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Film

Adam Curtis hat für VICE einen Kurzfilm über dein Leben gedreht

Der berühmte BBC-Dokumentarfilmer hat mit 'Living in an Unreal World: A Film By Adam Curtis for Readers of VICE' ein Werk geschaffen, das das derzeitige Machtsystem hinterfragt und zeigt, wie ahnungslos wir eigentlich sind.

von Adam Curtis
17 Oktober 2016, 11:00am

Screenshot: 'Living in an Unreal World: A Film By Adam Curtis for Readers of VICE'

Adam Curtis ist einer der besten Filmemacher der Welt. Jedes seiner Werke besitzt eine unglaubliche Relevanz und Wichtigkeit. Nun hat er für uns einen Kurzfilm gedreht, um sein neues BBC-Projekt zu promoten. Mehr zu Adam Curtis' Werken findest du hier, hier und hier.

Heutzutage redet niemand über Macht. Nein, stattdessen sollen wir uns als freie und unabhängige Individuen sehen, die von niemandem kontrolliert werden. Und Politiker tun wir als korrupt und ideenlos ab.

Macht durchzieht jedoch unseren Alltag. Sie hat sich bloß zu einem massiven Management- und Kontrollsystem entwickelt, dessen Tentakel in alle Bereiche des Lebens hineinragen. Und da wir eine veraltete Vorstellung von Macht besitzen—nämlich Politiker, die uns etwas vorschreiben—, ist uns das nicht bewusst.

Das Ziel meines Films HyperNormalisation ist es, diese neue Art der Macht in den Fokus zu rücken und deren wahren Ausmaße aufzuzeigen. Das reicht von einem riesigen Computer im Nordosten der USA, der mehr als sieben Prozent des weltweiten Vermögens verwaltet, über die komplexen Algorithmen, die jeden deiner Schritte im Internet überwachen, bis hin zu den modernen wissenschaftlichen Vorstellungen davon, wie der normale Mensch sowohl äußerlich als auch innerlich zu sein hat.

Was all diese Aspekte verbindet, ist die Absicht, die Welt im Gleichgewicht zu halten und jegliche Veränderung zu vermeiden. Der riesige Computer vergleicht ständig aktuelle Ereignisse mit der Vergangenheit. Wenn das System dabei ein gefährliches Muster erkennt, dann verschiebt es sofort seine Billionen an Dollar, um die Stabilität nicht zu gefährden. Das ist wahre Macht. Die Algorithmen der sozialen Medien kontrollieren ohne Unterlass, was dir gefällt, und füttern dich dann mit Informationen der gleichen Art. Du hörst also quasi immer nur dein eigenes Echo. Nichts ändert sich und du lernst nichts Neues dazu, das deine Denkweise und Gefühle verändern könnte. Auch das ist wahre Macht.

Das Resultat ist ein System, das uns einlullt und uns ein Gefühl der Sicherheit gibt. Das bedeutet, dass wir uns inzwischen vor Veränderung fürchten. Genau diese Angst spielt dem System in die Hände, das Stabilität wahren soll, und hält uns davon ab, die jetzigen Zustände anzuzweifeln.

Es ist allerdings unmöglich, die Dinge für immer so "einzufrieren". Die Welt ist dynamisch. Es passieren Dinge, die man nicht einfach so vorhersehen kann, indem man die Vergangenheit analysiert. Deshalb kommen auch immer mehr Ereignisse für uns so überraschend—egal ob nun der Krieg in Syrien, der Brexit, Donald Trump oder die Flüchtlingskrise. Weder wir noch die politischen Führungskräfte besitzen die mentalen Fähigkeiten, um solche Dinge wirklich verstehen oder gar lösen zu können. Das liegt daran, dass wir immer noch davon ausgehen, die Welt könne in einem sicheren Gleichgewicht gehalten werden.

In dem Kurzfilm, den ich für VICE produziert habe, geht es darum, mal einen Schritt zurück zu machen und sich den eigenen Alltag anzuschauen. Dann ist es nämlich möglich, Risse in der glänzenden Oberfläche unseres Kokons zu erkennen. Dann fühlen sich viele Aspekte der modernen Welt plötzlich komisch, unecht und manchmal auch falsch an. Meiner Meinung nach sind das die dynamischen Kräfte von außen, die sich langsam nach innen arbeiten, während das System versagt.

Und das System wird versagen, denn eine Machtordnung ohne Zukunftsvision kann nicht beständig sein. Sie kann mit Veränderungen nicht umgehen. Wir müssen damit anfangen, über den Tellerrand zu blicken, denn da draußen gibt es so viel mehr ...