Anzeige
Sex

Was du tun kannst, wenn deine Nachbarn ständig lauten Sex haben

Deine Nachbarin stöhnt und du fühlst dich einsam und ungeliebt? Wir haben die Lösung.

von Fabian Herriger
07 November 2016, 5:00am

Foto: imago | AD

Eine Mischung aus Gestöhne, Geknarze und Gejaule dringt durch die dünne Pappwand deines kargen Studenten-Zimmers. Du flüsterst dir beruhigend zu: Liebe vor Leuten hat nichts zu bedeuten.

Aber spätestens beim fünften angesteuerten Schrei-Orgasmus auf der anderen Seite der Wand, fühlst du dich plötzlich verdammt einsam und ungeliebt—in deinem schneeweißen Bettchen, das dich jetzt schon seit Monaten unbefleckt empfängt.

Fiese Zweifel schleichen sich in dein Herz—ob du wohl jemals wieder Sex haben wirst? Natürlich traust du dich nicht, die frischverliebte Vögelei deiner Nachbarn zu stören, indem du dich beschwerst. Was sollst du auch tun? Die Hausverwaltung anrufen? Die Polizei alarmieren? Sich wie der letzte Spießer aufführen?

"Macht es dreckig, aber Mit Gesenkter Lautstärke."

Eine amerikanische Studentin hat sich jetzt getraut und ihre Nachbarin aus Zimmer 338 des Studentenwohnheims gebeten, weniger lauten Sex zu haben. Um ihrem Leiden ein Ende zu bereiten, schrieb Jenna Levine, die an der Syracuse-University im US-Bundesstaat New York studiert, eine Postkarte und schob sie durch den Türschlitz ihrer Nachbarin.

Darin bittet sie die Nachbarin, "bitte ein wenig leiser Sex zu haben, weil manche von uns versuchen zu schlafen und ich will nicht daran erinnert werden, wie allein ich bin". Sie endet mit dem netten Wunsch: "Macht es dreckig, aber mit gesenkter Lautstärke".

Ihre liebe Postkarte bekam dann auch eine ebenbürtige Entschuldigung ihrer Nachbarin—eine Postkarte mit Bananen-Motiv und eine Tafel Schokolade. Ihre Nachbarin bekannte sich zum lauten Sex, der natürlich "kinda hot" wäre. Sie hoffe, es wäre nicht zu oft passiert und würde "versuchen, weiter versaut, aber viel leiser zu sein."

Und dann kommt das wohl Herzerwärmendste an dieser Geschichte: "Und hey, mach dir keine Sorgen. Du wirst nicht für immer alleine sein. Die richtige Person wird erscheinen, wenn die Zeit kommt. Ich war 18 Jahre lang Single." (Wie alt sie ist und warum sie—falls sie über 40 ist—immer noch im Wohnheim wohnt, wissen wir leider nicht.)

Stelle ich mir eine perfekte Liebesbeziehung vor, wenn ich meine Nachbarn höre?

Der animalisch-leidenschaftliche Geschlechtsverkehr fremder Menschen kann eine ganze Palette von schlechten Gefühlen hervorrufen—Einsamkeit, Selbstzweifel, Wut, Frustration. Nach sechs Jahren Beziehung liegst du mit deinem Partner abends auf dem Sofa, guckst Stranger Things und im Nebenzimmer bei deinem frischverliebten Mitbewohner läuft "Netflix und Chill"—und will nicht wieder aufhören.

Du kannst gar nicht anders, als dich im Angesicht deines Jogginghosen-tragenden Partners schlecht zu fühlen. Wo ist all die Leidenschaft hin? Wann habt ihr das letzte Mal so Gas gegeben?

Die Berliner Psychotherapeutin Natalie Molski vom Zentrum für Psychotherapie und CoachingJunge und Kollegen erklärt, warum uns der laute Sex der Nachbarn emotional so verunsichert. "Das Zuhause ist für die meisten ein sicherer Rückzugsort", sagt Molski. Wenn die Nachbarn beim Sex laut werden, störe das unsere Komfortzone. "Die Geräusche zwingen einen, sich mit seinen vielleicht oftmals im Alltag verdrängten Bedürfnissen auseinanderzusetzen", so die Psychotherapeutin.

Natalie Molski rät in diesen verzweifelten Momenten, selbst mal den Psychologen zu spielen und sich zu fragen: Was genau spüre ich? Ist es Einsamkeit oder doch eher Wut, Neid, Ekel, Trauer? Welcher Gedanke hat das Gefühl ausgelöst? Wenn du dir darüber im Klaren bist, kannst du weiter in dich hineinhorchen: Stelle ich mir vor, dass meine Nachbarn eine perfekte Liebesbeziehung haben? Wie realistisch ist das wirklich? Und zu guter Letzt: Wie kann ich meine eigenen Bedürfnisse besser befriedigen, damit mich das Gestöhne kalt lässt?

Die Selbstdiagnose ist natürlich mit Vorsicht zu genießen. Die Psychotherapeutin rät dann doch vor allem, sich nicht verrückt machen zu lassen: "Nicht immer bedeutet lautes Stöhnen, dass der Nachbar ein besseres Leben führt."

Im Stöhnfall lieber twittern

Für die meisten Nachbarn von Vögelnden scheint aber vor allem Twitter der Psychotherapeuten-Ersatz zu sein. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid, oder nicht? Hier sind die drei Arten von Tweets, die lärmbelästigte Menschen Tag für Tag ins Internet jagen.

1. Die Wütenden

2. Die Ratlosen

3. Die Einsamen

Beim nächsten Mal, wenn ihr verzweifelt nach den Oropax wühlt, die schon lange verschollen sind, oder sogar schon 110 in euer Handy getippt habt, erinnert euch an Jenna Levine, fasst euch an euer einsames, kaltes Herz und verfasst ein Kärtchen. Das stärkt die Nachbarschaftsbeziehungen und am Ende gibt's vielleicht noch eine Tafel Schokolade.

Tagged:
Sex
Twitter
Beziehung
nachbarn
einsam
Vice Blog