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Der mutmassliche Tod von Daniel Küblböck lässt den Boulevard durchdrehen

Ein Mensch stirbt allem Anschein nach, und für manche Aasgeier gilt: Alles ist erlaubt.

von VICE Staff
11 September 2018, 10:15am

Die Verwandlung von Daniel Küblböck || Fotos: imago | Markus Götzfried | STAR-MEDIA | Future Image

Daniel Küblböck gehört zu diesen öffentlichen Menschen, bei denen sich viele fragen, ob die privat auch so sind. Auf der einen Seite war da der Privatfernsehen-Küblböck, der das TV mit seinen viele Auftritten zu seiner Arena machte, bis es irgendwann unmöglich wurde, zu sagen, ob das jetzt der echte Küblböck ist oder eine Kunstfigur. Auf der andere Seite war da ein Typ, der mit 18 Jahren Millionär wurde und danach mehr Bodenständigkeit zeigte, als die meisten, die nach ihm kamen und dachten, man könne bei Deutschland sucht den Superstar wirklich Superstar werden.

Am Sonntagmorgen soll Küblböck während der Fahrt vor der kanadischen Insel Neufundland von Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen sein. Seitdem wurde nach ihm gesucht.

Ein Mann mit langen Haaren und ausgefallener Krawatte singt auf einer Showbühne
So hat man Daniel Küblböck noch in Erinnerung: Als DSDS-Teilnehmer mit quiekender Stimme || Foto: imago | teutopress

Pervers mutet es an, dass Küblböcks mutmasslicher Tod von der Bild mit der gleichen Intensität ausgeleuchtet wird, wie seine Auftritte im Trash-TV. Ohne die unbewiesenen Gerüchte und Mutmassungen an dieser Stelle wiederholen zu wollen, wird der wahrscheinliche Selbstmord Küblböcks von der Zeitung, die seinen Aufstieg befeuert hat, wie eine Castingshow vermarktet. Noch während die Suche läuft, verbreitet die Bild jedes Gerücht, für das sie einen vermeintlichen Zeugen an Bord des Schiffes findet, von dem aus Küblböck in nur zehn Grad kaltes Wasser gestürzt sein soll.


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Auch über die Gründe dafür, warum Küblböck über Bord gegangen sein soll, spekuliert die Bild noch am gleichen Tag in einem stetig während Informationsfluss, obwohl es keine wirklichen Informationen gibt, nur Gerüchte, Mutmassungen, ein paar Posts in sozialen Netzwerken. Es ist, als wäre die Zeitung ein Fernseher – und der Aus-Knopf kaputt.

Am Dienstag druckt die Bild Küblböcks Gesicht auf die Seite Eins. Der Titel: "Warum Daniel Küblböck an seinem Leben verzweifelte".

Auf einer kompletten Seite nimmt die Boulevard-Zeitung sein Privatleben auseinander. "Keine Hoffnung" oder "So entgleitete dem Ex-DSDS-Star das Leben". Den Lesern soll das Bild eines schrillen Vogels vermittelt werden, der nichts im Griff hatte, weder seine Beziehungen, noch seine Karriere.

Wie Aasgeier stürzen sich Bild und Co. auf das Drama von Küblböck

Doch die Bild ist nicht alleine dabei, sich am Drama von Küblböck voll zu fressen wie gierige Hyänen nach einer Jagd. Die Boulevardmedien stürzen sich drauf. Promiflash veröffentlichte innerhalb von acht Stunden mehr als 15 Artikel. Jedesmal reichte eine kleine Mutmassung oder Information Grund genug, es medial auszuschlachten.

Zur Entgleisung des Boulevard kommen noch Reaktionen aus sozialen Medien, die zu Beginn von Küblböcks Karriere noch keine Rolle spielten. Da landen Sprüche tausendfach im Netz, die vollständig aus Zynismus und Menschenhass zu bestehen scheinen. "Die armen Fische im Ozean, denen bleibt auch nichts erspart." So etwas.

Ein krasser Fall von Zynismus ist der Auftritt von Dieter Bohlen, der ein Video auf Instagram postete. Er sagte über Küblböck, nachdem der vermutlich in den nur zehn Grad kalten Ozean gestürzt war: "Er war auf der einen Seite ein unfassbar lustiges Kerlchen, was man so im Fernsehen gesehen hat. Aber wenn er bei mir zu Hause war, gab es eben auch das krasse Gegenteil und er konnte unheimlich traurig und depressiv sein." Und dabei trug Bohlen einen Pullover mit der Aufschrift "Be one with the ocean".

Küblböck tanzt mit seiner Partnerin Otlile Mabuse
Bei "Let's dance" zeigte er sich komplett verändert: ohne exzentrische Brille, durchtrainiert, mit Tattoos. Foto: imago | APress

Es gibt mehr als genug Hinweise, dass Küblböck eben nicht nur der bunte Hallodri war. Von den Einnahmen seiner Hitsingle "You Drive Me Crazy" kaufte er sich keinen Porsche, sondern einen VW Beetle. Dem Lifestyle-Magazin OK! sagt er: "Man kann mich mit Luxus nicht ködern. Wenn mir Leute ihr pompöses Haus zeigen wollen, beeindruckt mich das nicht. Es gibt Menschen mit wenig Geld, die mich teilweise mehr faszinieren. Ich spare mein Geld, damit ich es irgendwann für bestimmte Dinge ausgeben kann."

Vom Hauptschüler zum Millionär

Küblböck gründete eine Firma, investierte zu einer günstigen Zeit in erneuerbare Energien und machte damit viel Geld. Auf dem Höhepunkt des Hypes um Erneuerbare und kurz vor dem Crash verkaufte er alles an den Energiekonzern E.on. Er sei ein "totaler Kapitalist" und glaube daran, dass man seine Träume und Ziele verwirklichen könne, sagte er der Bunten.

Er produzierte mit seiner eigenen Firma Jazz- und Chanson-CDs, organisierte Konzerte. Sowieso probierte er immer alles aus, worauf er Lust hatte. Und das war im Verlauf seiner Karriere eine ganze Menge.

Er war im Dschungelcamp , im Big Brother-Container, hatte seinen eigenen "Super-Dan"-Comic, produzierte mit seiner eigenen Firma eine Radioshow und drehte einen Film, der so sagenhaft schlecht war, dass er bei IMDB zeitweise als schlechtester Film aller Zeiten gewertet wurde. Küblböck machte weiter.

Er traute sich zu singen, obwohl er hörte, dass er das nicht könne. Das machte ihn zur perfekten Zielscheibe. In einem seiner ersten Auftritte bei DSDS hat er mit einem emotionalen Ausbruch auf Zuschauer-Häme reagiert: "Ich würde Sie gerne einladen! Kommen Sie nach vorne, tanzen Sie und machen Sie es besser."

2015 zeigte er sich an der Seite einer Profi-Tänzerin bei Let’s Dance komplett verändert. Er hatte plötzlich Tattoos, Muckis und kurze Haare. Nur: Er konnte nicht tanzen. Der Tagesspiegel schrieb damals über ihn: "So ist das im System Küblböck. Wo er auftaucht, gilt er als Paradiesvogel. Im Nachhinein wirkt er eher, noch ein Tiervergleich, wie ein geprügelter Hund."

Küblböck mit Brille, kurzem Bart und Mütze
Vom damaligen Daniel Küblböck (rechts) ist äusserlich nicht mehr viel übrig. Nun Phänotyp: Hipster. Foto: imago | Tinkeres

Vielleicht hatte sich für ihn da ein Kreis geschlossen, vielleicht hatte er jedes Image einmal anprobiert und wieder abgestreift, weil er es über war. Aber das ist ebenso spekulativ wie darüber zu diskutieren, warum Daniel Küblböck vor der kanadischen Küste von einem Kreuzfahrtschiff in nur zehn Grad kaltes Wasser fiel. Das werden am Ende – wenn überhaupt – nur Menschen wissen, die den Mann hinter den vielen Rollen gekannt haben.

Die kanadische Küstenwache hat die Suche nach Daniel Küblböck am Montag eingestellt.

Notrufnummern für Suizidgefährdete bieten Hilfe für Personen, die an Suizid denken – oder sich Sorgen um einen nahestehenden Menschen machen: Die Nummer der Telefonseelsorge in der Schweiz ist: 143. Hier gibt es auch einen Chat und hier findest du eine Liste mit weiteren Websites und Beratungsstellen in deiner Region. Trauernde Angehörige von Menschen, die Suizid begangen haben, finden bei Organisationen wie Agus oder Refugium Hilfe.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.