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Dinge, die du bei der extremen Kälte unbedingt vermeiden solltest

Weil wir wissen, dass ihr ohne unsere Hilfe nie durchkommen werdet.

von Henri Tartaglia
07 Januar 2016, 5:00am

Foto: imago | Chromorange

Jetzt ist er wohl endlich da, der Winter. Nachdem Weihnachten meteorologisch und vom Kitschfaktor eine herbe Enttäuschung war, sind die Kälte und der Schnee endlich gründlich über uns hereingebrochen. Manche finden das herrlich, andere eher nicht so, aber dem Wetter ist beides herzlich egal, es wird erstmal so bleiben.

Und auch wenn die älteren Leute jetzt schon schimpfen, dass diese zwei, drei Tage mit Minustemperaturen doch noch lange kein richtiger Winter seien, dass damals alles viel kälter und schlimmer war, als man noch jeden Tag auf den erfrorenen Körpern der jüngeren Geschwister in die Schule rodeln musste—wir lassen uns nichts vormachen, das Wetter ist extrem. Und damit ihr diese absolute Extremsituation überlebt, haben wir für euch die wichtigsten „No-Nos" zusammengestellt, die der Winter so mit sich bringt. Weil ihr uns am Herzen liegt, und weil wir wissen, dass ihr ohne unsere Hilfe nie durchkommen werdet.

Hier also die wichtigsten Dinge, die ihr bei diesen Temperaturen dringend unterlassen solltet:

Mit dem Zug fahren

Enorm gefährlich. Ihr lauft immer Gefahr, dass der Zug von plötzlich auftretendem Blitzeis lahmgelegt wird. Genau das ist den 600 Passagieren eines Intercity nach Köln passiert, der über 22 Stunden feststeckte. Weil sich auch kein Taxi- oder Bus-Unternehmen fand, das die Leute aus dem Zug hätte rausholen können, mussten sie vom Roten Kreuz notversorgt werden und die Nacht im Zug verbringen. Alles nicht so schlimm, denkt ihr? So eine Nacht im Zug hält man doch locker aus, prahlt ihr in euch hinein? Dann nehmt zur Kenntnis, dass zu allem Übel auch noch ein Berliner CDU-Politiker mit im Zug saß, der alles permanent live getweetet hat. Also: Lieber zu Hause bleiben.

Vor Dem Lokal einschlafen

Eigentlich ist so ein Nickerchen vorm Lieblingsbeisl ja nicht nur ein erprobtes und angemessenes Mittel, um Alkoholüberschuss abzubauen—es ist auch eine sehr einfache Methode, dem gesamten Freundeskreis für ein paar Tage ergiebigen Gesprächsstoff zu liefern. Bei Minustemperaturen kann das ganze aber schwer nach hinten losgehen, wie eine junge Australierin schmerzlich lernen musste. Die junge Frau war nach einer Sauftour losgezogen, um Zigaretten zu holen, schlief aber stattdessen auf der Straße ein. Als ihre Freunde sie drei Stunden später fanden, hatte sie schon brutale Erfrierungen an beiden Händen. Was danach mit ihren Fingern passierte, ist so anatomisch faszinierend wie abstoßend lehrreich. Zu unserem Glück hat sie das alles in Fotos auf ihrem Blog dokumentiert. Ihr solltest das aber nur anklicken, wenn ihr keine Angst vor eitergefüllten Luftballons habt.

Obdachlos sein

Spaß beiseite: Natürlich wisst ihr schon, dass es scheiße ist, obdachlos zu sein. Aber wie scheiße es wirklich ist, merken viele Leute erst im Winter, weil dann immer wieder Menschen erfrieren. Allein in Wien, wo es dieser Tage besonders kalt ist, wird die Zahl der Obdachlosen auf etwa 8.000 Menschen geschätzt—viele davon übernachten oft auch bei Minusgraden im Freien. Wenn ihr jemanden im Freien schlafen seht, ruft doch das Caritas Kältetelefon an, damit diesen Menschen geholfen wird.

Auf Entenjagd gehen

Für manche ist es Sport, für andere ist es Mord, und für Craig Strickland wurde es zum Selbstmord. Der 29-jährige Country-Sänger wollte mit seinem Freund Chase Morland zusammen auf dem Kaw River in Oklahoma Enten jagen. Obwohl ein schwerer Wintersturm bevorstand, stiegen die beiden trotzdem in ihr Boot—und kenterten offenbar. Das Boot mit der Leiche des Freundes wurden am nächsten Tag gefunden, Craig Stricklands Körper erst eine Woche später. Der Sänger hatte sich noch an Land schleppen können und war da schließlich erfroren. Besonders eigenartig ist, dass sich offenbar beide der Gefahr völlig bewusst waren, wie ein Tweet von Morland beweist:

Betrunken Snowboard fahren

Wenn es kalt wird, strömen ja bekanntlich Scharen an Wintersport-Enthusiasten auf die Pisten unseres schönen Alpenlandes. Und was tun Wintersportler neben Wintersport machen bekanntlich besonders gern? Richtig, in Schihütten einkehren, DJ Ötzi mitgrölen und sich ein bisschen betrinken. So geschehen auch im Fall eines deutschen Touristen, der im Schigebiet Obergurgl/Hochgurgl betrunken und sitzend auf seinem Snowboard den Hang hinunter gerodelt und letzten Endes mit seinem Kopf gegen einen Betonsockel geprallt ist. Entscheidet euch bitte für eine der beiden winterlichen Freuden: Saufen oder Sport. Aber bitte versucht nicht, sie zu kombinieren.

Sich in aufgeschnittene Pferde legen

Wir wissen nicht, ob das schon ein Trend ist, aber da Leonardo DiCaprio es in seinem neuen Film The Revenant tut, wird es bestimmt bald einer werden: Sich in aufgeschnittene Groß-Säugetiere legen, um die Kälte auszuhalten. Tatsächlich wissen wir ja schon seit Star Wars, dass das eine effektive Methode ist, sich kuschelig warm zu halten, falls man mal in einen wirklich fiesen Blizzard geraten ist.

Aber andererseits warnt ein Wildbiologe im Interview mit Slate, dass die Pferdeleiche und all das Blut Raubtiere anziehen könnte. Ansonsten helfe das aber durchaus „für ein paar Stunden". Und es hat noch mehr Vorteile, erklärt der freundliche Gelehrte: „Ich würde die Eingeweide rausziehen, aber die Leber als Snack für die Nacht behalten. Und ich würde die Luftröhre rausschneiden und als Schnorchel nach draußen benutzen, so dass ich den Schnitt so eng wie möglich schließen kann." Was für ein patenter Mann!

Wir haben eine bessere Lösung: Bringt euch einfach nicht in Situationen, in denen ihr andere Säugetiere aufschneiden müsst, um zu überleben. Es sei denn, ihr seid Metzger, dann hängt natürlich euer Lebensunterhalt davon ab. Wenn ihr Metzger seid: Bitte versprecht, die Luftröhre nicht zum Schnorcheln mit ins Freibad zu bringen.

Ein Flüchtling sein

Das einzige, was vielleicht noch schlimmer ist, als obdachlos zu sein, ist ein obdachloser Flüchtling zu sein. Besonders in Berlin, wo die Asylbewerber Tag und Nacht vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) anstehen, um einen Schlafplatz zu bekommen. Weil das Wartezelt nicht richtig beheizt ist und viele Flüchtlinge keine wetterfeste Kleidung besitzen, mussten bereits einige Menschen wegen Erfrierungen behandelt werden.

Die Lage ist so verzweifelt, dass die ersten bereits über eine Rückkehr in den Bürgerkrieg nachdenken. „Ich ertrage lieber Daesch [den IS, Anm. der Redaktion] anstatt die beißende Kälte hier", sagte ein Mann gegenüber der B.Z. Aber auch in anderen Städten machen die Temperaturen den Asylbewerbern das Leben noch schwerer, als es ohnehin schon ist: In vielen deutschen Bundesländern waren die Menschen nur in behelfsmäßigen Zelten untergebracht und müssen jetzt so schnell wie möglich umgesiedelt werden. Wie ihr in dieser Zeit helfen könnt, könnt ihr zum Beispiel hier erfahren.

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