Fetisch

Wir waren bei einer feuchtfröhlichen Donald-Trump-Pinkelparty

Ein Domina-Kollektiv pisst Männer mit Donald-Trump-Masken an. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen.

von Zachary Shucklin
14 August 2018, 6:29am

Alle Fotos: bereitgestellt vom Autoren

Um etwas gegen den derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump zu unternehmen, hat man schon einige Dinge ausprobiert: Zaubersprüche, Musical-Lieder, "Pussy"-Hüte, Drag-Demos, auffällige Ballons oder die Mueller-Ermittlungen sind dabei nur wenige Beispiele. Da überrascht es kaum, dass ein Domina-Kollektiv aus Los Angeles vor Kurzem ebenfalls eine Art Protest organisiert hat: Die Fetisch-Ladys verkleideten einige ihrer Subs als Donald Trump und pinkelten sie an.

Den "Dominatrixes Against Donald Trump" (DAD) geht es vor allem darum, die Scheinheiligkeit des US-Präsidenten aufzuzeigen. Die Pissveranstaltung war dabei eine von mehreren sogenannten "Russian Hooker Pee Pee Parties", die das Kollektiv als Teil der Online-Erotik-Talkshow Dr. Susan Block Show organisierte. Inspiriert ist das Ganze offensichtlich durch das berüchtigte Dossier, laut dem Donald Trump 2013 eine Suite im Moskauer Ritz Carlton gebucht hat und dort mehrere Sexarbeiterinnen auf das Bett pinkeln liess.


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Die Party findet im Institute for the Erotic Arts statt. Als ich dort ankomme, macht sich die Domina-Legende und einmalige "Präsidentschaftskandidatin" Mistress Tara Indiana gerade für ihren Auftritt bereit, indem sie mehrere Gläser Wasser in einem Zug austrinkt. Mit fast 30 Jahren Erfahrung gehört sie zu den alten Hasen im BDSM-Geschäft.

Nebenan sitzen drei Trump-Subs. Einer trägt einen Anzug, einer hat eine Narrenmütze aufgesetzt und einer ist bis auf die Unterwäsche ausgezogen und nuckelt an einem Schnuller. Normalerweise erlauben es die Dominas ihren Subs nicht, auch nur ein Wort zu sagen, aber für mich gibt es eine Ausnahme. So lerne ich Jeeves kennen, den Narren-Trump und Taras persönlichen Chauffeur.

Jeeves

Bevor er vor vier Jahren zu Taras Vorführsklaven wurde, hiess Jeeves noch Thomas Cotton und lebte als Staatsbeamter im Ruhestand in einer ziemlich durchschnittlichen Ehe. Dabei ist Jeeves ohne Zweifel der netteste 80-Jährige, den ich je getroffen habe. Er erinnert mich an den alten Mann aus dem Pixar-Kurzfilm Geri’s Game – wenn der noch einen Urinfetisch hätte. Jeeves entdeckte seine Neigung übrigens bei einer anderen DAD-Veranstaltung: "Damals bekam ich meine erste goldene Dusche. Und die genoss ich mehr als eine normale Dusche", erzählt er.

Innen geht die Show gleich los und die Dominas positionieren sich auf der Bühne. Einige von ihnen habe ich schon vor ein paar Wochen kennengelernt, als sie zusammen mit der künstlerischen Non-Profit-Organisation The Sidewalk Project Essen an obdachlose Menschen verteilten. Als Erstes stellt Dr. Suzy die Gruppe vor, danach spricht die DAD-Mitgründerin Goddess Soma Snakeoil über die umstrittenen Anti-"Sex Trafficking"-Gesetze, die vielen US-Sexarbeiterinnen laut eigener Aussage die Lebensgrundlage zerstören. Anschliessend wird der Trump-Sub im Anzug hereingeführt.

Der Rapper Ikkor the Wolf, die Trumps und mehrere DAD-Mitglieder

Zuerst muss er sich hinknien. Dann gibt ihm eine als Biene verkleidete Domina im Namen der Umwelt mit einer Reitgerte einige Schläge mit. "Wir wollen unseren Planeten retten", schreit sie dabei, während die anderen Dominas sie begeistert anfeuern.

Jetzt ziehen die Dominas den Fetisch-Trump komplett aus, damit Soma mit einem Strap-On-Dildo wortwörtlich "den Rassisten aus ihm rausficken" kann. Allgemein gibt es hier Gummischwänze, soweit das Auge reicht, denn jede der Frauen hat sich einen umgeschnallt. Mit den ganzen hellen Farben und den ausgefallenen Requisiten wirkt die Szenerie fast schon übertrieben skurril. "Muss ich einen noch grösseren Schwanz auspacken?", ruft Soma, als sie den US-Präsidenten vor den Zuschauern von hinten nimmt.

Die als Melania Trump gestylte Domina

Nach einer kurzen Pause führt eine als Melania Trump gestylte Domina den Baby-Trump auf die Bühne, wo inzwischen mehrere Pinkel-Pads mit dem Konterfei des US-Präsidenten ausgelegt sind. Der Sub klammert sich an eine Babypuppe – eine Anspielung auf das mehr als umstrittene Auseinanderreissen von Familien an der US-Grenze zu Mexiko. "Unsere Kinder nehmt ihr uns nicht weg!", ruft Tara wütend.

Die Dominas Rhiannon Aarons und Jenna Rotten dürfen als erste auf den Trump-Sub pinkeln, der sich jetzt flach auf den Boden gelegt hat und erwartungsvoll nach oben blickt. Dr. Suzy steigt mit ein und lässt einfach durch ihre Strumpfhose laufen. Als Tara an der Reihe ist, gibt es jedoch gewisse Ladehemmungen. Ich kann das voll verstehen, ich persönlich kann ja kaum pinkeln, wenn nur jemand am Pissoir neben mir steht. Leider scheinen die Schwierigkeiten ansteckend zu sein.

Auch die anderen Dominas können nicht mehr. Zwar wird noch versucht, dem Ganzen mit weiteren Gläsern Wasser entgegenzusteuern, aber es will kein Pipi mehr kommen. Nach einer ziemlich unangenehmen Pause kommt die Show zu ihrem Ende.

Zwar hat es bei der Russian Hooker Pee Pee Party insgesamt weniger Urin gegeben als erwartet, aber dennoch war die Veranstaltung insgesamt sehr eklig, bizarr und beunruhigend – und das auf die bestmögliche Art und Weise.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE US.