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Musik

Wir haben Insane Clown Posse interviewt!

Insane Clown Posse sind vielleicht die am meisten verabscheuten Rapper der Geschichte, doch sie haben es geschafft, sich ein wahrhaftiges Unterhaltungsimperium aufzubauen.

von Jason Weber
25 Juni 2012, 10:00pm

Es ist schon irgendwie komisch, wenn ein Agent der Insane Clown Posse wegen ihres Interviews mit VICE nervös wird, weil er Angst hat, wir könnten sie verarschen. Du kannst ihm dafür keinen Vorwurf machen. Die Insane Clown Posse ist, seitdem sie in den frühen 90ern die Gedärme des Detroiter Untergrunds aufgewirbelt hat, immer gut für einen Witz. Nach mehreren Gold- und Platinalben nennen sie sich heute „The Most Hated Band In The World“. Aber täusch dich nicht: ICP sind vielleicht die am meisten verabscheuten Rapper der Geschichte, doch sie haben es komplett ohne jede Unterstützung aus dem Mainstream oder dem Radio geschafft, sich ein wahrhaftiges Unterhaltungsimperium aufzubauen. Vom Rapper zum Millionär—Horatio Alger hätte diese Geschichte geliebt ... falls es ihm nichts ausgemacht hätte, mit Faygo Cola (dem Softdrink Detroits schlechthin) bespritzt zu werden.
 
VICE traf sich mit ICP-Gründungsmitglied Shaggy 2 Dope, um über ihr neuestes Album The Mighty Death Pop! zu reden, das diesen Sommer veröffentlicht wird.

VICE: Erzähl mir was über The Mighty Death Pop. Wie passt es zum Rest von Dark Carnival?
Shaggy 2 Dope: Na ja, das Album stellt den zweiten Joker des neuen Decks dar und handelt davon, wie du dein Leben leben willst. Du weißt nie, wann Mighty Death kommt und ob oder wie er dein Leben ruiniert. Verstehst du, was ich sage? Vielleicht kiffst du gerade oder trinkst und plötzlich—BAM!—ist er da. Also solltest du einen Gang zurückschalten und das Leben genießen, weil du nie weißt, wann er dich packt.

Worum geht’s in „Chris Benoit“, einem eurer neuen Songs? Ich habe ihn mir letzte Nacht angehört und er ist angsteinflößend wie die Hölle. Was bringt euch dazu, einen Song über den Benoit-Mord-Selbstmordfall zu schreiben?
Es geht eigentlich gar nicht um „Chris Benoit“. Wir haben einfach nur den Namen als Referenzpunkt benutzt, weil der Song davon handelt, was es heißt durchzudrehen, verrückt zu werden und die Kontrolle zu verlieren. Verstehst du? Denn das hat Benoit getan. Es ist einer unserer Lieblingstracks auf dem Album. Wir haben über zwei Jahre an Death Pop gearbeitet und es war wirklich gut, da wir keine Deadlines einhalten mussten. Wir konnten also all unser Herz und unsere Energie in jeden Song legen und dann noch mal zurückgehen und alles verbessern, bis die Songs perfekt waren. Wir haben unsere Seele in dieses Album gelegt. Ich will zwar nicht sagen, dass das unser bestes Album aller Zeiten ist, aber wir finden immer die neueste Scheibe am besten.

Auf einer der Bonus-CDs dieses Albums ist ein Cover von Christina Aguileras Song „Beautiful“. Wow.
Ja, mit diesem Album (Covered, Smothered, and Chunked) wollten wir Sachen ausprobieren, die keiner jemals von ICP erwartet hätte. Also haben wir Aguilera, Tears for Fears („Shout“), Michael Jackson und Mick Jagger („State of Shock“) und die Geto Boys („Mind Playin’ Tricks On Me“) gecovert. Es ging uns darum, verrückten Scheiß zu machen, den uns keiner abnimmt. Verstehst du?

Ihr habt auch Too $hort’s Klassiker „Freaky Tales“ gecovert, aber eure Version dauert 64 Minuten. Habt ihr das in einem Take aufgenommen?
Nein, nein, dafür haben wir mehrere Tage gebraucht. Bei jeder 16-Stunden Session haben wir versucht, etwa drei weitere Minuten für den Song aufzunehmen. Wir haben gleichzeitig an allen anderen Songs gearbeitet und konnten so nur wenig an „Freaky Tales“ arbeiten. Es hat solange gedauert, weil wir den Song nicht wie andere aufnehmen konnten. Wir haben dort weitergemacht, wo wir Tags zuvor aufgehört hatten und es war ein wirklich langer und schwieriger Prozess. Weit entfernt von einem One Take.

Letztes Jahr habt ihr mit Jack White eine modifizierte Komposition Mozarts aufgenommen und ihr den deutschen Titel „Leck mich im Arsch“ gegeben. Wieso das denn? Die meisten, die das gehört haben, dachten sich, ihr wollt sie verarschen.
Na, das war der Plan! Jack ist auf uns zugekommen und wir fühlten uns natürlich geehrt. Er wollte provozieren, dass sich die Leute eben denken, was zum Teufel das alles soll. Verstehst du? Aber es war wirklich eine gute Erfahrung, weil wir nicht wussten, was zur Hölle wir da taten und wo das Ganze hingehen würde. Wir sind in sein Studio nach Nashville gefahren und haben wirklich altmodisch aufgenommen, Spulentonbandgeräte und so weiter. Wir haben uns gefühlt wie zu unseren Anfängen. Aber wir respektieren Jack sehr dafür, dass er uns eingeladen hat, denn wir waren uns sicher, er würde dadurch einige Fans verlieren. Wir hatten einfach eine gute Zeit zusammen. Verstehst du?

Ihr beleidigt immer wieder Schwule in euren Songs. Habt ihr ein Problem mit Schwulen?
Auf gar keinen Fall, Mann. Du musst das im Kontext sehen, damit du weißt, was wir meinen. Fernsehen zum Beispiel. Du kannst „Hurensohn“ oder „Arschloch“ sagen, aber nur wenn du jemanden „Hurensohn“ oder „Arschloch“ nennst. Das Gleiche gilt für „Schwuchtel“. Wenn wir das sagen, dann ist das das Gleiche, als würden wir jemanden „Arschloch“ oder „Hurensohn“ nennen. Verstehst du? Aber es geht nicht darum, Schwule niederzumachen. Ich kenne viele Homosexuelle und die sind alle cool und ich habe auch kein Problem mit Homosexuellen. Schwule zu hassen, ist wie Rassist sein—es macht einfach keinen Sinn.

Juggalos sind die vielleicht meist gehasste Fanbase in der Geschichte der Musik. Das FBI betrachtet sie als eine Gang vom selben Schlag wie Bloods und Crips. Was verstehen die Leute bei den Juggalos falsch?
Scheiße, Mann. Ein Juggalo zu sein, ist hart. Aber gleichzeitig ist es die innigste Form der Liebe, die es gibt. Die Juggalos sind eine Familie; für manche die einzige Familie, die sie haben. In der Musikgeschichte gab es noch nie so etwas wie die Juggalos und so etwas wird es auch nicht mehr geben. In 40 oder 50 Jahren werden die Leute zurückblicken und sagen: „Verdammt! Was war da los?“ Aber das größte Missverständnis ist, anzunehmen, Juggalos seien eine Gang. Das ist so lächerlich. Einfach der dümmste Scheiß, den ich je gehört habe. Allein durch diese Behauptung haben sie so viele Jugendliche in Gefahr gebracht. Verstehst du? Ein einfacher Junge aus einer Kleinstadt im beschissenen Nebraska, der Juggalo ist, kommt in eine Großstadt, geht in die Mall und wird von Polizei oder Sicherheitsleuten dumm angemacht, nur weil er ein ICP-Tattoo hat. Das ist so dumm und krank.

Ihr hattet 2009 einen riesigen Hit mit eurem Song „Miracles“. Meine Frage ist: Wie zum Teufel funktionieren Magnete?
Magnete? Was weiß ich! Verstehst du? Die Leute tun so, als ob wir dumm wären, weil wir das gesagt haben, aber kein Mensch weiß wirklich, wie Magnete funktionieren. Das ist wie bei Reise zum Mittelpunkt der Erde, als sie über die verschiedenen Erdschichten reden und das ganze andere Zeug und sie einfach keine Ahnung haben, warum die Erde magnetisch ist, weil sie überhaupt nicht wissen, was im Mittelpunkt ist. Also nein, ich habe keine Ahnung, wie Magnete funktionieren und es ist mir scheißegal. Ich weiß nur, dass ich damit die Bilder meiner Kinder am Kühlschrank befestigen kann. Und damit bin ich glücklich.

Im Song „Fuck the World“ von 1999 singt ihr „And fuck Lyle Lovett – whoever the fuck he is“. Wisst ihr heute, wer das ist?
Ich glaube, das ist der Typ, der wie ein Huhn aussieht und mit irgendeiner Schauspielerin verheiratet war. Ist er Countrysänger?

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