geschlagene 15 Stunden, da es keinen Ersatz gab. Die Fluglinie hat den Piloten vorerst vom Dienst suspendiert.

Von ganz oben empfohlen: Lebensmittelvorräte

Foto: Wikipedia | ChristianSW | GNU-Lizenz

Sehr wahrscheinlich wird die Bundesregierung die deutsche Bevölkerung noch diese Woche dazu aufforden, "einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln für zehn Tage" anzulegen. Das liegt allerdings nicht an den jüngsten Attentaten, die in Deutschland und Europa stattfanden, sondern an der Aktualisierung eines veralteten Konzepts von ziviler Selbstversorgung, das bisher auf dem Stand aus Zeiten des Kalten Krieges war. Das Zitat stammt aus der Konzeption ziviler Selbstverteidigung, einem Dokument der Bundesregierung, das der FAZ vorliegt und am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet werden soll. Vier ganze Jahre soll die Regierung an dem Konzept gearbeitet haben, das dem deutschen Staatsbürger unter anderem rät, "für einen Zeitraum von fünf Tagen je zwei Liter Wasser pro Person und Tag in nicht gesundheitsschädlicher Qualität vorzuhalten".

Dass die Aufforderung vom Horten von Lebensmittelvorräten und die Einführung von Trinkwasserspeichern auf eine unsichere Zukunft weisen, ist allerdings falsch. Denn in dem Konzept heißt es, "dass ein Angriff auf das Territorium Deutschlands, der eine konventionelle Landesverteidigung erfordert, unwahrscheinlich" sei. Dennoch verlange es die Sicherheitsvorsorge, "sich trotzdem auf eine solche, für die Zukunft nicht grundsätzlich auszuschließende existenzbedrohende Entwicklung angemessen vorzubereiten". Falls der Staat bei einer Umweltkatastrophe oder einem terroristischen Anschlag zu spät handlungsfähig ist, soll sich der Zivilist also erstmal selber aushelfen können.

Ein verwirrter LKW-Fahrer kegelt mitten auf der Autobahn – mit Bierflaschen und seinen Schuhen

Foto: Polizeipräsidium Bielefeld

Kurz vor einem Autobahnkreuz bei Bielefeld stand am Freitagabend ein quer stehender LKW. Als die herbeigerufenen Beamten der Polizei Bielefeld den LKW erreichten, bemerkten sie ein Dreieck aus Bierflaschen hinter dem Fahrzeug. Ein sichtlich verwirrter Trucker erklärte, dass er einfach Lust auf eine Runde Kegeln gehabt hätte. Und mit seinem Schuh auf die Flaschen geworfen hat. Die Polizei vermutete eine psychische Störung und nahm den Mann fest, der mittlerweile zwangseingewiesen wurde.