cuckolding

Wir haben Männer gefragt, warum es sie anmacht, wenn ihre Frauen fremdgehen

"Ich will, dass meine Frau mit Fremden schläft, aber es bricht ihr das Herz."

Mahmood Fazal

Mahmood Fazal

Mein schlimmster Albtraum ist es, meine Partnerin mit einem anderen Mann schlafen zu sehen. Eifersucht ist meine Schwäche und sie ergreift schnell von mir Besitz. Aber es gibt Menschen, sogenannte Cuckolds, die dieser Gedanke anturnt; die wollen, dass sich andere Männer mit ihren Frauen vor ihren Augen vergnügen. Wie so oft ist der Horror der einen die Lust der anderen.

Ein Cuckold ist ein Mann in einer Beziehung, den es anturnt, wenn er weiss oder sieht, dass seine bessere Hälfte Sex mit anderen Menschen hat. Laut dem Psychologen und Autor von Insatiable Wives , Dr. David Dey, fantasieren bis zu 20 Prozent aller US-amerikanischen Männer über "untreue Ehefrauen". Die Neurowissenschaftler Ogi Ogas und Sai Gaddam wiederum haben in ihrem Buch Klick Mich an! Entdeckt, dass "Cuckold Porn" der zweitmeistgesuchte Begriff von Heteros in englischsprachigen Suchmaschinen war.

In mir selbst brodelt allein schon die Wut bei der Vorstellung, wie meine Partnerin von jemand anderem verwöhnt wird. Genau diese Reaktion macht die Typen an. Es ist das Tabu kombiniert mit dem sexuellen Endorphinrausch, das diesen psychischen Masochismus beflügelt. Der Cuck erlebt dabei eine ganze Symphonie an gegensätzlichen Emotionen: Eifersucht, Dankbarkeit, Scham, Erregung, Ungenügsamkeit und Lust. Ich musste einfach mit Menschen reden, die so denken. Spielt Intimität eine Rolle oder geht es schlicht um sexuelle Befriedigung?

Also bin ich zu einem Treffen für Sexsüchtige gegangen, um mit drei Männern zu sprechen, für die ihre Cuckolding-Vorliebe irgendwann zum Problem wurde. Ich fand die drei versammelt um einen Mülleimer vor einem Gemeindezentrum. Einer von ihnen hatte ein Feuerzeug, bei dem bei jedem Anzünden LED-Lichter angingen, der nächste steckte immer wieder den Finger in seine Kaffeetasse und der andere ging sich ständig mit seiner Hand durch die heftig gegelten Haare. Alle drei trugen ihren besten Sonntagszwirn.

Nach einer kurzen Begrüssung gingen wir rein, um uns auf harten Plastikstühlen über ihren Fetisch zu unterhalten.


Auch von VICE: Cash Slaves – Das Geschäft mit der finanziellen Domination


David, 37, Buchhalter

Am Anfang habe ich meine Frau angelogen und ihr gesagt, dass ich sie betrogen hätte. Ich hatte gehofft, dass sie mich dann auch betrügen würde. Ich konnte es ihr einfach nicht sagen. Ich habe es geliebt, sie über Spiegel aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Ich war geradezu besessen davon. Irgendwann habe ich mir einen Ruck gegeben und ihr von meinen Fantasien erzählt. Ich war sehr betrunken und trotzdem hat es mich einen Haufen Überwindung gekostet. Sie erklärte sich bereit, es auszuprobieren, wenn es unsere Beziehung stärken und verbessern würde.

Über eine Annoncen-Seite habe ich ein Treffen mit einem Typen in einer Bar klargemacht. Vorher musste ich noch einen Haufen komischer Vögel und anderer Kerle rausfiltern, an denen meine Frau kein Interesse hatte. Es sollte bei der ganzen Sache genau so um sie gehen wie um mich. Die Wahl fiel auf einen Backpacker aus Südafrika, mit dem wir uns in einer Bar getroffen haben. Noch bevor wir unseren ersten Cocktail leer hatten, sassen wir im Taxi auf dem Weg zu uns.

Ich ging ins Wohnzimmer, um etwas Musik aufzulegen, und als ich zurück ins Schlafzimmer kam, lagen beide nackt aufeinander. Immer wieder hat sie gesagt: "Bist du sicher, dass du das willst? Bist du sicher, dass du das willst?" Das hat mich verrückt gemacht. Ich habe das nicht mehr aus meinem Kopf bekommen. Der Typ hat sie richtig hart gevögelt und ich sass einfach da, liess alles auf mich einwirken. Dein Kopf weiss, dass er das nicht erleben sollte. Er ist nicht dafür ausgelegt. Dann passiert es und dein Sexleben verändert sich. Es ist komplex. Es richtet sich gegen sich selbst.

Ich will, dass meine Frau mit Fremden schläft, aber es bricht ihr das Herz. Sie hatte relativ schnell kein Interesse mehr daran. Also habe ich gesagt: "Weisst du was? Ich weiss, dass du nicht darauf stehst. Ich werde das mit mir ausmachen." Ich bin nämlich fair und sie kommt an erster Stelle. Für mich hat es dann gereicht, dass sie mir erzählt, wie sie mit anderen Typen vögelt – Geschichten, die sie sich ausgedacht hatte. Ich versuche, die ganze Sache aus mir rauszubekommen. Ich will auch nicht mehr versuchen, sie dazu zu überreden, andere Typen zu treffen, wenn ich betrunken bin. Tief in mir drinnen gibt es dieses Verlangen nämlich immer noch.

Vince, 34, Kurier

Als ich im Gefängnis war, habe ich daran gedacht, wie andere Männer meine Frau vögeln. Es hat mich bei ihren Besuchen immer angemacht, wenn sie mir gesagt hat, dass sie andere Typen heiss findet. So direkt hat sie das allerdings nie gesagt. Das waren eher solche Sachen wie: "Der sieht so aus, als würde er gut bei den Frauen ankommen." Dann habe ich geantwortet: "Ja, der ist schon ein Hingucker, ne?" Und sie dann so: "Ja, der ist hot." Ich bin nie ein eifersüchtiger Typ gewesen.

Im Gefängnis bin ich dann meth-abhängig geworden. Das hat mir auch bei meinem Coming-out geholfen. Im Knast habe ich gemerkt, dass ich bi bin, und habe rumexperimentiert. Ich habe Drogen getauscht, um in eine Zelle zu kommen und Kerlen beim Vögeln zuzugucken. Ich fing an, mir vorzustellen, wie verschiedene Typen meine Frau ficken. Sie musste da draussen ja auch sehr einsam sein. Ich liebe sie, aber ich konnte nicht für sie da sein. Es musste allerdings mit jemandem sein, den ich kannte. So konnte ich sicherstellen, dass kein Scheiss passiert und niemand ihr wehtut.

Ich wollte niemals dabei sein, wenn es passiert. Ich wollte es einfach selbst organisieren und mir dann von meiner Frau davon erzählen lassen. In der Nacht, in der es passiert ist, habe ich mir vorgestellt, wie das alles abläuft. Wenn sie mir dann später erzählte, was wirklich passiert war, war es immer noch besser. Es hat mir auch bei meinem Outing geholfen.

Meine Experimente im Gefängnis haben mir dabei geholfen, auch draussen einen lockeren Umgang mit meiner Sexualität zu finden, wenn sie unsere "Feiertage" mit anderen Typen organisierte. Sie hatte kein Problem mit meiner Sexualität. Für mich war das Gefängnis eine Erfahrung, die mir extrem die Augen geöffnet hat. Du denkst darin übers Leben und verschiedene Lebensmodelle nach.

Sebastian, 35, Vorarbeiter

Als ich klein war, wurde ich von meiner Stiefmutter missbraucht. Ich bin in Bacchus Marsh, unweit von Melbourne, aufgewachsen. Das war damals das reinste Drecksloch. Ist es eigentlich immer noch. Danach bin ich immer lange aufgeblieben und habe mir schmutzige Videos angeschaut, die ich im Zimmer meiner Eltern gefunden hatte. Daraus entwickelte sich dann irgendwann, dass ich meinen Eltern beim Sex zuhörte. Es hat mich angemacht, wenn ich Gleitgel oder Kondome in ihrem Zimmer gefunden habe, in der Schublade versteckt unter den Socken. Ich war ein schwer geschädigtes Kind. Sex ist nichts für Kinder.

Meine Frau habe ich online kennengelernt. Sie hat mich über Frauenrechte aufgeklärt. Sie ist stark und selbstbestimmt. Wir haben unser Sexleben geöffnet und versucht, Gleichgesinnte zu treffen. Sie hatte das alles vor mir schon gemacht, die ganze Cuckolding-Geschichte.

Bei meiner ersten Swingerparty haben wir ein paar extrem offene Menschen kennengelernt. Ich habe ihr zugeschaut, wie sie Sex mit zwei Hünen neben dem Pool hatte. Einer von ihnen trug diese fetten Silberringe. Ihre Augen waren dabei auf mich fixiert. Es war ein tolles Gefühl. Wenn sie stöhnt, klingt es anders mit anderen Typen. Das liegt nicht an der Entfernung. Es ist einfach anders, wenn du es nicht selbst machst. Den Typen habe ich High-Fives gegeben. Es war alles extrem unwirklich. Es ist eine Sache, sich das vorzustellen, aber wenn es dann wirklich passiert, denkst du dir nur noch "Die Welt ist grossartig". Es ging vor allem ums Teilen und Manieren waren wichtig. Zuerst fragen sie höflich und dann geht’s los. Ich konnte dabei einfach nicht aufhören zu grinsen. Danach haben wir uns mit dem "Bull" unterhalten.

Mittlerweile kennen wir alle Menschen in den richtigen Kreisen. Es gibt auch ab und zu etwas unschöne Szenen. Manchmal wollen sie nicht wirklich mit dir sprechen, wenn sie gekommen sind. Aber die meisten tun es und es ist schön, sich kennenzulernen. Wir haben uns irgendwann getrennt und ich glaube, das lag an den ganzen Sexpartys, die wir besucht haben. Ich wollte mich weiter mit der Sache auseinandersetzen und mit ein paar anderen Menschen sprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ich bin nicht sexsüchtig, aber manchmal sehe ich mich als eine Art Perversling und fühle mich schlecht. Ich bin ein wiedergeborener Christ und es stellt mich vor grosse innerliche Probleme, wenn ich meine Sexualität erkunden will. Der Glaube zeigt einem Grenzen auf – und das wohl aus gutem Grund. Aber es macht nicht so viel Spass.

Folge VICE auf Facebook und Instagram.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE AU.

Mehr VICE
VICE-Kanäle