Sex

10 Fragen an eine junge Mutter, die du dich niemals zu stellen trauen würdest

Was ist das Gemeinste, das du je zu deinem Kind gesagt hast? Hast du schon mal bereut, das Kind bekommen zu haben? Gehst du noch feiern?

von Sofia Faltenbacher
18 Januar 2017, 10:49am

Fotos: Lisa Ziegler

Yvonne (24) musste sich im letzten Jahr einiges anhören. Ihre Mutter und Schwiegermutter gaben Tipps wie: "Keine Zwiebeln und Bohnen während du stillst! Sonst kriegt das Kind noch Blähungen." Freunde sagten: "Warum lässt du dein Kind nicht einfach mal bei deinem Freund und gehst mit uns feiern?"

Die junge Mutter kann nur darauf antworten: "In Indien bekommen die Kinder auch nicht jeden Tag Blähungen, obwohl Mütter würzig essen. Und nein, sie will sich nicht die Nächte um die Ohren hauen, sie möchte lieber für ihr Kind da sein."

Yvonne lebt mit ihrem Freund und ihrer Tochter Mila in Berlin-Friedrichshain. Mila ist gerade ein Jahr alt geworden. Mit 23 hat Yvonne ihre Tochter bekommen, im Schnitt bekommen Mütter in Deutschland und Österreich das erste Kind mit zirka 29 Jahren. Yvonnes Freund arbeitet Vollzeit, Yvonne ist für Mila da, 24 Stunden am Tag. Wenn Mila in den Kindergarten kommt, will Yvonne wieder studieren, Textilwirtschaft—und sich auch wieder über Themen unterhalten, die nichts mit dem Muttersein zu tun haben.

Der schlimmste Spruch, den sie bisher gehört hat, kam von einer Frau im Wartezimmer beim Arzt. Yvonne hat dunkle Haut, ihr Kind helle. "Das ist aber ein süßes Kind", sagte die Frau. "Sind Sie die Nanny?" Dreimal musste Yvonne betonen, dass sie ihre Tochter selbst geboren hat. Sie hat uns erzählt, was das für eine Frau und einen Körper bedeutet. Und einiges mehr.

Yvonne und Mila in ihrer Wohnung in Berlin-Friedrichshain | Foto: Lisa Ziegler

VICE: Wie schrecklich war die Geburt wirklich?
Yvonne: Ich hatte Höllenschmerzen. Ich habe über einen Monat gebraucht, bis ich überhaupt darüber reden konnte. Ich habe zwar eine PDA bekommen, also Schmerzmittel—die Spritze habe ich aber erst bei der Geburt bekommen. Schon die Wehen waren heftig. Als ich Mila herausgepresst habe, habe ich nur noch geschrien. Die Hebammen haben irgendwann die Hände oben auf meinen Bauch gelegt und von oben mitgedrückt. Ich hab nur noch geschrien: "Holt das Kind irgendwie raus, ich will nicht mehr." Für einen Kaiserschnitt war es aber schon zu spät. Als Mila in meinem Arm lag, habe ich gar nichts mehr gespürt. Im Nachhinein bin ich stolz, dass ich es überstanden habe. Ich würde trotz allem nochmal natürlich gebären.

Hattest du Depressionen nach der Geburt?
Psychisch ging es mir eigentlich gut, aber das Krankenhaus und die Schwestern fand ich schrecklich. Die ersten zwei Tage hat es mit dem Stillen nicht so gut geklappt. Die Schwestern haben sofort gesagt: Fläschchen. Ich müsse mich damit abfinden, dass das Stillen nicht bei jedem funktioniert. Sie standen wahrscheinlich unter Zeitdruck, aber ich hatte das Gefühl, dass sie gar nicht auf mich eingehen. Das hat mich runtergezogen. Zu Hause habe ich meine Hebamme angerufen und es mit ihr weiter versucht. Meine Brustwarzen entzündeten sich, es tat richtig weh, aber ich habe Mila trotzdem immer wieder angelegt und nicht abgepumpt. Sie musste das Saugen ja auch erst lernen. Nach einer Woche hatten wir es raus und meinen Nippeln ging es wieder besser.

Wie sieht dein Körper jetzt aus?
Am Bauch habe ich Schwangerschaftsstreifen, nach dem Stillen sind meine Brüste jetzt schlapper. Am Bauch ist die Haut nach der Geburt schlaff und hängt herunter. Das war nicht schön, ist aber mittlerweile wieder zurückgegangen. Insgesamt habe ich in der Schwangerschaft 25 Kilo zugenommen. Klar, nach der Geburt waren es ein paar weniger. Mila war aus dem Bauch, ich hatte Blut verloren, die Wassereinlagerungen gingen weg. Aber ich bin schon dicker als davor. Ich sehe es vor allem an den Oberarmen. Aber ich meine, hey, ich habe ein Kind bekommen. Ich bin mit mir im Reinen.

Wie hat sich der Sex durch die Geburt verändert?
Ich war ziemlich aufgeregt, bevor mein Freund und ich das erste Mal wieder miteinander geschlafen haben. Wir haben auch eine ganze Weile gewartet, sechs Wochen. Es dauert, bevor der Wochenfluss aufhört, also kein Blut mehr aus der Vagina fließt. Dann kommt immer noch eine Weile Wundflüssigkeit. Als wir dann wieder Sex hatten, war es schon anders. Ich war sehr druckempfindlich, und obwohl mein Freund sehr vorsichtig war, tat es weh. Hormonell bedingt wird man nach der Geburt nicht mehr so feucht. Das hielt ein paar Monate an, danach hat sich alles wieder normalisiert. Jetzt ist der Sex wieder wie vor der Geburt.

Ist die Vagina nach der Geburt weiter und wenn ja: Merkt man das beim Sex?
Du weißt gar nicht, wie hitzig diese Frage im Geburtsvorbereitungskurs diskutiert wurde—vor allem die Männer wollten das ganz genau wissen. Also: Klar ist sie nach der Geburt erstmal weiter, es kam schließlich ein Kind durch. Aber es sind Muskeln, die sich wieder zusammenziehen. Und—jetzt kommt's—ich weiß nicht, ob das bei allen so ist, aber ich hatte das Gefühl, danach enger zu sein. Auch das hat sich wie alles andere mit den Monaten wieder normalisiert.

Hast du über Abtreibung nachgedacht?
Ja. Es war nicht geplant, dass ich schwanger werde. Ich habe es meinem Freund gesagt und er hat cool reagiert. Bevor wir zum Frauenarzt gegangen sind, haben wir darüber gesprochen, ob wir es uns generell vorstellen können, das Kind zu bekommen. Wir haben ausgemacht, ehrlich zu sein, auch wenn wir den anderen damit verletzen könnten. Ich wollte eigentlich noch studieren. Herausgekommen ist, dass wir beide keine Abtreibung wollen. Ich hätte einfach nicht damit leben können. Wir haben gesagt: Wir versuchen es. Auch auf die Gefahr hin, dass es nicht funktioniert.

Hast du jemals bereut, ein Kind bekommen zu haben?
Klar denke ich mir manchmal: Boah, ist das anstrengend, ich kann nicht mehr. Hätte ich kein Kind, könnte ich jetzt ausgehen und Spaß haben.

Aber nein, ich habe es noch nicht bereut. Für mich war es das Beste, das mir hätte passieren können. Ich war oft feiern und auf Dates, bevor Mila kam. Es war lustig, aber ich war nicht glücklich. Ich hatte kein Ziel. Jetzt bin ich stolz auf das, was ich den ganzen Tag mache.

Manchmal spreche ich mit meinem Freund darüber, was gewesen wäre, wenn wir Mila nicht bekommen hätten. Wir wären nie so früh zusammengezogen. Wahrscheinlich wären wir gar nicht mehr zusammen. Und auf jeden Fall weniger glücklich. Das sagen wir beide.

Gehst du noch feiern?
In Clubs gehe ich nicht mehr. Ich habe gerade einfach keine Lust darauf, weil ich weiß, dass ich am nächsten Tag aufstehen und für Mila da sein will. Mir reicht es, zweimal im Monat mit Freunden in eine Bar oder auf eine Home-Party zu gehen. Entspannt und schön ist es, für Freunde zu kochen. Dann kann ich gleichzeitig Zeit mit meinen Leuten und mit Mila verbringen.

In der Schwangerschaft habe ich mich dann schon eingeschränkt gefühlt und war neidisch, weil mein Freund noch rauchen und trinken konnte. Im November habe ich abgestillt und kann jetzt wieder rauchen. Während ich Mila an der Hand habe oder sie im Kinderwagen schiebe, mache ich es trotzdem nicht.

Was ist das Gemeinste, das du je zu deinem Kind gesagt hast?
Ich habe ihr schon gesagt, dass sie nervt. Ich habe alles mögliche versucht, damit sie einschläft—spazieren gehen, auf den Arm nehmen—aber sie hat geweint und geweint und geweint. Irgendwann war ich müde und super hilflos. "Du nervst", möchte ich eigentlich nicht zu ihr sagen. Zum Glück versteht sie es auch noch gar nicht richtig.

Mila begutachtet den Zuckerstreuer, lacht. Dann klappt sie meinen Laptop zu, schüttelt Yvonnes iPhone, wirft es hinunter. Yvonne hebt es gelassen wieder auf und sagt nur: "Das macht sie ständig." Dass "du nervst" wirklich das Gemeinste war, das sie je zu ihrer Tochter gesagt hat, nehme ich ihr vollkommen ab.

Was nervt dich an anderen Müttern?
Perfektionistische Mütter nerven mich, die nur noch über ihr Kind reden. Klar ist das Kind erstmal der Lebensmittelpunkt, aber ich habe keinen Bock, mich auch noch die ganze Zeit übers Wickeln zu unterhalten, wenn ich gerade ohne Kind unterwegs bin. Deshalb bin ich auch nicht in zehntausend Mütter-Gruppen. Ich gehe in genau zwei: zur Rückbildungsgymnasik, und hin und wieder zu einem Mutter-Kind-Frühstück. Wenn ich darüber reden kann, dass sie nicht einschläft oder zahnt, weiß ich, dass ich mit den Problemen nicht alleine bin. Mit meinen Freunden geht das nicht. Ich bin die Erste, die ein Kind hat.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Tagged:
Berlin
Sex
Entertainment
Mutter
Liebe
Deutschland
Geburt