hoffnung

Eine Mexikanerin hilft Migranten weiter, die auf Güterzügen in die USA einreisen

Wir haben in Guadalajara eine Frau begleitet, die entlang der Schienen lebt und jeden Tag die Menschen unterstützt, die ein besseres Leben suchen.

von Chris Donovan
28 März 2017, 7:14am

Alle Fotos: Chris Donovan

Egal ob "La Bestia" oder "El Tren de la Muerte", die verschiedenen Güterzüge, die von Mittelamerika durch Mexiko bis in die USA rollen, haben mehrere Spitznamen. Und sie sind für viele Migranten aus Guatemala, Honduras oder dem Süden Mexikos oft die letzte Hoffnung, sich bis nach Nordamerika durchzuschlagen. Während dieser beschwerlichen Reise passieren sie auch Guadalajara, die zweitgrößte mexikanische Stadt entlang der Gleise.

Wenn der Zug in der Nähe der Wohngegenden von Guadalajara langsamer wird, springen die blinden Passagiere ab, um sich ihr Essen für den nächsten Teil der Reise zusammenzusuchen. Dabei tauschen sie oft alles ein, was sie in ihren Taschen finden.

Später springen die Migranten wieder auf einen Güterzug auf und das Ziel der USA rückt erneut ein Stückchen näher. Vorher hatten sie aber sehr wahrscheinlich mit Laura Avila zu tun. Die 64-Jährige aus Guadalajara hat sich entlang der Gleise ihr Zuhause eingerichtet und hilft den Migranten, wo sie nur kann.

"Ich bin hier auf der Erde", sagt Avila, "um den Menschen zu helfen." Deshalb holt sie nicht mehr gebrauchte Lebensmittel und andere Dinge von einem naheliegenden Markt ab und verteilt sie an die Migranten.

Avila ist nicht die einzige, die hilft. Tausend Kilometer östlich von Guadalajara existiert im Bundesstaat Veracruz ein Netzwerk von Frauen – "las Patronas". Diese Frauen stellen sich jeden Tag an die Gleise und werfen den hungrigen Menschen auf den Güterzügen Essen zu.

"Manchmal stoße ich auf einen noch gut aussehenden Schuhkarton. Den gebe ich dann an die Migranten weiter, die hier Schuhe verkaufen, um an Essen zu kommen", erzählt Avila. "Durch den guten Karton wirken sie professioneller und haben beim Verkauf vielleicht mehr Glück."

Obwohl sie nie wirklich zur Schule gegangen ist, spricht Avila gutes Englisch. "Als Teenagerin wollte ich Sprachen studieren, aber mein Vater zwang mich ganz früh dazu, zu heiraten und Kinder zu bekommen", sagt sie.

"Mein Mann arbeitete unter schrecklichen Bedingungen. Um damit klarzukommen, haben er und seine Kollegen immer Gummilösung geschnüffelt. Er ist mit 30 gestorben", erzählt Avila.

Nach dem Tod ihres Mannes musste die Mexikanerin für sich selbst sorgen. Also fing sie an, Schrott zu sammeln und gegen Essen einzutauschen.

Avila hat drei Töchter. Zwei leben in Mexico City, die andere in Guadalajara – nur ein paar hundert Meter von Avilas kleinem Schrottreich entfernt.

"Ich könnte zwar da drüben bei meiner Tochter wohnen, aber ich habe mich an das Leben hier draußen gewöhnt. Ich liebe die Natur. Und ich liebe die Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben hier durchkommen."

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