Heulsuse der Woche

Heulsuse der Woche: Nacktwanderer vs. Käsehasser

Ein FKK-Freund heult sich bei einer Ministerin aus und zwei Burger-Enthusiasten wollen 5 Millionen Dollar von McDonald’s.

von VICE Staff
01 Juni 2018, 1:22pm

Symbolfotos || Nacktwanderer: Wikimedia | FunkDoobie | CC || Burger: imago | ZUMA Press

Es ist mal wieder an der Zeit, sich über ein paar Menschen zu wundern, deren zarte Gemüter an der Komplexität der Welt zerschellen.

Heulsuse #1: Sachsen-Anhalter Nacktwanderer

Der Vorfall: Ein Nacktwanderer aus Halle konnte nicht nacktwandern, weil sein bevorzugter Nacktwanderweg von umgestürzten Bäumen blockiert wurde.

Die angemessene Reaktion: Machen wir an dieser Stelle einen kleinen Ausflug in die Waldorfpädagogik, genauer gesagt in die Temperamentenlehre. Wenn wir hier keine guten Problemlösungsstrategien finden, wo dann? In dieser halbwissenschaftlichen Theorie gibt es vier verschiedene Temperamente, die Waldorflehrer gerne anhand eines Gleichnisses erklären, in dem ein Stein (hier ein umgefallener Baum) den Weg versperrt: Der Sanguiniker, ein heiterer, lebhafter und leichtsinniger Mensch, würde in seiner quirligen Art über den Baum klettern oder vielleicht sogar einen extrovertierten Hüpfer wagen. Der Phlegmatiker meidet den Konflikt mit dem Baum. Er macht einen grossen Bogen um ihn und wandert dann weiter. Der Melancholiker würde angesichts des Hindernisses grundsätzlich überlegen, ob das überhaupt alles Sinn macht mit dem Nacktwandern, hier auf diesem Weg. Vielleicht wäre das woanders nicht passiert. Und der Choleriker? Der würde den Baum einfach wegräumen, weghacken, zermetzeln – jedoch nicht, ohne davor so richtig auszurasten. Und hier kommen wir wieder zum Hallenser Nacktwanderer, denn ausrasten konnte der zumindest.

Die tatsächliche Reaktion: Der Nacktwanderer schrieb einen Brandbrief an Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert. Darin beschrieb er das ganze Ausmass der umgestürzten Bäumen und sendete Fotos, die den Terror des Waldes greifbar machen sollten. Das Umweltministerium leitete die Beschwerde an den zuständigen Forstbetriebsleiter Holger Koth weiter. Dass sich dessen Arbeiter noch nicht um das FKK-Hobby einiger Wanderer kümmern konnten, könnte daran liegen, dass sie mit Wichtigerem beschäftigt waren. Das Orkantief "Friederike" hatte Mitte Januar schwere Schäden in den umliegenden Waldgebieten verursacht. Koths Arbeiter sind seitdem laut Mitteldeutsche Zeitung damit beschäftigt, zu verhindern, dass sich Borkenkäfer in herumliegenden Bäumen ausbreiten. Erst danach können sie sich um die Belange anderer Waldbesucher kümmern.


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Heulsuse #2: Käsehasser in den USA

Der Vorfall: Zwei McDonald’s-Kunden haben in den USA jahrelang den Burgerklassiker "Quarter Pounder with Cheese" ohne Käse bestellt, jedoch den vollen Preis bezahlt.

Die angemessene Reaktion: Akzeptieren, dass man bis auf den letzten Cent durchkalkulierte Industrienahrung kauft, deren Endpreis sich aus etwas zusammensetzt, das zumindest äusserlich den Anschein macht, als wäre es: Brot, Käse, Fleisch, Ketchup, Senf, Essiggurken, Zwiebeln. Wer einen customizten Designerburger möchte, sollte zu einer nachhaltigen Feng-Schui-Molekularbulettenbraterei im nächstgelegenen Street-Food-Viertel schlurfen.

Die tatsächliche Reaktion: Die beiden Burgerliebhaber Cynthia Kissner und Leonard Werner verklagen McDonald’s auf 5 Millionen US-Dollar. Sie hatten ausgerechnet, dass sie über die Jahre viel zu viel Geld für die Burger bezahlt haben, weil sie stets auf die beiden Käsescheiben verzichteten, sich am Preis aber nichts änderte. Werner hat der Sun Sentinel erzählt, er habe auf den Käse verzichtet, weil er nicht mehr so viel Milchprodukte zu sich nehmen wolle. Die McDonald’s-Diät ohne Käse – eine wirklich revolutionäre Art, sich gesünder zu ernähren. In einem 32-seitigen Schreiben erklärte der Anwalt der beiden, seine Mandanten hätten "durch ihren Kauf Verletzungen erlitten, weil man ihnen zu viel berechnete und sie gezwungen waren, für den Käse zu bezahlen". Wow.

Und jetzt dürft ihr abstimmen: Wer soll die Heulsuse der Woche sein?*

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.